Titel: Pajot-Descharmes, über die Darstell. d. Soda aus Kochsalz und einiger dabei zu gewinnenden Neben-Producte.
Autor: Pajot des Charmes, C.
Fischer, J. B.
Fundstelle: 1826, Band 20, Nr. CXXXVI. (S. 550–570)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj020/ar020136

CXXXVI. Ueber die Darstellung der Soda aus Kochsalz und einiger dabei zu gewinnenden Neben-Producte, nebst dem Mittel, die Nachtheile zu beseitigen, welche durch die verderblichen Dämpfe oder Gase bei Erzeugung der künstlichen Soda verursacht werden. Von H. Pajot-Descharmes, membre du comité consultatif des arts et manufactures.

Aus den Annales de l'industrie T. XXI. N. 75. p. 262–298. Uebersezt von J. B. Fischer, M. C.163)

Die Gesellschaft der Freunde der Wissenschaften, der Literatur, des Akerbaues und der Künste der Stadt Air (Bouches-du-Rhöne) erließ im Gefühle der Wichtigkeit den Nachtheilen abzuhelfen, welche die verderblichen Gase bei Erzeugung der künstlichen Soda verursachten, und in der Absicht, den gegründeten Klagen der Landwirthe, welche in der Nähe dieser Manufacturen wohnen, zu steuern, einen Aufruf an die Gelehrten, und sezte einen Preis über diesen Gegenstand aus. Ihr Programm ist folgendes:

„Ob es möglich ist, den Nachtheilen der verderblichen Dämpfe oder Gase abzuhelfen, welche sich in den Soda-Fabriken bei Zersezung des Kochsalzes oder der salzsauren Soda durch die angewendeten Zersezungs-Mittel entwikeln; ob man dieses, indem man entweder in geschlossenen Gefäßen oder auf andere Weise arbeitet, so zu thun vermag, daß die Ausdünstungen vollkommen zusammengehalten, oder neutralisirt werden, und nie weder die Eigenthümer noch die Nachbarn dieser Fabriken belästigen, noch ihnen irgend einen Schaden zufügen können.“

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Die Erfahrung, welche ich mir bei Erzeugung der künstlichen Soda während mehrerer Jahre erwarb, wobei ich theils die bekannten Methoden, theils solche, die ich selbst erfunden habe, anwendete, liefert mir die Mittel, diese so wichtigen Fragen zu beantworten.

Ich beginne mit der Behauptung, daß die gesezte Aufgabe in Bezug auf die geschlossenen Gefäße geloset werden kann, wie aus der Darstellung der Anwendung der geeigneten Verfahrungsarten erhellen wird. – Die Chemie liefert uns nämlich 1) zwei Methoden der Zersezung des Kochsalzes, durch einfache und durch doppelte Verwandtschaft, und man kann 2) bei Anwendung der einen oder der anderen Methode sich offener Gefäße bedienen. Ich spreche daher zuerst von Zersezung des Kochsalzes durch einfache Verwandtschaft, und in offenen Gefäßen, da diese Methode im Großen bisher am meisten angewandt wird; ich handle dann von der Zersezung dieses Salzes mittelst der doppelten Verwandtschaft in offenen Gefäßen (diese Art kann, nach meiner Ansicht, mit Vortheil statt der vorigen dienen), und mache endlich in Bezug auf die erste Methode die Verfahrungsarten bekannt, die ich am meisten geeignet halte, den Nachtheilen abzuhelfen, welche die Aufmerksamkeit der gedachten gelehrten Gesellschaft auf sich zogen.

Zersezung des Kochsalzes (der salzsauren Soda) auf dem Wege der einfachen Verwandtschaft und in offenen Gefäßen.

Die älteste Verfahrungsart scheint die von Glauber, die ihm sein Sal mirabilis, oder die schwefelsaure Soda lieferte. Er bediente sich hiezu der Schwefelsaure, welche sich nach den Gesezen der Verwandtschaft mit der Soda, als der Basis der salzsauren Soda, verband, und so die Salzsäure frei machte, die, wenn sie nicht nachher aufgefangen oder gebunden wurde, in die Luft aufstieg. Auf diese Weise wird mit Hülfe der Hize in offenen dazu geeigneten Gefäßen das Kochsalz beinahe allgemein in den bestehenden Soda-Fabriken zersezt, vorzüglich in jenen um Marseille (Bouches-de-Rhône) Die Dämpfe und Gase, welche sich dabei entwikeln, und weder gebunden noch neutralisirt werden, müssen durch ihre Zerstreuung in die Atmosphäre, und durch die verschiedenen Nachtheile, die daraus entspringen, mit Recht Klagen der. Eigenthümer und der Nachbarn solcher Fabriken veranlassen, und die Gesellschaft der Stadt Aix hat daher das große Verdienst, die Darlegung der |552| Mittel, welche von ihren Erfindern zur Abstellung dieser Nachtheile für geeignet gehalten werden, veranlaßt zu haben.

In jenen Gegenden, wo Ueberfluß an Schwefelkiesen, schwefelkieshaltigem Schiefer und Torfe ist, braucht man nicht, wie bei dem angezeigten Verfahren, freie Schwefelsaure anzuwenden, sondern nur mit schwefelkieshaltigen zersezten und vitriolisirten Stoffen eine gesättigte Koch-Salz-Auflösung zu mengen, und dann daraus unförmliche Haufen zu bilden, welche man in einem eigenen Ofen brennt.164) Die Salzsäure erzeugt aber, wenn sie sich nicht sogleich mit einer Basis verbindet, und sich in die Umgebung verflüchtigt, die Nachtheile, welche man an der vorhergehenden Verfahrungsweise rügt. Ich wandte zuerst im Großen diese zweite Methode, welche ich im Departement de l'Aisne vervollkommnete, und zwar mit bedeutendem Vortheile, an, indem ich den schwefelkieshaltigen Schiefer, den es dort im Ueberflusse gibt, zur Bereitung der künstlichen Soda benüzte.

Eine dritte Verfahrungsart, welche, wie die vorhergehende, keine freie Schwefelsäure fordert, ist jene, das Kochsalz durch schwefelsaures Eisen oder durch Alaun zu zersezen. In Ländern, wo diese beiden Salze im Großen erzeugt werden, können die Fabriken, welche künstliche Soda erzeugen, große Ausdehnung erhalten; allein die Salz-Säure, wenn sie nicht verdichtet oder gebunden wird, ruft wieder die erwähnten Nachtheile und Klagen hervor. Auch dieser dritten Methode bediente ich mich zuerst im Departement de l'Aisne, im J. 1808.165) Ich hatte sie schon im J. 1798, und zwar gleichfalls im Großen, im Departement de la Manche 166), und später im J. 1799 mitten in Paris, Quartier St. Antoine, mehr als zehn Monate lang angewendet.

