Titel: Head's, Verbess. an d. Maschine zur Verfert. d. Schnür-Riemen.
Autor: Head, John
Fundstelle: 1826, Band 20, Nr. VII. (S. 27–31)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj020/ar020007

VII. Verbesserung an der Maschine zur Verfertigung der sogenannten Schnür-Riemen zu Schnürbrüsten und Schnür-Stiefeln und zu anderen Zweken; worauf Joh. Head, Strumpfwirker zu Banbury, Oxfordshire, sich am 4. Novemb. 1824 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem Repertory of Patent-Inventions. Supplement to the I. Volume. S. 454.

Die hier beschriebene Maschine flicht zwölf Faden in eine hohle Schnur, in deren Mitte irgend eine feste Schnur von gehöriger Größe eingeschlossen seyn kann, oder nicht, je nachdem man es nöthig findet. Es ist offenbar, daß man Maschinen dieser Art für mehr oder weniger Faden vorrichten kann, nur muß die |28| Zahl der Faden eine gerade Zahl seyn. Die Maschine, welche mit zwölf Faden flicht, hat sechs, gleich weit von dem Mittelpuncte entfernt stehende, senkrecht gestellte, Achsen, und jede Achse führt ein horizontales Sporn-Rad, dessen Zähne in die der benachbarten eingreifen, so daß alle sechs Räder in Umtrieb gesezt werden, wenn man bloß eines derselben bewegt. Nach der Wirkung ihrer Zähne müssen diese Räder sich aber abwechselnd in entgegengesezter Richtung bewegen, was zur gehörigen Bewegung der Spulen nothwendig ist. Diese Achsen stehen in einem offenen Gestelle, welches aus zwei sechsekigen Latten besteht, die durch eine hinlängliche Anzahl von senkrechten Stüzen verbunden sind. Ueber der oberen dieser Latten sind zwei horizontale Metall-Platten so befestigt, daß ein kleiner Zwischenraum zwischen denselben bleibt, und durch beide steigen die sechs Achsen etwas empor. Die unterste dieser Platten bleibt unverändert; in der oberen sind aber sechs kreisförmige Höhlungen ausgeschnitten, rings um jede Spindel eine, so daß die Umfänge derselben sich wechselseitig so durchschneiden, daß zwischen jedem Paare Raum offen bleibt, um die Spulen-Hälter mit ihrem Boden aus einem Kreise in den anderen übergehen zu lassen. Dieser Boden ist oval, und hat ungefähr den halben Durchmesser des offenen Kreises zur Breite. Auf jeder Spindel ist zwischen den Platten ein kreisförmiger Knopf oder Querl befestigt, dessen Durchmesser beinahe den halben Durchmesser des offenen Kreises beträgt, und welcher den ovalen Boden des Spulen-Hälters nöthigt, sich in der Bahn an der Kante des Kreises hin zu bewegen. Um den eiförmigen Boden gegen das Aufsteigen aus dieser Bahn zu sichern, ist unten eine kleine eiförmige Platte angebracht, deren Kanten weit genug hervorstehen, um unter die ausgeschnittene Platte zu kommen. In jede dieser kreisförmigen Bahnen kommen zwei Boden der Spulen-Hälter, aber an den gegenüberstehenden Seiten; und, um sie in Bewegung zu sezen, sind oben auf jeder der sechs senkrechten Achsen vier Arme befestigt, wovon ein Paar so über dem anderen steht, daß es ein Kreuz bildet. Da ihre Länge sie nur in einer geringen Entfernung über die benachbarten kreisförmigen Bahnen weglaufen läßt, so würden sie sich wechselseitig in ihren Bewegungen hindern, wenn man nicht die eben erwähnte Vorsicht getroffen hätte, jedes zweite Paar in eine andere Ebene zu bringen, wodurch |29| die Enden des oberen Paares dicht über die anderen weglaufen, ohne dieselben zu berühren.

Die Folge der hier beschriebenen Vorrichtungen ist, daß, wenn die Achsen in Bewegung gebracht werden, die Spulen durch ihre sich drehenden Arme aus einem Kreise in den nächststehenden getrieben werden; da aber die Spindeln und ihre Arme sich abwechselnd in entgegengesezten Richtungen bewegen, werden sie auch abwechselnd von dem äußeren Theile einer kreisförmigen Bahn in den inneren der nächststehenden, und von hier nach der äußeren Seite des folgenden Kreises laufen, so daß sie durchaus in einer Schlangenlinie ihren Lauf um das Gestell fortsezen. Sechs Spulen folgen einander in derselben Bahn, während die sechs übrigen sich in entgegengesezter Richtung bewegen, und die Bahn der vorigen bei ihrem Uebergange aus einem Kreise in den anderen nächststehenden durchkreuzen, so daß sie die Faden verflechten, welche von ihnen nach dem gemeinschaftlichen Mittelpuncte laufen, wo sie, zur Bildung der Schnur, zusammenstoßen.

