Titel: Preisaufgaben des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen. (Aus den Verhandl. des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen. Erste Lieferung. 1826. S. 17.) Allgemeine Vorbemerkungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 20, Nr. XLVIII./Miszelle 3 (S. 193–203)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj020/mi020048_3

Preisaufgaben des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen.
(Aus den Verhandl. des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen. Erste Lieferung. 1826. S. 17.)
Allgemeine Vorbemerkungen.

Die zu Anfange eines Jahrs gegebenen Preisaufgaben sind innerhalb eines Zeitraumes von zwei Jahren zu lösen. Drei Monate vor dem Ablaufe des Termins müssen die Bewerbungen eingesendet seyn. Verlängerung des Termins findet nur dann Statt, wenn sie öffentlich bekannt gemacht wird. Es steht den Preisbewerbern frei, ihre Namen zu nennen, oder statt dessen die Abhandlungen mit einem Motto zu versehen, und ihre Namen versiegelt in einem Couverte beizufügen, welches dasselbe Motto trägt. Das Couvert wird nur dann geöffnet, wenn das Motto den Preis gewinnt. Preisbewerber, welche den Preis nicht gewinnen, erhalten Beschreibungen, Zeichnungen und Modelle zurük, wenn sie gestatten, das Couvert zu öffnen, und wenn ihre Namen mit dem versiegelten Motto übereinstimmen.

Die Bedingungen, welche der Bewerbende zu erfüllen hat, sind nach |194| den §§. 27, 28 und 29 des Statuts des Vereins (polyt. Journal Bd. IV. S. 493), vom 24. November 1820, folgende:

§. 27. Wer sich um einen von dem Vereine ausgesezten Preis bewirbt, oder auf eine der Gesellschaft gemachte Mittheilung den Anspruch auf Belohnung gründet, ist verpflichtet, den Gegenstand genau und vollständig zu beschreiben, und ihn, wo es seine Natur zuläßt, in einer vollständigen und korrecten Zeichnung, im Modelle oder völliger Ausführung, vorzulegen.

§. 28. Die Gesellschaft ist befugt, wenn sie es nöthig erachtet, das Urtheil eines Sachverständigen, der nicht Mitglied des Vereins ist, über die Preisfähigkeit eines Gegenstandes einzuholen.

§. 29. Die Beschreibung, die Zeichnung der Werkzeuge, oder das Modell, worauf ein Preis ertheilt worden, bleiben Eigenthum der Gesellschaft, und sie hat das Recht, den Gegenstand öffentlich bekannt zu machen. Gegenstände, worauf der Staat Patente ertheilt hat, sind nur dann belohnungsfähig, wenn sich der Bewerber mit dem Vereine über die Beschränkung seines Patentrechts geeinigt hat.

Die Preise des Vereins bestehen theils in einer goldenen, theils in einer silbernen Denkmünze, von denen erstere einen Werth von ungefähr 33 Dukaten, leztere von ungefähr 20 Rthlr. besizt. Um aber unbemittelten Konkurrenten, einigen Ersaz für verwendete Auslagen zu gewähren, so wird, auf Verlangen, statt der erstern 100 Rthlr. und statt der leztern 50 Rthlr. gezahlt werden.

Der Verein hat beschlossen, nochmals mehrere Preise für die im Jahre 1822 gegebenen Preisaufgaben zu erhöhen, und zwar den der zweiten, achten, neunten und zehnten.

Der Termin zur Lösung folgender vierzehn bereits für 1822 gegebenen, Preisaufgaben ist bis Ende Decembers 1826 verlängert. Die über die einzelnen Preisaufgaben gegebenen Erläuterungen kann man in der ersten Lieferung der „Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen,“ Jahrgang 1822, S. 19, u. f. finden.

I. Preisaufgabe, betreffend das beste Verfahren, einen Kernguß in Bronze von völliger Brauchbarkeit zu liefern. (Preis und Bedingung siehe polyt. Journal Bd. VII. S. 486.)

II. Preisaufgabe, betreffend harte, gegossene Walzen. (Polyt. Journal Bd. VII. S. 486.) Der Preis beträgt jezt, nebst der goldenen Denkmünze, 500 Thlr.

III. Preisaufgabe, betreffend die Anfertigung brauchbarer Abrauchschaalen. (Polyt. Journal Bd. VII. S. 486.) Der Preis beträgt jezt, nebst der silbernen Denkmünze 200 Thlr.

IV. Preisaufgabe, betreffend eine Steinmasse, die dem Sandsteine an Brauchbarkeit gleichkommt. (Polyt. Journal Bd. VII. S. 486.)

V. Preisaufgabe, betreffend ein Bodenventil für Saugpumpen. (Polyt. Journal Bd. VII. S. 487.)

VI. Preisaufgabe, betreffend eine Vorrichtung zum Troknen der durchnäßten Tuche. (Polyt. Journal Bd. VII. S. 487.) Der Preis beträgt jezt nebst der silbernen Denkmünze 200 Thlr.

VII. Preisaufgabe, betreffend ein zur Schaafwoll-Spinnerei taugliches Oehl. (Polyt. Journal Bd. VII. S. 488.) Der Preis beträgt jezt nebst der silbernen Denkmünze 300 Thlr.

VIII. Preisaufgabe, betreffend eine weiße Farbe auf Seide. (Polyt. Journal Bd. VII. S. 488.) Der Preis beträgt jezt, nebst der goldenen Denkmünze 300 Thlr.