Ein viertes Mittel, das Kochsalz zu zersezen, findet insbesondere in jenen Bezirken seine Anwendung, wo sich Gypsbrüche |553| finden, und gewährt ebenfalls den Vortheil, keine freie Schwefel-Säure anwenden zu dürfen. Bei der Calcination von Ziegeln aus gepuffertem Gypse und concentrirter Kochsalz-Auflösung scheidet sich die Salzsäure aus, und übt, wenn sie keine annehmliche Basis findet oder nicht concentrirt wird, bald auf die benachbarten Körper ihre Wirkung mehr oder minder kräftig aus. Ich beschäftigte mich auch mit dieser Methode in einer Soda-Fabrik, die in einem großen Maßstabe angelegt ist.

Dieses sind die vorzüglichsten im Großen ausführbaren Verfahrungsweisen, welche ich alle in größerer oder kleinerer Ausdehnung versuchte, und bei welchen das zersezende Mittel, (die freie oder gebundene Schwefelsäure) auf dem Wege der Verwandtschaft wirkt; bei ihrer Anwendung entwikelt sich, in dem einen oder anderen Falle, eine mehr oder minder beträchtliche Menge Salzsäure in Gas- oder Dampf-Gestalt, und nach der Masse des Kochsalzes, auf welches das zersezende Mittel wirkte, ist sie selbst mehr oder minder voluminös.

Wenn man diese beiden Arten der Anwendung der Schwefelsäure in Betracht zieht, so steht man, daß leztere, im freien Zustande, sich für Fabriken in der Nähe von Salzsümpfen, Salzbergwerken oder Salzquellen schikt; daß aber, wenn sie, im Gegentheile, an eine Basis entweder von Natur aus oder durch die Kunst gebunden ist, das Koch-Salz in jene Soda-Fabriken wandern muß, welche in der Nähe von Werkstätten sind, in denen die Substanzen, welche die Schwefelsäure enthalten, bearbeitet und benüzt werden.

Wenn man ferner die Anwendung der freien Schwefel-Säure zur Zersezung des Kochsalzes vom Gesichtspuncte des Staatsinteresses aus betrachtet, so ist wohl zu bemerken, daß diese ihm schädlich ist, indem dadurch viel Geld für Einfuhr einer beträchtlichen Menge. Schwefels und Salpeters hinausgeht, womit sich die Schwefelsäure-Fabriken versorgen müssen, um dem Bedarfe der Soda-Fabriken zu genügen, welche nahe bei Salzsümpfen, Salzquellen liegen etc. Was auf der anderen Seite die Fabrikanten betrifft, so ist diese Methode nicht nur nicht vortheilhaft für sie, indem sie ihnen große Kosten und folglich die Auslage eines bedeutenden Capitales verursacht, sondern auch weil sie den Veränderungen und Schwankungen des Handels sowohl im Frieden als im Kriege ausgesezt ist, und sie, in lezterem Falle, oft gezwungen werden, ihre Werkstätten |554| zu schließen, nachdem sie, in Erwartung eines glüklicheren Zeitpunctes, ungeheueren Verlust erlitten, um sie im Betriebe zu erhalten.

Jene Soda-Manufacturen hingegen, welche die Schwefelsäure im gebundenen Zustande anwenden, sind so zu sagen unabhängig von den Veränderungen des Handels und der Politik, da sie sich nur inländischer Stoffe bedienen, die entweder ihr Eigenthum sind, oder die sie in langer Pacht ausbeuten, oder welche sie sich durch den Handel verschaffen können; auf der anderen Seite nüzen diese lezteren Fabriken dem Staate und den Privat-Leuten; dem Staate, indem sie statt Geld aus dem Reiche hinausgehen zu machen, dasselbe für die auf seinem Boden erzeugten Materialien innerhalb seiner eigenen Gränzen in Umlauf sezen. Eben diese Fabriken sind überdieß für ihre Unternehmer vortheilhaft; denn sie erfordern nur den Vorschuß von geringem Fonde, der sich bei mittelmäßigen Glüksgütern findet, und zur Vermehrung und Fortpflanzung dieser Werkstätten hinreicht; diese Fabriken verbreiten endlich Wohlstand nicht nur um sich her, sondern sie beleben auch das Land, worin sie liegen; sie müssen daher in jeder Hinsicht für den Staat von größerer Wichtigkeit seyn, als jene, welche die Schwefel-Säure im ungebundenen Zustande anwenden.

Wie dem nun sey, so ist es ausgemacht, daß sowohl die eine als die andere Methode die Schwefelsäure zur Zersezung des Koch-Salzes mittelst einfacher Verwandtschaft allzuwenden, wenn man die entwikelte Salzsäure nicht sogleich auffängt oder bindet, fehlerhaft seyn, und ihre Unternehmer Geld-Entschädigungen aussezen müsse, die sie entweder nach gegenseitiger Uebereinkunft oder nach Schäzung von Sachverständigen oder nach gerichtlichem Ausspruche für die Nachtheile bezahlen, welche die frei gewordene Salzsäure in der Umgebung dieser Fabriken veranläßt; denn es erstrekt sich die verderbliche Wirkung derselben selbst in die Entfernung einer halben französischen Meile, wenn die Zersezung bedeutend ist, und der Wind die Dämpfe in derselben Richtung fortweht. In der Absicht, der Schädlichkeit dieser gasförmigen Säure abzuhelfen, muß den Eigenthümern dieser Manufacturen daran liegen, sich nicht nur vor den Klagen ihrer Nachbaren und den Entschädigungen, sondern auch vor der Sperrung ihrer Werkstätten zu sichern, welche dadurch herbeigeführt werden kann. Ich werde daher, nachdem |555| ich in Kürze die Verfahrungsweisen in offenen Gefäßen mittelst doppelter Verwandtschaft angegeben habe, welche, nach meiner Ueberzeugung, statt der gewöhnlichen mittelst einfacher Verwandtschaft angewendet werden können, verschiedene andere Mittel bekannt machen; welche, wie ich glaube, die Frage vollkommen lösen müssen, die im Anfange dieser Abhandlung aufgegeben wurde, und welche ich in Bezug auf den Gebrauch offener Gefäße entwikelt habe.

Zersezung des Kochsalzes durch doppelte Verwandtschaft in offenen Gefäßen.

Statt die Salzsäure aus der salzsauren Soda frei und durch einfache Verwandtschaft zu entbinden, wie es geschieht, wenn man sich einer der angezeigten Verfahrungsarten bedient, ist es, wie man sehen wird, möglich, die Nachtheile zu verhüten, welche man dieser Art der Zersezung vorwirft, wenn dieselbe durch doppelte Verwandtschaft bewirkt wird; es findet dann ein Austausch der Basis statt, und die Salzsäure verbindet sich in dem Augenblike, wo sie die Soda verläßt, mit einer anderen Basis. Diese neue Verbindung, obschon sie in offenen Gefäßen vor sich geht, liefert kein nachtheiliges, ungelegenes oder ungesundes Ergebniß. Dieses zweite Verfahren kann daher, nach meinem Bedünken, mit desto größerem Vortheile das erstere ersezen, indem es ganz unschädlich ist, zwei Producte liefert, kein großes Capital fordert, und die Handgriffe bei demselben der Fassungskraft eines Jeden angemessen sind.

