Titel: Ueber Destillation der fetten Körper.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 19, Nr. LXXVIII./Miszelle 14 (S. 318–319)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj019/mi019078_14

Ueber Destillation der fetten Körper.

Hr. Dupuy beschäftigte sich seit dem J. 1823 mit Destillation fetter Körper, und bemerkte, zuerst bei dem Lein- und Mohnöhle, daß die Temperatur |319| einen großen Einfluß auf die Consistenz der erhaltenen Producte habe; denn, wenn man das Oehl nicht bis zum Sieden erhizt, erhält man ein festes Product, welches 3/4 des angewendeten Oehles betrug, während man bei Ueberschreitung dieses Hizgrades beständig bloß ein flüßiges Product bekommt. Dasselbe Resultat erhielt er auch bei verschiedenen anderen Oehlen, und theilte es den Hrn. Thenard, Chevreul und Lecanu mit. Um die Priorität seiner Entdekung gegen die HHrn. Bussy und Lecanu (polyt. Journal Bd. XVIII. S. 125.) zu sichern, theilt er in den Annales de Chemie et de Physique 1825. Juillet p. 319. sein Premier mémoire sur la distillation des corps gras mit, welches folgende Resultate darbiethet:

1) Daß die Temperatur einen sehr großen Einfluß auf die Producte der Destillation der fetten Körper hat. Wenn man unter Zutritt der Luft einen fetten Körper bei einer Temperatur behandelt, die nicht im Stande ist, denselben zum Sieden zu bringen, so erhält man ein flüßiges und ein festes Product, selbst bei Oehlen, welche nur wenig Stearin enthalten. Das Gewicht dieser Producte, in Verbindung mit jenem der Kohle, ist größer als das Gewicht der angewendeten Stoffe.

2) Daß, wenn man unter übrigens gleichen Umständen, aber bei einer Temperatur destillirt, bei welcher die fetten Körper zum Sieden kommen, das condensirte Product beständig flüßig ist, selbst bei Körpern, die sehr reich an Stearin sind, wie z.B. der Talg. Es schien mir auch, daß in diesem lezten Falle eine geringere Menge Talgsaure (acide sébacique) gebildet wird, als bei der langsamen Destillation. Das Gewicht der flüßigen und festen Producte sammt der Kohle, die man bei der schnellen Destillation erhält, ist geringer, als das Gewicht der angewendeten Substanz.

3) Daß die flüßigen und festen Producte dieser Destillationen aus folgenden Körpern bestehen: 1) aus Margarin- oder Stearin-Säure, und vielleicht in mehreren Fällen aus beiden zugleich; 2) aus Olein-Säure; 3) aus Talg-Säure; 4) aus einer flüchtigen, mit der Butter- und Phocän-Säure verwandten Säure; 5) aus einer riechenden, flüchtigen, nicht sauren Substanz; 6) aus einer Substanz, welche durch Einwirkung des Sauerstoffes braun wird; 7) aus einer fetten, nicht sauren, Substanz.

Die Ausmittelung der Margarin-, Stearin- und Olein-Säure in den Producten der Destillation der, aus Stearin und Olein bestehenden, fetten Körper biethet noch eine Analogie mehr zwischen den Eigenschaften dar, welche Hr. Chevreul zwischen diesen Arten von unmittelbaren Bestandtheilen und dem Phocänin und Butyrin aufstellt. Das Phocänin und Butyrin geben auch wirklich, nach Chevreul, durch Destillation und durch Saponification, Phocän- und Butter-Säure. Aus meinen Versuchen geht ebenfalls hervor, daß das Stearin und Olein sowohl durch Destillation, als durch Saponification Margarin-, Stearin- und Olein-Säure geben.

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