Titel: Analyse und Benüzung des Kautschuk.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 20, Nr. CVI./Miszelle 23 (S. 411)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj020/mi020106_23

Analyse und Benüzung des Kautschuk.

Hr. Faraday untersuchte den Saft, aus welchem man den Kautschuk erhält, und fand darin:

Wasser, Säure etc. 563,7
Reinen Kautschuk 317
Färbende, stikstoffhaltige bittere Substanz 70
In Wasser und Alkohol auflösliche Substanz 29
Eyweißartigen Stoff. 19
Wachs 1,3
–––––
1000

Der Kautschuk scheidet sich fast vollkommen rein ab, wenn man den Saft mit Wasser verdünnt; er schwimmt auf der Flüßigkeit, wird mehrere Mahle ausgewaschen, und auf einem Filtrum gesammelt. Dieser unmittelbare Grundstoff ist weiß, beinahe durchsichtig, sehr elastisch, und besteht aus:

Kohlenstoff 6812 = 8 Atomen.
Wasserstoff 1000 = 7

Der auf diese Weise erhaltene Kautschuk läßt sich nicht nur wie der rohe Kautschuk, sondern auch noch zu vielen anderen Zweken verwenden, wozu dieser wegen seiner Unreinheit und Farbe untauglich ist, seine Auflösung in rectificirtem Steinkohlen-Oehle gibt undurchdringliche Ueberzüge, welche verschieden gefärbt werden können.

Hr. Faraday zeigte am Ende der Vorlesung seiner Abhandlung vor der Royal Institution zu London folgende Anwendungen desselben vor:

1) Einen undurchdringlichen sehr leichten und geschmeidigen Mantel aus doppeltem Baumwollzeuge, zwischen welchem sich der Kautschuk-Ueberzug befand.

2) Ein weißes künstliches Leder aus 10–12 Stüken Zeug, zwischen welchen sich der undurchdringliche Ueberzug befand.

3) Eine Kardätsche aus diesem Leder, deren Anwendung im Großem versucht werden wird.

4) Säke aus Zeug, die schon mehrere Monathe mit Wasser gefüllt sind.

5) Brieftaschen, die unter Wasser getaucht Werden können, ohne daß die darin befindlichen Papiere naß werden.

6) Blasen aus Kautschuk, die dadurch aufgeblasen wurden, daß man diese Substanz durch Luft oder ein comprimirtes Gas ausdehnte; diese Blasen blasen von selbst, wenn sie mit einem Löthrohre mit einem Hahne versehen sind.

7) Mit Luft gefüllte, sehr elastische Buchdruker-Ballen.

8) Kautschuk in Blöken, der dann auf eine, noch geheim gehaltene, Weise in Blättchen von verschiedenen Dimensionen (von 4–8 und 9 Quadrat-Zoll und 1–2 Linien Dike) geschnitten wird. Diese Blättchen sind sehr bequem, um Rohren von jedem Durchmesser daraus zu machen. Man braucht sie nur auf eine Glasröhre zu rollen, ihre Ränder schief abzuschneiden, und durch einen schwachen Druk zu vereinigen. (Aus dem Bulletin de la Société d'Encouragement. 1826. Januar, p. 12.)

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