Die Verfahrungsarten, welche zur Zersezung des Kochsalzes durch doppelte Verwandtschaft erforderlich, und mit Vortheile in einer Fabrik ausführbar sind, lassen sich auf folgende sieben zurükführen.

Die erste besteht darin, daß man das unter dem Namen Mennig bekannte Bleioxid mit einer Kochsalzauflosung mengt, wodurch man kaustische Soda und salzsaures Blei erhält.

Nach dem zweiten Verfahren mischt man eine concentrirte Kochsalz-Auflösung mit Kalk, und macht daraus eine Art Teig, den man einer feuchten Luft aussezt; das Ergebniß dieser Verbindung ist kohlensaure Soda und salzsaurer Kalk.

Durch das dritte Verfahren, nach welchem man eine Mischung von Kochsalz und schwefelsauren Eisen bereitet, nachdem man zuvor beide Substanzen gepülvert und an einem feuchten |556| Orte gelassen hat, erhält man, als neue Producte, festes salzsaures Eisen von sehr schön gelber Farbe, und schwefelsaure Soda.167)

Bei dem vierten, welches in einer Auflösung von schwefelsaurem Eisen und Kochsalze besteht, die man dann einer Temperatur von 1 bis 2 Graden unter 0 R. aussezt, ergeben sich als Producte krystallisirte schwefelsaure Soda und flüßiges salzsaures Eisen (obige Temperatur kann man leicht in jeder Jahreszeit herstellen.)

Das fünfte Verfahren besteht darin, daß man Kochsalz über geschmolzenem Bleie verknistern läßt. Das Häutchen von oxidirtem Bleie, das sich augenbliklich auf dem Flusse bildet, wird sorgfältig weggenommen, und ganz warm in gewöhnliches Wasser geworfen, um eine Lauge zu bilden; man erhält daraus kaustische Soda und salzsaures Blei.

Bei dem sechsten Verfahren gießt man auf eine Masse geschmolzenen Bleies mit einem Gießkannen-Knopfe eine Lage gesättigter Kochfalz-Auflösung; das Häutchen, das sich dann bildet, wird abgenommen, und sogleich in ein Geschirr mit gemeinem Wasser gethan; aus der Lauge erhält man die nämlichen Producte, wie bei dem vorigen Verfahren.

Das siebente Verfahren besteht darin, daß man statt auf das geschmolzene Blei natürliches Kochsalz zu bringen, das oxidirte Häutchen an der Oberfläche dieses Flusses abnimmt, und ganz warm in eine gesättigte Kochsalz-Auflösung bringt, wo man dann die nämlichen Producte, wie bei den beiden vorhergehenden Verfahrungs-Weisen, bekommt. Diese vier lezteren Verfahrungs-Arten habe ich erfunden.168)

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Außer ihrer Unschädlichkeit haben diese sieben Verfahrungs-Arten den kostbaren Vortheil, einfach, leicht ausführbar, und überdieß wenig kostspielig und sehr fruchtbar für Nebenbeschäftigungen in der Industrie zu seyn. (Ich werde noch beifügen, daß es möglich ist, das salzsaure Blei in kohlensaures Blei oder Bleiweiß umzuwandeln.169)

Man kennt noch einige andere Verfahrungs-Arten, deren Anwendung nüzliche Resultate erwarten ließ; die Erfahrung hat aber nicht zu ihren Gunsten gesprochen.

Wenn man von den angezeigten Verfahrungs-Weisen jene ausnimmt, bei welchen man Blei anwendet, welches man zu diesem Zweke vielleicht zum Theile aus dem Auslande beziehen müßte, so lassen sich die übrigen im Großen und zwar beinahe in allen Gegenden ausführen; denn es gibt wenige, welche nicht kalkartige oder schwefelartige Mineralien besäßen; mehrere dieser lezteren befinden sich sogar in der Nähe von Salzsümpfen, Salzquellen, Salzbergwerken, Salinen oder Salz-Niederlagen, was eben so viele Erleichterungen zur Aufmunterung der Unternehmer sind.

Wann einst die Ausbeute der Blei-Minen, welche gegenwärtig mit Eifer in den Departementen de la Charente, de la Haute-Loire, de la Lozère, de l'Isère, de la Vienne, du Finistère, de Vosges, du Haut-Rhin et du Nord bearbeitet werden, für unsere gewöhnlichen Bedürfnisse ausreichen wird, dann können wir den Ueberschuß zur Erzeugung der künstlichen Soda verwenden.

In Erwartung dieser Epoche, die nicht mehr fern seyn |558| kann, und um uns die Vervollkommnung der Verfahrungs-Arten zu beschleunigen, über welche sich die Erfahrung noch nicht ausgesprochen hat, könnte vielleicht die Staatsgewalt bei Ertheilung der Erlaubniß zur Errichtung neuer Soda-Fabriken, nach der Abhängigkeit, in welcher die bestehenden Soda-Fabriken, welche von der freien Schwefelsaure Gebrauch machen, sich befinden, die ausdrükliche Bedingung sezen, sich dieses Mittels nicht unter dieser Form zu bedienen; wenn das Decret, welches diese Fabriken von dem am Kochsalze erhobenen Gefällen ausnahm, diese Einschränkung beigefügt hätte, so würde der Staat seit 17 oder 18 Jahren nicht das Geld eingebüßt haben, welches für den Einkauf der zur Erzeugung dieser Säure nothwendigen Materialien in das Ausland wanderte; im Gegentheile hätte dieses Geld, gezwungen im Lande zu bleiben, zur Verbesserung der Verfahrungsweisen, die sich mit Anwendung der inländischen, zur Soda-Erzeugung geeigneten Materialien beschäftigen, so wie zur Vermehrung der Anstalten, die dieselben verbraucht hätten, beitragen müssen.

Eine zweite, eben so wesentliche, Bedingung, die man den Soda-Fabrikanten auflegen mußte, welche auf Befreiung von den Gefällen auf das Kochsalz Anspruch machten, wäre speciell, und bei Strafe der Sperrung ihrer Werkstätten, diese gewesen, daß sie entweder durch einfache Verwandtschaft so arbeiten, daß die gasartigen Dämpfe, die sich bei Zersezung des Kochsalzes entwikeln, nicht in die Luft aufsteigen, oder daß sie ihr Fabrikat durch doppelte Verwandtschaft erzeugen; allein, man war damahls noch nicht über die Nachtheile dieser Dämpfe aufgeklärt.

Unterdessen, und in Betrachtung des gegenwärtigen Zustandes der im Königreiche bestehenden Fabriken, die mit Hülfe der einfachen Verwandtschaft in offenen Gefäßen arbeiten, handelt es sich darum, denselben Mittel an die Hand zu geben, die den Klagen der Eigenthümer und der Nachbaren abhelfen können: ich schlage deren mehrere vor, welche ich für geeignet halte, die Einen sowohl als die Anderen zu beruhigen, und wünschte, daß die Gelehrten, denen ich selbe vorzulegen die Ehre habe, sie eben so beurtheilen.

