Titel: Flöße auf der See.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 19, Nr. LIII./Miszelle 8 (S. 217)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj019/mi019053_8

Flöße auf der See.

Hr. Harrington, Esq. zu Croß-haven in Cork, ließ sich am 13. Jun. 1824 ein Patent auf eine Art Floß ertheilen, welches das Ansehen eines Schiffes haben soll. Das London Journal of Arts beschreibt diese Art, ein Floß zu bauen, in seinem November-Hefte 1825, S. 233, so wie das Repertory of Patent-Inventions, November, 1825. S. 356. Lezteres bemerkt sehr richtig, daß bei Hrn. Harrington's Methode durchaus nichts gewonnen ist; daß das zu einem Floße nach Hrn. Harrington's Art verbundene Bauholz verschnitten werden muß, und dadurch bei Verfertigung, wie bei Zerlegung des Floßes, der wieder aus einander gezimmert werden muß, Verlust an Holz entsteht; daß endlich auch, in nautischer Hinsicht, dieses System nicht volle Sicherheit gewährt. Die Ereignisse mit dem Columbus und dem Baron of Renfrew haben die Richtigkeit der Ansicht des Verfassers der Recension dieses Patentes in dem Repertory erwiesen. Dieser Hr. Recensent schlägt bei dieser Gelegenheit eine, wie es uns scheint, weit zwekmäßigere Art von Floßbau vor, die mit jener unserer Flöße große Aehnlichkeit hat: er räth nähmlich, die Bäume kreuzweise über einander zu legen, so daß das Wasser von oben nach unten, und von einer Seite zur anderen durch kann, und mittelst eiserner Bolzen vertical und horizontal unter einander zu verbinden, und mittelst Schrauben und Nieten wohl zu befestigen. Das Eisen könnte bei dem Verkaufe des Floßes herausgenommen, und auf einem anderen Schiffe, als Ballast, heimgeführt werden. Um das Schiffsvolk und die Reisebedürfnisse unterzubringen, könnte eine kleine Sloop in der Mitte des Floßes angebracht seyn, auf welcher die Leute heimfahren könnten. Ein solches Floß wäre das sicherste Fahrzeug von der Welt. – Das Schwierige bei der Sache scheint uns nur das Steuern eines solchen Floßes, und die Langsamkeit der Fahrt, selbst wenn das Floß von Dampfmaschinen getrieben würde. Was uns sonderbar scheint, ist, daß man auf jenen Flüssen, die nur mit Flößen befahren werden können, wie die Iller, der Lech, die Isar bei uns in Bayern, noch gar keine Versuche machte, die Flöße stromaufwärts anzuwenden, denselben in dieser Hinsicht am Vordertheile eine sehr keilförmige Gestalt zu geben, und sie nur aus fünf leichten Bäumen, die unter einander wohl befestigt sind, zu bauen, ungefähr in dieser Form:

Textabbildung Bd. 19, S. 217

Auf diese Weise könnten alle schwereren Lasten, die von der Donau her in das Oberland mit großen Kosten auf der Achse verfahren werden müssen, und viele, die gar nicht verfahren werden können, z.B. die schönen Granite des sogenannten Waldes etc., leicht auf dem Wasser stromaufwärts geschafft werden. Dampfmaschinen werden wir, wegen des so häufig seichten und niedrigen Wassers auf diesen Flüssen, mit Ruder-Rädern stromaufwärts nie brauchen können; vielleicht aber Dampfmaschinen mit Kreuzhaken, die die Flöße hinauftauchen, wie die Schiffer mit ihren einfachen Haken.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: