Titel: Taylor's, Verbesserungen an Dampfmaschinen.
Autor: Taylor, Phil.
Fundstelle: 1826, Band 20, Nr. II. (S. 11–14)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj020/ar020002

II. Verbesserungen an Dampfmaschinen, worauf Phil. Taylor, Mechaniker in City Road, Middlesex, sich am 3. Julius 1825 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem Repertory of Patent-Inventions. Supplement to the I. Volume. S. 473.

Der Zwek dieser Verbesserungen ist eine Vorrichtung der Stämpel-Stangen der Cylinder der Dampfmaschine in horizontaler, oder geneigter Lage, damit die Stämpel nicht ungleich auf die Cylinder drüken, und eine Verbindung zweier oder mehrerer Cylinder, um mit vereinter Kraft zu arbeiten.

Der Patent-Träger empfiehlt zur Erreichung des ersten Zwekes die Stämpel-Stange durch den Stämpel laufen zu lassen, und zwar über das entgegengesezte Ende des horizontalen oder geneigten Stämpels hinaus, wo dann an beiden Enden des Cylinders Schlußbüchsen seyn müssen. Jedes Ende der langen Stämpel-Stange ist mit einem senkrechten Rade versehen, das an seinem Umfange gefurcht ist, und sich zwischen zwei metallnen Leitern bewegt, die parallel gegen einander und zu den Seiten des Cylinders stehen. Von diesen Leitern kommt folglich einer über, der andere unter den Rädern zu stehen, und hinderte dadurch die |12| Schwere des Stämpels zu sehr auf die untere Seite des Cylinders zu drüken, wenn die Stange vollkommen unbiegsam wäre: da nun aber dieß nicht der Fall ist, so hofft der Patent-Träger diesen Zwek dadurch zu erreichen, daß er auf beiden Enden der Stangen in entgegengesezter Richtung bedeutende Gewichte wirken läßt, indem er diese lezteren an horizontalen Armen von Winkelhebeln (bell-cranks) so anbringt, daß die Stange in eine Art von Spannung gebracht, und dadurch gerade erhalten wird. Diese Gewichte können entweder aus Pumpen-Stangen bestehen, die an jedem Ende angebracht werden, wenn die Maschine zum Wasserpumpen aus tiefen Schächten verwendet wird, oder es kann eine Pumpen-Stange an einem Ende und ein Gewicht an dem anderen angebracht seyn, in welchem Falle die Kraft, welche die Maschine anwendet, um das Gewicht zu heben, nicht verloren seyn wird, indem dieses Gewicht auf die Stange bei ihrem Niedersteigen wieder zurük wirkt, und der Maschine bei dem Aufsteigen der Pumpen-Stange und dem Heben des Wassers an dem entgegengesezten Ende hilft.

Es ist offenbar, daß diese Maschinen sowohl zur umdrehenden Bewegung bei Mühlen, als zur abwechselnden angewendet werden können; bei der umdrehenden Bewegung kann jedoch die Spannung der Stämpel-Stange nicht ohne Anbringung der Gewichte an den Winkelhebeln hervorgebracht werden.

Die Wirkung zweier auf diese Weise behandelter Cylinder läßt sich verbinden, indem sie parallel neben einander gelegt, und ihre Stämpel-Stangen an jedem Ende mittelst starker Querbalken verbunden werden, aus deren Mitte Stangen zu den Winkelhebeln laufen, die, auf obige Weise, mir Gewichten beschwert sind. In der Zeichnung, (welche das Repertory aber nicht liefert), liegen zwei Cylinder auf derselben horizontalen Fläche, und sind mit Rädern und Leitern an jedem Ende der Querbalken versehen, statt daß diese in derselben Linie mit der Stämpel-Stange wären. Es ist indessen offenbar, daß sie, nach demselben Grundsaze, auch über einander angebracht werden können, und daß irgend eine beliebige Anzahl derselben auf diese Weise verbunden werden kann, wenn man die Querbalken und Räder gehörig anbringt, welche leztere jedoch nicht gleichmäßig mit der Anzahl der Cylinder vermehrt werden dürfen, indem dieselbe Anzahl von Rädern, welche für Stämpel-Stangen von zwei (Mindern hinreicht, auch für mehrere dienen kann.

