Titel: Bereitung einer, dem Wachse ähnlichen Substanz, die zur Verfertigung von Kerzen und Seifengeeignet ist, und Ceromiméme genannt wird. Von den HHrn. Braconnot und Simonin.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 20, Nr. LXXXIV./Miszelle 1 (S. 310–311)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj020/mi020084_1

Bereitung einer, dem Wachse ähnlichen Substanz, die zur Verfertigung von Kerzen und Seifengeeignet ist, und Ceromiméme genannt wird. Von den HHrn. Braconnot und Simonin.

Diese Substanz, welche im Stande ist, das Wachs in vielen Fallen, und vorzüglich als Beleuchtungs-Material zu ersezen, kann auf folgende Weise aus allen thierischen Fetten dargestellt werden.

Das Fett oder der Talg wird mit einer verschiedenen Menge eines flüchtigen Oehles, gewöhnlich mit Terpenthmehl, verdünnt, dieses Gemenge wird in runde Gefässe gebracht, die inwendig mit Filz ausgefüttert, und sowohl an den Seitenwänden, als am Boden voll kleiner Löcher sind, und einem gradweisen sehr starken Druk ausgesezt, wodurch das zugesezte flüchtige Oehl und der flüssigere Theil des Fettes ausgepreßt wird. Die feste, in den Gefässen zurükbleibende Substanz wird herausgenommen? und lange Zeit mit Wasser gekocht, um ihr den Geruch des flüchtigen Oehles zunehmen; hierauf wird sie einige Stunden lang mit frisch gebrannter, gepulverter thierischer Kohle in Fluß erhalten, und siedend filtrirt; nach dem Erkalten ist diese Substanz dann ausgezeichnet weiß, halb durchsichtig, troken, brüchig, geruch- und geschmaklos.

Diese Substanz ist zur Beleuchtung sehr geeignet, sie kann aber wegen ihrer großen Zerbrechlichkeit, welche weder das Formen, noch den Transport gestattet, in diesem Zustande nicht dazu verwendet werden; man kann ihr dadurch etwas Geschmeidigkeit und Zähheit geben, daß man sie etwas mit oxidirter oder gewöhnlicher Kochsalzsaure in Berührung bringt; eine Verbindung derselben mit 1/5 Bienenwachs gibt dasselbe Resultat; in diesem Zustande läßt sie sich sehr gut verwenden, und man kann Kerzen daraus formen, die ebenso gut sind, als Wachskerzen.

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Das ausgepreßte Oehl, oder der flüssigste Theil des angewendeten Fettes enthält, außer dem flüchtigen Oehle, welches man durch Destillation abscheiden kann, eine beträchtliche Menge der festen Substanz, welche es mit sich fortreißt und aufgelöst erhält, und welche wenn sie mit Knochenkohle gereinigt und gebleicht wird, zur Bereitung von herrlicher Seife taugt, die nicht bloß für den Gebrauch der Fabriken, sondern auch für den Hausgebrauch geeignet ist, da ihr Geruch schwach und nicht sehr unangenehm ist. Dieses animalische, zuerst mit Potasche zur weichen Seife gekochte Oehl läßt sich mit schwefelsaurer Soda (oder Kochsalz), welche wenig Werth hat, und sehr häufig in den Salz-Quellen des Departements ist, in harte Seife mit Soda-Basis verwandeln. Aus dem Vol. Xme. des brevets d'invention im Bulletin de la société d'encouragement. 1826. Jänner p. 16.

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