Mittel, um den Nachtheilen abzuhelfen, die man an den bestehenden Soda-Fabriken rügt, welche mit offenen Gefäßen arbeiten.

Es biethen sich mehrere Mittel dar, um diesen Nachtheilen |559| ein Ende zu machen; sie beziehen sich alle auf die gewöhnliche Einrichtung der gebräuchlichen Oefen, in welchen man die Zersezung des Kochsalzes vornimmt.

Erstes Mittel: Ein senkrechter Schornstein zu einer Höhe von 100 Fuß oder darüber.

Da die gebräuchlichen Schornsteine im Allgemeinen eine unbedeutende Höhe haben (denn selten beträgt diese 30 Fuß über dem Boden), so darf man sich nicht wundern, daß die Salzsäure, die oben aus denselben in Gestalt gasförmiger Dämpfe herausdringt, sobald sie in Berührung mit der umgebenden Luft kommt, aus welcher sie mächtig die Feuchtigkeit anzieht, eine Art Wolken bildet, welche auf die Erde zurükgeworfen, entweder durch ihre eigene Schwere, oder durch die Winde, sich auf den in der Nähe befindlichen Körpern verdichten, und denselben mehr oder minder schädlich werden, je nachdem sie während ihres Falles sich mehr oder minder mit Wasser gesättigt haben, welches sie der Luft entzogen, die sie durchschnitten.

Wenn dagegen die Schornsteine dieser Oefen, im Vergleiche mit den gewöhnlichen sehr hoch gemacht werden, (ich nehme dieselben zu 100 Fuß Höhe an), so haben die salzsauren Dämpfe, die aus ihnen aufsteigen, und sich in der Luft verbreiten, Zeit ihre Feuchtigkeit zu absorbiren, und folglich sich zu verdichten, ehe sie die Erde berühren, wenn sie anders auf dieselben kommen; im lezteren Falle ist es begreiflich, daß sie den Körpern, auf die sie stoßen, nicht schaden können, da sie so im Wasser aufgelöst sind, daß sie keine Kraft mehr besizen; es ist dabei zu bemerken, daß die Dämpfe sich auf die Erde nur bei sehr nebeligem Wetter, oder durch die Richtung und den Druk einer windigen Luft senken können. So eben wurde gesagt, daß in diesen Fällen, die übrigens sehr selten sind, mittelst der hohen Schornsteine, von denen die Rede ist, die Dämpfe, die aus denselben hervordringen, und wieder zurükkehren, gar nicht schädlich sind; mit noch mehr Grunde werden sie es nicht seyn, wenn der Himmel ruhig und heiter, und die äußere Temperatur hoch ist: in diesem Falle steigen diese Dämpfe bekanntlich in geraden Säulen empor, und verschwinden bald in dem höheren Raume.

Das Nämliche findet Statt, wenn sie bei dem Austritte aus diesem lezteren Schornsteine durch den Wind eilte horizontale Richtung erhalten.

Damit die Schornsteine dieser Art durch die darin circulirenden |560| Dämpfe weniger angegriffen werden, muß ihre innere Oberfläche, und selbst ihre äußere, mit einem glatten Ueberzuge aus einer Mischung von grauem oder weißem Thone mit Kiesel-Erde so bekleidet werden, daß er sich nicht durch sein Einziehen oder durch die Hize spalte; ein Ueberzug von gutem Gypse allein, oder mit Kieselerde gemischt ist, auch sehr gut, wie ich gelegenheitlich bestätigt fand.

Indessen wird es immer, und auch in Rüksicht, daß ein Theil des Dampfes, welcher die inneren Wände des Schornsteines berührt, sich verdichtet,170) und dann längs der Seiten desselben herabläuft, gut seyn an dem unteren Ende desselben kleine Kessel von Blei anzubringen, um diesen mehr oder minder säuerlichen Abfluß aufzufangen.

Obwohl ich der Ersparniß wegen, einen besonderen Ueberzug vorgeschlagen habe, so ist es einleuchtend, daß eine Schichte Blei, welche die Wände des Kamines auskleidete, den Vorzug verdiente, wenn er nicht kostspieliger wäre.

Ich muß übrigens bemerken, daß ich, in Hinsicht auf hohe Schornsteine, selbst aus Gyps, die Erfahrung für mich habe; ich lernte ihre Wirksamkeit während mehrerer Jahre sowohl in Paris, als in den Departementen, seit dem Jahre 1808 kennen, wo keine Klage erhoben wurde, obwohl Wohnungen und Gärten in Nähe dieser Soda-Fabriken waren.

Da ein Schornstein von 100 Fuß Höhe, wie ich vorschlug, kostspielig ist, so ist es, wie man leicht begreift, vorteilhaft, denselben so anzubringen, daß er für mehrere Zersezungs-Oefen171) gemeinschaftlich dient; zu diesem Zweke würde der Schornstein auf eine feste Grundlage in der gehörigen Entfernung von eben diesen Oefen entweder nach vorwärts, oder nach rükwärts gebauet; nach vorne würden Leitungs-Röhren, nach der Mündung eines jeden dieser Oefen geneigt, unter einem gewissen Winkel bis zum Körper des Ofens geführt; nach hinten würden Röhren, welche über den Boden des Ofens gingen, unter |561| einer gewissen Neigung sich an den Körper des gemeinschaftlichen Schornsteines, in jener Entfernung anschließen, die man für die Erleichterung des Dienstes wünschte. Die Neigung dieser Röhren läßt sich sehr gut durch Schachte geben, welche Platten mit einem Ueberzuge von Thon oder Gyps haben, wie ich aus Erfahrung weiß.