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Der Patent-Träger beschreibt nun eine Weise, diese Cylinder fest auf ihre Lager niederzuhalten, leztere mögen aus Stein oder aus Guß-Eisen verfertigt seyn; eine Weise, die Röhren anzubringen, welche den Dampf nach den verschiedenen Cylindern leiten, und aus diesen zu dem Verdichter führen, oder in die freie Luft, so daß ein und dasselbe Klappen- oder Schieber-System für sie alle dient: da aber an einer, wie an der anderen nichts besonderes ist, so bedarf es keiner weiteren Erklärung.

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Das Repertory bezieht sich auf seine I. B. S. 363. (bei Gelegenheit der über Nicholson's Operative Mechanic gegebenen Notiz), gemachten Bemerkungen über horizontale und schief gestellte Cylinder, und bedauert, daß der große Fehler bei Maschinen dieser Art noch immer nicht beseitigt ist, indem die Verbesserungen des Patent-Trägers denselben wohl vermindern, nicht aber verbannen.

„Die Stüzen, welche die Räder an jedem Ende der verlängerten Stämpel-Stange geben,“ sagt es, „können offenbar nicht verhindern, daß die Schwere des Stämpels auf die untere Seite des Cylinders drükt, wenn die Stämpel-Stange die gewöhnliche Dike hat; und wenn man die Stämpel-Stange so stark macht, daß sie von der Schwere des Stämpels nicht gebogen werden kann, so wird die Kraft der Maschine durch den großen Raum, welchen eine so dike Stange (oder vielmehr ein solcher Mastbaum), in dem Cylinder einnehmen würde, gar sehr vermindert. Auch die Spannung, die man dieser Stange durch die großen Gewichte an den Winkelhebeln auf ihren beiden Enden gibt, kann der Biegsamkeit der Stange nicht besser abhelfen, indem jedes Gewicht, das an der Mitte einer horizontalen Stange oder Kette angebracht ist, bekanntlich eine außerordentliche Kraft besizt, dieselbe in einem gewissen Grade niederzudrüken, und, obschon die Gewichte an den Enden der Stange entgegen wirken, so werden sie dadurch nicht den Verlust an Kraft ersezen, den sie an der Maschine verursachen, der um so bedeutender seyn wird, als die Gewichte selbst groß seyn müssen, wenn sie wirken sollen.

Wenn dem Druke des Stämpels dadurch abgeholfen werden soll, daß die Räder an den Enden der Stangen durch die oberen Leiter niedergedrükt werden, so gelten die vorigen Einwürfe auch hier, um so mehr, als der größere Druk der hierdurch auf die |14| untere Seite der Schlußbüchsen entsteht, diese daselbst durchschneiden, und die untere Seite der Stämpel-Stangen schnell abnüzen muß.

Die Verbindung mehrerer Cylinder zu einer und derselben Arbeit kann, wenigstens bei uns, wo man Cylinder von jeder Größe haben kann, keinen Vortheil gewähren, sondern muß vielmehr nachtheilig werden, indem sie Verlust an Kraft und mehr Auslage verursacht. Es ist ja bekannt, daß die Reibung in Cylindern sich gerade, wie die Umfänge derselben verhält, und daß die Kräfte der Cylinder sich verhalten, wie die Quadrate ihrer Durchmesser. Hieraus folgt, daß die Reibung in vier Cylindern, deren jeder Einen Fuß im Durchmesser hat, zwei Mahl so groß seyn wird, als in einem Cylinder, der zwei Fuß im Durchmesser hält, dessen Kraft jener der obigen vier Cylinder vollkommen gleich ist. Wir übergehen hier die größere Reibung, die bei vier Stämpel-Stangen statt Einer, Statt haben muß, und nehmen nicht den Verlust an Kraft in Anschlag, der dadurch entstehen muß, daß diese vier Stangen in ihren Cylindern mehr Raum wegnehmen, was selbst bei Maschinen von niedrigem Druke nicht weniger, als zehn Pfund auf das runde Zoll des Quer-Durchschnittes beträgt, und noch weit mehr bei Maschinen mit solchem Druke.“

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