Titel: Ueber einige Gummi-Arten.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 19, Nr. CXII./Miszelle 16 (S. 511–512)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj019/mi019112_16

Ueber einige Gummi-Arten.

Hr. Graf Dominicus Paoli theilt in dem Giornale di Fisica, Decad. II., T. VIII. 2do Bimestre, S. 447, ein Schreiben an Hrn. Ant. Orsini di Ascoli mit, in welchem er zwei Arten von Gummi beschreibt) die eine von Koelreutera paniculata, die andere von Sophora japonica.

Das Gummi der ersteren Pflanze (die einst bei Linne Sapindus chinensis), bei L' Heritier Koelreutera paulinoides hieß) floß zufällig aus einem übrigens gesunden Baume; es ist durchsichtig, mehr oder minder hell weingelb, hat einen unregelmäßigen glänzenden Bruch, ist anfangs weich, klebrig, und läßt sich in lange Fäden ziehen, wird aber bald troken und brüchig. Es ist geruchlos, und schmekt wie arabisches Gummi. Die specifische Schwere des troknen Gummi ist 1,3991. In kaltem Wasser löst sich dieses Gummi ohne Rükstand auf, und bildet eine wasserhelle farbenlose Auflösung. Im Alkohol löst es sich nicht auf; der Alkohol, in welchem man dieses Gummi mehrere Stunden lang gehalten hat, verflüchtigt sich ohne Rükstand, und trübt sich auch nicht durch zugegossenes Wasser; im Gegentheile schlägt der Alkohol dieses Gummi aus seiner wässerigen Auflösung nieder. Salpetersäure ändert durchaus nicht die Farbe desselben. Kiesel-Pottasche-Auflösung schlägt dasselbe in Floken nieder; auch basisch essigsaures Blei erzeugt einen Niederschlag in dieser Auflösung. Oxydirtes salzsaures Zinn bringt keine Wirkung hervor. Dieses Gummi kommt also dem arabischen sehr ähnlich, und ließe sich statt desselben in Künsten gebrauchen, wenn man es nur in Menge erhalten könnte.

Das Gummi aus Sophora japonica fließt von sich selbst in copalfärbigen Thränen aus, die zuweilen sehr hell sind. Auf dem Bruche zeigt es Harzglanz, und sieht überhaupt so aus, daß man es, oberflächlich betrachtet, eben so gut für Harz, als für Gummi halten könnte. Es vertroknet nach einiger Zeit, wird aber nicht leicht zerbrechlich, und so hart es ist, läßt es sich doch schneiden. Vielleicht ertheilt ihm die Bassorine, die es enthält, diese Zähigkeit. Seine specifische Schwere ist 1,2604. Einige Zeit im Alkohol gelegen, verlor es nichts an seinem Gewichte, und Wasser erzeugte keine Trübung in diesem Alkohol. In destillirtem Wasser löste sich ein Theil desselben auf, der andere blieb als sehr aufgeblähte, |512| weiße Gallerte liegen, die ich bald als Bassorine erkannte. Der aufgelöste Theil gab, abgeraucht, ein gelbliches Gummi, das 0,69 des ganzen Gewichtes des angewendeten Gummi betrug, so daß 0,31 für Bassorine bleiben. Die wässerige Auflösung des auflöslichen Theiles dieses Gummi, oder des eigentlichen Gummi, mit oxydirtem salzsaurem Zinn verbunden, verwandelte sich auf dieselbe Weise in Gallerte, wie Thomson es an dem auflöslichen Theile des Gummi verschiedener Arten von Prunus fand. (Syst. de Ch. T. IV. p. 83. franz. Ausg. v. 1818.) Mit Alkohol und Kiesel-Pottasche bildete die Auflösung einen Niederschlag; und obschon dieser mit lezterer sich später bildete (was zuweilen davon abhängt, daß die Auflösung nicht gehörig gesättigt ist), so bildete er sich endlich doch in Floken. Basisch essigsaures Blei wirkte nicht gleich Anfangs, machte aber doch die Auflösung trübe, und erzeugte endlich einen weißen Niederschlag. Ungeachtet der verschiedenen Einwirkung des basisch essigsauren Bleies scheint daher das Gummi, das die Bassorine hier begleitet, dem arabischen Gummi und dem Gummi der Prunus-Arten gleich zu kommen, oder wenigstens eine Abart des ersteren zu seyn.155)

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Die hier genannten Bäume lassen sich in Weinländern, also im Main- und Rheinkreise, im geschüzten Stande leicht ziehen.

A. d. Ueb.

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