Statt das Wenige von Säure in der Luft zu verlieren, muß man bedenken, daß es möglich wäre sie zu verdichten, wenigstens dem größten Theile nach. In dieser Absicht könnte man auf folgende Weise verfahren. Im Inneren des Grundes des Schornsteines, und an der Erdfläche, würde im Niveau der Wände, ein bleierner Behälter angebracht. Außen an diesem Schornsteine, und nahe an seinem Grunde, würde ein Schacht eingelassen, wohin man mittelst Druk- oder Saug-Pumpen Wasser liefern könnte, welches, in den Röhren der äußeren Mauer des Schornsteines hinaufgeleitet, in dessen Inneres von einer gehörigen Höhe herabfallen gelassen würde, um durch den Regen, den es auf diese Weise bildet, den aufsteigenden Dampf zu verdichten, und so in flüßiger Gestalt bis in den Behälter zurükzuführen.172) Allerdings würde diese Säure mehr oder minder verdünnt seyn; allein es würde, wie wir stündlich sehen können, sehr leicht möglich seyn, dieselbe nach Belieben und mit Ersparniß zu verdichten, um, ohne in den Grund des Schornsteines eindringen zu dürfen, die Flüßigkeit nöthigen Falles aus dem Behälter herausnehmen zu können. Es versteht sich, daß dieser über dem Boden erhaben seyn muß, so daß man durch eine Entleerungs-Röhre die Flüßigkeit ganz abziehen kann. Damit man aber die Höhe des Volumens der Flüssigkeit, die sich dort abgesezt findet, stets erfahren könne, bringt man außen am Schornsteine eine im Winkel gebogene Glasröhre an, deren horizontaler Theil im Inneren des Behälters eingekittet ist, und die in ihrem senkrechten Aste das Aufsteigen dieser Flüßigkeit erleichtert.173) |562| Da es den Soda-Fabrikanten daran liegen könnte, die Salzsäure zu verdichten, so würde dieß leicht seyn, wenn man über dem Boden des Ofens einen Bleikessel anbrächte, in welchem man die Säure einließe, um das überflüßige Wasser abzudampfen, welches man mittelst eines Dekels aus einem einfachen Schindelbrette leiten könnte, welcher so gebauet wäre, daß er eine Ventilation hervorbrächte, die das abgedampfte Wasser bis in den Körper des Schornsteines durch eine besondere Röhre leitete. Der Kessel muß übrigens auf einer Reihe kleiner Mauern von Ziegelsteinen ruhen, welche zum Theile Wärmeröhren bilden, über welchen er zum bequemeren Gebrauche angebracht ist.174)

Zweites Mittel. Ein zum Theile horizontaler, zum Theile senkrechter Schornstein.

Es sey, wie man sah, über dem Hintertheile des Ofens eine Reihe von Canälen angebracht, die über sich selbst zurük laufen, und in eine gehörige Höhe emporreichen, von denen das eine Ende den Dampf beim Austritte aus der Mündung des Ofens aufnähme, und ihn dem entgegengesezten Ende zuführte, nachdem er die Reihe der Canäle, in der geneigten Röhre, die mit dem Schornsteine in Verbindung steht, durchlaufen hat; ferner sey, in der Wölbung des Ofens selbst, ein, (oder nöthigen Falles auch mehrere) Cylinder von Gußeisen eingekittet, dessen durch die Flamme erhizten Theil man vor der Oxidation durch einen Ueberzug aus Thon und Dünger geschüzt hätte, und dessen Oeffnung über die Mauer der Fütterung des Ofens vorragte, indem diese Oeffnung immer durch einen Pfropf aus demselben Metalle mit Schraube und Mutter nach Belieben geöffnet und geschlossen werden könnte: dieser Theil, der über die Mauer hinausragt, wird mir einer Röhre gleichfalls aus Gußeisen versehen, mit Hülfe derer man durch gehörige Anhänge die besagten Cylinder in Verbindung mit dem Eingange der erwähnten Wärmeröhren |563| sezen kann. Da diese Cylinder bestimmt sind, feste thierische Stoffe175) aufzunehmen, um daselbst destillirt zu werden, Stoffe, die ihrer Natur nach kohlenstoffhaltig sind; so steht man ohnedieß, daß die ammoniakalischen Theile, welche sich daraus durch Destillation entwikeln, in die Wärme-Röhren, von denen die Rede war, dringen müssen; daß auf der anderen Seite die salzsauren Dämpfe, welche ebenfalls dorthin zurükgeworfen werden, auf die ammoniakalischen stoßen, sich damit verbinden, und so den bekannten Salmiak erzeugen. Um die Verwandtschaft der beiden Dämpfe zu erleichtern, wird es gut seyn, in den Röhren, in einer Entfernung von einander, sowohl an der oberen, als an der unteren Fläche derselben, einen Vorsprung oder eine Blendung anzubringen, wodurch ihrem zu schnellen Durchgange Widerstand geleistet, und so eine innigere Verbindung derselben erzwekt wird. Um endlich die Ansammlungen oder Incrustirungen des Salmiakes in diesen Röhren ausnehmen zu können, müssen Thürchen an dem oberen Theile der Röhren angebracht seyn, welche während der Arbeit verklebt werden müssen.176)

Nach diesen Vorrichtungen, wenn sie gut angebracht sind, steht man, daß der Schornstein nur eine sehr geringe Menge der beiden Dämpfe aufnehmen, und daß, in diesem sehr wahrscheinlichen Falle, ihr Aufsteigen in die Luft keine Nachtheile veranlassen kann. Dieß sind die Vortheile dieses doppelten Schornsteines, so daß in dem Falle, wo sich der Unternehmer der Sodafabrik entschließt, diese salzsauren Dämpfe zu benüzen, er diesen Schornsteinen nicht die angegebene Höhe zu geben braucht; eine Höhe von 60 Fuß würde dann genügen.

Man sah, daß man durch das erste Mittel mehr oder minder concentrirte Salzsäure, durch das zweite Salmiak als Product erhält, welchen man reinigen müßte: diese zwei verschiedenen Producte kann man sich also in den Soda-Fabriken verschaffen, sie mögen was immer für eine Lage haben. Ich will jedoch diejenigen betrachten, welche nahe am Meere, wie mehrere |564| in der Umgegend von Marseille gelegen sind, und dieß wird das dritte Mittel geben, womit ich mich beschäftigen will.

Ich will gleich anfangs annehmen, daß die Fabrik in der Nähe eines Salzteiches, oder eines Meeres, das nicht der Ebbe unterworfen ist, wie dieß z.B. mit dem mittelländischen Meere beinahe der Fall ist, sich befindet. Ich seze ferner noch voraus, daß der Unternehmer ganz auf Gewinnung der Salzsäure Verzicht leistet. In diesem Falle, und wenn die Fabrik neben einem Salzteiche gelegen ist, so bringt man an jeder Mündung des Ofens, der zur Zersezung des Kochsalzes dient, einen geneigten Canal an, welcher mit anderen Canälen in Verbindung gesezt wird, die sich theils unter, theils über der Oberfläche dieses Teiches befinden. Man bringt im Inneren dieser lezteren Vorsprünge oder Blendungen an, um die salzsauren Dämpfe, welche dahin gelangen, zu nöthigen langsam auszutreten, damit sie von dem Wasser, womit sie während ihres Austrittes in Berührung kommen müssen, eine längere Zeit über verschlungen werden können. Da es wichtig ist, daß dieses so viel als möglich geschähe, so müssen die auf dem Teiche angebrachten Canäle die Länge haben, welche nöthig ist, um die Verdichtung und Absorption in der möglich kürzesten Zeit von sich gehen zu lassen.177) Dasjenige, was so eben in Betreff einer Fabrike an einem Salzteiche gesagt wurde, dessen Wasser man benüzen kann, muß auch von jenen gelten, welche am Meeres-Ufer liegen.

Ich glaube nicht die nämliche Vorrichtung, wie oben, für die Benüzung der süßen und laufenden Gewässer vorschlagen zu dürfen, indem der salzsaure Dampf, welcher dort täglich in größerer oder geringerer Menge, nach der Ausdehnung der Fabrik, oder nach der Zahl der Fabriken verdichtet würde, als schädlich, entweder für das Trinkwasser, oder für die Fische, oder für den ganzen übrigen örtlichen Gebrauch betrachtet werden könnte, was mich noch mehr bewegt, diese Art als nicht anwendbar für die stehenden süßen Gewässer zu erklären.

