Titel: Ueber Luftschifffahrt.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 20, Nr. CXV. (S. 451–453)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj020/ar020115

CXV. Ueber Luftschifffahrt.

Aus Gill's technical Repository. N. 50. S. 122.

Mit Abbildungen auf Tab. IX. (Im Auszuge.)

Die Aëronautik ist seit 50 Jahren fast immer noch ein Gegenstand bloßer Curiosität geblieben, und man ist in Gefahr, sich lächerlich zu machen, wenn man von irgend einer praktischen Anwendung derselben spricht. Vielleicht theilt sie indessen |452| nur das Schiksal ihrer älteren Schwestern, die oft Jahrhunderte lang warten mußten, ehe sie mit Ehren an den Mann gebracht werden konnten.

Ein Hr. J. M. S. aus Cork (der schon früher im technical Repository, Bd. VII S. 172 und 136., Polytechn. Journ. B. XVIII. S. 126. einige Ideen über Luftballons mittheilte), macht auf den hohlen leichten Bau der Knochen in den Vögeln aufmerksam, und meint, daß man nur mittelst ähnlicher hohler, leichter, und dabei doch fester, Röhren den Luftballon beflügeln könne.

Er schlägt vor, das Schiffchen auf die gewöhnliche Weise mittelst Seile an dem Ballon zu befestigen; zugleich soll aber aus dem Schiffchen eine hohle starke Stange, wie ein Mast, bis in die Mitte des Ballons hinaufsteigen, wo sie sich mit einer Querstange verbindet, die zu beiden Seiten aus dem Ballon hervorragt. An jedem Ende dieser Querstange ist ein Flügel eingelenkt. Diese Flügel, welche nach unten eine flache oder concave Fläche bilden (Fig. 8.), werden durch Gas in halbkugelförmigen seidenen Säken getragen. Das Gas in diesen Flügeln sieht mittelst der hohlen Röhren und Gelenke mit einem Verdichtungs-Apparate in dem Schiffchen in Verbindung, so daß man Gas aus dem einen Flügel ausziehen, und denselben dadurch genau mit dem anderen in Gleichgewicht sezen könnte. Der Aëronaute kann von dem Schiffchen aus diese Flügel mittelst Schnüren in Thätigkeit sezen, und dadurch, mittelst der Stangen, der ganzen Maschine die Bewegung mittheilen. Die senkrechte und die Querstange können innenwendig in dem Ballon noch durch zwei hohle Stäbe verstärkt werden, welche man gegen die beiden ersteren Stangen so schief stellt, daß sie im Ballon, im Gase selbst, zwei Dreieke bilden. Die von dem Gase getragenen Flügel können sehr groß seyn; der Widerstand der Luft wird ihnen, wenn der Luftschiffer sie durch die Schnüre in Bewegung sezt, Widerstand genug darbiethen, auf welchen sie mit ihrer weit ausgebreiteten Fläche einwirken können. Die ausgebreiteten Flügel werden, beim Niederlassen, als Fallschirm, und dadurch zu größerer Sicherheit dienen. Wenn noch eine Stange unter rechten Winkeln auf die erste Querstange innenwendig in dem Ballon vorgerichtet ist, so kann ein Bogspriet oder ein Ruder daran angebracht werden, welches, so wie die Flügel, mittelst Gasballen gestüzt werden kann.

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„Man hat, sagt Hr. S., vor einiger Zeit versucht, zu London eine Gesellschaft zur Aufmunterung der Luftschifffahrt zu errichten; es wird aber besser seyn, vorerst eine hinreichende Theorie über die Leitung der Luftballons zu gründen, ehe man sich in kostspielige Versuche einläßt. Wenn man einmahl weiß, daß ein Ballon auf diese Art durch Flügel bewegt werden kann, kann man auch versuchen, eine Fläche, die von mehreren kleinen Ballonen getragen wird, fortzubewegen.“

Hr. S. schlägt zum Gebrauche der Luftschiffer bei dem Niederlassen noch eine lange Stange vor, an welcher der ganzen Länge nach ein Seil mittelst eines Fadens festgebunden ist. Ein Ende dieser Stange ist mit einer Pike versehen. Mit dieser Stange kann er nun den Ballon zerreißen, wenn er in Gefahr ist, in die See hinausgewehet zu werden; er kann das Schiffchen von Gebäuden, Bäumen etc., gegen welche er geschläudert wird, wegtauchen; er kann die Gewalt des Stoßes beim Niederlassen dadurch brechen; er kann sich an Büschen damit festhalten, und bricht die in die Erde eingedrungene Stange, so dient die Pike, da sie noch am Seile hängt, als Anker. Man könnte auch eine Art von Fußeisen unten an dem Schiffchen anbringen, mit welchen dasselbe sich festhalten kann, wenn es auf die Erde kommt.139)

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Die wünschenswertheste Vorrichtung an einem Luftballone scheint uns diese, denselben so abzuwiegen, daß er sich nicht höher als ein paar Fuß über die Erde erhebt, und dann von einem Pferde mit der größten Leichtigkeit, Schnelligkeit und Sicherheit gezogen werden kann. Bei diesem Anlasse machen wir die Freunde der Aëronautik auf die schäzbare Abhandlung des Hrn. Melzl's im Bd. XIV. S. 63. des polytechnischen Journals wiederholt aufmerksam.

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