Titel: Hrn. M'Curdy's Dampfmaschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 19, Nr. CXXXII./Miszelle 2 (S. 585–586)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj019/mi019132_2
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Hrn. M'Curdy's Dampfmaschine.

Wir haben schon einige Mahle von Hrn. Joh. M'Curdy's (aus New-York) Dampf-Maschine gesprochen, worauf derselbe sich am 15. Junius 1824 ein Patent ertheilen ließ. Hr. M'Curdy nimmt nämlich, statt der Kessel, Röhrenkammern, die auf irgend eine gewöhnliche Weise gehörig gehizt, und in welche sodann mittelst einer Drukpumpe Wasser eingesprizt wird. Das Wasser läuft durch eine Zoll weite Röhre, welche mitten durch jede Kammer zieht, und zu jeder Seite mit kleinen Löchern versehen ist, wodurch das Wasser, wie feiner Regen, in die Kammern aussprizt, in welchen es durch die Hize alsogleich in Dampf verwandelt wird, und, als solcher, durch eine Röhre an dem anderen Ende der Kammer zum Treiben des Stämpels in dem Cylinder auf die gewöhnliche Weise abzieht.171) Von dem Boden einer jeden Kammer steigt eine Röhre nieder, die mit einem Hahne versehen ist, wodurch man erkennen kann, ob alles durch die Pumpen eingesprizte Wasser in Dampf verwandelt ist. Ein halbes Gill (1/3 Pinte) reicht zur Erzeugung einer Kraft von 4 bis 5 Pferden hin. Die Kraft der Maschine läßt sich natürlich durch eine größere Anzahl von Röhrenkammern, durch stärkere Hize, durch mehr Wasser, nach Belieben verstärken. Um, bei irgend einem Zufalle, die Verbindung mit jeder einzelnen Kammer abzusperren, sind an den Röhren dort, wo das Wasser in dieselben eintritt, Hähne angebracht, so wie dort, wo der Dampf austritt. Anfangs wird die Drukpumpe mit der Hand getrieben, bis der Druk des Dampfes die hinlängliche Stärke erreicht hat; später treibt sie die Maschine selbst. Die Röhrenkammern sind aus geschlagenem Eisen, 11 bis 12 Fuß lang, und innwendig 6 Zoll breit.

Das Repertory of Patent-Inventions findet in seinem Supplement to the I. Volume, S. 442. diese, wie alle ähnliche, Röhren-Dampferzeuger gefährlich. Das Wasser, oder der Dampf, welcher hier mit den glühenden Röhren in Berührung kommt, wird zum Theile zersezt, und bildet mehr oder weniger brennbares Gas, wodurch, wenn dieses zufällig mit einer gehörigen Menge atmosphärischer Luft in Verbindung kommt, Explosionen entstehen können. Die Gefahr wird allerdings nicht sehr groß seyn, wenn man die Vorsicht braucht, alle atmosphärische Luft mittelst des Dampfes aus den Kammern auszutreiben, so lang nämlich diese noch vollkommen gut sind; indessen, es bleibt doch noch immer eine Gefahr, die nicht übersehen werden darf.

Das Repertory findet ferner keine Ersparung bei dieser Art von Dampferzeugung, indem das Eisen, wo es der Hize ausgesezt ist, ohne mit Wasser in Berührung zu stehen, schnell dem Verderben entgegen eilt. In Einem Monathe sieht man in Berlinerblau-Fabriken die schweren eisernen Topfe von außen nach innen öfters zwei Zoll tief zerstört. Die Auslage für die häufig nothwendige Erneuerung der ausgebrannten Röhrenkammern wird schon in dem ersten Jahre die Kosten eines Dampfkessels für gleiche Dampfkraft übersteigen.

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Man wird hier einige Aehnlichkeit mit dem Dampf-Erzeuger des Hrn. Dr. Alban finden. A. d. Ueb.

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