Da bei der Einrichtung der fraglichen Canäle vor allem Ersparung zu berüksichtigen ist, so darf, da sie wohl nur aus Holz gemacht |565| seyn können, ihre Erneuerung, die früher oder später nöthig scheint, nie große Kosten erfordern.

Hier folgt nun das vierte Mittel, welches ich vorzuschlagen habe.

Ich nehme an, die Fabrik befinde sich nahe bei einem Kalksteinbruche, oder in einer Lage sich Kalksteine verschaffen zu können, und der Theil des Steinbruches, dessen man sich bedienen will, sey verlassen oder zu vermiethen; die Gänge, von denen man Gebrauch machen will, seyen nur zu einem beschränkten Gebrauche, wie man gleich angeben wird.

Man baut daher, wie schon weiter oben gesagt wurde, an der Mündung mehrerer Oefen Canäle, die nach dem Eingange eines Ganges des gedachten Steinbruches gerichtet sind, der nach seiner Breite in zwei Theile geschieden ist, deren einer für die Bewegung der Arbeiter, der andere für die Arbeit dient, wovon die Rede seyn wird; lezterer wird in eine Reihe von mehr oder minder zahlreichen Abtheilungen getheilt; jede derselben wird durch eben so viele hölzerne Scheidewände von gehöriger Festigkeit abgeschieden, welche abwechselnd, die eine mit dem oberen Theile der Galerie, die andere mit dem unteren, Ein Stük bilden: die besagten Theile sind mit über einander gefügten Brettern gefüttert. Der aufsteigende Theil der Wand der Galerie wird ebenfalls mit einer ähnlichen Verzimmerung von Brettern gedekt.

Aus dieser Einrichtung geht hervor, daß der Zwischenraum einer jeden Abtheilung einen Kasten oder eine Hütte bilden wird, worin die Bruchsteine aufgenommen werden können, die man alsogleich sezen und brauchen lernen wird. Die Abtheilung, welche den eindringenden Dämpfen zunächst liegt, nimmt die Schichten der Bruchsteine in folgender Ordnung auf: der Theil, welcher sich auf die Scheidewand stüzt, derjenige, welcher auf dem unteren Theile (auf dem Boden oder der Sohle des Ganges), ruhet, derjenige, in welchen der eindringende Dampf kommt, und jener, welcher den Himmel oder den oberen Theil der Hütte berührt, sind alle aus gewöhnlichen Bruchsteinen zusammengesezt. Der mittlere Theil einer jeden Hütte nimmt die kleinsten Steine oder Trümmer auf. Die Scheidewand zwischen diesen zwei ersten Hütten steigt nur 12 bis 15 Zolle über dem Boden herab, und wird daselbst fest gehalten, um durch diesen Raum dem Dampfe Eintritt in die zweite Hütte zu verschaffen. Die |566| Scheidewand zwischen der zweiten und dritten Hütte muß im Gegentheile ganz auf dem Boden ruhen, und darf sich nur bis auf 12 bis 15 Zoll von dem Himmel oder von der Deke erheben. Die folgenden Scheidewände der Hütten müssen unter sich in einer ähnlichen Abwechselung stehen, und die Vertheilung der Bruchsteine in einer jeden der besagten Hütten wird dieselbe seyn, wie in der ersten.

Damit der eingedrungene Dampf nicht austrete, muß die Seite einer jeden Hütte, welche dem Durchgange zugewandt ist, gewisser Maßen luftdicht durch Schieber aus festen Brettern geschlossen seyn, welche sich nach Belieben jederzeit während des Durchzuges der Dämpfe in den Hütten abnehmen, und wieder anbringen lassen. Diese Schieber müssen in ihrem ganzen Umfange verkleibt seyn, damit der Dampf bei seinem Durchzuge nicht austreten könne, und damit er nicht gleich bei seinem Eintritte eindringe, müssen passende Bretter angebracht seyn. Der Dampf, der auf diese Weise eingeschlossen ist, ist, um seinen Weg zu verfolgen, gezwungen, in die Räume der großen Bruchsteine einzudringen, und so gelangt er dann nach und nach, indem er die Hütten bald hinan bald hinabsteigt, am Ende des Ganges, nachdem er seine Wirkung auf die Oberfläche der Bruchsteine ausgeübt hat, die von ihm durchdrungen werden.

Man wird bemerken, daß zur Erleichterung dieser Wirkung es gut seyn wird, wenn die Bruchsteine ihr Bruch-Wasser haben, und daß, in dem Falle, wo sie nicht hinlänglich feucht wären, es erforderlich seyn würde, sie in einen Trog Wassers nach Verhältniß und Maßgabe ihrer Stellung zu tauchen. Da das Resultat der Einwirkung der salzsauren Dämpfe auf die kalkartige Substanz, das unter dem Namen salzsaurer Kalk bekannte Salz ist, und da es wichtig ist dasjenige, was davon flüßig wird, nicht zu verlieren, so muß man bei Errichtung der Hütten dem Boden einen Abfall geben, wodurch diese abtropfende salzsaure Verbindung in einen Behälter am Ende des Bodens geleitet werden kann.

Da es möglich wäre, daß bei der Länge des Ganges der Dampf denselben nicht völlig durchliefe, so würde es sehr gut seyn, an seinem Ende eine Pfanne anzubringen, deren Wärme ihm zur Förderung diente.

Da die Bruchsteine, wie man sich leicht denken kann, durch die Verwandtschaft des Dampfes mit ihrer Substanz unmerklich |567| an Volumen verlieren müssen, so muß nothwendig eine Zeit kommen, wo sie erneuert werden müssen; und um bei dieser Erneuerung die alte Einrichtung derselben zu erhalten, müssen dieselben wegen der Verminderung ihres Volumens in die Mitte einer jeden Hütte kommen.

Die so eben angegebene Errichtung eines Ganges mit Abtheilungen, um dort die Dämpfe zu verdichten, schikt sich für einen Fabrikanten, welcher nicht Eigenthümer des Plazes ist; wenn er es aber wäre, so müßte er dort die Zersezungs-Oefen, und zwar an den beiden Enden des Ganges anbringen, so daß die zwei Reihen der Hütten und Abtheilungen in einer und derselben Linie lägen, damit, am Orte ihrer Vereinigung, der Schornstein, welcher sich dort erhebt, um die noch nicht gebundenen Dämpfe aufzunehmen, beiden gemeinschaftlich dient, so wie auch die oben gedachte Pfanne. Man begreift, daß dieser Schornstein eben nicht sehr hoch seyn darf. – Wann, gegen alle Wahrscheinlichkeit, zu viel Dämpfe entwischten, so könnte man sie, wie bereits vorgeschlagen wurde, durch eine Pumpe verdichten. Man könnte sie auch durch einen bestimmten Einsaz von Bruchsteinen in dem gedachten Schornsteine verschlingen lassen; allein, die gegitterten Boden, obwohl stark und mit Bleiplatten bedekt, haben zu viele Schwierigkeiten, als daß man sie räthlich finden könnte:178) dasselbe gilt von den Thürmen oder Gruben zu diesem Zweke.

