Titel: Neue Gasbeleuchtungs-Fabrik zu London, unter dem Namen der Independenten.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 20, Nr. CVI./Miszelle 18 (S. 408)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj020/mi020106_18

Neue Gasbeleuchtungs-Fabrik zu London, unter dem Namen der Independenten.

In dieser Fabrik befinden sich mehrere besondere Vorrichtungen, welche in anderen Anstalten dieser Art nicht zu finden sind. Die Retorten haben die Form eines Cylinders, der seiner Achse nach horizontal liegt, und dessen unterer Theil nach einwärts gerichtet ist; die Köpfe sind ohne Zaum und Bolzen aufgesezt; sie werden, wie die Zwingenröhren, mit etwas Kitt befestigt. Der Körper der Retorte wird durch einen thonigen Beschlag (Tiegelerde) gegen die unmittelbare Einwirkung des Feuers geschüzt. Die Herde, deren zwei fünf Retorten unter demselben Gewölbe erhizen, unterscheiden sich dadurch von den übrigen, daß sich 8 Zoll unter dem Roste ein Trog aus Gußeisen befindet, der beständig mit Wasser gefüllt ist, und dem Brennmateriale (den Coaks) ein Gemenge aus Luft und Wasserdampf zuführt? auf diese Weise wird ein großer Theil der Wärme verwendet, welche unter dem Herde ausstrahlt, so wie auch ein Theil jener Wärme, welche durch Verbrennung der Elemente des, durch die glühenden Kohlen zersezten, Wassers hervorgebracht wird; die Flamme schlägt bis an das Gewölbe in die Höhe, und sie steigt sogar heraus, wenn man einen Schieber öffnet. Die Producte der Verbrennung gehen unter cylinderförmige Dampfkessel, die eine Dampfmaschine in Bewegung sezen, welche zum Bedarf der Anstalt bestimmt ist; zulezt entweichen sie ohne Schornstein durch kleine Oeffnungen in der Werkstätte, wo sie keinen merklichen Rauch verbreiten. Die verbrauchten Coaks verhalten sich zu den destillirten Steinkohlen, wie 1/5 zu 1/4; man sieht also, daß diese Einrichtung sehr vortheilhaft ist.

Die Dampfmaschine sezt in drei, zum Waschen des Gases bestimmten, Kufen die Rührer in Bewegung; die darin enthaltene Kalkmilch läuft aus einer Kufe in die andere, und zwar in entgegengesezter Richtung mit dem Gase, so daß sich der Kalk mit der Schwefelwasserstoffsäure und Kohlensäure sättigt, und daß das Gas, ehe es in das Gasometer gelangt, immer wieder durch neues Kalkwasser strömt. Die beiden Gasometer befinden sich in der Luft, ohne Dach und ohne Gegengewicht; 8 Säulen, auf welchen sich Rollen bewegen, die an der Seite dieser Gasometer angebracht sind, leiten die Bewegungen derselben; das Gas hebt sie beständig durch einen Druck von 3–4 Zoll Wasser in die Höhe, und sie können ohne Gefahr zugleich aufnehmen und abgeben.

Die Beleuchtung mit Steinkohlen- oder Oehl-Gas ist in England sehr verbreitet; fast alle öffentlichen und Privat-Anstalten, die Städte, die Haupt-Straßen sogar, werden auf diese Weise beleuchtet; die außen befindlichen Schnäbel sind nicht mit Gläsern versehen; die Enden der Röhren sind bloß abgestumpft und gespalten; die Gasflamme, welche daraus hervorkommt, breitet sich in ein dünnes, unregelmäßiges Blättchen aus, weßwegen man diesen Schnäbeln und den Flammen, die sie hervorbringen, den Namen Fledermaus-Flügel (bats' wings) gibt. (Payen im Bulletin de la Société d'Encouragement. 1826. Januar, p. 14)

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