Titel: Perkin's Versuche mit Dampfgewehren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 20, Nr. XXII./Miszelle 11 (S. 105)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj020/mi020022_10

Perkin's Versuche mit Dampfgewehren.

Wir haben bereits im Bde. XIX. S. 103. in diesem Journale von Perkin's Versuchen mit seinen Dampfgewehren, welche er in Gegenwart des Herzogs von Wellington anstellte, Nachricht gegeben. Das London Journal of Arts gibt in den N. 52 und 53, S. 31, folgende weitere Nachricht hierüber:

Zuerst wurden Musketen-Kugeln auf eiserne Schieben von Ein Viertel Zoll Dike abgeschossen. Nur mit der möglich stärksten Pulverladung konnte man diese Scheiben durchlöchern; Musketen-Kugeln, mit Dampf dagegen geschossen, schlugen diese Scheiben leicht durch. Man nahm nun Ulmen-Pfähle als Zielscheibe, und Musketen-Kugeln, unter einem Dampfdruke von 110 Atmosphären dagegen abgeschossen, drangen tiefer ein als mit Schießpulver abgeschossen. Hr. Perkin schoß in einer Minute 1000 Kugeln ab, und kann, wie er versichert, diesen Druk des Dampfes vier und zwanzig Stunden lang, und überhaupt eine beliebige Zeit über unterhalten. Ein Pfund Steinkohle erzeugt, nach diesen Versuchen, eine Menge Dampfes, dessen Kraft gleich ist der Kraft von 5 Pf. Schießpulver.

Hr. Perkins hat, wie wir hörten, während des Verlaufes dieser Versuche die Ursache einiger Arten von Explosionen an Dampfmaschinen entdekt, die bisher unerklärlich waren. Er hat gefunden, daß, unter gewissen Umständen, die Temperatur des Dampfes sehr erhöht werden kann, während die Elasticität desselben sich zugleich vermindert, das aber leztere demselben augenbliklich wieder ertheilt werden kann.

Wenn wir Hrn. Perkins recht verstehen, so kann der Dampf, wenn er sich in einem Gefäße befindet, in welchem kein Wasser mehr vorhanden ist, durch Erhöhung der Temperatur so sehr verdünnt werden, daß die einzelnen lezten Theilchen desselben außer die Attractions-Sphäre kommen, innerhalb welcher noch Elasticität oder mechanische Kraft Statt haben kann; sobald man aber plözlich Wasser zusezt, erhält der so sehr verdünnte Dampf wieder Körper, und dadurch zugleich mechanische Kraft. Wenn dieß sich nun so verhält, wird ein Kessel, in welchem das Wasser gänzlich verdünstete, roth glühend werden, und die geringe Menge darin enthaltenen Dampfes so sehr verdünnen können, das keine mechanische Kraft mehr in demselben übrig bleibt; wenn aber plözlich Wasser in diesen Kessel eingelassen wird, so wird der Dampf dasselbe alsogleich aufnehmen, und einen so außerordentlich hohen Druk dadurch erhalten, daß er das Gefäß zerreißen wird.

Man hat zwar schon früher so etwas geahndet, allein man sah es nicht so deutlich ein.

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