Titel: Ueber schwedische Eisen-Bergwerke.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 19, Nr. LXXVIII./Miszelle 1 (S. 312–314)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj019/mi019078_1

Ueber schwedische Eisen-Bergwerke.

Im Bulletin des Sciences technologiques. 1825. Novbr. S. 292. findet sich eine Notiz über die schwedischen Eisenbergwerke aus dem, im J. 1824 zu Stokholm erschienenen, 7ten Jahrgange (1823) der Jern kontorets Annaler (d.h. der Eisen-Comptoir's Annalen). Das schwedische Eisen-Comptoir hat zum Theil dieselbe Einrichtung, wie die Direction des Mines in Frankreich. Sie gibt, wie diese, Annalm heraus, von welchen wir den 7ten, von Dr. Sefström, Professor an der Bergschule zu Fahlun, redigirten Band besizen. Es befindet sich in demselben ein Bericht über die Arbeiten der Bergwerke im J. 1822; ein anderer Bericht über den Zustand der Bergschule in demselben Jahre; mehrere Abhandlungen über die Gewinnung des Erzes und über die Schmieden, und ein Nekrolog |313| von dem Bergwerks-Director Stenfelt. In dem ersten der angeführten Berichte ist die Rede von den Medaillen aus Gußeisen; es ist darin bemerkt, wie viel Vorsicht dieser Guß erfordert, wenn er rein und schön ausfallen soll. Der Model aus Sand muß gut getroknet, und mit sehr feinem Trippel überzogen werden; man kann aber auch Model aus Gyps oder Thon machen. Es ist sehr schwer, diese Medaillen vor Rost zu bewahren, und die dadurch hervorgebrachten Fleken zu entfernen. Zu Berlin, wo die Fabrikation der Medaillen aus Eisen mehr kostspielig als einträglich war, überzieht man dieselben mit einem schönen schwarzen Firnisse, der aber nicht immer gelingt; denn er ist mehr oder minder schwarz und glänzend, und es kommen aus der Berliner Fabrik sogar Stüke, denen der Firniß ganz fehlt. Nach mehreren, zu Helfors in Schweden angestellten Versuchen blieb man bei dem einfachsten Verfahren stehen, nähmlich bei dem, das Eisen mit Leinöhl zu überziehen. Man muß die gegossenen Gegenstände, sobald sie aus dem Model kommen, sorgfältig abwischen, sie an einen troknen und warmen Ort bringen, sobald als möglich mit Firniß überziehen, und dann in einen eigenen Ofen bringen, um sie der Hize oder dem Rauche auszusezen, damit der Firniß dunkler und glänzender wird.

Das Schmelzen des Erzes, welches nach Umständen mehr oder weniger leicht und kostspielig ist, beschäftigte gleichfalls die Hüttenmeister. Dieses Schmelzen erfolgt schnell, wenn der, gegen den Herd geleitete Luftstrom concentrirter ist; wenn der Raum-Inhalt des Blasbalges der Capacität des Schmelzofens angemessen ist. Hr. Schedin machte viele Berechnungen in dieser Hinsicht, und brachte die Resultate in Tabellen, welche mit dem Berichte gedrukt wurden. Man übersieht in demselben mit einem Blike die verschiedenen Hüttenwerke Schwedens, die Capacität ihrer Oefen, die in jeder Minute durch die Blasbalge gelieferte Menge Luft, die Menge und Art des, in einem Ofen verbrauchten Erzes und das Resultat des Gusses; so daß man die Hüttenwerke leicht erkennt, welche, wegen ihrer gut eingerichteten Apparate, die ergiebigsten Güsse geben. So erhält man zu Norhyttan aus dem Erze 48,52 pr. Cent. Eisen; zu Sunnansjoe 49,62 pr. Cent.; zu Abeckshyttan beinahe 50; zu Vestansjoe 42,57; zu Hellesjoen 57,84; zu Starbo 49,07, und zu Björsjoe endlich 59,07 pr. Cent.

Es wird in dem Berichte den Hüttenmeistern empfohlen, so wie es mehrere derselben schon zu thun pflegen, ein genaues Journal über ihre Operationen zu halten. Als Beispiel wird das Hüttenwerk zu Hellsjoe angeführt, in dessen Journal der Anfang und die Dauer des Gusses, die Menge des verbrauchten Brennmateriales, die Menge des geschmolzenen Erzes, der Betrag des erhaltenen Eisens etc. angegeben wird.

Der zweite Bericht schließt mit einer detaillirten Angabe der, von Hrn. Schedin auf den Hüttenwerken von Taberg angestellten Versuche. Da das Erz von Taberg wenig Eisen enthält, und das Brennmaterial daselbst theuer ist, so hätte Hr. Schedin die Idee, das Erz vorher zu pochen und zu waschen, um es von den Erden zu trennen. Dieses Verfahren erfordert zwar Kostenaufwand, der aber durch Ersparung an Brennmaterial reichlich ersezt wird. Man glaubt, daß dieses Verfahren bei Behandlung eines nicht sehr reichhaltigen Erzes jedesmahl vortheilhaft seyn wird.

Der zweite, die Bergschule zu Fahlun im J. 1822 betreffende Bericht gibt Rechenschaft über die in dieser Schule gemachten chemischen Analysen, über verschiedene Mineralien, so wie über mehrere nach verschiedenen Bergwerken, Hüttenwerken und Schmieden gemachte Excursionen. Es wird auch Bericht erstattet über Versuche, welche gemacht wurden, um Eisen zu erhalten, welches zu Flintenlaufen tauglich wäre) auch die Herde mehrerer schwedischer Schmieden sind darin beschrieben, und im Kleinen dargestellt.

Unter den in diesem Berichte enthaltenen Analysen befinden sich zwei von schlakigen Substanzen, wovon die eine sich in den Kupferhütten zu Fahlun befindet, sich in diken Massen am Grunde des Herdes anhäuft, und manches Mahl den weiteren Fluß hindert. Jene, welche analysirt wurde, bestand |314| zum Theil aus hartem Stahle, und zum Theil aus krystallisirter Blende. Man nennt sie in Schweden Nas. Zwei Gran dieser gepulverten Substanz gaben: Kieselerde 0,033; Schwefel 0,048; Eisen 1,551; Zink 0,289; Kupfer 0,069. Der Nas scheint also von einer Legierung von Eisen und Zink herzurühren, und etwas Schwefeleisen und Kieselerde haltiges Eisen zu enthalten. Man muß, durch eine minder rasche Schmelzung gleich anfangs verhindern, daß sich diese Substanz nicht auf den Boden des Ofens sezt. Der Verfasser des Berichtes meint, daß dieselbe mehr Aufmerksamkeit verdiene. Eine andere, in einer Bleischmelzerei beobachtete, Substanz, ist die, welche die Schweden Kassor oder Ugnsbrott nennen; sie hängt sich in größerer oder geringerer Höhe über dem Herde an das Rohr des Ofens an, besizt einen starken Glanz und strahligen Bruch. Die Analyse zeigte, daß sie aus Schwefelblei mit Schwefeleisen besteht.

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