IX. Preisaufgabe, betreffend eine schwarze Farbe auf Seide. (Polyt. Journal Bd. VII. S. 488.) Der Preis beträgt jezt nebst der goldenen Denkmünze 300 Thlr.

X. Preisaufgabe, betreffend eine rothe Farbe auf Baumwolle. (Polyt. Journal. Bd. VII. S. 488.) Der Preis beträgt jezt nebst der goldenen Denkmünze 200 Thlr.

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XI. Preisaufgabe, betreffend den Branntwein. (Polyt. Journal Bd. VII. S. 489.)

XII. Preisaufgabe, betreffend ein künstliches Gummi. (Polyt. Journal Bd. VII. S. 489.) Der Preis beträgt jezt, nebst der goldenen Denkmünze 200 Thlr.

XIII. Preisaufgabe, betreffend die Vertilgung des Schwammes in Gebäuden. (Polyt. Journal Bd. VII. S. 489.)

XIV. Preisaufgabe, betreffend die Vertilgung des Salpeterfraßes. (Polyt. Journal B. VII. S. 489.)

Der Termin zur Lösung folgender zehn, für 1823 und 1824 gegebenen, Preisaufgaben ist bis Ende Decembers 1826 verlängert. Die über die einzelnen Preisaufgaben gegebenen Erläuterungen kann man in der ersten Lieferung der „Verhandlungen“ vom Jahre 1823, S. 17, u. f. (im polyt. Journal Bd. X. S. 500.) finden.

I. Preisaufgabe, betreffend die Darstellung des Eisendrahtes für die Fabrikation von Wollkrazen und Streichen.

II. Preisaufgabe, betreffend die Reinigung des inländischen Kupfers.

III. Preisaufgabe, betreffend die Darstellung einer Metallcomposition, die dem 12löthigen Silber gleich kommt.

IV. Preisaufgabe, betreffend die Ermittelung des Abstandes, in welchem Gegenstände im Stande sind, Windmühlen den Wind zu entziehen.

V. Preisaufgabe, betreffend die Angabe eines Pyrometers. Der Preis beträgt jezt nebst der goldenen Denkmünze 300 Thlr.

VI. Preisaufgabe, betreffend die Darstellung und Mittheilung des Verfahrens, Glas feurig weinroth und rein scharlachroth zu färben.

VII. Preisaufgabe, betreffend die Darstellung und Mittheilung des Verfahrens zur Fertigung einer den Ultramarin ersezenden blauen Farbe.

VIII. Preisaufgabe, betreffend die Mittheilung des Verfahrens, rothe Farbe aus inländischen Vegetabilien zu gewinnen.

IX. Preisaufgabe, betreffend die Anfertigung von 2 Linien diken glasirten Dachziegeln.

X. Preisaufgabe, betreffend die Verfertigung einer dauerhaften schwarzen Tinte.

Preisaufgaben für die Jahre 1825 und 1826.

Der Verein hat beschlossen: die Fassung der sechsten Preisaufgabe dahin abzuändern, daß Tuche verlangt werden, welche aus in der Küpe ächt blau und grün gefärbter loser oder Flokwolle gefertigt sind, und nicht abfärben.

I. Preisaufgabe, betreffend die vergleichende chemische Untersuchung von wild wachsenden Pflanzen, welche rothes Pigment enthalten. (Preis und Bedingungen siehe polyt. Journal, Bd. XVI. S. 521.)

II. Preisaufgabe, betreffend die Mittheilung einer genauen Methode, den Feingehalt des legirten Silbers zu ermitteln. (Polyt. Journ. Bd. XVI. S. 521.)

III. Preisaufgabe, betreffend die Erfindung einer harten Masse zu Drukformen für Kattundruker. (Polyt. Journal Bd. XVI. S. 522.)

IV. Preisaufgabe, betreffend die Mittheilung eines Verfahrens, das Fußeln blauschwarz und grün gefärbter seidner Zeuge zu verhüten. (Polyt. Journal Bd. XVI. S. 522.)

V. Preisaufgabe, betreffend die Angabe einer Methode mittelst Rothholz auf Seide eine ächte rothe Farbe darzustellen. (Polyt. Journal Bd. XVI. S. 522.)

VI. Preisaufgabe, betreffend die Mittheilung einer Methode, das Weißtragen in der Küpe acht blau und grün gefärbter Tuche zu beseitigen. (Polyt. Journal Bd. XVI. S. 522.)

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Preisaufgaben für die Jahre 1826 und 1827.

Se. Excellenz der Minister des Innern, Freiherr v. Schuckmann, haben zu vier Preisaufgaben des Vereins einen Zuschuß von resp. 500, 300, 300 und 200 Thalern aus den Fonds des Ministeriums hochgeneigt bewilligt, wodurch dieselben beträchtlich erhöht worden sind. Für diese bedeutenden Summen, welche Se. Excellenz dem Vereine zu seinen nüzlichen Zweken ausgesezt haben, fühlt sich derselbe bewogen, öffentlich zu danken.

