Titel: Ueber das Schneiden des Stahles mit weichem Eisen. Von Hrn. Kendall d. Jüng.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 19, Nr. LXXVIII./Miszelle 3 (S. 314–315)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj019/mi019078_3

Ueber das Schneiden des Stahles mit weichem Eisen. Von Hrn. Kendall d. Jüng.

Das American Journal of Science and Arts, und aus diesem das Mechanics' Magazine, 14. January, 1826. S. 202. enthält einige Notizen über dieses Phänomen. „Die Erfahrung beweiset, daß, wenn man drehendes Eisen mit temperirtem Stahle schneidet, über eine gewisse Geschwindigkeit hinaus, dieses Schneiden nicht mehr leicht und gut von Statten geht. Es hängt hier sehr vieles von der Reinheit und von dem Zustande des Eisens, von der Form, Temperirung und Scharfe des schneidenden Instrumentes und von dem Umstande ab, ob troken oder naß (mit Oehl oder Wasser) gearbeitet werden soll, und auch viel von der Lage der Theilchen des Eisens, das geschnitten werden soll. Es hat, in dieser Hinsicht, zwischen Eisen und Eisen ein mächtiger Unterschied Statt, der aber bei dem Kupfer und dessen Legierungen noch weit größer ist, so daß einige derselben, obschon hinlänglich weich, kaum gedreht, gebohrt, |315| gefeilt oder geschliffen werden können. Sobald der Stahl oder das schneidende Werkzeug aus was immer für einem Grunde auf das Eisen zu wirken aufhört, und die Hize vielleicht ihr Maximum erreicht hat, wirkt das Eisen, wenn es sich dreht, auf den Stahl, und zwar desto starker, je größer die Geschwindigkeit ist; so wie leztere zunimmt, kommen verschiedene Erscheinungen zum Vorscheine. Wenn man das Blatt einer Säge mit weichem Eisen schneidet, welches sich nur so schnell bewegt, daß es kaum auf den Stahl einzuwirken vermag, so wird der Stahl außen um das schneidende Werkzeug bis zum Blauanlaufen erhizt) wenn das Eisen aber sich schneller bewegt, entdekt man keine Farbe, außer an den abfallenden Spänchen; und wenn es noch schneller sich bewegt, bemerkt man auch keine Farbe mehr, obschon die meisten losgewordenen Theilchen förmlich verbrannt sind. Diese werden entzündet, weil sie einen Theil der Platte ausmachen, und durch die Bewegung derselben mit einer solchen Schnelligkeit los werden, daß keine Uebertragung der Hize auf die übrigen Theile des Stahles möglich ist. Vielleicht fängt die Entzündung an, und steigt bis zur sogenannten schwarzen Hize, ehe noch die Theilchen los geworden sind, und wird dann durch die Reibung, die bei der Trennung statt hat, vollendet. Es ist eine, vielleicht nicht allen, die hierüber geschrieben haben, bekannte Thatsache, daß, bei der sogenannten Schwarz-Hize (die aber im Dunkeln beinahe Roth-Hize ist), Stahl leichter gebrochen wird, als wenn er stärker oder minder erhizt ist; die erforderliche Temperatur wechselt wahrscheinlich nach der Menge des in dem Stahle enthaltenen Kohlenstoffes.

Das Resultat mit dem Kupfer-Rade, dessen die HHrn. Darier und Colladon erwähnen, welches keine Wirkung auf den Stahl hätte, beweist ferner, daß die Wirkung wenigstens eben so sehr von der Hize abhängt, die den Stahl bis auf einen gewissen Grad erweicht, als vom Stoße, indem Kupfer wenig Hize erzeugt, wie die Pulvermüller sehr wohl wissen.

Die Ursache: „Warum die Hize beinahe allein im Stahle concentrirt, und im Eisen kaum merklich seyn soll,“ scheint mir diese zu seyn: der Stoß auf den Stahl ist anhaltend, ununterbrochen; während er an dem schneidenden Eisen nur 1/200 oder 1/600 der Zeit desselben beträgt; die von diesen beiden Körpern aufgenommene Hize wird also in umgekehrtem Verhältnisse der Dike des Stahles und des Umfanges des Eisens stehen, mit eingerechnet die Abfälle, die von dem sich drehenden Eisen während der Umdrehungen desselben in die Luft ausfahren, und die bedeutend sind.

Der Saum, der durch Durchschneidung einer Stahlplatte entsteht, welche vor dem Durchschneiden so weich war, daß sie sich feilen ließ, wurde nach demselben an der äußeren Kante viel härter; was von der schnellen Abkühlung durch den Luftstrom, den die Bewegung des Eisens auf den erhizten Stahl veranlaßte, herrührte.

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