Titel: Behandlung der Davy'schen Sicherheits-Lampen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 20, Nr. CXXVII./Miszelle 3 (S. 509–511)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj020/mi020127_3
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Behandlung der Davy'schen Sicherheits-Lampen.

Das k. preußische Ober-Berg-Amt für die niederrheinischen Provinzen zu Bonn, hat unterm 18. April 1826 eine, aus 12 Artikeln bestehende Verordnung „die Anwendung der Davy'schen Sicherheits-Lampen in den Steinkohlenwerken des rheinischen Haupt-Berg-Distrikts betreffend“, bekannt gemacht, welche bei nachdrüklicher Handhabung geeignet ist, Unglük in den Gruben zu beseitigen, und deßhalb in allen Gruben, wo schlagende Wetter sind, eingeführt zu werden verdient. Wir entlehnen die dieser Verordnung beigefügte Anweisung zur Behandlung der Davy'schen Sicherheits-Lampen, welche für viele unserer Leser von Interesse seyn wird.

Der Gebrauch der Davy'schen Sicherheits-Lampen – deren Construction nach den neuesten Verbesserungen als bekannt vorausgesezt werden kann – erheischt mehrfache Sorgfalt, sowohl Seitens der Arbeiter, welche sie gebrauchen, als der Officianten, welche dieselben unter ihrer Aufsicht haben. Folgende nähere Bemerkungen in dieser Beziehung bedürfen daher bei der Anwendung dieser Lampen der ernstlichsten Berüksichtigung, sowohl Seitens der Officianten, als der Arbeiter.

1. Da der Schuz, den die Sicherheits-Lampe gewährt, von dem Drathnez-Cylinder abhängig ist, welcher die Flamme umgibt, so darf der Bergmann sich in keinem Falle und unter keinem Vorwande erlauben, die Lampe in der gefährlichen Umgebung von Schlagwettern zu öffnen, den Drathnez-Cylinder davon zu nehmen oder nur aufzuheben. Jede Sicherheit wäre dadurch auf der Stelle verloren, und die Unvorsichtigkeit würde sich selbst auf die schreklichste Weise bestrafen. Es ist daher unumgänglich nothwendig, daß man, wie groß auch das in die Bergleute gesezte Zutrauen seyn mag, besondere Vorkehrungen treffe, damit die Arbeiter die Lampe nicht öffnen können.

Man bediente sich hierzu seither meist des sehr einfachen Mittels eines Vorlegschlosses: allein dasselbe hat die Unbequemlichkeit, daß der Staub und Schmuz das Schlüsselloch leicht verstopft, und daß ein solches Schloß auch leicht durch ein Häkchen oder dergleichen von unvorsichtigen Bergleuten geöffnet werden kann. Daher der neuerlich in Frankreich und Belgien eingeführte Verschluß durch eine Schraube, welche nur vermittelst eines, in den Händen des Aufsehers befindlichen, Schraubenschlüssels geöffnet werden kann, den Vorzug verdient.

2. Es ist zwekmäßig, alle Lampen zu numeriren, und immer demselben Arbeiter die nämliche Lampe zu geben. May wird dadurch am leichtesten gewahr, welche Arbeiter am besten für ihre Lampen sorgen. Solche Leute müssen dann bei den gefährlichen Arbeiten vorzüglich beibehalten, die Unachtsamem aber entfernet werden.

3. Die Vertheilung der Lampen darf jedesmahl nicht anders, als nach genauer Besichtigung und Untersuchung jeder einzelnen, und nach erlangter Ueberzeugung von ihrem guten Zustande geschehen.

4. Der Oehlbehälter der Lampe muß gleich bei der Füllung so viel Oehl erhalten, als für die Dauer der Schicht erforderlich ist. Zur Vermehrung der Helligkeit der Lampe, und vorzüglich um die Rußerzeugung und Ansezung an den Drathnez-Cylinder möglichst zu verhindern, ist die Anwendung von künstlich gereinigtem, oder solchem Oehle, welches sich durch einige Jahre langes Liegen auf dem Fasse selbst gereinigt hat, zu empfehlen.