I. Preisaufgabe, betreffend die Anfertigung geschmakvoller Meubles und Geräthe.

Die goldene Denkmünze, oder deren Werth, dem Besizer einer Werkstatt oder Fabrik, welcher, innerhalb eines Zeitraumes von zwei Jahren, sechs verschiedene, nach neuen Entwürfen ganz geschmakvoll und nach dem Urtheil der Abtheilung für schöne Künste in der vollendetsten Art ausgeführte Exemplare von Gefäßen, Kandelabern, Stühlen, oder andern Gegenständen, welche einer Vervollkommnung durch die schöne Kunst fähig sind, geliefert hat.

Die silberne Denkmünze, oder deren Werth, Demjenigen, welcher unter denselben Bedingungen drei dergleichen liefert.

Die preiswürdig erkannten Gegenstände sollen durch den Stich in den Verhandlungen des Vereins bekannt gemacht werden.

II. Preisaufgabe, betreffend die Darstellung von feinen Strohhüten, aus im Innlande gewachsenen Halmen.

Die silberne Denkmünze, oder deren Werth, und außerdem Ein Hundert Thaler, Demjenigen, welcher einen Frauenhut in der gewöhnlichen Form, aus Geflechten, nach Art der italienischen Strohhüte zusammengesezt liefert, worin das Geflecht aus im Innlande gewachsenen Halmen besteht.

Der einzusendende Hut muß sowohl in der Farbe, der Feinheit des Geflechts, der Regelmäßigkeit und Gleichheit desselben, als auch in der eigenen Art der Verbindung und Zusammensezung, und der Stärke und Elasticität, mit den besten italienischen Strohhüten übereinkommen.

III. Preisaufgabe, betreffend die Verbesserung der Waid-Indigo-Küpe.

Die goldene Denkmünze, oder deren Werth, und außerdem Ein Tausend Thaler, demjenigen, welcher eine Verbesserung in der Führung der Waid-Indigoküpe mittheilt, wodurch die Auflösung des Indigos bestimmter und vollständiger vor sich geht, und das Pigment beim Ausfärben in der Wolle und den wollenen Tuchen so fest niedergeschlagen wird, daß nicht, wie bisher, durch das Behandeln derselben mit Seife oder Alkalien ihnen eine so große Menge des Pigments entzogen werden könne; ferner ein Verfahren lehrt, durch welches die Auflösungsfähigkeit der Küpe für den Indigo während eines Zeitraums von wenigstens sechs Monathen vollkommen gleich stark sich erhalte, statt daß jezt die Waid-Indigoküpe an der Auflösungsfähigkeit und der Intensität schon nach zwei Monathen merklich verliert.45)

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Der Preis wird nur dann zuerkannt, wenn sich die von dem Konkurrenten mitzutheilende Vorschrift, bei der angestellten Prüfung vollkommen bewährt hat.

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IV. Preisaufgabe, betreffend eine Verbesserung der kalten Indigoküpe.

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Die goldene Denkmünze, oder deren Werth, und außerdem Vier Hundert Thaler, Demjenigen, welcher ein Verfahren angibt, |200| durch andere, als die sonst gewöhnlichen Mittel (Kalk und Eisenvitriol) den Indigo zur Darstellung einer kalten Küpe aufzulösen, in welcher |201| baumwollene und leinene Garne und Gewebe ausgefärbt werden können, ohne daß sich in der Küpe ein Bodensaz bildet, oder doch nur ein viel geringerer, als beider zeither gewöhnlichen. Die Küpe muß dasselbe leisten, als eine der besten kalten Küpen nach gewöhnlicher Art, und nicht um zehn Procent theurer zu stehen kommen.

Der Preis wird nur dann zuerkannt, wenn sich die von dem Konkurrenten mitzutheilende Vorschrift bei der angestellten Prüfung vollkommen bewährt hat.

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V. Preisaufgabe, betreffend eine Verbesserung der kalten Indigoküpe zum Ausfärben von Kattunen mit mehrfärbigen Mustern.

Die goldene Denkmünze, oder deren Werth, und außerdem Sechs Hundert Thaler, Demjenigen, welcher eine Methode mittheilt, auf eine andere, als die zeither übliche, Weise (durch Kalk und Eisenvitriol) den Indigo zur Darstellung einer kalten Küpe aufzulösen, in welcher Kattun und Mousseline mit mehrfarbigen Mustern mit glüklichem Erfolge ausgefärbt werden können, ohne daß die in der Küpe enthaltenen Bestandtheile auf die mit dem Papp vorgedrukten metallischen Beizen zu rothen, gelben und andern Nüancen, beim Ausfärben in einer Flotte von Krapp, und Quercitronrinde, auf eine für diese Farben nachtheilige Weise einwirken, und in der Küpe kein Bodensaz, oder doch wenigstens ein viel geringerer, als zeither sich abscheidet. Die Küpe muß in jeder Beziehung dasselbe leisten, was eine der besten kalten Küpen nach gewöhnlicher Art leistet, und nicht über fünf und zwanzig Procent den gewöhnlichen Preis vertheuern.

Der Preis wird nur dann zuerkannt, wenn sich die von dem Konkurrenten mitzutheilende Vorschrift, bei der angestellten Prüfung vollkommen bewährt hat.

Preisaufgaben für die Jahre 1826 bis incl. 1830. Folgende Preisaufgaben erfordern einen Zeitraum von fünf Jahren zur Lösung, und es ist daher der Termin erst mit Ende des Jahres 1830 abgelaufen.

VI. Preisaufgabe, betreffend die Einrichtung einer Steindrukerei.

Die goldene Denkmünze, oder deren Werth, und außerdem Acht Hundert Thaler demjenigen Steindruker, welcher in Berlin eine Steindrukerei errichtet hat, die dasselbe leistet, was die besten Steindrukereien in Paris leisten.

Die Drukerei muß während eines fünfjährigen Fortgangs die vollkommene Zufriedenheit der Künstler, welche ihre Steinzeichnungen daselbst druken ließen, erlangt haben. Dem Vereine wird außerdem noch in folgender Art eine besondere Probe geleistet. Der Druker läßt durch einen vom Vereine vorgeschlagenen, oder auch von einem selbst gewählten, Zeichner einen Stein mit einem figürlichen und einen mit einem landwirthschaftlichen Gegenstande, in ganz ausgeführter Art, bezeichnen. Die Steine müssen mindestens auf 12 Zoll Höhe und 6 Zoll Breite bezeichnet seyn. Kreide, Dinte und präparirten Steine liefert der Druker.

Der Verein seinerseits läßt mit pariser Kreide und Dinte auf Steinen, die in Paris zubereitet sind, von demselben Künstler, der die Zeichnung für den Konkurrenten verfertigte, Zeichnungen in derselben Manier anfertigen, und 200 hintereinander folgende Abdrüke in Paris, in Gegenwart eines Kommissarius abziehen. Von den hier bezeichneten Steinen nimmt der Druker, unter kommissarischer Aufsicht, auch 200 hintereinander folgende Abdrüke. Um aber eine völlige Gleichförmigkeit zu erlangen, soll der Abdruk in Berlin erst nach Verlauf eines Zeitraums erfolgen, welcher demjenigen gleichkommt, der erforderlich ist, um die Steine nach Paris zu senden, um sie dort abdruken zu lassen.

Nach Verlauf eines Jahres werden die Abdrüke des berliner und pariser Drukers mit einander verglichen, und der Preis bei gleicher Vollkommenheit des Abdrukes und bei gleichem Verhalten der Drukfarbe zuerkannt.

VII. Preisaufgabe, betreffend einen festen Kitt zwischen Glas und Metall.

Die silberne Denkmünze, oder deren Werth, und außerdem Ein Hundert Thaler, Demjenigen, welcher einen Kitt erfindet, der sich sowohl mit Glas, als auch mit Metall ganz fest verbindet, um bei einfallenden Lichtern durch fast horizontal liegende Fenster, deren Glas in Metallsprossen eingelegt ist, angewendet zu werden. Es wird verlangt, daß die Probe wenigstens während fünf Jahren unter kommissarischer Aufsicht stehe, und in dieser Zeit durch die abwechselnde Einwirkung der Sonne, des Regens, |203| Frostes und Schnees keine Veränderung zeige, und höchstens 50 Procent mehr koste, als der gewöhnliche Kitt.

VIII. Preisaufgabe, betreffend eine Farbenleiter in Luft und Witterung ausdauernder Farben.

Die goldene Denkmünze, oder deren Werth, und außerdem Zweihundert Thaler, Demjenigen, welcher eine Farbenleiter erfindet, deren Pigmente nicht al fresco, sondern mittelst eines anderen Bindemittels, auf Gyps, Kalk, oder Steinflächen, für den Maler leicht behandelbar, aufgetragen werden können, und dann im Freien bei Sonnenschein, Frost und Nässe von langer Dauer sind, so daß man sich ihrer zur Ausschmükung von Monumenten, die für Jahrhunderte berechnet sind, bedienen könne.

Der Preis wird ertheilt, wenn nach fortgesezter genauer Beobachtung der dazu ernannten Kommission die Farben, nach einem Zeitraum von fünf Jahren, an der Nordwestseite eines ohne Schuz freistehenden Gebäudes unverändert geblieben sind, und zwar verglichen mit derselben Farbenleiter, die alsdann frisch gemischt wird.

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Die Summen für diese Preisaufgaben, betragen mit denjenigen, welch für die Preismedaillen bezahlt werden, 13650 Rthlr. oder 23887 1/2 fl. Rthlr., oder mit dem reellen Werthe der Preismedaillen, 13318 Rthlr., oder 23306 1/2 Gulden Rhsm. Dabei ist der Werth der goldenen Preismedaille zu 103 Rthlr. gerechnet, und das Verhältniß der Thaler zu Gulden = 4 : 7 angenommen. Unstreitig wird sich Bayern nun bald ähnlicher oder wohl noch größerer Vortheile von Seite seines polytechnischen Vereins zu versprechen haben, denn dessen neuer Vorstand hat in seiner Antrittsrede laut und feierlich ausgesprochen: „daß die Tendenz dieses Vereines offenbar höher liegt, gleich denen anderer Staaten, die zum Musterbilde genommen worden.“ *) – Statt eines Bagatelles von 12 bis 14000 Rthlr. wird der Verein Winke geben, die man zu des Volkes Wohl benüzen kann, und hoffentlich auch benüzen wird.“ **) Damit „das Organ des Vereins“ (das Dunst- und Gewebeblatt) „diese seine Bestimmung würdig erfülle, so ist zur Grundbedingniß gemacht worden, daß der Inhalt dieser Zeitschrift künftig, so viel wie möglich, unentgeltich hergestellt werde;***) und da nach Versicherung desselben****) diese Zeitblätte ein Abdruk der Gesinnungen und des Wollens des Vereins seyn, und die Resultate seines Handelns und seiner Bemühungen für National-Industrie geben sollen,“ so braucht das bayerische Volk nur die seit dem 4. Februar 1826 erschienenen Blätter zu lesen, um gleich zu wissen, woran es in der einen und der anderen Hinsicht ist.

