Titel: Wandernde Lese-Bibliotheken auf Dörfern und Markten in England.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 20, Nr. CVI./Miszelle 30 (S. 414)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj020/mi020106_30

Wandernde Lese-Bibliotheken auf Dörfern und Markten in England.

Man fangt seit einigen Jahren in England an, das Beispiel der Nord-Amerikaner nachzuahmen, und wandernde Lese-Bibliotheken für das Landvolk auf Dörfern und Markten zu errichten. Das Glasgow Mechanics' Magazine gibt in seiner 112. Nummer S. 397. den vierten Jahres-Bericht über die wandernde Lese-Bibliothek von Enst-Lothian in Schottland (Enst-Lothian Itinerating juvenile and village Libraries.) Auf 20 Dörfern wurden in den lezten zwei Jahren 1175 Bücher im Umlauf gesezt. 50 Bände bleiben auf jedem Dorfe zwei Jahre lang zu unentgeldlichem Gebrauche, und sind bei irgend einem rechtlichen Manne (wir finden hier Schuster, Schneider, Sattler, Müller, Schmiede, Tuchmacher etc. als Dorf-Bibliothekare), aufgestellt. Nach zwei Jahren kommen 50 andere Bände u.s.f. Wo Bevölkerung und Lese-Lust groß ist, werden auch 100, 200 Bücher auf Ein Mahl für zwei Jahre abgegeben, und nach dieser Zeit wieder gewechselt. Diese Bücher sind theils Erbauungs-Schriften, theils ökonomische und technische und naturhistorische Werke; keine Romane und Komödien, und kein Mysticismus! Menschenfreunde subscribirten zur Anschaffung dieser, zu unentgeldlichem Gebrauche vertheilten, Werke, oder schenkten Bücher in natura her. Einige wohlhabende Leser auf den Dörfern steuerten gleichfalls kleine Geldbeiträge zur Anschaffung neuer Werke bei. Dieses schöne Beispiel einer, wenn gleichlangsam, doch desto sicherer, fortschreitenden Volksbildung verdiente auch bei uns auf dem festen Lande nachgeahmt zu werden, so wie die Errichtung so vieler Gesellschaften in England für Förderung der Gewerbe und Fabriken, deren jezt bald kein Dorfstädtchen in England mehr entbehren wird. Sogar Dover hat neulich ein Institut für Mechanik, d.h., für Förderung der Gewerbe, bekommen. Ja, was noch mehr ist, wir sehen aus der 114. Nummer des Glasgow Magazine, daß die zu Glasgow bestehende Anderson'sche Bildungs-Anstalt durch Dr. Ure sogar neuerlichst auf Arbeiterinnen ausgedehnt wurde, nach dem Sinne des alten weisen Anderson.

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