Titel: Powell's, neu erfundenes Trommel-Gebläse.
Autor: Powell, Karl
Fundstelle: 1826, Band 20, Nr. XCIV. (S. 337–342)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj020/ar020094

XCIV. Neu erfundenes Trommel-Gebläse, worauf Karl Powell, Gentleman zu Rockfield in Monmuthshire, sich am 7. Junius 1825 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem London Journal of Arts. N. 52. S. 343.

Mit Abbildungen auf Tab. VII.

Dieses verbesserte Trommel-Gebläse enthält mehrere Scheidewände, welche das Innere desselben in mehrere Abtheilungen oder |338| Luftkammern theilen, in deren jeder sich ein Stämpel in der Richtung des Halbmessers befindet. So wie die Trommel sich um ihre Achse dreht, fallen die Stämpel von einer Seite nach der anderen durch ihre Schwere, und treiben die Luft aus durch Klappen, die sich nach auswärts öffnen, und erhalten neue Luft für die Luftkammern durch Klappen, die sich nach innen öffnen.

Die Anwendung des obigen Grundsazes erlaubt einige Abänderungen im Baue dieser Maschine; der Patent-Träger wählt jedoch die auf Fig. 15 dargestellten Formen. Fig. 1. ist ein Durchschnitt des Geblases, wovon die eine Wand abgenommen ist, um die innere Einrichtung der Trommel mit ihren Scheidewänden, und der Lage der Stämpel innerhalb derselben zu zeigen. Fig. 2. ist ein Quer-Durchschnitt desselben, in welchem man die Klappen und die Entleerungs-Röhre noch deutlicher sieht.

Die Trommel steht in einem Gestelle, und dreht sich auf der einen Seite um ihre Achse, auf der anderen um die Entleerungs-Röhre. Sie kann durch eine Kurbel, oder mittelst eines Laufbandes und einer Trommel, die durch eine Dampf-Maschine, oder durch irgend eine Triebkraft in Bewegung gesezt wird, gedreht werden. a, b, c, d, e, f sind sechs keilförmige Stämpel, und schwingen sich auf Achsen oder Zapfen, um den Mittelpunct der Trommel. g, h, i, k, l, m, sind sechs Scheidewände, welche den inneren Raum der Trommel in eben so viele Fächer, n, o, p, q, r, s, theilen. Die Klappen, tt, (Fig. 2.) öffnen sich nach innen, und sind außen in Gehäusen an der sich drehenden Trommel, um die Luft frei in die Kammern gelangen zu lassen. Die Klappen, uu, sind an der gegenüberstehenden Seite, und öffnen sich nach auswärts, wodurch die Luft in die äußere Kammer oder Büchse, vv, gelangt, und aus dieser durch die Röhre, w, in ununterbrochenem Strome ausfährt.

Wenn die Trommel sich dreht, kommen die verschiedenen Stämpel nach und nach auf folgende Weise in Thätigkeit. Man seze der Stämpel, a, ruhe auf der Scheidewand, g. Sobald diese Scheidewand eine senkrechte Lage erhält, wird dieser Stämpel, a, links abfallen durch seine eigene Schwere, und alle in der Kammer, n, enthaltene Luft durch die Klappe, u, in der Scheidewand, h, austreiben. Die Klappe, t, in der Scheidewand, g, wird sich zugleich nach innen öffnen, und der Luft |339| neuen Zutritt in die Kammer, n, hinter dem Stämpel gestatten. Während der Zeit, als die Trommel ein Sechstel ihres Umlaufes vollendete, wird der Stämpel, a, in die Lage des Stämpels, b, gekommen seyn, und beinahe alle Luft aus der Kammer auf jener Seite, welche sich unter dem Stämpel befindet, durch die Klappe, u, ausgetrieben haben. Neue Luft wird dafür durch die Klappe, t, in der Scheidewand, g, auf obige Weise in die Kammer treten, und diese für die nächste Wirkung des Stämpels füllen. Nachdem die Trommel zwei Sechstel ihres Umlaufes vollendet hat, wird die Scheidewand, g, in der Lage der Scheidewand, i, sich befinden, und der Stämpel, a, wird in die Lage des Stämpels, c, gefallen seyn, wofür die Stämpel, f, und e, in die Lage von, b, und a, vorgerükt seyn werden, wo dann jeder auf die oben angegebene Weise die Luft aus seiner Kammer ausgetrieben haben wird.

So wie die Trommel sich weiter dreht, kommen die Stämpel nach und nach in die oben angezeigten Lagen, jeder treibt die Luft aus dem Fache oder aus der Kammer, in welcher er arbeitet, und bringt sie in die äußere Kammer oder Büchse, vv, aus welcher sie in einem Zuge durch die Röhre, w, vor den Ofen, oder überhaupt dort hin gelangt, wo man Wind haben will.

So wie die Trommel sich dreht, entsteht eine doppelte Wirkung der Stämpel, wodurch zwei verschiedene Luftströme auf ein Mahl ausgetrieben werden. Man seze irgend ein Stämpel, sey, in der Lage, c, und ruhe an der Scheidewand, k. So wie die Trommel sich fortdreht, kommt die Scheidewand, k, in die Lage von l, wo dann die Schwerkraft des Stämpels denselben in die Lage von, d, herabzufallen nöthigen wird, und die Luft in dem Fache durch die Klappe, u, in die äußere Kammer, v, ausgetrieben wird, und die sich öffnende Klappe, t, auf der entgegengesezten Seite des Stämpels neue Luft zuläßt. Auf dieselbe Art macht jeder Stämpel während der Umdrehung der Trommel seine rükgängige Bewegung, und bewirkt hierdurch ein zweites Austreiben der Luft aus seiner Kammer, nachdem er aus seiner unteren Lage gekommen ist. Auf diese Weise wird also ein ununterbrochenes Ausströmen der Luft unterhalten, so lauge die Trommel in Bewegung bleibt.

Der Patent-Träger beschränkt sich nicht auf die Zahl von 6 Kammern und Stämpeln; sondern er wendet, nach der Größe |340| der Trommel, und nach der Größe der verlangten Wirkung, deren mehr oder weniger an, pakt aber die Kanten derselben so, daß sie, bei der möglich geringsten Reibung, das Entweichen der Luft unmöglich machen.

Der Patent-Träger schlägt diese Vorrichtung auch als einen Exhaustor, zum Ausziehen der verdorbenen Luft aus Bergwerken, Schiffsräumen, und überhaupt dort, wo ein Ventilator nöthig ist, vor. Die innere Einrichtung und die Wirkung bleibt an dieser Vorrichtung, wo sie als Erhaustor wirkt, dieselbe, nur mit dem Unterschiede, daß, in diesem Falle, eine feststehende Kammer, oder Büchse, yy, außen auf der Trommel angebracht worden seyn muß, wo die Klappen, tt, sich befinden, und die Trommel sich zugleich mit einer Röhre, x, die aus dem Bergwerke, oder irgend einem Orte, der gereinigt werden soll, drehen muß. Diese Büchse und die Röhre sind durch punktirte Linien in Fig. 2. angedeutet.

Wenn diese Büchse angebracht ist, und die Trommel gedreht wird, erhalten die Klappen, tt, ihre Luft aus der Röhre, x, die durch die Kammer, y, lauft, und treiben sie bei den Klappen, uu, durch die oben beschriebene Wirkung der Stämpel hinaus. Dieser Exhaustor wird auch ohne die Büchse, v, und die Röhre, w, wirken, wenn man statt der Röhre, w, eine Achse anbringt, auf welcher die Trommel sich dreht: die verdorbene Luft wird dann in die Atmosphäre entweichen.