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Ueber diese Preisfrage gibt Hr. Hermbstädt in den Vereins-Verhandlungen S. 40. folgende Erläuterung. „Die warme oder Waid-Indigoküpe, so wie die kalte Blauküpe, erstere für die Wollenfärberei, leztere für die Leinen- und Baumwollenfärberei und die Kattundrukerei, sind Gegenstände von der größten Wichtigkeit. Beide sind aber zur Zeit so wenig in praktischer, als in theoretischer Hinsicht so weit erschöpft, daß nicht noch Vieles zu wünschen übrig bliebe.

Was die Waid-Indigoküpe betrifft, so scheint der Waid, den man zur Darstellung derselben als etwas Unentbehrliches betrachtet, hiebei demungeachtet weniger durch seinen sehr geringen Gehalt an |197| Indigostoff, als vielmehr durch seine Kraft, den Indigo in den Alkalien (Kalk und Kali, und bei der sogenannten Harn- oder Urinküpe, auch im Ammoniak), auflösbar zu machen. Daß der Waid zu einer Indigoküpe nicht absolut nothwendig ist, lehrt die Darstellung der Indigoküpe für die Seidenfärberei, wozu bloß Indigo, Krapp und Pottasche, weder Waid noch Kalk, in Anwendung gesezt werden. Da aber der Waid selbst, so wie er im troknen Zustande gewöhnlich gebraucht wird, 2 bis 3 Prozent Indigo enthält, so mag er immer beibehalten werden, um jenen, wenn auch nur geringen, Antheil des Indigos in demselben zu benuzen.

Wie und auf welche Weise der Waid bei seiner Anwendung zur warmen Küpe auf den Indigo einwirkt, ist noch nicht genügend ermittelt worden, weshalb auch die Ansichten darüber sehr verschieden sind. Nach der allgemeinen erkannten Ansicht Chevreul's betrachtet man den Indigo als ein Pflanzenoxid, welches einem Ueberflusse an Sauerstoff seine blaue Farbe, so wie seine Unauflöslichkeit in den Alkalien, verdankt, auf welches der Waid als ein desoxydirendes Mittel wirkt, um denselben dadurch in den Alkalien lösbar zu machen; wogegen der aufgelöste, und eines Theils seines Sauerstoffs beraubte, Indigo seinen verlorenen Sauerstoff aus der Atmosphäre wieder einsaugt, und zum blauen Produkte umgewandelt wird. Eine andere, freilich auch nur hypothetische, Ansicht darüber hat Döbereiner aufgestellt. Er betrachtet den Indigo als das eigenthümliche Substrat einer Säure, welches mit Wasserstoff verbunden eine eigene wasserstoffhaltige Säure erzeugt, die er mit dem Namen Isatinsäure bezeichnet. Diese Isatinsäure soll auch einen ausscheidbaren Bestandtheil in den Blättern der verschiedenen Species von Indigofera, so wie des Waids und anderer Indigo gebenden Pflanzen, ausmachen. Hiernach erhält also der Indigo gar keinen Sauerstoff, sondern verbindet sich beim Anstellen der Waid-Indigoküpe mit Wasserstoff, und wird dadurch in Isatinsäure umgewandelt, die nun mit den Alkalien der Waidküpe (Kali oder Kalk, oder mit beiden zugleich, so wie bei der Urinküpe mit Ammoniak) zu isatinsauren Salzen sich verbindet, und so die färbende Küpenflüßigkeit erzeugt. Die darin ausgefärbten, also mit isatinsauren Salzen durchdrungenen, Gegenstände nehmen, wenn sie an die Luft kommen, Sauerstoff aus derselben auf, welcher mit dem Wasserstoffe der Isatinsäure Wasser bildet, wodurch nun der Indigo, das Substrat der Isatinsäure, als blaues Pigment nieder erschlagen und in den gefärbten Gegenständen befestigt wird, und die durch schwache Alkalien, so wie schwache Säuren, unwandelbare küpenblaue Farbe erzeugt.

Wie dem aber auch sey, und welcher von jenen beiden noch nicht zur Evidenz erhobenen theoretischen Ansichten man huldigen mag, so bleibt es doch immer ausgemacht, daß die große Masse des Waids, welche zur Darstellung der warmen Waid-Indigoküpe gebraucht wird, nur dazu dient, das Haufwerk derselben zu vergrößern, ohne durch den eigenen Indigogehalt bedeutend mit zu wirken. Wäre es möglich, eine Waid-Indigoküpe zu erfinden, die wenig oder gar keinen Bodensaz enthielte, demungeachtet aber den besten gewöhnlichen Küpen in allen ihren Eigenschaften, d.i., im regelmäßigen Herankommen, in der ordnungsmäßigen Regulirung derselben, in ihrer Haltbarkeit während mehreren Monathen, in ihrer Sicherheit gegen das Schwarzwerden und das Durchgehen, |198| und in der Darstellung kraftvoller blauer Küpenfarben das Gleichgewicht hielte, so würde dieses unfehlbar eine der wichtigsten Erfindungen für die Wollenfärberei seyn. Man hat Honig, Zuker und Syrup als Mittel vorgeschlagen, welche die Lösbarkeit des Indigos in den Alkalien begünstigen sollen, was sie allerdings auch bewerkstelligen; die auf solche Weise erzeugte Küpe besizt aber keine Haltbarkeit, und wird daher nie eine Anwendung in der praktischen Färberei erhalten.

