Titel: Gill, über die Werkzeuge zum Drehen des geschlagenen Eisens.
Autor: Gill, Thomas
Fundstelle: 1826, Band 20, Nr. LVII. (S. 233–239)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj020/ar020057

LVII. Ueber die Werkzeuge zum Drehen des geschlagenen Eisens in der Drehebank. Von Th. Gill.

Aus dessen technical Repository. N. 49. S. 1. N. 50. S. 113.

Mit Abbildungen auf Tab. VI.

Wir waren sehr erfreut, als Hr. Perkins uns neulich in der Maschinen-Fabrik im Regent's Park, an welcher er Antheil hat, die sehr breiten und langen Drehspäne zeigte, welche ein Arbeiter an derselben, der neulich aus Manchester kam, von den Stüken aus geschlagenem Eisen abdrehte, zu deren Bearbeitung er gerufen wurde.

Da wir wußten, wie sehr man zu Manchester gute und behende Drechsler bei den vielen Spinnmühlen und anderen Maschinen nothwendig hat, und hierüber auch ehemahls von dem sel. Hrn. Andr. Flint, einem sehr geschikten Arbeiter, manchen Wink erhielten, so gaben wir besonders Acht, wie dieser Arbeiter aus freier Hand (denn er stüzte seine Meißel nicht auf die Unterlage oder den Führer (guide-rest) sein Werk vollendete.

Er bediente sich, nach Verschiedenheit der zu drehenden Artikel, verschiedener Meißel, die vorzüglich sogenannte Nagelkopf-Meißel waren, welche wir unten beschreiben werden, und die wir vor einigen Jahren zuerst von Hrn. Flint anwenden sahen; dann noch anderer Meißel, die wir hier das erste Mahl sahen, und die in, A, Fig. 1. von der Seite dargestellt sind. Dieser Meißel war ungefähr Einen Zoll breit, und hatte |234| eine gerade Schneide. Er war in einem hölzernen Griffe befestigt, welcher lang genug war, um den Arbeiter unter dem Arme durch, bis beinahe an die Schulter zu reichen, so daß er zwischen dem Arme und dem Leibe gehalten werden konnte. Er wurde mit beiden Händen gehalten, und von denselben geführt, während er oben auf der Unterlage, B, auflag, welcher der Arbeiter bei, C, eine kleine Abdachung gab, um, wie derselbe sagte, denselben besser zur Arbeit anhalten zu können, und zu verhindern, daß er nicht so leicht abglitschte, was auch wirklich dadurch erreicht wurde. Der Winkel des Meißels bei, D, war etwas spizig, damit er desto sicherer auflag.

Dieser Meißel und der Nagelkopf-Meißel dienen, um walzenförmigen Körpern die lezte Vollendung bei dem Abdrehen zu geben, während andere zur Arbeit aus dem Rohen dienen.

Fig. 2. zeigt den Nagelkopf-Meißel in der Anwendung. Er hat vier gerade Schneiden, wie Fig. 3. zeigt, wo er von vorne dargestellt ist. Man verfertigt ihn dadurch, daß man das Ende einer vierekigen Gußstahl-Stange auf jeder Seite aufsezt, und in die gehörige Form zufeilt, dann, nach dem Härten und Temperiren, zwei Schneiden scharf zuschleift, die anderen aber, nach dem Härten, nur zum Schleifen zu seiner Zeit bereit hält.

Zuweilen verfertigt man dieses nüzliche Instrument auch nur mit zwei Schneiden aus einer flachen Stahlschiene, wie Figur 4 und 5. zeigen, und dann nennt man es einen Klammer-Meißel (spike-head tool). Diese beiden Meißel müssen in so lange Grisse aufgezogen werden, wie der Meißel in Fig. 1.

