Titel: Ueber Hrn. Jakob Perkin's Verbesserung in der Bewegung der Schiffe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 20, Nr. XXII./Miszelle 6 (S. 101–103)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj020/mi020022_5
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Ueber Hrn. Jakob Perkin's Verbesserung in der Bewegung der Schiffe.

Nach Hrn. Perkin's Methode Schiffe vorwärts zu treiben, werden flache Ruder oder Treiber, wie die Schaufel eines Ruders, am Hintertheile des Schiffes so angebracht, daß sie sich in einer auf dem Kiele senkrecht stehenden Ebene drehen, und indem sie so abgedacht sind, daß sie schiefe Flächen auf die Linie des Stoffes bilden, treiben sie das Schiff in einer der Richtungslinie der Wirkung ihrer Flächen auf das Wasser entgegengesezten Richtung. Damit nun durch diesen schiefen Stoß das Schiff nicht umgedreht wird, sind zwei Reihen solcher Ruder angebracht, die sich in entgegengesezter Richtung gleichzeitig drehen, folglich an besondern Achsen angebracht seyn müssen, welche, um zu verhüten, daß die Ruder nicht über die Seiten des Schiffes hinausragen, sich concentrisch drehen müssen, indem nähmlich die eine hohl ist, und die andere durch dieselbe läuft, und sich innerhalb derselben dreht. Auf jeder dieser Achsen bringt Hr. Perkins nur zwei Ruder einander gegenüber an, deren Abdachung oder deren schiefe Fläche so gekrümmt ist, daß, dicht an der Achse, sie in einen Winkel von 45 Graden mit derselben bilden, während an ihren Enden der Neigungswinkel 22 1/2 Grad beträgt. Ein Ende der dichten Achse, auf welcher die andere liegt, liegt innerhalb des Hintertheiles des Schiffes; das andere Ende wird von einem Querstüke getragen, welches auf den Enden zweier langen Hebel ruht, die längs den Seiten des Schiffes hinlaufen, und sich um Zapfen drehen, welche genau in einer und derselben Linie mit dem inneren Ende der dichten Achse liegen, welche Achse durch ein cylinderförmiges Stük Metall getragen wird, das sich in seinem Stiefel oder Lager so bewegen kann, daß das äußere Ende der Achse durch die Bewegung der Hebel und der Querstangen auf und niedergehoben werden kann, wodurch die Tiefe, bis zu welcher die Nuder in das Wasser eingreifen sollen, regulirt wird. Um die gehörige Bewegung von der Dampfmaschine oder von irgend einer andern Triebkraft zu erhalten: hat sowohl die dichte als die hohle Achse ihr kegelförmiges Rad an ihrem inneren Ende in der Nahe des cylinderförmigen Stükes, wodurch ersteres gestüzt wird, und durch welches dasselbe einige Zoll weit läuft, um das kegelförmige Rad an dem Ende desselben in derselben Entfernung von dem cylinderförmigen Stüke zu halten, in welcher das Rad sich auf der hohlen Achse an der gegenüberstehenden Seite befindet. Zwei andere kegelförmige Räder befinden sich unter rechten Winkeln auf der vorigen, mit ihren Zahnen in einander greifend, aber frei sich auf ihren Achsen bewegend, deren Enden sich in dem cylinderförmigen Stüke drehen, welches die dichte Achse der Ruder trägt. Auf derselben Achse mit diesen lezten beiden kegelförmigen Rädern sind zwei Speichenräder befestigt, welche die Achsen mit der Triebkraft verbinden, und, während sie sich mit diesen Achsen drehen, seitwärts nach diesen kegelförmigen Rädern hin oder von denselben weg bewegt werden können, so daß sie, mittelst hervorstehender Stüke, die zu die ein Ende an ihnen angebracht sind, auf die in Mühlen zu diesem Zweke gewöhnliche Weise mit denselben vereinigt oder davon entfernt werden können. Ein Metall-Rahmen läuft außerhalb dieser Speichenräder, und bewegt sich im Furchen in den Buckeln, welche sie mit den Achsen verbinden, so daß, wenn er mittelst einer in dieser Absicht daselbst angebrachten Schraube, die mittelst einer Kurbel gedreht wird, auf eine Seite gezogen wird, das kegelförmige Rad an der entgegengesezten Seite mit der bewegenden Maschine verbunden wird, und das andere Rad sich los um seine Achse dreht. Wenn die Schraube auf die andere Seite gedreht wird, wir das kegelförmige Rad, welches ehevor los war, in Thätigkeit gebracht, und das andere, welches ehevor thätig war, wird los. Auf diese Weise kann die Richtung der Bewegung der Ruder schnell verkehrt, und das Fahrzeug, nach Belieben, vor oder rükwärts getrieben werden.

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Die Mathematiker haben sich schon langst für schiefe Flächen zum Treiben der Fahrzeuge erklärt, und Dan. Bernuilli erhielt im J. 1752 von der Academi des Sciences zu Paris einen Preis, daß er dieses durch schiefe Flächen, welche sich drehten, bewerkstelligte. (Vergl. Retrosput of philosophical Inventions Vol. I. p. 243.) Wir sind indessen geneigt Hrn. Perkin's Plane, wegen der vorzuglicheren Einrichtung desselben, den Vorzug zu ertheilen, obschon wir es etwas auffallend finden, das er die beiden Ruder-Reihen etwas zu nahe aneinander rükte, wodurch die Wirkung der einen Reihe derselben auf das Wasser durch die der anderen Reihe geschwächt wird. (Glasgow Mechanics' Magaz. CIX. p. 361.)

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