Eine Abänderung an diesem verbesserten Gebläse zeigt Figur 3 und 4. Eine Reihe gewöhnlicher Blasebälge steht hier um eine Röhre oder einen hohlen Cylinder in der Richtung der Halbmesser desselben, dreht sich um diesen Cylinder, als um ihre Achse, und wirkt durch ihre Schwerkraft auf folgende Weise:

Jeder Blasebalg besteht aus zwei vierekigen Brettchen, wovon das eine fest steht, das andere als Falldekel wirkt, und sich um Angeln dreht. Beide dieser Brettchen sind an drei Kanten, wie gewöhnliche Blasebälge, mittelst weichen Leders verbunden, und bilden eine luftdichte keilförmige Kammer, deren Weite wechselt, wie der Falldekel um seine Angeln sich dreht, und sich hebt oder senkt.

Fig. 3. ist ein Seiten-Aufriß der vollendeten Maschine; Fig. 4. ein Durchschnitt, der den inneren Bau derselben zeigt, a, b, c, d, e, f, g, h, sind acht Blasebalge in gleicher Entfernung |341| von den Central-Platten, i, und dem äußeren Ringe, kk. Das untere Brettchen eines jeden Blasebalges ist an den Central-Platten befestigt, und an den äußeren Ringen, während das obere Brettchen, oder der Falldekel, frei auf seinem Angelgewinde steigt oder fällt. I, ist eine hohle walzenförmige Röhre auf dem Querbalken, mm, der in Fig. 5. abgenommen dargestellt ist. Auf dieser Röhre dreht sich die Maschine, die vorläufig gehörig abgewogen seyn mußte, n, ist eine Lauftrommel an der Seite der Maschine, über welche ein Laufband von einer Dampfmaschine, oder von irgend einer Triebkraft herläuft. Dadurch wird nun die Maschine um die feststehende Achse, I, in Bewegung gesezt, und die Blasebälge wirken durch ihre Schwere.

Man sieht aus der Figur, daß der Blasebalg, a, zusammengefallen, und außer Thätigkeit ist; wenn er aber, so wie die Maschine sich dreht, in die Lage, b, gekommen ist, wird die Schwere des beweglichen Brettes dasselbe von dem feststehenden entfernt, die Klappe geöffnet, und Luft in den inneren Raum desselben eingelassen haben. Während der Zeit, als der Blasebalg in die Lage, c, gekommen ist, hat er sich beinahe in den größten Winkel geöffnet, und sein Inneres mit Luft erfüllt. Die Blasebälge kommen, so wie die Maschine sich dreht, nach und nach in die Lagen, d, und e; wenn sie aber nach, f, kommen, beginnt das Gewicht des Dekels denselben niederzudrüken, und die Luft wird durch seinen Schnabel in die hohle Röhre, I, ausgetrieben, indem eine Oeffnung in derselben angebracht ist, die beinahe ein Viertel ihres Umfanges beträgt, und so lange als die Breite des Schnabels des Blasebalges ist. Man sieht dieß deutlicher in der Figur 5, wo diese Röhre abgenommen dargestellt ist. So wie die Maschine fortfährt sich zu drehen, wird die Luft immerdar ausgetrieben, indem das obere Brett auf das untere niedersteigt, wie man bei, g, sieht, und wenn der Blasebalg endlich in die Lage, h, gekommen ist, ist die Luft gänzlich ausgetrieben. Auf diese Weise füllen sich nun die Blasebälge immerdar, und treiben ihre Luft aus: die Röhre, I, auf welcher die Maschine sich dreht, wirkt als Klappe, und schließt den verschiedenen Bälgen den Ausgang, außer an jener Stelle, wo sie in Wirkung treten sollen.

Der Patent-Träger zieht vierekige Blasebälge vor. Er glaubt dadurch viel Kraft zu ersparen, und meint, daß zu dem |342| Treiben aller dieser Balge nicht mehr Kraft erfordert wird, als zu dem Treiben eines einzigen.

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