Titel: Ueber die Färbung einiger Substanzen durch die Säuren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 20, Nr. CVI./Miszelle 22 (S. 410–411)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj020/mi020106_22

Ueber die Färbung einiger Substanzen durch die Säuren.

Die HHrn. Bourdois und Caventou schreiben an Hrn. Gay-Lussac in den Annales de Chimie et de Physique 1826. Jan. p. 109 über den Brief des Hrn. Colin (Annales de Chimie et de Physique 182. November), daß sie schon vor länger Zeit ähnliche Versuche anstellten, und daß sie sich noch damit beschäftigen, sie machen daher Folgendes hierüber bekannt. „Die Eigenschaft irgend eine Farbe in den thierischen Substanzen zu entwikeln, ist nicht dem Eyweißstoffe allem eigen. Wir untersuchten vergleichend die Wirkung der concentrirten Säuren, und vorzüglich der Hydrochlorsäure, auf die Gallerte, die Haufenblase, auf den Käsestoff, den flüssigen und geronnenen Eyweißstoff, den Faserstoff, auf die sehnigen Theile, auf den Schleime etc.“ Wir machten diese Versuche soviel als möglich unter gleichen Umständen, und erhielten immer dieselben Resultate, d.h. alle diese Körper, mit Ausnahme der Gallerte, der Hausenblase und der Sehnen, lösen sich vollkommen in kalter Hydrochlorsäure auf, und die Auflösung nimmt, wenn man sie sich selbst überläßt, eine schöne blaue Farbe an, mit dem Eyweißstoffe in's Besondere geschieht dieß noch an demselben Tage, oder spätestens den Tag darauf, die Gallerte und die Hausenblase lösen sich in dieser Säure auf, ohne selbst nach mehreren Tagen, eine merkliche Veränderung der Farbe hervorzubringen, die Auflösung der Sehnen nahm nach einigen Stunden eine rothbraune Farbe an. „Die concentrirte Schwefelsäure gab uns immer eine dunkel braunrothe Auflösung 5 da aber die thierische Substanz durch Zusaz von Wasser ihre ursprünglichen Eigenschaften wieder anzunehmen schien, so haben wir diese Färbung einem Theile sehr fein zertheilten Kohlenstoffes zugeschrieben, der durch die Veränderung einer geringen Menge der thierischen Substanz freigemacht wird. Die Essigsäure zeigte keine Färbung, ebenso verhielt sich die Phosphorsäure, und, bis aufeinen gewissen Punkt, auch das Chlor und das Jod. Was die Salpetersäure betrifft, so haben wir immer die Entwikelung von gelber Farbe beobachtet; ebenso verhielt sich das Königswasser, allein in geringerem Grade, wahrscheinlich wegen des Einflusses der Hydrochlorsäure.

Alle diese Versuche wurden auch mit vielen krankhaften Secretionen angestellt, welche wir von Lungensüchtigen, Harnblasen-Kranken, Wassersüchtigen, von eiternden Wunden, Abscessen etc., erhielten; da aber die Resultate nicht immer gleich waren, so bedürfen wir neuer Versuche, ehe wir unsere Meinung hierüber angeben.“

„Wir glauben nicht nöthig zu haben, uns hier weiter über diesen Gegenstand auszudehnen, da er nur ein Zweig einer großen, von uns unternommenen medicinisch-chemischen Arbeit ist, deren Titel seyn wird: über die Mittel durch chemische Kennzeichen die Veränderungen gewisser innerer Organe aus der Natur und den Eigenschaften ihrer krankhaften Secretionen etc., zu bestimmen. Da diese Arbeit sehr langwierig und schwierig ist, so können wir nicht genau sagen, wann sie bekannt gemacht werden wird.“

„Ungeachtet der Gewißheit, welche wir von unseren früheren Resultaten hatten, waren wir doch vor Absendung dieses Briefes begierig, den Versuch über die Wirkung der reinen Hydrochlorsäure auf den flüssigen Eyweißstoff zu wiederholen: wir bereiteten folglich die saure Auflösung, und überließen sie sich selbst; da wir aber, selbst nach 48 Stunden, keine blaue Farbe erhielten, so waren wir sehr verlegen über die Erklärung dieses widersprechenden |411| Resultates, bis wir uns erinnerten, daß bei unseren ersten Versuchen die Temperatur + 18 + 20° R., während sie jezt – 6 – 7° war, was wohl diesen Unterschied bewirken konnte. Kaum waren die Gefäße, in welchen sich die saure Auflösung befand, auf + 15 – + 16° R. erwärmt, so zeigte sich die blaue Farbe noch an demselben Tage, und war am folgenden sehr deutlich. Dieser Einfluß der Temperatur stimmt auch mit dem überein, was wir bei der Wirkung der Salzsäure auf mehrere thierische Substanzen bei einer, mittelst einer Weingeistlampe gradweise erhöhten, Wärme beobachteten.“

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