Die verschiedenen Mittel, die in dieser Abhandlung erörtert wurden, bedürfen noch einiger allgemeiner Bemerkungen.

1) Die besprochenen Schornsteine können ohne Unterschied aus Stein, oder aus Ziegeln bis zu einem Drittel ihrer Höhe gebaut, und der Nest mit Zimmerwerke, das fest auf dem gemauerten Grunde ruhet, vollendet werden. Diese Zimmerung kann mit Schindeln oder Latten aufgeführt werden, wobei man Sorge trägt, diese sowohl als jene, außen und innen, mit einem guten Ueberzuge aus Thon und Kieselerde zu überziehen.179) Die nakte, und nach außen vorspringende Zimmerung |568| kann zur größeren Bequemlichkeit mit mehreren diken Lagen Oehl bedekt werden.

2) Wenn man, für das Spiel der Pumpen, welche man zur Verdichtung der Dämpfe anbringt, die Arme durch eine Dampfmaschine ersezen zu müssen glaubt, so steht man in Voraus, daß dieselbe, wenn man sie über dem Untertheile eines beständig in Thätigkeit stehenden Ofens anbringt; wenn man ihre Kraft mit dem Spiele der Pumpen in Verhältniß sezt; sie nur einen sehr kleinen Durchmesser haben darf, und folglich auf eine sehr wohlfeile Art durch die Wärme eben dieses Ofens geheizt werden kann. Es ist überflüßig zu bemerken, daß ihr Kessel vor der Einrichtung der Salzsäure geschüzt werden muß.

3) Es würde möglich seyn, die Kosten der Erneuerungen, der hölzernen Abtheilungen der Gänge zur Verdichtung zu vermindern, wenn man die Zwischenmauern und Umkreise der Hütten durch Mauern aus Ziegelsteinen ersezte, welche mit einer Glasur oder mit Thone überzogen wären. Wenigstens wird diese Erneuerung nur ein- oder zwei Mahl jährlich Statt finden dürfen.

Man hätte auch die hölzernen Abtheilungen sowohl der Seiten-Flächen, als der Deke des Ganges weglassen können; allein, die Furcht, dieselben zu schnell durch die Einwirkung des Dampfes vernichtet zu sehen, und so die Sicherheit des Bruches zu gefährden, machte es räthlich, sie durch Deken von Holz zu sichern.

4) Wenn die Soda-Fabrikanten die Entschädigungen, welche sie für die Nachtheile, die sie ihrer Nachbarschaft zufügen, bezahlen müssen, und die Unannehmlichkeiten in Betracht ziehen, welchen sie in dieser Beziehung ausgesezt sind; wenn sie ferner die geringen Kosten damit vergleichen, welche ihnen die Herstellung der angerathenen Vorrichtung verursachen kann, so unterliegt es keinem Zweifel, daß sie sich nicht beeifern werden, davon Gebrauch zu machen, theils zu ihrem Nuzen, theils für ihre eigene Ruhe, theils für die Sicherung ihrer Fabriken.

5) In dem entgegengesezten Falle, wo der Unternehmer, statt sich der Anwendung eines der vorgeschlagenen Mittel zu unterziehen, das einstweilige Verboth der Zersezung des Kochsalzes während einer bestimmten Jahreszeit vorziehen zu müssen glaubte, müßte dann die Staatsgewalt einschreiten, und für alle Betheiligte, auf Gründe gestüzt, den Befehl erlassen, daß solche Fabrikanten im Falle der Uebertretung ihrer Entscheidung |569| bei schwerer Strafe gehalten seyn sollen, die Zersezung in ihren Oefen acht Monate hintereinander, vom ersten Märze, nämlich eines jeden Jahres angefangen, bis zum lezten October, einzustellen, und folglich dieselbe nur während vier Monate, vom ersten November eines jeden Jahres an bis zum lezten Februar des nächsten, vorzunehmen.

6) Eine ähnliche Arbeit, welche in gewissen Gegenden ausführbar und schiklich wäre, könnte jedoch, wie man sich nicht verhehlen darf, in gewissen anderen Gegenden durchaus nicht mehr anwendbar seyn, indem, wenn während der Winters-Zeit die salzsauren Dämpfe keine oder nur sehr wenig schädliche Wirkung auf die Pflanzen äußern, sie doch für die benachbarten, oder in einer bestimmten Entfernung gelegenen Wohnungen, theils in Bezug auf verschiedene Gerätschaften, welche davon angegriffen werden, theils in Bezug auf das thierische Leben, welches darunter leiden kann, nachtheilig werden können. In dem einen wie in dem anderen Falle steht es der Local-Verwaltung zu, sich das erforderliche Licht zur Beleuchtung ihres Ganges zu verschaffen.

7) Eine lezte Bemerkung von allgemeinem Interesse für die Soda-Fabrikanten ist die, daß dieselben, da sie in Zukunft, nach meinen Vorschlägen, die Nachtheile vermeiden können, die man an ihnen rügt, auf keine Entschuldigungen mehr Anspruch machen können, indem sie, nach ihrem Zweke, ohne der Nachbarschaft zu schaden, ihre Dämpfe entweder in der Luft verlieren, oder sie als saure Flüßigkeit sammeln, oder sie binden können, um Producte zu erhalten, die für mehrere Künste, so wie für den Verbau, von Nuzen sind.

Der salzsaure Kalk, eines dieser Producte, ist in der That nicht nur ein treffliches Mittel, die Schädlichkeit der salzsauren Dämpft, welche sich in den Soda-Fabriken entwikeln, zu hindern, sondern dieses Salz ist auch berufen, dem Akerbaue einen neuen Umschwung zu geben, indem es ein sehr wichtiger, wenn gleich untergeordneter, Industrie-Zweig für die Unternehmer dieser Fabriken geworden ist. Seit 1790 hatte ich Gelegenheit dieses zerfließliche Salz als Dünger, oder vielmehr als Reizmittel für die Pflanzenwelt anzuwenden. Die verschiedenen Resultate der Versuche, welche ich hierüber anstellte, und im Jahre 6 bekannt machte, wurden in den lezteren von mehreren Landwirthen bestätigt. Es ist nicht zu zweifeln, daß, wann die |570| für die Vegetation und Fruchtbarkeit so wohlthätigen Eigenschaften dieses Mittels besser bekannt seyn werden, die Akerbauer sich von allen Seiten desselben bemächtigen werden, und zwar mit desto größerem Rechte, als bei Ueberfluße an diesem neuen und trefflichen Verbesserungs-Mittel dasselbe zu einem sehr niedrigen Preise zu haben seyn wird, theils wegen der Leichtigkeit dasselbe zu erzeugen,180) theils wegen der Concurrenz der Fabriken, welche sich damit aus Handelsabsichten zum Gebrauche der großen und kleinen Pachtungen beschäftigen werden. Denn jede derselben kann nur Gewinn in der Anwendung einer Substanz finden, welche folgende drei treffliche Eigenschaften auszeichnen: die Frühzeitigkeit, welche sie den Saaten gibt, die doppelte Fruchtbarkeit, die sie denselben verleiht, und endlich der kostbare Vortheil, Samen, die lange Zeit ungebraucht gelegen sind, fruchtbar zu machen.

