Titel: Hrn. Augustin Coront's, aus Lyon, neuer Kunst-Weberstuhl.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 19, Nr. CII./Miszelle 7 (S. 415–416)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj019/mi019102_7

Hrn. Augustin Coront's, aus Lyon, neuer Kunst-Weberstuhl.

Das Mechanics' Magazine gibt in seinem 127 St. 28. Jäner 1826. S. 237. aus dem Macclesfield Herald folgende Nachricht über einen von Hrn. Augustin Coront, aus Lyon, neu erfundenen Kunst-Weberstuhl mit.

„Ein einziger Arbeiter kann mit dieser bewundernswerthen Maschine sechs Räder-Stühle in Umtrieb sezen, und Seide, Baumwolle, Flachs Hanf und Wolle in einfache oder figurirte Zeuge mit einer bisher noch nie gesehenen Geschwindigkeit und Vollkommenheit verweben. Der geschikte Mechaniker hatte die glükliche Idee, zwei Stühle so zu verbinden, daß sie mittelst zweier angebrachten Stüke drei Stühle bilden. Der erste dieser Stühle wurde bereits zur Verfertigung von Krepp, Sieben-Achtel-Taffent und Drei-Viertel-Calico verwendet; der zweite zu figurirten Zeugen, und der dritte, als ein Fünf-Viertel-Stuhl, für zwei Stüke von einer halben Elle Breite und jedes mit besonderen Schüzen aufgestellt. Alles an diesen Stühlen wird mit der Hand getrieben; die Lade, die auf Rädern läuft, und horizontal arbeitet, wird abwechselnd hin und her gestoßen. Sie erhält ihre Bewegung mittelst einer durch einen gekreuzten Laufriemen bewegten Rolle, und zweier Federn zu jeder Seite des Stuhles, und laßt sich zu einer Menge verschiedener Zweke verarbeiten. Wenn man starke Zeuge verfertigen will, z.B. Ticking oder grob-körnige Zeuge, so läßt man die Lade zwei Mahl auf den Eintrag klopfen; und je nachdem der Zeug loker oder fest, leicht oder schwer ausfallen soll, schlägt die Lade leicht oder stark, schnell oder langsam, und ein Regulator regulirt die Stärke dieser Schläge. Eine Handschraube und ein kleiner hölzerner Hammer reichen hin, um alle diese Veränderungen hervorzubringen. Der in Gehäusen eingeschlossene Schüzen, der nur nach dem Willen des Arbeiters heraustritt, läuft 80 bis 110 Mahl in einer Minute hin und her, wenn die Maschine im Gange ist.

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„Ein anderer Vortheil bei dieser Maschine ist, daß der Schüzen nach einer bisher gänzlich unbekannt gebliebenen Weise eine doppelte Operation verrichtet, und nach der verschiedenen Stärke der Streifen und des Grundes ohne Mühe und Aufenthalt gewechselt, daß endlich der Stuhl selbst, ungeachtet der Geschwindigkeit der Lade und des Schüzens, ohne allen Nachtheil stehen gemacht werden kann. Während die Theile, die zur Verfertigung eines auf 6/4 Zeuge eingerichteten Stuhles stillstehen, stehen auch die in dem zweiten Stuhle; diesen Nachtheil hofft Hr. Coront noch in der Folge zu beseitigen, indem er die Theile von einander unabhängig machen wird; indessen wird dieser kurze Aufenthalt reichlich durch die Schnelligkeit der übrigen gleichzeitigen Bewegungen ersezt, und ist unbedeutend gegen die Zeit, welche an anderen Stühlen durch Ausbesserungen verloren geht.“

„Bei Verfertigung von Muslins und Flachs-, Hanf- und Baumwollen-Zeugen ist dieser Stuhl für die Gesundheit der Arbeiter eben so wichtig, als für das Handels-Interesse selbst. Da die Theile desselben außerordentlich fein und jedes Rad vollkommen ist, so kann man Hanf-Flachs- und Baumwollen-Garn hier vollkommen troken verarbeiten, ohne daß es nothwendig wird, sich den Nachtheilen einer feuchten Luft in Kellern auszusezen, in welchen die armen Weber feiner Leinen sich lebendig begraben müssen, und vor der Zeit scrofulös, asthmatisch und wassersüchtig dahinsterben.141) Hr. Coront verdient in dieser Hinsicht eben so sehr den Dank der Weber, als Hr. Prior, der im J. 1809 einen Blasebalg-Apparat zum Wegblasen der Eisen- und Sandtheilchen beim Nadelspizen erfand, wodurch die Spizer so sehr leiden, den Dank der Nadelfabrikanten. Wenn man nur auch ein Mittel hätte, den feinen Staub zu entfernen, der bei dem Scheren der Shawls aufsteigt, und der der Gesundheit so sehr nachtheilig ist.“

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Der polytechnische Verein in Bayern würde sich um die vaterländische Industrie ein großes Verdienst erwerben, wenn er einen solchen Webestuhl herbeischaffte, und denselben nach dem Originale vervielfältigen ließe. Es thut in der That noth, auf die Vervollkommnung der vaterländischen Weberei Bedacht zu nehmen, weil für gewobene Fabrikate noch zu viel Geld außer Landes geht, das füglich dem Staate erhalten werden könnte. D.

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