Titel: Neue Triebkraft aus Faraday's Entdekung der Gasverdichtung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 20, Nr. XXII./Miszelle 8 (S. 103–104)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj020/mi020022_7

Neue Triebkraft aus Faraday's Entdekung der Gasverdichtung.

Wir haben bereits die wichtige Entdekung des berühmten Hrn. Faraday mitgetheilt, nach welcher es diesem großen Chemiker gelang, mehrere |104| Gasarten bis zum tropfbar flüßigen Zustande zu verdichten. Das Literary Chronicle N. 353., und aus diesem das Mechanics' Magazine (N. 131. 25. Febr. 1826. S. 298.) bemerkt, daß es endlich Hrn. Brunel gelang, einen Cylinder zur Aufbewahrung des tropfbar flüßigen kohlensauren Gases zu gießen, und daß er sich bereits ein Patent auf Benüzung desselben als Triebkraft geben ließ. Hr. Faraday sprach am 10. Februar l. J. bei einer Abend-Unterhaltung an der Royall-Institution über diese Maschine im Allgemeinen. Sie besteht (nach der a. a. O. etwas zu allgemein angegebenen Beschreibung), aus fünf Cylindern, wovon der mittlere mit einem Stämpel versehen ist, welcher so, wie der Stämpel in der Dampf-Maschine, wirkt. Die Kohlensäure ist in den beiden äußeren Cylindern eingeschlossen, und wird abwechselnd in dem einen verdichtet, in dem anderen ausgedehnt, und wirkt dadurch auf den Stämpel. Mehrere kleine Röhren laufen nämlich durch den äußeren Cylinder, und biethen der darin enthaltenen Mäßigkeit eine große Oberfläche dar, und da durch diese Röhren abwechselnd ein heißes und ein kaltes Medium läuft, wird die Kohlensäure abwechselnd in gasförmigen und in tropfbar flüßigen Zustand versezt. Wenn sie in gasförmigen Zustand verwandelt wird, wird ihr Druk ungeheuer, und übersteigt jenen von 30 Atmosphären. Wenn dieser Druk erzeugt ist, wird mittelst einer Röhre eine Verbindung zwischen dem oberen Theile des Cylinders mit einem anderen Cylinder hergestellt, welcher zwischen dem Erzeuger und dem mittleren Cylinder liegt, in welchem der Stämpel sich bewegt. Dieser mittlere Cylinder ist mit Oehl gefüllt, und communicirt von seinem unteren Theile aus mit der oberen oder unteren Seite des Stämpels, je nachdem die Seite ist, auf welcher er liegt. Auf der Oberfläche des Oehles ist ein dünnes Stük Holz, das genau in die innere Höhlung des Cylinders paßt, auf welches das einströmende Gas drükt, dadurch das Oehl niedertreibt, und so den Stämpel hebt oder niederdrükt.

Der Bericht-Erstatter schließt mit einem hochverdienten Lobe der Anspruchlosigkeit, Gefälligkeit, Offenheit und Herzlichkeit des edlen Hrn. Faraday , der jeden Fremden so empfangt, als sähe er einen alten Bekannten an demselben. Da auch der Uebersezer das Glük hatte, von diesem wahrhaft großen Manne so aufgenommen zu werden, so hält er es für seine Pflicht, die Wahrhaftigkeit des Ausspruches seines Originales zu bestätigen, um so mehr, als das Blümchen Wunderhold, man nennt's Bescheidenheit, nicht jedes Gelehrten Brust schmükt.

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