So kann ein Hauptzweig der Industrie einen Höchst wichtigen Nebenzweig derselben in das Leben rufen, indem er einen Stoff benüzt, welcher, statt wie heute zu Tage für die Soda-Fabriken verloren zu gehen, und ihnen selbst nachtheilig durch den Schaden zu werden, welchen er den Eigenthümern und Nachbarn dieser Fabriken verursacht, im Gegentheile bestimmt eben diesen Unternehmern Gewinn zu verschaffen, und mehreren Künsten, unter anderen auch der ersten aus allen dem Akerbaue, einen fördernden Schwung zu ertheilen, der die zahlreiche und so achtbare Classe der Landwirthe so nahe angeht. Ich schließe mit der Versicherung, daß ich, so viel es in meinem Vermögen stand, die Beschreibungen der Vorrichtungen und Verfahrungsarten, welche ich darlegte, verständlich zu machen suchte; ich hätte auch sehr gewünscht, diese Arbeit mit entsprechenden Zeichnungen begleiten zu können; allein da die Schwäche meines Gesichtes mir diese zu sehr erschwerte, so kann ich nur herzlich bedauern, daß ich diesen Wunsch nicht erfüllen konnte.

Diese Abhandlung wurde einer ehrenvollen Erwähnung gewürdigt.

|552|

Siehe im Journal de Physique (Dec. 1818) die Abhandlung, welche ich über diese Verfahrungsweise bekannt machte. Wir werden sie kennen lehren. A. d. O.

|552|

Siehe das Journal de Physique a. a. O. A. d. O.

|552|

Dieses Departement würde zur Anwendung dieses Verfahrens wegen der Menge schwefelkieshaltigen Schiefers, den es namentlich im Canton de la Hague, in der Umgegend von Wateville, enthält, sehr geeignet seyn. A. d. O.

|556|

Als ich mich mit dem Verfahren der Mischung des Kochsalzes mit dem gewöhnlichen schwefelsauren Eisen beschäftigte, erhielt ich 1) eine dreifache schwefelsaure Verbindung aus Soda, Alaunerde und Eisen; 2) den blauen Stoff, welcher zeither als jener betrachtet wurde, der die Grundlagen des Ultramarins enthielte. (Ich habe zu seiner Zeit, im J. 1799, Hrn. Bauquelin Muster dieser beiden Producte gezeigt.) A. d. O.

|556|

Das vierte Verfahren ist schon den älteren deutschen Chemikern bekannt gewesen. Die Zersezung des Kochsalzes auf Glaubersalz mittelst Eisenvitriol durch den troknen Weg, machte Hr. von der Ballen 1787 in Crell's Beiträgen zu den chemischen Annalen, Bd. 3. S. 112. bekannt. Nach dessen Angabe werden vier Theile Kochsalz mit einem Theile kochenden Wasser besprengt, noch drei |557| Theile Eisenvitriol hinzugesezt, und die Mischung in einem erhizten eisernen Kessel so lange gemischt, bis die Masse nach dem Erkalten nicht mehr an den Händen klebt, worauf sie in Broken auf Bretter gelegt, und nach dem Erkalten gleich den Kalksteinen in einem Ofen, anfangs bei schwachem Feuer, darauf bei verstärktem, in allem 8 Stunden lang gebrannt werden. Nach dem Ausnehmen aus dem Ofen wird das Glaubersalz (schwefelsaure Soda) durch Auflösen, Filtriren und Kristallisiren von dem Eisenoxid getrennt. Diese Zersezungsweise läßt sich leichter in einem Reverberir-Ofen bewerkstelligen. A. d. R.

|557|

Ich habe in verschiedenen Journalen Notizen über diese verschiedenen Processe bekannt gemacht. A. d. O. Eine nüzlichere Verwendung dürfte es seyn, das salzsaure Blei auf Bleigelb, Casselergelb zu verarbeiten. A. d. R.

|560|

Um diese Verdichtung zu unterstüzen, bringt man an den Wänden Blendungen von Blei an, wie noch weiter unten gesagt werden wird. A. d. O.

|560|

Ich habe Gelegenheit gehabt, die salzsauren Dämpfe aus drei Zersezungs-Oefen in den Körper desselben Schornsteines zu leiten. A. d. O.

|561|

Die Vorrichtung findet sich bereits in mehreren englischen Fabriken (Polyt. Journal Bd. XII. S. 257.). Vielleicht würde ein fortdauernder Strom Wasserdämpfe von noch besserem Erfolge seyn, zumahl hiezu die Heizung des Wassers keine besondere Feuerung erforderte. A. d. R.

|561|

Wenn man, an den vier Seiten des Inneren des Schornsteines, halbe Blendungen von Blei anbringt, die unter sich mit einer leichten |562| Neigung abwechseln, so theilt sich das Wasser, welches gegen die Höhe des Schornsteines strömt, indem es auf diese Blendungen stößt, und unterstüzt so durch seinen allmähligen Fall die Schnelligkeit der Verdichtung der Dämpfe. A. d. O.

|562|

Siehe über diesen Gegenstand meine kleine Abhandlung über die Anwendung des Wärmestoffes (Traité sur l'application du calorique. 1813). A. d. O.

|563|

Z.B. Wolle, Haare. Man kann auch in die Wärmeleitungs-Röhren Kessel mit thierischen Flüßigkeiten, wie Urin, Blut etc. bringen. A. d. O.

|563|

Ich habe diese Weise zu arbeiten mit gutem Erfolge angewandt. A. d. O.

|564|

Die Canäle können entweder gerade laufen, oder sich zur Seite einer über dem anderen zurükbiegen. A. d. O.

|567|

Diese Schwierigkeiten lassen sich durch einen Rost beseitigen, der aus Steinen von Porcellan oder Steingut gebaut ist, welche von den salzsauren Dämpfen nicht angegriffen werden. A. d. R.

|567|

Ein Ueberzug von Wasserglas (Polyt. Journal Bd. XVII, S. 245.) und Bleiglas dürfte noch weit entsprechender seyn. A. d. R.

|570|

Siehe die Abhandlung, die ich über diesen Gegenstand bekannt machte, 1824. (Ann. de l'ind. nat. et ètrang.) A. d. O. Polytechnisches Journal Bd. XIV. S. 380, und Bd. XV. S. 184, wo auch auf die weitere Anwendung des salzsauren Kalkes hingewiesen ist. A. d. R.

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