Titel: Ueber Schiffbau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 20, Nr. CVI./Miszelle 8 (S. 404–405)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj020/mi020106_8
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Ueber Schiffbau.

Jede Nummer des Mechanics' Magazine ist jezt voll von Vorschlägen und Winken zur Verbesserung des Schiffbaues, die, kaum empfohlen, eben so lebhaft wieder getadelt werden, als sie empfohlen wurden. Während die Einen die gegenwärtige englische Schiffbaukunst bis in den Abgrund des Meeres hinab verdammen, und von Entehrung der englischen Flagge sprechen, die auf solchen Schiffen weht, wie man sie jezt auslaufen sieht, versichern die Anderen, die englischen Schiffe wären doch noch immer die Herren des Ocean, und eine dritte Partei sucht, nach dem Schaukel-Systeme, Altes und Neues in Einklang zu bringen, und wünscht und bittet und beschwört, daß man Scandale nicht laut werden lasse. Einer der lezten Aufsäze über Schiffbau im Mechanics' Magazine, N. 135. 25 März 1826, S. 354, dringt auf Beachtung einer bisher gänzlich vernachlässigten Eigenschaft eines gut segelnden Schiffes, sowohl im Körper des Schiffes, als in dem Takelwerke, nämlich eines gewissen Grades von Elasticität, der dem Fahrzeuge in allen seinen Theilen zukommen muß, wenn es schnell und sicher segeln soll. Der Verfasser kommt bei dieser Gelegenheit nothwendig auf Ueberfrachtung der Fahrzeuge zu sprechen, und auf die Fehler der Mauth- und Assekuranz-Geseze. Leztere sind ein solches Hazardspiel geworden, daß der Kaufmann, der gewissenlos mit dem Leben der Bemannung des Schiffes Spiel treiben will, Alles wagen kann, indem er sein Schiff und seine Ladung ganz assekurirt erhält. Würden die Assekuranz-Gesellschaften nur drei Viertel Assekuranz geben, so würde der Kaufmann kein schlechtes Schiff wählen, und kein gutes überladen, und wären die Mauthzölle nicht nach der Zahl der Tonnen (sogenanntes Tonnengeld), so würde der Kaufmann nicht mehr laden, als er sicher schiffen kann, und der Staat, der 3/4 statt des Ganzen erhält, würde nicht um 25 p. C. betrogen werden, und Tausende von Menschenleben würden jährlich gerettet. Eigennuz auf der einen Seite, und Geseze von Leuten gegeben, die nichts von der Sache verstehen, weil sie auf den Universitäten nicht Sachen, sondern leeren Wortschwall lernen, auf der anderen, sind die „traurigen Quellen des jährlichen Verlustes von Millionen und des Lebens von Tausenden.“

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