Titel: Sargent's, Bearbeitung des Holzes für Wagner-Arbeiten etc.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 21, Nr. VI. (S. 29–33)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj021/ar021006

VI. Bearbeitung des Holzes für Wagner-, Tischler-, Zimmermanns- und andere Holzarbeiten, nach der Methode des Isak Sargent.

Aus den Annales de l'Industrie. N. 74. S. 147.3)

Mit Abbildungen auf Tab. II. (Im Auszuge.)

Bisher wurde alles Holz, welches eine krumme Form erhalten sollte, bei Zimmerleuten wie bei Wagnern, bei Schreinern wie bei Kunst-Tischlern, mittelst schneidender Werkzeuge aus einem ganzen Stüke in der verlangten gekrümmten Form herausgearbeitet. Nothwendig mußte dadurch der sogenannte Faden des Holzes leiden, so daß, je feiner man dasselbe ausarbeiten wollte, desto mehr die Stärke des Holzes dabei litt, und so die Zierlichkeit der Festigkeit und Dauer geopfert werden mußte; was stark ist, ist plump, sagten die Meister, zum Troste der Käufer.

Ein englischer Holzarbeiter gerieth auf die Idee, das Holz erst weich zu machen, und dann in eigens dazu verfertigten Modeln nach der verlangten gekrümmten Form zu pressen. Er arbeitet in dieser Hinsicht das Holz in der zur gewünschten Krümmung nöthigen Form und Länge nach der Richtung der Fasern, oder nach dem sogenannten Faden, aus, und läßt ihm nur soviel Dike, als durchaus nothwendig ist. Hierauf |30| weicht er es eine gehörige Zeit über in heißem Wasser oder in Dampf von siedendem Wasser, bis es so weich geworden ist, daß es ohne Gefahr zu brechen gebogen werden kann. Dann biegt er dasselbe in einem dazu eigens verfertigten Model, und läßt es im Schatten in diesem Model troken werden. Das Holz behält so vollkommen seine Form, und verliert sie nur dann wieder, wenn man dasselbe, wie vorher, erweicht Solches Holz nennt er geradefadiges Holz (bois à fildroit).

Die Wagenmacher in England bedienen sich ausschließlich nur solchen Holzes, das auf diese Weise zubereitet wurde, und können nur mit diesem den Wagen jene eleganten Formen geben, die sie eben so sehr, als ihre Festigkeit und Dauerhaftigkeit, auszeichnen. Solche Wägen rumpeln und lärmen nicht so, wie jene aus ausgehaktem und zusammengefügtem Holze, welches schon dieser Zusammenfügungen wegen viel massiver gelassen werden muß. Solche Wagen fahren sich viel leichter und schneller, und schonen zugleich die Pferde. Vorzüglich verdienten die Räder aus einer oder aus höchstens zwei Felgen aus Eschenholz die Aufmerksamkeit aller Kenner und aller Reisenden.

Die Erfahrung hat bereits allgemein für das geradefadige Holz gegen das Behauene entschieden, welches, durch das Feuer gebogen, nur noch brüchiger wird, und alle Kraft und Elasticität verliert. Nur mit geradefadigem Holze kann der Wagner seine eleganten Gestelle und Räder, der Schreiner die schön gewölbten Vorsprünge, der Zimmermann die eleganten Schnekentreppen, der Kunst-Tischler die höchst leichten und doch festen Möbeln verfertigen.

Folgende Zeichnungen auf Tab. II. werden eine Idee geben, wie weit man es in dieser Bereitungs-Art des Holzes in Frankreich und England bereits gebracht hat.

Fig. 19. und 20. sind zwei Gabeldeichseln aus geradefadigem Eschenholze auf obige Weise gebogen, wodurch alle Stärke und Elasticität des Holzes erhalten wird.4)

|31|

Fig. 21. zeigt eine solche Deichsel, die auf die gewöhnliche Weise zugehauen ist, und dann mittelst des Feuers gekrümmt wurde; man sieht an dem hier gezeichneten Faden des Holzes, wie sehr die Stärke und die Elasticität desselben durch dieses gewöhnliche Verfahren leiden muß.

Figg. 2226. fünf Gabeldeichseln von verschiedener Form und in verschiedener Krümmung aus solchem elastischen Holze, die eben so leicht und zierlich, und doch, ohne alle eiserne Bänder, stärker sind, als jedes andere Holz mit denselben.

Fig. 27. Gestell eines sogenannten Tilbury oder Denet, welches hinten an dem gekrümmten Theile nach dem geraden Faden geschiftet ist, nach der Seite dargestellt.

Fig. 28. Dasselbe von vorne.

Fig. 29. Eine gewölbte Langwiede einer Kutsche aus Holz nach dem geraden Faden.