Es entsteht daher die Frage: ist der Saz, der sich nach und nach durch Waid, Krapp, Kleie und Kalk in der gewöhnlichen Waid-Indigoküpe erzeugt, und nothwendig erzeugen muß, für den guten haltbaren Gang der Küpe von Werth, öder kann derselbe das leichtere Durchgehen und Faulwerden der Küpe herbeiführen? Mehrere praktische Färber hegen die auf Erfahrung gegründete Ansicht, daß der zunehmende Bodensaz in der Waidküpe von keinem Nachtheile für ihre Haltbarkeit sey, daß derselbe vielmehr, als ein schlechter Wärmeleiter, eine gleichmäßige Temperatur derselben erhalte und zum Durchgehen derselben nichts beitragen könne. Andere würden es dagegen gerne sehen, eine Küpe ganz ohne, oder doch ohne bedeutenden, Bodensaz führen zu können, wenn ihr sonstiges Verhalten und ihre Dauer und Haltbarkeit der besten gewöhnlichen Küpe nicht nachstünde. Was den Wunsch der Lezteren betrifft, so würde zu versuchen seyn, wie sich statt des ganzen Waids, eine mit Wasser gemachte koncentrirte Abkochung des Waids, befreit von den ausgezogenen, und ihres wirksamen Stoffes beraubten, Fasertheilen desselben, alle übrigen Ingredienzien zur Anstellung der Küpe, als: Indigo, Krapp, Kleie, Kalk und Pottasche gleich gesezt, verhalten würde.

Die kalte Indigoküpe, so wie sie zum Blaufärben her baumwollenen und der leinenen Gespinnste und Gewebe gebraucht wird, wird mittelst schwefelsaurem Eisenoxydul (grünen Eisenvitriol) gebrannten Kalk, Indigo und Wasser dargestellt. Die Theorie der kalten Küpe läßt sich aber, so wie die der warmen, aus zwei verschiedenen Ansichten entwikeln, wodurch bewiesen wird, daß beiden Erklärungsweisen eine bloße Hypothese zum Grunde liegt.

Die kalte Küpe führt den Nachtheil mit sich, daß sie nach und nach einen sehr bedeutenden Bodensaz bildet, der aus Eisenoxyd und schwefelsaurem Kalke (Gyps) gemengt besteht, der sich beim Ausfärben der Garne und Gewebe diesen mehr oder weniger mittheilt, und sie verunreinigt. Wäre es daher möglich, den Kalk und den Eisenvitriol durch andere Mittel zu ersezen, die den Indigo leicht auflösen, ohne einen so bedeutenden Bodensaz in der Küpe zu erzeugen, so würde der längst gehegte Wunsch, eine klare kalte Küpe, ohne merklichen Bodensaz, darzustellen, dadurch erreicht werden können. Bei der Anstellung einer solchen kalten Küpe kommt es auf 2 Hauptpuncte an: erstlich auf ein Mittel, welches den Indigo in Alkalien lösbar macht; zweitens auf eine alkalische Substanz, welche leichter, als der gebrannte Kalk, vom Wasser gelöst wird. Was den ersten Punkt betrifft, so stehen uns hiezu, außer dem grünen Eisenvitriol, mehrere andere Materien zu Gebote. Dahin gehören: das salzsaure Zinnoxydul, das salzsaure Spießglanzoxyd, das Schwefelarsenik und das Schwefelspießglanz. Was den zweiten Punkt anlangt, so sind sowohl das Barytiumoxyd, als auch das Strontiumoxyd, Stellvertreter des gebrannten Kalks. Da der Kalk (Calciumoxid nur von 700 Theilen kaltem Wasser lösbar ist, das Barytiumoxyd |199| (Aezbaryt) hingegen schon von 25 Theilen Wasser und das Strontiumoxyd (Aezstrontian) von 250 Theilen Wasser gelöst wird, beide leztere Materien auch, insbesondere der Baryt im Schwerspathe, wohlfeil zu haben sind, so möchten sie als Stellvertreter des Kalkes zu einer solchen Küpe ohne merklichen Bodensaz mit Vortheil in Nuzanwendung zu sezen seyn. Es käme nun noch darauf an, welches von den obengenannten Metallsalzen, und welches von den Schwefelmetallen sich zur Auflösung des Indigos in jenen Alkalien am meisten qualifiziren würde, um ein angemessener Stellvertreter des Eisenvitriols seyn zu können.