5. Die Arbeiter müssen sich hüten, die Lampe in Ströme von schlagenden Wettern zu bringen, welche aus Klüften und Bohrlöchern heftig ausströmen, damit, durch das rasche Verbrennen des Gases im Innern, der Nez-Cylinder nicht zu stark erhizt werde. Ueberhaupt muß die Arbeit möglichst an solchen Stellen vermieden werden, wo die Luft in einem so hohen Grade explodirbar ist, daß die Verbrennung derselben im Innern des Cylinders das Nezgeflechte sehr stark erhizt und glühend macht. Wenn aber unter solchen Umständen die Arbeit gar nicht ausgesezt werden kann, |511| so erscheint es zwekmäßig, von Zeit zu Zeit den Cylinder durch einen, in Wasser getränkten, Schwamm oder mit einem nassen Tuche abzukühlen.

6. In keinem Falle dürfen die Bergleute versuchen, die Gasflamme, welche den Cylinder erfüllt, durch Blasen auszulöschen. Ströme von schlagenden Wettern verbreiten zwar bei gehörig construirten Lampen die Explosion nicht außerhalb des Nez-Cylinders. Leicht könnten aber Dräthe verbogen, und einzelne Maschen des Cylinders etwas vergrößert seyn, wodurch die Gefahr besonders dann vermehrt werden würde, wenn der Drath rothglühend wäre, und zugleich eine starke Luftbewegung hinzuträte. Bei einer solchen Verbindung von Umständen wäre es möglich, daß die Gasflamme im Cylinder nach Außen verbreitet würde. Daher das Auslöschen der Gasflamme nur entweder durch Bedekung der ganzen Lampe mit einem Futteral von Eisenblech oder durch Einschlagen derselben in ein nasses Tuch geschehen darf.

7. Der feine Staub, welcher besonders beim Verschrämen umherfliegt, verstopft leicht die Maschen des Drathgeflechtes an den Lampen. Jeder Arbeiter muß daher mit einer Bürste versehen seyn, um, so oft es erforderlich ist, den Cylinder puzen, und so der Lampe ihre gehörige Helligkeit wieder verschaffen zu können.

8. Nach vollendeter Schicht müssen die Lampen dem Steiger wieder übergeben werden. Sie werden alsdann ins Magazin gebracht, gereinigt und von Neuem untersucht.

Beim Reinigen werden die Lampen geöffnet, die Cylinder zwischen den Drahtstäben herausgenommen, und alsdann gepuzt. Die Cylinder werden entweder in warmen Wasser, worin etwas Pottasche aufgelöst ist, oder durch Ausbrennen über einem leichten Flammenfeuer von Hobelspänen gereinigt. In dem ersten Falle spült man die Cylinder, nachdem man sie gewaschen hat, in reinem Wasser, bürstet sie inwendig und auswendig rein, und läßt sie troknen. In dem zweiten Falle dreht man die Cylinder eine Minute lang über dem Feuer, und wenn sie wieder abgekühlt sind, so bürstet man sie ab. Der Steinkohlenstaub, der durch die Verbindung mit dem Oehle eine gewisse Zähigkeit erhält, verliert diese durchs Verbrennen, wird zu trokner Kohle oder Asche, und fällt meist schon von selbst von dem glühenden Drathe. Das Reinigen durch Ausbrennen verdient vor dem Waschen den Vorzug; es greift weniger das Gewebe der Cylinder an, und hinterläßt auf dem feinen Drath eine Art von Firniß, welcher die Oxydation verhindert. Man besichtigt hierauf genau alle Theile der Lampen, und wirft die schadhaften zur Reparatur aus.

Wenn die Cylinder von Eisendrath-Geflechte eine Zeitlang, ohne gebraucht zu werden, im Magazin verbleiben müssen, so ist es gut, sie durch Bestreichen mit Oehl vor dem Rosten zu schüzen.

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