Fig. 6. zeigt einen seiner Meißel zum Auswichen, (roughing-out tool), E, in der Arbeit. Die Form des wirkenden Theiles dieses Meißels steht man deutlicher in Fig. 7., wo er in natürlicher Größe dargestellt ist. Fig. 8. stellt ihn von vorne gesehen dar. Dieser Meißel wird aus einer vierekigen Gußstahl-Stange verfertigt, und bekommt eine spizige Ferse, F, mit welcher er auf der Unterlage in der Drehebank gehörig gestüzt und fest gehalten werden kann. Die Rükseite desselben, G, ist flach, und die Vorderseite, H, kann entweder zugerundet werden, wie in Fig. 9., oder ekig seyn, wie in Fig. 10. Diese beiden Figuren sind nach dem Durchschnitte gezeichnet, den die punctirte Linie in Fig. 7. andeutet. Diese Meißel sind, in dem gewöhnlichen Griffe, in den Händen aller Drechsler unserer Hauptstadt: |235| der Meißel in Fig. 6. ist jedoch in einem langen hölzernen Stoke oder Griffe, I, dargestellt, wie ich ihn früher nur in den Händen des Hrn. Ford sah, eines talentvollen Arbeiters, der denselben gleichfalls bei den Drechslern zu Manchester sah, und dann für sich benüzte. Dieser Stok oder Griff ist aus Buchen- oder Eschenholz, oder aus irgend einem anderen zähen Holze, ist ungefähr 18 Zoll lang, 5/4 Zoll breit, und 1 1/2, Zoll tief. An seinem oberen Rande hat er eine der Länge nach hinlaufende Furche zur Aufnahme einer vierekigen stählernen Stange, aus welcher der Meißel gebildet ist, und die in derselben liegt: die obere und untere Seite ist zugerundet, wie man in Fig. 11. steht, wo sie von vorne dargestellt ist. In dieser Stange ist der vierekige Kopf einer eisernen Schließe, J, in einer vierekigen Höhlung eingezapft: der Fuß dieser Schließe ist walzenförmig, und läuft durch ein rundes Loch in dem Stoke sowohl, als durch ein anderes rundes Loch in dem Leitgriffe, K, in welchen er entweder mittelst einer Schraube und eines Nietes, L, an dem Ende des Fußes befestigt, oder sonst vernietet wird. Durch den vierekigen Kopf der Schließe, J, läuft die vierekige Meißel-Stange, wie man in Fig. 8. im Großen steht, und wird in der Furche des Stokes, I, entweder mittelst des Schrauben-Nietes, L, oder auch mittelst des eisernen Keiles, M, der in den Kopf der Schließe eingetrieben ist, festgehalten. Auf diese Weise hat es der Arbeiter in seiner Gewalt, dem Meißel die gehörige Richtung seitwärts zu geben; bei dem Rauh-Drehen der Walzen aus geschlagenem Eisen ließ er die Schneide seines Meißels sich immer rükwärts und vorwärts schwingen, wie die punctirten Linien in Fig. 11. zeigen, und so ziemlich auf dieselbe Weise, wie der Drechsler bei dem Drehen des weichen Holzes im Anfange seiner Arbeit den Hohlmeißel zu brauchen pflegt.

Der große Vortheil, der daraus entsteht, daß man es in seiner Gewalt hat, der Schneide eines in der Hand gehaltenen Meißels jede Seiten-Bewegung zu geben, was hier durch den hebelartigen Leitgriff, K, geschieht, ist jedem einleuchtend, der die Schwierigkeit kennt, diese Meißel in ihren gewöhnlichen Griffen gehörig zu leiten: man hat diesem Nachtheile, wie wir unten anführen werden, auf verschiedene Weise abzuhelfen gesucht; doch die gegenwärtig beschriebene ist die beste.

Ein treffliches Muster eines Meißels, der nach diesem Grundsaze eingerichtet ist, hat der wissenschaftlich gebildete Mechaniker, |236| Hr. Brunel, auf seiner berühmten Kloben-Maschine zu Portsmouth, an jenem Meißel gegeben, mit welchem er die Stifte aus geschlagenem Eisen walzenförmig drehen läßt, auf welchen die Rollen aus hartem Holze sich drehen. Die Stifte werden auch dadurch noch um vieles härter und dauerhafter, daß sie zulezt auf eine sehr sinnreiche Weise polirt werden.

Dieser Meißel ist bloß ein stählerner Cylinder, der gehörig gehärtet und temperirt ist, und oben flach in einem gehörig schneidenden Winkel abgeschliffen ist, wie Fig. 12. zeigt. Er wird aufrecht gehalten, und nach und nach und gleichförmig in geradliniger Richtung fortgeführt, indem, er auf einem eigenen an der Maschine befestigten Schlitten angebracht, und mittelst einer Schraube vorwärts getrieben wird. Die ovale Figur, N, zeigt die flache Seite dieses Meißels von vorne.