Da man die kalte Küpe allein zum Blaufärben der baumwollenen und leinenen Gewebe, so wie zum sogenannten Porzellandruk anwendet, möchte jedes der vorgeschlagenen Mittel brauchbar seyn, und es käme nur darauf an, auszumitteln, welches das wohlfeilste sey. Wenn aber eine solche kalte Küpe auch zum feinern Druk von Cotton und Mousselin gebraucht werden soll, wie z.B. beim Lapisdruk, und überhaupt da, wo dem Papp, welcher zum Schuz gegen das Eindringen in die zu färbenden Zeuge dienen soll, Zusäze von Arsenik- und Queksilbersalzen u.a.m. gemacht werden sollen, um dieselben nach der Behandlung in der kalten Küpe in anderen Farbeflotten auszufärben, so würden wenigstens alle diejenigen Auflösungsmittel zu vermeiden seyn, welche Schwefel enthalten, wie Schwefelarsenik und Schwefelspießglanz, weil diese, vermöge ihres Gehalts an Schwefel, auf jene Salze zersezend einwirken müßten.“

Hr. Nobiling gibt ebendaselbst S. 42. über die Ursache des Weißtragens der in der Wolle blaugefärbten Tuche folgende Erläuterung. Er sagt: „die von dem Vereine für Gewerbfleiß für die Jahre 1825 und 26 gestellte sechste Preisaufgabe, das Weißwerden dunkelblauer in der Wolle gefärbter feiner Tuche betreffend, scheint nicht die allgemeine Aufmerksamkeit in dem Maaße in Anspruch genommen zu haben, als sie es verdient, und nicht überall richtig verstanden worden zu seyn. Folgende, dem Wunsche des Herrn Vorsizenden gemäß entstandene, Erläuterung soll besonders dazu dienen, die Aufmerksamkeit technischer Chemiker auf diesen für die Manufakturen so höchst wichtigen, und durch den hohen darauf gesezten Preis einträglichen, Gegenstand zu lenken.

Der gerügte Uebelstand ist kürzlich folgender. Bei dem Tragen von Kleidungsstüken aus wollblauem Tuche sondert sich durchs Abreiben eine eigne Substanz von der Wollenfaser ab, und ändert, indem sie aus dem Grunde auf die Oberfläche hervortritt, die lebhaft blaue Farbe in eine hellere, graublaue um. Sehr häufig ist damit ein Abfärben des Tuchs verbunden, oder es findet dieses, ohne sehr bedeutendes Weißtragen, als besonderer Nachtheil statt. Der einfachste, untrüglichste Weg, diesem Uebel abzuhelfen, ohne auf tiefer liegende Ursachen zu achten, wäre der, jene Substanz, als Schmuz, durch Waschen oder Walken hinwegzuschaffen. Auf diesem Wege ist aber, nach dem Zeugnisse der einsichtsvollsten Fabrikanten nichts geleistet worden, und daß dabei mit Kenntniß und Sorgfalt zu Werke gegangen worden sey, läßt sich von deren Umsicht und großem Interesse an der guten Sache wohl annehmen.

Die am meisten verbreitete Meinung hält den Kalk für die Ursache des Uebels. Mit Recht muß auch der große Verbrauch an Aezkalk während der ganzen Dauer einer Waid-Indigoküpe dem, welcher den darin vorgehenden chemischen Prozeß nicht kennt, auffallen. Wenn nun auch dieß im Allgemeinen unberüksichtigt bleibt, so verdient |200| doch folgende Idee eine nähere Untersuchung. Es soll nämlich der Kalk, in welcher Gestalt er auch vorhanden sey, mit dem Fette der mangelhaft gereinigten Wolle, oder der zum Walken angewendeten und zersezten Seife, Kalkseife bildend, dieses den Tuchen so nachtheilige Wesen seyn. Um hierüber nähere Kenntniß zu erhalten, stellte ich folgende Versuche an. Um den Kalk unter jeder Gestalt zu entfernen, wurde die aus der Indigoküpe gefärbte Wolle mir Salzsaure behandelt, und dann rein gespült. Oertliche Ursachen verhinderten immer den Versuch weiter zu verfolgen, und im Ganzen schien er nicht zu befriedigen. Eben so fanden auswärtige Fabrikanten, denen ich schon vor vier Jahren die nähere Behandlungsweise mittheilte, nicht den gewünschten Erfolg. Um den Kalk jedoch zu verfolgen, wurden große Stüke von wollblauem Tuche, dessen schlechtes Verhalten beim Tragen erwiesen war, zerkleinert und eingeäschert, der Rükstand mit Salzsäure gekocht und die filtrirte und neutralisirte Flüßigkeit durch kleesaure Salze auf Kalk geprüft. Das Resultat dieses vielfach wiederholten Versuchs war: daß sich theils gar kein Kalk vorfand, theils nur solche Spuren, die zur Genüge zeigten, daß ihnen nicht die Schuld beigemessen werden könne. Die beim Walken der Tuche abgehende Flüßigkeit zeigte dagegen den Kalk in Menge.

Um die Reihe der Versuche zu beschließen, wurde endlich die Küpenflüßigkeit auf Kalk untersucht, und es fand sich, als ein für merkwürdig gehaltenes Resultat, die Gegenwart einer Säure, als deren fortwährendes Neutralisationsmittel der Kalk dient. Ob es Essigsäure, die in großer Menge gefunden wird, allein ist, hat sich bis diesen Augenblik noch nicht ermitteln lassen. Aezender Kalk ist in einer in gutem Zustande befindlichen Küpe nicht zu finden; die merkliche Anwesenheit desselben bedingt sogleich ein Scharf- oder Schwarzwerden der Küpe.

