Titel: Hrn. Poole's neue Kerzen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 19, Nr. CXII./Miszelle 6 (S. 507–508)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj019/mi019112_6

Hrn. Poole's neue Kerzen.

Hr. Moses Poole, (Patent Office, Lincoln's Inn, London) ließ sich am 9. Jun. 1825 ein Patent auf Zubereitung gewisser Substanzen zur Verfertigung von Kerzen ertheilen, die einen eigens hierzu verfertigten Docht erhalten. Er sagt in seiner Patent-Erklärung, daß der Talg hierzu in zwei Säuren geschieden werden muß, wovon die eine flüßig, wie Oehl, die andere fest ist, und gibt zwei Methoden an, um dieses außerordentliche chemische Phänomen hervorzubringen.

Nach der ersten Methode wird der Talg durch irgend ein Alkali oder durch Kalk in den Zustand einer Seife gebracht, und dann durch irgend eine Säure zersezt. Das Product, welches oben auf der Mäßigkeit schwimmt, wird dann gehörig durchgewaschen, und, da es aus dem Talge in dem Zustande der zwei vorerwähnten Säuren besteht, wird es in einer „Oehlpresse“ gepreßt, wodurch die flüßige Säure aus der festen ausgepreßt wird; erstere kann als Oehl, leztere zum Kerzenmachen verwendet werden.

Nach der zweiten Methode wird der Talg destillirt, das übergegangene Produkt gewaschen, und, wie oben, auf der Oehlpresse ausgepreßt, um die flüßige Säure des Talges von der festen Säure zu scheiden. Der Patent-Träger sagt, das man sich dieser zweiten Methode auch noch nach der ersten bedienen kann, um die beiden Säuren, aus welchen der Talg besteht, vollkommener auszuscheiden.

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Der Docht wird aus Baumwollengarn verfertigt, und etwas härter, als gewöhnlich, gesponnen. Diese Wolle wird um einen diken Draht so gewunden, wie man die Baß-Saiten mit feinem Metalldrahte überspinnt. Der so übersponnene Draht kommt nun in den Model, in welchem die Kerze auf die gewöhnliche Weise gegossen, und, nachdem diese ganz erkaltet ist, der Draht aus dem Dochte ausgezogen wird.

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„Wir haben,“ sagt das Repertory of Patent Inventions, Febr. S. 138. „selten in so wenigen Zeilen so viele grobe Irrthümer und so bare Unwissenheit gefunden. Wir wünschten, als merkwürdigen Beitrag zur Geschichte der Verirrungen des menschlichen Geistes, zu wissen, was den Patent-Träger zu der Behauptung verleiten konnte, daß Talg aus zwei Säuren besteht, oder, daß die Stoffe, aus welchen er besteht, oder in welche er durch Seifenbildung verwandelt werden kann, Säuren sind.“

„Nach dem, was Fourcroy und andere Chemiker uns hierüber lehrten, sehen wir nicht ein, wie Talg aus Säuren bestehen kann, und selbst die Fettsäure (Acide sebacique), die man aus dem Talge durch gewisse Verfahrungs-Arten erhält, ist, nach Fourcroy, bloße Folge der Einwirkung des Feuers, und war durchaus nicht vorher im Feuer vorhanden.“

„Das erste Verfahren des Patent-Trägers ist jenes des Hrn. Braconnot in den Annales de Chimie, 1815, nach welchem der in Seife verwandelte Talg durch Säure in Fettwachs und Oehl, nicht aber in zwei Sauren, zersezt wird. Wir sehen nicht ein, wie irgend Jemand ein Recht auf Monopol mit einem Verfahren in Anspruch nehmen kann, welches bereits zehn Jahre lang im Lande bekannt ist.“

„Wie irgend ein Mensch von einigem Menschenverstande von dem zulezt angegebenen Verfahren auch nur den mindesten Vortheil erwarten kann, sehen wir nicht ein, indem nur Schaden dadurch entstehen muß. Ein großer Theil des Talges wird dadurch in Ammonium verwandelt werden, in Fettsäure, und in stinkendes empyreumatisches Oehl, welches leztere man wegen seines Gestankes kaum zu irgend etwas gebrauchen kann, und welches selbst dem wenigen noch übrig gebliebenen Talge seinen Wohlgeruch mittheilen, nicht aber denselben verbessern wird.“

„Selbst das zuerst angegebene Verfahren, obschon man durch dasselbe noch Fettwachs zur Kerzen-Bereitung erhalten kann, wird, nach Abzug der Kosten des Alkali zur Seifenbildung, der Säure zur Zersezung, der Arbeit und anderer damit verbundener Auslagen, des Verlustes an Gewicht, eben so wenig Vortheil gewähren, als die von Dr. Gibbs vor einigen Jahren vorgeschlagene Fettwachs-Bereitung aus tobten Pferden, welches Fettwachs der Hr. Doctor Gibbesium nannte. Ueberdieß kommt man durch dieses Verfahren auch noch unter die Accise und alle Qualen derselben, die die Seifensiederei so sehr belasten.“

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