Wir wollen hier noch ein anderes Beispiel aus der glüklichen Praxis eines alten, erfahrnen und vortrefflichen Arbeiters einer großen Manufactur-Stadt in der Mitte des Königreiches anführen, dessen Verfahren angenommen zu werden verdient. Er war bei dem Rauh-Drehen so wie bei dem Ausdrehen des geschlagenen Eisens, und selbst des angelassenen Stahles, außerordentlich in die Haken-Meißel (hook-tools) verliebt. Diese Haken-Meißel sind bereits bekannt; man bediente sich ihrer zum Ausweiten der Höhlungen in Holz; sie sind aber den Metall-Drechslern noch nicht so allgemein bekannt, und werden auch nicht von ihnen so häufig angewendet. Fig. 13. zeigt diesen Meißel von oben in seiner zugerundeten Form, so wie der oben erwähnte Drechsler denselben zum Drehen der Walzen aus dem Rauhen brauchte; Fig. 14. zeigt denselben in gerader Form, wie er zum Vollenden der Cylinder gebraucht wird. Er schmiedete sich diese Meißel aus vierekigen oder halb flachen Stangen von gutem Gußstahle, und zog das eine Ende so aus, wie es in Fig. 15. nach der Fläche dargestellt ist, und in Fig. 16. im Durchschnitte; d.h., er trieb den Stahl nach jeder Seite hin in eine dünne Schneide aus, und ließ in der Mitte einen Kiel oder eine Erhabenheit. Er planirte oder verdichtete den Stahl immer gehörig mit dem Hammer, bis er kalt ward, und feilte ihn gehörig zu, ehe er ihn bei der Rothglühhize in die rund oder flach hakenförmige Form krümmte, wobei er den Kiel nach einwärts kehrte: zulezt endlich härtete und temperirte er denselben vollkommen. Er hatte dann bloß eine der beiden Schneiden |237| des Meißels nach außen zuzuschleifen, und vollkommen in die gehörige Form zu bringen: die andere Schneide blieb ungeschliffen, um auf der Unterlage ruhen zu können, indem sie sonst, wenn sie fein genug geschliffen worden wäre, um damit drehen zu können, verdorben worden seyn würde. Wenn die erste Schneide indessen durch wiederholtes Schleifen unbrauchbar geworden ist, schliff er die andere zu, und wenn auch diese nicht mehr taugte, brach er das noch übrige Stük dieser beiden Schneiden weg, und hämmerte aus der noch übrigen Stange einen neuen Meißel aus. Wenn er indessen, wie wir im zweiten Bande unseres Repository angegeben haben, den Stahl angelassen, d.h., etwas unter der Härtungs-Hize geglüht, und dann alsogleich gelöscht hätte, so würde der Stahl durch das Hämmern noch härter geworden seyn.59)

Wir erhielten, seit der Bekanntmachung obiger Beschreibung,60) einen Besuch von einem englischen Mechaniker, der mehrere Jahre in Frankreich lebte, und uns eine neue Art von Meißel mittheilte, deren er sich 10 Jahre lang in diesem Lande mit großem Vortheile bediente.

Es ist der kreisförmige Nagelkopf-Drehemeißel, (Circular Nail-head Turning Tool). Er sagte, daß er diesen Meißel dadurch verfertigte, daß er ein Ende einer runden Guß-Stahl-Stange aufsezte, und dieses, nachdem es gehörig geformt, gehärtet und temperirt ward, so anwendete, daß er seine Unterlage oben mit Messing dekte, um die Schneide des Meißels nicht zu verderben, der auf der Unterlage langsam hinrollte, während der eiserne Cylinder aus dem Rauhen gedreht wurde. Auf diese Weise both sich immer eine neue Schneide zur Arbeit dar, bis er eine vollkommene Umdrehung gemacht hatte.

Mehr sagte er uns nicht; dieß war aber hinreichend, um uns auf die vielen Vortheile aufmerksam zu machen, die derselbe vor den meisten übrigen Meißeln voraus hat, und uns zu veranlassen zu zeigen, wie ein solcher Meißel verfertigt werden muß.

|238|

In A, Fig. 18. ist dieser Meißel; B, der Cylinder, der mittelst desselben gedreht werden soll; C, der obere Theil der Unterlage, mit einer darauf aufgeschraubten Messingplatte. Figur 19. zeigt einen Theil des Cylinders, B, von der Seite, so wie von der Unterlage, C, auch zeigt sie den sich drehenden Meißel, A, von der Rükseite unter einem rechten Winkel auf seine Fläche: der Pfeil und die punktirten Linien zeigen das Fortschreiten derselben, wie er auf der Unterlage fortrollt. Aus dieser Figur erhellt die Natur und der Gebrauch dieses trefflichen Meißels.

Was nun die Verfertigung desselben betrifft, so sieht man, daß die kreisförmige Form desselben erlaubt, daß man ihm leicht in der Drehebank seine Form geben, und zudrehen kann. Wir würden jedoch rathen, daß man sich hierzu eines Werkzeuges bediente, welches man in der Nägel-Manufactur das Caliber nennt, sowohl um demselben mit Leichtigkeit seine Form zu geben, als auch um ihn durch das Schmieden selbst noch verbessern zu können. Man kann dieses Instrument entweder, wie in den Nagelschmieden, in der Hand halten, oder, was noch besser ist, in einem Amboße in einer schwalbenschweifförmigen sich verschmälernden Furche quer über der Fläche desselben, wie man sie in mehreren Amboßen zu verschiedenen Zweken findet, befestigen oder einkeilen; oder auch über einem Loche anbringen, welches durch jenen Theil des Amboßes läuft, der zunächst an dem Schnabel desselben ansteht, so daß der Fuß des Meißels darin aufgenommen werden kann. Fig. 20. zeigt dieß. D, ist ein Durchschnitt des Calibers; E, ein Durchschnitt des Amboßes; F, das Loch in demselben, und, A, der kreisförmige Drehemeißel in diesem Caliber.

Das Caliber ist ein Stahlblok, der beinahe in seine Form ausgeschmiedet, und noch rothglühend in die schwalbenschweifförmige Vertiefung des Amboßes über dem Loche in demselben eingetrieben wird.

Man schlägt dann ein rundes Loch in das Caliber, gibt ihm mittelst einer stählernen, mit einer Schulter versehenen Punze, die in der Drehebank gehörig zugedreht und gehärtet, und dann eingetrieben wurde, seine Form, und nimmt das Caliber hierauf aus dem Amboße, und härtet es.

Nachdem man nun ein Ende einer walzenförmigen Stahl-Stange durch Hämmern in der Rothglüthhize aufgesezt oder verdikt |239| hat, und zwar so lange, bis ein hinlängliches Stük des verdikten Endes über dem oberen Theile des Calibers bleibt, (wenn man nämlich die Stange in das Caliber stekt), um daraus den Drehemeißel zu bilden; so treibt man dieses hervorstehende Stük ringsumher oben auf dem Caliber aus einander, bis es so dik geworden ist, daß es den Kopf des Meißels bilden kann: es muß aber noch immer etwas diker bleiben. Hierauf läßt man es auf die oben angegebene Weise an, bringt es sodann wieder in das Caliber, und schmiedet es dadurch, vollkommen aus, daß man es durch kalt Hämmern härtet, und die Zwischenräume verdichtet. Nun muß es nochmahls auf dieselbe Weise angelassen, und kann dann in der Drehebank genau in die Fig. 18. gezeichnete Form ausgedrehet werden.

Vor dieser Operation muß jedoch, nach der in dieser Figur gezeichneten punctirten Linie, ein Loch durch den Mittelpunct geführt werden, damit der Meißel in der Drehebank befestigt werden kann. Hierauf wird die Vorderseite flach abgedreht, und dem Rüken die gezeigte Form gegeben: die Kante wird ringsum den Kopf beinahe scharf gemacht. Nun wird der Meißel sorgfältig gehärtet und temperirt, und die Kante in der Lade zur gehörigen Scharfe zugeschliffen, indem man Wezsteine von verschiedener Form und Feinheit dagegen anhält. Hieraus kann dieser Meißel auf die gehörige, oben erwähnte. Weise in seinem Griffe aufgezogen werden.

Man kann die Schneide dieses Meißels auf obige Weise lange Zeit über auffrischen oder erneuen, ohne daß es nöthig wäre, denselben neuerdings zu hizen, und unter dem Hammer auszuschlagen (anfangs außer, und dann in dem Caliber), dann wieder zu drehen und zu härten etc.

Es ist kein Zweifel, daß auch der vierekige Nagel-Kopf-Meißel sehr gewinnen, und von besserer Qualität werden würde, wenn er in einem vierekigen Caliber geformt, und kalt durch Hämmern gehärtet würde, so wie es hier bei dem Kreisförmigen angegeben wurde.

Wir hoffen, daß der oben erwähnte Mechaniker unsere hier aufgestellten Ideen richtig finden, oder dieselben berichtigen wird.

|237|

Hr. Gill spricht nichts über N. 17, die sich zum Theile von selbst erklärt. A. d. Ueb.

|237|

Dieser Aufsaz ist in N. 50, und kam einen Monat später. A. d. Ueb.

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