Der Boden des Spulen-Hälters leistet einen so wesentlichen Dienst bei dieser Arbeit, daß er allerdings als besonderer Theil, und die Spule nur als Zugehör, betrachtet werden kann.

Aus diesem Boden steigt ein Stängelchen empor, von welchem zwei kleine Platten unter rechten Winkeln weglaufen, zwischen welchen die Spule sich in senkrechter Lage befindet, in welcher Lage sie auch mittelst eines Stiftes oder einer Spindel erhalten wird, die durch den Mittelpunct derselben läuft, und durch die obere Platte, und sich in einer Vertiefung der unteren Platte dreht. Die Spule selbst hat die gewöhnliche Form, und ist aus Metall, mit hohlem Körper und ungefähr vier Zoll lang. Um zu hindern, daß der Faden sich nicht zu schnell davon abwindet, ist die Oberfläche der oberen Scheibe mit Einschnitten gezähnelt, in welche ein Sperrkegel von der oberen Platte des Hälters, an welcher er eingelenkt ist, einfällt. An derselben ist zugleich ein anderer Arm so angebracht, daß, wenn dieser gehoben wird, der Sperrkegel zugleich mit in die Höhe steigt, und den Boden, den er vorher festhielt, nun sich drehen läßt. Zwei Drahte sind, parallel mit der Rükseite des Stängelchens, befestigt, und zwischen diesen dreien ist ein kleines Gewicht so angebracht, daß es sich auf und nieder bewegen kann; der Faden läuft von der Spule zuerst durch ein |30| Loch in dem Stängelchen, steigt dann durch ein Loch in der oberen Platte hinauf, und läuft wieder durch ein anderes Loch in derselben Platte herab, zieht hierauf durch ein von einem Drahte gebildetes Auge in dem kleinen beweglichen Gewichte, und steigt von diesem wieder durch ein drittes Loch in der oberen Platte hinauf, und läuft von hier wieder aufwärts, um sich mit anderen Faden in dem gemeinschaftlichen Mittelpuncte zu verbinden, wo die Schnur gebildet wird. Durch diese Vorrichtung wird, so wie der Faden verarbeitet wird, das kleine Gewicht so lang aufsteigen, bis es mit dem längeren Arme des Sperrkegels in Berührung kommt, wo es dann denselben aushebt, die Spule frei macht, und augenbliklich niederfällt, und dadurch zugleich von der Spule eine neue Fadenlänge abzieht, um die Arbeit fortsezen zu können. Der Sperrkegel wird dann wieder durch eine kleine Feder gegen den oberen Theil der Spule gedrükt, und hält dieselbe feststehend, bis das Gewicht wieder hinangestiegen ist, und den Arm hebt. Der Mittelpunct, in welchem alle Faden zusammenstoßen, liegt einige Zoll über der Maschine; die Schnur läuft daselbst, so wie sie gebildet wurde, durch ein Loch in einer kleinen Platte, und über eine Rolle, von welcher sie horizontal in einer Seitenrichtung auf zwei sich drehende Walzen läuft, welche sie abziehen, und in einen Korb leiten, der zur Aufnahme derselben bestimmt ist. Die Walzen werden von einer senkrecht an der Seite der Maschine stehenden Achse getrieben, an deren oberem Ende sich eine Schraube befindet, welche in ein Zahnrad auf einer der Walzen eingreift. An dem unteren Theile derselben ist ein Zahnrad befestigt, welches in eines der sechs oben erwähnten Zahnräder der Maschine eingreift, und so das Ganze in Umtrieb sezt. Die Triebkraft wird an dieser Achse angebracht.

Das Repertory nennt diese Vorrichtung eine sinnreiche kleine Maschine, bemerkt jedoch, daß, hinsichtlich des Zuges des Fadens von dem oberen Theile des Spulen-Hälters, ein Druk auf den Mittelpunct entsteht, wodurch die Bewegung an dem Bodenstüke gebunden wird, und die Bewegungen der Spulen steif und ungleich werden. Diesem könnte dadurch abgeholfen werden, daß man den Faden zulezt von dem unteren Theile des Spulen-Hälters, nahe an dem Boden desselben, nach der Central-Rolle hinlaufen läßt, und nicht von dem oberen Theile desselben.

|31|

Hr. Heathcoat zu Tiverton ließ sich im Novemb. 1823 ein Patent zu einem ähnlichen Zweke ertheilen; obschon seine Maschine mehr complicirt ist, bewegen sich die Spulen-Hälter doch mit weniger Reibung und größerer Gleichförmigkeit.8)

|31|

Es wäre sehr der Mühe werth, daß unsere Schnür-Macher sich die beiden Maschinen der HHrn. Heathcoat und Head kommen ließen. Es ist Schade, daß das Repertory uns keine Abbildung hiervon mitgetheilt hat. A. d. Ueb.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Orte
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: