Titel: Hollins, über die Kräusel-Krankheit der Kartoffeln oder Erdäpfel, und über die Ursache und Cur derselben.
Autor: Hollins, William
Fundstelle: 1826, Band 20, Nr. LXXXII. (S. 295–304)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj020/ar020082

LXXXII. Ueber die Kräusel-Krankheit der Kartoffeln oder Erdäpfel, und über die Ursache und Cur derselben. Von Hrn. Wilh. Hollins.

Aus dem VIII. und IX. B. der Transaction of the Society for the Encouragement of Arts etc. in Gill's technical Repository. N. 50. S. 83.87)

Die sogenannte Kräuselkrankheit (Curl) begreift drei Grade:

1) das halbe;

2) das ganze Kräuseln;

3) das gänzliche Verderben der Pflanze.

1) Die halbgekräuselten Pflanzen haben etwas lange, und nur in einem mäßigen Grade gekräuselte Blätter; sie geben |296| noch eine ziemliche Ernte, wenn der Sommer nicht zu troken ist; sonst werden die Erdapfel klein und wässerig.

2) Die ganz gekräuselten Pflanzen werden selten sechs bis sieben Zoll hoch, reifen bald und sterben ab. Die Erdäpfel sind gewöhnlich kleiner, als eine Muskatnuß, rostfarben, und geben eine ungesunde Nahrung.

3) Die gänzlich verdorbenen Erdäpfel, deren Vegetations-Kraft beinahe zerstört ist, heben sich nie über die Erde empor. Man findet die gelegten Erdapfel um Michaelis dem Ansehen nach noch so frisch, als sie bei dem Legen gewesen sind, und nur einige wenige kleine Erdäpfel sizen auf denselben auf. Die

erste Ursache

dieser Krankheit an den Erdäpfeln muß in der Art gesucht werden, in welcher die Erdapfel, die man zur Aussaat brauchte, im vorigen Jahre erzogen worden sind.

Wenn die Erdapfel spät im Jahre gelegt werden, d.h., von der Mitte Mai's bis Mitte Junius; wenn der Boden sehr fruchtbar und gut, gen Mittag gelegen, und der Sommer z.B. im Anfange Augusts, wo die Blüthen der Erdapfel abgefallen sind, heiß und troken ist, so wird der Erdäpfel, welcher gelegt wurde, erschöpft durch die Nahrung, die er der Pflanze geben muß, und es werden nur wenig Erdapfel zum Vorscheine kommen. Wenn nun die Witterung feucht und zuträglich wird, so werden die Pflanzen, zumahl wo sie gehäufelt wurden, neuerdings blühen, und es wird eine reichliche Ernte sehr großer Erdäpfel sich noch ausbilden können.

Diese Erdäpfel sind sehr gut als Nahrung; da sie aber aus dem Stängel der Pflanze erzeugt werden, nachdem der zuerst gelegte Erdapfel bereits erschöpft wurde, so wird es ihnen an Feuchtigkeit und Vegetations-Kraft fehlen, und die aus |297| solchen Erdäpfeln im nächsten Jahre emporwachsenden Pflanzen werden sich kräuseln. Die

zweite Ursache

das Kräuseln entsteht auch ohne Dünger und Häufeln, wenn die Erdäpfel (Ende Mai's) dicht an einander in fetten Boden gelegt, und mit grünem Farnkraute oder anderer Streu vor ihrem Erscheinen auf der Oberfläche bedekt werden. Durch den Regen fault das Farnkraut oder die Streu, und dringt als Dünger zu den Wurzeln; die Pflanzen werden dadurch zu einer zweiten Blüthe, wie in dem vorigen Falle, gereizt, und die dadurch in der Erde sich bildenden Erdäpfel erzeugen, wenn sie im nächsten Jahre unter die Erde kommen, gekräuselte Pflanzen.

Dieses oben beschriebene Treiben der Erdapfel ist sowohl nach meiner mehrjährigen Erfahrung, als auch nach meiner Beobachtung des Verfahrens und Mißlingens bei meinen Nachbarn, die Ursache der Kräuselkrankheit an den Erdäpfeln.

Es ist eine bekannte Erfahrung, daß die Blumen mehrerer Gewächse, wie z.B. des Mohnes, der Rose und anderer, durch Cultur sich sehr verändern; daß sie sich, wie man sagt, füllen, d.h., daß ihre Staubgefäße sich in Blumenblätter verwandeln, dadurch ihr Gattungs-Charakter verloren geht, und daß, wie die Botaniker sagen, sie zu Mißgeburten werden, indem die Befruchtungs-Theile sich verwandelt haben, und kein Same erzeugt wird. Wenn es mir erlaubt ist, irgend einen Theil eines Gewächses, in welchem die Vegetations-Kraft, wie in einem Samen, ihren Siz hat, als Samen zu betrachten, so wird man gestehen, daß zu reichliche Pflege, wenn nicht dieselbe, doch wenigstens eine ähnliche. Unvollkommenheit an den Erdäpfeln erzeugen muß; denn sowohl die Blume, als die knollige Wurzel wird durch solche Pflege überfüttert. In der Blume erzeugt sich dann kein Same, und in dem Knollen des Erdapfels wird die Vegetations-Kraft geschwächt oder zerstört, je nach dem Grade der Krankheit.

Wo immer die Vegetations-Kraft gestört ist, da fehlt es aber immer an Feuchtigkeit, wie folgender Versuch beweiset.

Versuch.

Auf folgende Weise kann man aus demselben Erdapfel sowohl gesunde als gekräuselte Pflanzen ziehen.

Man grabe Anfangs Octobers einige auf obige Weise gezogene Erdäpfel aus. Unter den größeren wird man einige |298| finden, welche an verschiedenen Stellen verschiedene Grads von Feuchtigkeit besizen; oben mehr, und unten weniger, indem die Feuchtigkeit von dem unteren oder Wurzelende gegen das obere Ende oder die Krone zu immer zunimmt. Man nehme nun einen Sezling von der Krone, und einen anderen von dem Wurzelende; ersterer wird eine gesunde, lezterer eine gekräuselte Pflanze geben. Die Erdäpfel, welche sich im nächsten Jahre kräuseln, sind sowohl vor als nach dem Sieden trokener, und werden auch in kürzerer Zeit gar gesotten.

Weise, dieser Krankheit vorzubeugen.

Wenn man folgenden Rath gehörig befolgt, so wird dem Kräuseln, wie ich durch verschiedene wiederholte, und sieben Jahre lang mit aller Aufmerksamkeit und Sorgfalt angestellte Versuche gefunden habe, auf eine kräftige Weise vorgebeugt.

Die beste Zeit zum Legen der Erdäpfel ist vom Anfange April's bis Mitte Mai's. Man mache die Beete drei Fuß weit von einander, bringe den Dünger zuerst in die Gräben, und nehme nicht zuviel davon, lege die Erdäpfel in einem Dreieke 5 bis 6 Zoll von einander, und deke sie 5 bis 6 Zoll hoch mit Erde. Es ist keine große Gefahr dabei, wenn man zuviel Erde auflegt; je tiefer die Sezlinge liegen, desto besser sind sie gegen die sengende Hize der Sonne gesichert, wenn das Jahr zu troken werden sollte. Eine Entfernung von 5 bis 6 Zollen ist so klein, daß die Pflanzen nicht zu üppig wachsen können, und doch hinreichend, daß jede hinlänglich der Sonne und der Luft ausgesezt ist.

2) Wenn sie einmahl 6 bis 7 Zoll über die Erde gewachsen sind, muß man sie nicht, wie es gewöhnlich geschieht, häufeln oder mit Erde bedeken; man reinige sie bloß vom Unkraute, und ziehe etwas Erde auf sie hin. Dieß muß aber geschehen, ehe die Blüthenknospen zum Vorscheine kommen, gewöhnlich Ende Junius.

Nun ist, außer dem Gäten, keine andere Arbeit mehr nöthig.

Ich bin der Meinung, daß das frühe Legen der Erdäpfel vorteilhaft ist, weil die Wahrscheinlichkeit eines Regens zu dieser Zeit weit großer, und weil dieser zugleich für die Pflanze sehr vorteilhaft ist, wenn der Sommer sehr troken werden sollte. Bei dieser Behandlung werden die Pflanzen gesund seyn, die jungen Erdäpfel werden zur gehörigen Zeit gebildet; sie |299| werden allmählig wachsen; die Pflanzen werden zu gehöriger Zeit reifen und sterben, und nicht mehr durch die im September fallenden Regen zu einem zweiten Wachsen angereizt werden. Der Saft wird auf diese Weise in dem Erdapfel bleiben, und so wird dieser ein Same werden, der mit ungeschwächter, vollkommner Vegetations-Kraft ausgerüstet seyn wird; die Pflanzen, die aus einem solchen Erdapfel hervorgehen, werden frei von allem Kräuseln seyn.

Die Erdäpfel können sobald ausgegraben werden, als es ohne Zerreibung ihrer Rinde möglich wird, d.h., ungefähr Ende Septembers.

Gesunde Erdapfel erhält man am sichersten von einem Boden, dessen Deke man abgeräumt und verbrannt hat; ein auf diese Weise zubereiteter Grund ist für den Erdapfelbau vollkommen geeignet. In einem solchen Boden wachsen sie allmählig, und werden nicht über ihre natürliche Größe getrieben. Wenn man der Güte der zu legenden Erdäpfel nicht vollkommen sicher ist, so ist es am sichersten gethan, wenn man die kleinsten Erdäpfel ganz legt.

Ein Boden, der am leichtesten gekräuselte Erdäpfel erzeugt, ist ein an sich schon fruchtbarer, stark gedüngter Boden in einer Lage gegen Mittag. Wo der Boden nicht fruchtbar, die Lage kalt ist, entweder weil sie hoch oder gegen Norden ist, hat man die Kräusel-Krankheit noch nie gesehen, wie z.B. in den bergigen Gegenden von Radnorshire und Montgomeryshire. Dieß stimmt vollkommen mit meiner Theorie; denn wo der Boden arm und die Lage kalt ist, kann die Pflanze nie, selbst durch Häufeln und Dünger nicht, zu einem zweiten Wachsthume getrieben werden.

Wem es bloß darum zu thun ist, reichliche Ernten zum unmittelbaren Gebrauche zu erhalten, dem will ich das Häufeln und Düngen nicht durchaus mißrathen haben; ich warne nur gegen Erdapfel, die auf solche Weise erzogen wurden, als Samen. Durch Häufeln und Düngen erhält man allerdings reichliche Ernten großer Erdäpfel, die für die Küche sehr gut, aber als Saat sehr schlecht sind; denn die Vegetations-Kraft wird durch diese Art voll Treiberei sehr vermindert. Das Interesse eines jeden klugen Landwirthes fordert, daß er einen Theil seines Erdäpfel-Akers für die Nachzucht der Saat-Erdäpfel bestimmt, und wenn man meinem Rache folgt, so zweifle |300| ich nicht im Mindesten an dem guten Erfolge; wenigstens bin ich gewiß, daß keine Kräuselkrankheit entstehen wird.

Ich halte es für geeignet, der Gesellschaft mein früheres Verfahren bei dem Baue der Erdäpfel zu unterlegen.

Ich habe diese nüzliche Pflanze seit mehr dann 20 Jahren gebaut, als die unter dem Namen Winter-Roth (Winter Red) bekannte Sorte noch allgemein gezogen wurde, und ehe noch irgend ein Zeichen jener Krankheit, welche man jezt Kräusel-Krankheit (Curl) nennt, zum Vorscheine kam. Bald darauf wurde die weiße Sorte, die man hier den goldnen Dabb (the golden Dabb) nennt, gepflanzt; sie schmekt sehr gut, leidet aber jezt am meisten an dieser Krankheit; ich habe sie zehn Jahre lang gebaut, und nie meinen Samen gewechselt. Bald darauf entstand eine neue Methode Erdäpfel zu bauen, nämlich die gegenwärtige mit hohen Beeten und starkem Häufeln, wodurch diese neue Sorte so sehr ergiebig gemacht wurde, und weit größere Erdäpfel entstanden, als man legte.

Diese Verfahrungs-Weise verbreitete sich bald in unserem ganzen Lande. Nun erschien aber auch (vor ungefähr 17 Jahren) die Kräuselkrankheit zum Ersten Mahle, und wurde dann in wenigen Jahren darauf im ganzen Lande so höchst verderblich.

Ich suchte mit aller Mühe irgend ein Mittel gegen diese Krankheit zu finden, und stellte jeden Versuch an, den ich nur immer ersinnen konnte; allein immer vergebens, bis endlich im J. 1785 ein sehr trokener Sommer kam. Ich hatte damahls Ein Acre (1125 □ Kl.) mit Erdäpfeln bestellt, und dieselben zufällig beim Sezen so stark mit Erde gedekt, daß zu einer zweiten Dekung keine Erde mehr übrig geblieben war.

Ungefähr Ende Junius sah ich mehrere Leute Versuche anstellen, um ihre Erdapfel mittelst Gloken und anderen Bedekungen zur Vollkommenheit zu bringen; es zeigten sich aber keine junge Erdäpfel an den Wurzeln, und man fürchtete allgemein, daß dieses Jahr die Erdäpfel gänzlich mißrathen würden. Ich sah bei meinen Erdäpfeln nach, und fand einige derselben ohne, andere mit jungen Erdäpfeln, die bereits die Größe einer Wallnuß hatten. Bald daraus änderte sich indessen, wie es gewöhnlich der Fall ist, die Witterung, und wurde eine bedeutende Zeit über naß und regnerisch. Alles häufelte |301| seine Erdäpfel um seine Ernte zu vermehren; ich hatte aber, wie ich bemerkte, keine Erde mehr dazu.

Zur Ernte-Zeit der Erdäpfel gab es nun überall eine höchst reichliche Ernte ungeheuer großer Erdapfel, während die meinigen, die viel früher reif waren, weil sie keine frische Nahrung durch das Häufeln erhielten, um die Hälfte kleiner waren, als die meiner Nachbarn.

Als im J. 1786 die von der vorjährigen Ernte gelegten Erdäpfel wieder ansingen zu grünen, hieß es im ganzen Lande, daß alle Erdapfel an der Kräuselkrankheit litten. Ich hatte in diesem Jahre ungefähr 120 Bushels Erdäpfel verkauft, und fand zu meinem Tröste, daß sowohl meine eigenen Erdäpfel, als diejenigen, die von denen, welche ich verkaufte, gelegt wurden, vollkommen gesund waren. Ich fing nun an nachzudenken, wie es kommen konnte, daß meine Erdäpfel dieser Krankheit entgingen, während dieselbe so allgemein im Lande verbreitet war. Ich erinnerte mich, daß ich die meinigen im vorigen Jahre nicht häufeln konnte, und daß sie nicht so groß geworden sind, wie die meiner Nachbarn. Ich betrachtete dieß als die Ursache hiervon. Man erfuhr bald, daß meine Erdäpfel alle gesund geblieben waren, und so bestellte man im folgenden Jahre aus der weitesten Ferne Saat-Erdäpfel bei mir. Da ich meine Erdäpfel dieß Jahr wieder auf dieselbe Weise zog, so fand ich mich in derselben Lage, wie das Jahr vorher.

Um meine Neugierde zu befriedigen, pflanzte ich zwei Reihen nach den beiden in obigem „Versuche“ angegebenen verschiedenen Weisen.

Ich bewahrte von beiden zur Saat auf, und fand zu meinem größten Vergnügen und zur vollen Beruhigung, daß die eine Reihe vollkommen gesund, die andere halb gekräuselt war.

Ich habe zeither alle Jahre hundert bis hundert vierzig Bushel Erdäpfel gezogen, und sie um Sixpence bis Einen Shilling (18 bis 36 kr.) theurer verkauft, als meine Nachbarn; sie hielten sich immer gut88). Mehrere erlaubten sich zu sagen, daß ich die Erdäpfel einsalzte; andere, daß ich die krausen |302| Blätter im Jahre vorher abpflükte; diese ungegründeten Nachreden kümmerten mich nicht, und Niemand kannte meine Methode ehe, als ich sie der Gesellschaft mittheilte. Ich beobachtete indessen das Verfahren meiner Nachbarn, und fand immer in demselben die Bestätigung meiner Ansicht.

Ich hatte dann einige große Erdäpfel ganz gelegt; ein paar derselben brachten zugleich gesunde und gekräuselte Pflanzen, was mich sehr befremdete. Ich nahm den Erdapfel sorgfältig heraus, und fand, daß die beiden gekräuselten Pflanzen aus den Augen zunächst an dem unteren Ende Entstanden, während die übrigen gesund waren. Dieß veranlaßte meinen besten Versuch über diesen Gegenstand. Ich bemerkte, daß die Anstekung sich bloß in den größten Stüken fand. Ich dachte mir, der Saft oder die Vegetations-Kraft nahm von dem unteren Ende des Knollens ab, so wie er größer wird, und mußte folglich gegen das Kronen-Ende hin zunehmen. Ich hatte dann ein Erdäpfel-Beet, von welchem ich einen Theil in Mitte Septembers, einen anderen im October ausgrub; ich fand, daß sie an Größe zugenommen hatten. Den Rest grub ich Ende Octobers aus, und dieser war viel größer, als die beiden vorigen früher ausgegrabenen Portionen. Die größten von jeder dieser drei verschiedenen. Ernten bewahrte ich besonders für das folgende Jahr auf, und legte sie ganz, unter genauer Bezeichnung des Ortes, wo ich sie legte. Als sie anfingen zu grünen, fand ich die von der ersten Ernte vollkommen gesund; die von der zweiten waren zur Hälfte gesund, zur Hälfte gekräuselt; die von der lezten hatten alle die Kräuselkrankheit.

Ich fand also, daß, wenn es die Witterung des Spätjahres erlaubte, ich, nach Belieben, gesunde und gekräuselte Erdapfel erzeugen konnte; ich wollte meine Erfindung bekannt machen, erhielt aber keine Aufmunterung vor der Belohnung der Society.

Meine Nachbarn befolgen nun meine Methode, und sagen mir, sie werden mich nicht mehr um Saat-Erdäpfel plagen, indem sie dieselben jezt eben so gut zu ziehen wissen, wie ich.

Ich will nun noch verschiedener Versuche hier erwähnen. 1) werde ich Ein Acre mit Erdäpfeln bepflanzen, dessen Lage ich besonders wählen werde, und der lauter gesunde Pflanzen tragen soll. Ich werde sie so behandeln, daß die eine Hälfte drei Wochen vor der anderen reifen und sterben soll, während |303| leztere noch in der Blüthe ist; ich werde sie zu gehöriger Zeit ausgraben, und im folgenden Jahre von beiden Erdäpfel auslegen. Die Hälfte derselben soll gesunde, die andere Hälfte gekräuselte Pflanzen liefern, und dieß in jeder zweiten Reihe.

2) Warum ein bereits kranker Erdapfel immer noch kränker wird? Man kann Erdapfel für angestekt erklären, wenn nur ein Viertel der Ernte gesund ist. Ein emsiger Landwirth wird nun die schwächeren ärmlichen Stöke zu häufeln und dadurch zu nähren suchen. Dadurch werden die wenigen so weit von einander stehenden Pflanzen sehr geil wachsen, und eine weit größere Sorte von Erdäpfeln liefern, als wenn die Ernte reichlich gewesen wäre. Nun nimmt der Landwirth gewöhnlich die größten Erdapfel zur Aussaat, wenn sie nicht von einem gekräuselten Stoke kennen; aber man kann zehn gegen Eins wetten, daß alle im nächsten Jahre daraus entspringenden Erdäpfel größtenteils gekräuselt seyn werden.

3) Um das Kräuseln sicher zu verhüten, hüte man sich dieselben zu häufeln, oder irgend etwas, außer dem Gäten, mit denselben vorzunehmen. Es wäre besser gewesen, selbst gekräuselte Erdäpfel zu nehmen, welche, wie ich sah, öfters wieder dadurch gut geworden sind.

4) Warum gekräuselte Erdäpfel zuweilen unter sorgfältig gepflegten Erdäpfeln entstehen? Vielleicht deswegen, weil der Boden stellenweise fruchtbarer oder mehr gedüngt ist. An solchen Stellen werden dann die Erdäpfel größer, und folglich der Saft oder die Vegetations-Kraft vermindert seyn. Wenn folglich einige von diesen unter die Saat-Erdäpfel geschnitten werden, so werden einige gekräuselte Erdäpfel entstehen. Um dieß zu vermeiden, lege man nie Erdapfel, die eine etwas bedeutendere Größe erreicht haben, als die gewöhnliche.

5) Es ist kein Grund, zu sagen, daß die Kräusel-Krankheit an den Erdäpfeln dadurch entsteht, daß sie zu lang auf demselben Boden gepflanzt werden. Man pflegt jezt sie bloß Ein Jahr lang auf demselben Felde, und dieß nur auf einem Brachfelde, zu bauen. Dieß ist Wechsel genug.

6) Obschon die Schößlinge abgeschnitten werden sollten, kann man sie doch zugleich mit den Sezlingen legen, und ich kann versichern, daß, wenn der Sezling seinen Saft hat, beide gesunde Erdapfel bringen; im entgegengesezten Falle bringen beide gekräuselte. „Ein guter Baum trägt gute Früchte etc.“

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7) Ich weiß aus Erfahrung, daß die Sorten, genannt Alt Winter-Roth (Old Winter-Red), die langen Americaner (long Americans), Nelken-Augen (Pik-Eyes), schönen Bettys (Pretty Bettys), frühen Zwerge (Early Dwarfs), die schwarze Sorte (Black Sort), die goldnen Dabbs (goldnen Dabbs), sich alle kräuselten. Mehr ist nicht nöthig. Sollte ich die Einführung frischer Saat begünstigen, so würde ich mich der Achtung der Gesellschaft, und der Fähigkeit, die Ursache dieser Krankheit zu entdeken, unwerth fühlen.

8) Für Forscher, oder solche, die meine Versuche prüfen wollen. Um gekräuselte Erdapfel zu erhalten, lege man sie Anfangs Junius nicht sehr dicht in eine Reihe; dünge sie gut; hauste sie zur gewöhnlichen Zeit, und wiederholt alle 14 Tage ein Mahl; halte sie rein bis Ende Octobers, und, nachdem man sie dann ausgegraben hat, suche man die größten zur Aussaat auf; man wird aus diesen eine reichliche Ernte gekräuselter Erdäpfel erhalten.

9) Wenn der Sommer troken und der Boden gut gedüngt ist, muß man mit dem Häufeln sehr behutsam seyn, aus den oben angegebenen Gründen. Ein fruchtbarer gegen Mittag gelegener Boden ist selbst in einem guten Jahre eben so viel als ein trokener Sommer in einer anderen Lage.

Hr. Hollins erhielt von der Gesellschaft für diese Mittheilung 20 Guineen. Obschon dieser Aufsaz bereits im J. 1739 geschrieben wurde, so fand Hr. Gill es doch der Mühe werth, denselben seinem neuesten Hefte einzuverleiben, und das Publicum an die lehrreichen Bemerkungen des Hrn. Hollins zu erinnern. Wir verstehen bei uns in Bayern (mit Ausnahme des Erdäpfel-Paradieses, der Pfalz), den Erdapfelbau so wenig, laß jeder Beitrag zur Verbreitung der hierzu nöthigen Kenntnisse wahres Bedürfniß ist. Die allgemeine Abneigung, die man in Alt-Bayern gegen die Erdäpfel hat, so daß es sogar häufig auf dem Lande Dienstbothen zur Bedingung machen, nicht mit Erdäpfeln gespeist zu werden, rührt zum Theile von Mangel an Kenntniß der zwekmäßigen Bauart derselben her. An Auswahl feinerer und besserer Sorten wird selten gedacht, und man findet noch häufig die sogenannten Sau-Erdäpfel für Menschen gebaut. Man düngt den in Bayern ohnedieß reichen Boden viel zu stark bei dem Erdapfelbaue, und erzeugt dadurch Erdapfel, an welchen man, wenn man sie gekocht im Munde hat, sagen kann, mit welcher Art von Dünger sie getrieben wurden. A. d. Ueb.

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Hr. Hollins hat die nöthigen Zeugnisse von den Kaufern, wie von der Obrigkeit beigebracht. A. d. Ueb.

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