Aus diesen mit Genauigkeit und mehrfach angestellten Versuchen scheint hervorzugehen: daß der Kalk an und für sich keine Rolle bei diesen Vorgängen spielt, ob aber vielleicht als Auflösungsmittel eines Theils des Indigo, ist nicht unbedingt zu verneinen. Je mehr man überhaupt auf diese Sachen eingeht, desto mehr fühlt man den Mangel einer Theorie des Prozesses der Waid-Indigoküpe. Es ist dafür noch gar nichts geschehen, weil vielleicht die Sache selbst einer schwierigen Untersuchung nicht für werth gehalten worden ist. Eine genauere Untersuchung würde für beide Erklärungsarten andere Stüzpunkte geliefert haben. Wenn man sich daher nur an praktische Ergebnisse halten kann, so wird sich die weiter unten geäußerte Meinung vielleicht rechtfertigen lassen.

Es ist eine allgemeine Erfahrung, daß der in Rede stehende Uebelstand sich besonders dann in vollem Maaße einzustellen pflegt, wenn Waidküpen länger als zwei Monathe im Gange gewesen sind. Sodann ist es Ursache, daß alle in der Waidküpe gefärbten Stoffe, wenn sie mit Seifen und Alkalien behandelt werden, eine große Quantität ihres eingesaugten blauen Pigments verlieren, welcher Verlust mit der Länge der Zeit zunimmt. Daß dieß verloren gehende Pigment nicht als bloß mechanisch beigemengt betrachtet werden kann, ferner, daß keine bestimmte Proportion zwischen demselben und dem zu färbenden Stoffe statt findet, läßt sich mit Sicherheit beweisen. Es scheint demnach der Indigo in der Waidküpe auf zweierlei Weise aufgelöst sich zu befinden. Der durch Desoxydation färbende ist gegen Einwirkungen des Lichts und der atmosphärischen Luft durchaus haltbar, der andere Theil, ob nur unvollkommen desoxydirt, oder sonst auf irgend |201| eine Weise aufgelöst, wird zerstört, wie folgender Versuch zeigt. Wenn man ein Stük in der Küpe dunkelblau gefärbtes Tuch theilt, den einen Theil so lange mit Seife wäscht, als nur noch die geringste Abnahme der Farbe zu bemerken ist, den andern nur in reinem Wasser auswäscht, dann beide Theile hinter gewöhnlichem planen Glase, unter Zutritt der atmosphärischen und besonders feuchten Luft, lange Zeit dem Sonnenlichte aussezt, so wird man finden, daß die weit dunklere Farbe des einen Tuchstükchens durch das Licht so weit zerlegt wird, bis diese der des andern, welche ganz unverändert bleibt, gleich ist, worauf jede weitere Einwirkung aufhört.

In dieser Lösbarkeit eines Theils des blauen Pigments durch Seifen, vermittelst der mechanischen Kraft, scheint mir die Entwikelung der Frage zu liegen. Die in der Küpe blau gefärbte Wolle wird bis jezt nur durch Spülen im Flusse gereinigt; die ganze Menge jenes Indigos bleibt während des Troknens, Einfettens, Spinnens und Verwebens darin, und soll nun durch die Walke daraus entfernt werden, welches, wie die Erfahrung zeigt, durch Waschen vor dem Dikwalken so wenig erreicht wird, daß oft nach 24stündiger Behandlung der Schaum der Seife noch blau gefärbt erscheint. Wenn nun jenes nach dem Troknen staubartige Wesen, vielleicht mit etwas Fett der Seife gemengt, in das feine Gewebe eingeschlossen wird, durch das spätere Rauhen und Scheeren und nach oft wiederholtem Waschen von der äußersten Oberfläche hinweggenommen wird, so muß jedoch beim Tragen jede Reibung der Oberfläche es aus dem Grunde hervortreten machen.

Sollte diese Ansicht, wenn auch nur in der Hauptsache, die richtigere seyn, so sind zwei Wege zur Erreichung des Zweks einzuschlagen. Das wünschenswertheste wäre, die Auflösung des Indigos in der Küpe so zu vervollkommnen und den Indigo auf die Wollfaser zu befestigen, daß außer dem in der adhärirenden Flüßigkeit befindlichen Pigmente nichts verloren ginge. Außer der Lösung der betreffenden Preisaufgabe würde daraus eine sehr bedeutende Ersparniß an Indigo hervorgehen, das Walken der wollblauen Tuche erleichtert, und diese eine weit größere Weichheit erlangen. Im anderen Falle, wo nur die Lösung der Preisaufgabe erreicht würde, käme es darauf an, ein Verfahren ausfindig zu machen, durch welches die gefärbte Wolle, ohne daß sie dadurch die nothwendigen Eigenschaften, die zu ihrer weiteren Behandlung erforderlich sind, verlöre, von allem überflüßigen Pigment getrennt würde, oder dasselbe Verfahren auf die schon gewebten Tuche anzuwenden, ohne diesen in irgend einer Art nachtheilig zu seyn.

Im Allgemeinen wird hier aber weder ein allein rationeller, oder im Kleinen unternommener, Lesungsversuch, ohne stete Berüksichtigung aller Fabrikationszweige, noch die einseitige Behandlung einzelner Tuche, einen glüklichen Erfolg hervorbringen, um so weniger, als kleinere Versuche und einzelne Darstellungen fehlerfreier Tuche, wenn nicht das Verfahren sogleich einleuchtet, gar nicht beurtheilt werden können.

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Münchener Kunst- und Gewerbeblatt 1826. S. 70.

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Ebds. S. 71.

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Ebendas. S. 86.

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Ebdas. S. 82.

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