Fig. 30. Eine solche Langwiede nach der gewöhnlichen Art zugehauen.

Fig. 31. Ein gekrümmter Flügel eines Tilbury etc., mit dem Faden nach der gewöhnlichen Art behauen.

Fig. 32. Eine ähnliche Stüze aus Holz nach geradem Faden gebogen.

Fig. 33. Ein Lehrbogen eines Cabriolet-Thürchens aus Holz nach dem geraden Faden gebogen.

Fig. 34. Ein Lenkscheit des Vordergestelles aus Holz nach dem geraden Faden gebogen.

Fig. 35. Dasselbe nach der gewöhnlichen Weise behauen.

Fig. 36. Ein Rad aus zwei Felgen, Fig. 37. aus Einer Felge; das Holz nach geradem Faden gebogen.

Fig. 38. Ein Rad auf gewöhnliche Weise zugeschnizt, wobei das Holz diker seyn und folglich das Rad schwerer werden muß.

Fig. 39. 40. 41. Drei Felgen von verschiedener Größe aus Einem Stüke nach dem geraden Faden des Holzes gebogen.

Fig. 42. Ein Hintergestell eines Tilbury auf die gewöhnliche Weise an den beiden Eken verbunden.

Fig. 43. 44. und 45. Drei verschiedene Lehrbogen des Hintergestelles eines Tillbury aus Holz in geradem Faden gebogen.

|32|

Fig. 46. Der Dekel eines Tilbury-Kastens mit Geländer aus Holz in geradem Faden gebogen.

Fig. 47. Geländer-Doken eines Tilbury von verschiedener Krümmung, aus Holz in geradem Faden gebogen.

Fig. 48. Lehrbogen eines Kalesche-Kastens in Form eines Boquey.

Fig. 49. Vier Reifen eines Kutschen-Daches (capote) aus einem Stüke Holz nach geradem Faden.

Fig. 50. Dieselben zu einem Dache zum Zurüklegen (Capote ployée) mit Beschlägen nach neuer Art.

Fig. 51. Zwei solche Reifen nach der gewöhnlichen Art zum Beschlagen geschiftet.

Fig. 52. Zwei eben solche, an den Krümmungen beschlagen, wodurch sie schwerer und härter zum Zurüklegen werden.

Fig. 53. Bok für den Kutscher, aus Holz nach geradem Faden gebogen.

Fig. 54. Querholz, welches die Kutschbäume zusammenhält, aus Holz nach geradem Faden gebogen.

Fig. 55. Dasselbe aus Holz, nach der gewöhnlichen Weise behauen.

Fig. 56. Eine Scheibe aus vier Stüken, auf die gewöhnliche Weise ausgehauen.

Fig. 57. Scheibe am Vordergestelle, aus Holz nach geradem Faden gebogen.

Fig. 58. Halbe Radfelge für Wagen mit Langwiede, aus Holz nach geradem Faden gebogen.

Fig. 59. Ovaler Kreis aus einem Stüke und im geraden Faden.

Fig. 60. Stiege, deren Ruhe und Geländer aus Holz nach geradem Faden gebogen ist.

Fig. 61. Nach dem geraden Faden gebogene Hölzer für Balcone, Gänge, Kirchen etc.

Fig. 62. 63. Zwei Vorsteke vor Kramläden, jedes aus Einem Stüke, aus nach dem geraden Faden gebogenen Holze.

Fig. 64. Ein (albernes) gothisches Fenster auf die gewöhnliche Weise zugeschnitten.

Fig. 65. Detto aus Holz nach dem geraden Faden gebogen.

Fig. 66. Die inneren Rahmen desselben nach der alten und nach der neuen Weise.

Die vortheilhafte Anwendung dieser Methode auf die Artillerie-Bedürfnisse |33| ist zu einleuchtend, als daß sie einer weiteren Ausführung bedürfte.

Der Redacteur bemerkt, daß diese Methode des Hrn. J. Sargent, der gegenwärtig zu Paris, Champs Élysées, allée d'Antin, N. 21, 23, seine Fabrik hat, schon vor der Revolution in Frankreich bekannt war, und daß die Engländer öfters als neue Erfindung nach Frankreich einführen, was man in Frankreich längst kannte. – C'est tout comme chez nous. A. d. Ueb.

|30|

Um Verwirrung in den Figuren zu beseitigen, hat man in allen nach dieser Art gekrümmten Hölzern den Faden derselben nicht gezeichnet, indem er immer mit dem äußeren Umrisse der Zeichnung parallel läuft; nur bei Figg. 36, 37, 38, hat man, der größeren Deutlichkeit wegen, denselben gezeichnet. A. d. O.

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