Titel: Daniell, über Klima, in Hinsicht auf Garten-Cultur.
Autor: Daniell, John Frederick
Fundstelle: 1826, Band 21, Nr. XIV. (S. 59–81)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj021/ar021014

XIV. Ueber Klima, in Hinsicht auf Garten-Cultur. Von Hrn. Joh. Fried. Daniell, Esqu., F. R. S.

Aus den Transactions of the Horticultural Society in den Annales of Philosophy, N. 62 S. 114. (Auch in Gill's technical Repository, März. S. 166. April S. 216. und Mai. S. 277.)13)

(Im Auszuge.)

„Gartenbau unterscheidet sich vom Akerbaue in einer sehr wesentlichen Hinsicht. Lezterer hat den Zwek, den Boden durch Dünger und durch die verschiedenen Arten, denselben zu bestellen, zu verbessern, und zwar nach jener Weise, welche für irgend ein gegebenes Klima die beste ist; er beschäftigt sich bloß mit der Erziehung und mit dem Wachsthume derjenigen Pflanzen, die in diesem Klima einheimisch sind, oder durch lange Wartung |60| und Pflege mit dem Wechsel der Witterung unter einer bestimmten Breite“ (und auch unter einer bestimmten Seehöhe, glaubt der Uebersezer beifügen zu müssen) „vertraut wurden. Ersterer hingegen biethet der Beobachtung ein weit größeres Feld dar. Er sucht nicht bloß mit der Beschaffenheit des Bodens vertraut zu werden, sondern, da er ausländische Gewächse erhalten und fortpflanzen will, muß er nothwendig auch die verschiedenen Klimate, unter welchen dieselben gedeihen, in Betrachtung ziehen; er muß sich bemühen durch Kunst dem engen Raume, auf welchen er beschränkt ist, jene Beschaffenheit der Atmosphäre, die denselben wohlthätig und angemessen ist, so viel möglich zu verschaffen, oder wenigstens sie in gewissen Perioden ihres Wachsthumes gegen plözliche Veränderungen der Witterung, die ihrem Wachsthume und ihrem Gedeihen schädlich seyn könnten, zu schüzen. Erfahrung ist hier der Theorie vorausgeeilt, und hat verschiedene künstliche Mittel ersonnen, durch welche diese Zweke erreicht werden können; man hat nie, wie ich glaube, eine systematische Zusammenstellung derselben versucht, die indessen nicht ohne Nuzen und ohne Interesse seyn kann. Die Daten der Erfahrung können wahrscheinlich die Schlüsse der Theorie bekräftigen, und es ist vielleicht nicht unmöglich, daß der verbesserte Zustand der lezteren der ersteren einige Beihülfe gewähren kann.“

„Gartenbau zerfällt in Hinsicht auf Klima in zwei Abtheilungen: die erstere begreift die Methoden, die Extreme des natürlichen Klimas in freier Luft zu mildern oder die Kraft desselben zu erhöhen; die zweite umfaßt die schwierigeren Mittel, eine eingeschlossene Atmosphäre zu bilden und zu unterhalten, deren Eigenschaften der natürlichen Atmosphäre in Tropen-Ländern ähnlich kommen. Zuerst von der ersteren.“

„Die Basis der Atmosphäre ist in chemischer Hinsicht in allen Regionen der Erde dieselbe. Die Unterschiede im Klima beruhen daher auf jenen Abänderungen, welche vom Lichte, von der Wärme, und von der Feuchtigkeit abhängen, und über diese hat die Kunst, selbst in freier Luft, einen größeren Einfluß erhalten, als beim ersten Anblike möglich scheinen sollte. Durch wohlberchnete Behandlung ist das Klima unserer Gärten selbst den köstlichsten Gewächsen glüklicherer Himmelsstriche angepaßt worden, und Blumen und Früchte aus der Nähe der Tropen-Länder wetteifern täglich durch ihr Blühen und Reifen |61| in freier Luft, den Sieg der Kenntnisse und des Fleißes zu beurkunden.“

„Um diesen wichtigen Gegenstand in allen seinen Beziehungen gehörig zu verstehen, und aus dieser vollkommenen Einsicht alle jene praktischen Vortheile abzuleiten, die sie gewähren muß, wird es nothwendig, eine genaue Kenntniß der Eigenheiten eines jeden Klimas der Erde zu besizen; so weit wir übrigens von dem Besize einer solchen Kenntniß entfernt sind, so rasche Fortschritte machen wir indessen täglich, um zu demselben zu gelangen. Vor allem ist es aber nothwendig, daß wir die Wechsel in der Atmosphäre unter jener Lage, in welcher wir uns befinden, genau kennen. Obschon dieser Wechsel nicht der größte ist, mit welchem wir bekannt geworden sind, so ist er doch groß, und öfters plözlich. Das Thermometer spielt bei uns im Schatten zwischen 0 und 90° F.“ (– 14°, 22 R. bis + 32°, 22 R.); „unter günstigen Umständen erreicht die Wärme der Sonnen-Strahlen eine Höhe von 135° F.“ (+ 45°, 78 R.) „und das Hygrometer wechselt zwischen dem Sättigungs-Puncte oder 1,000 und 0,389.14) Der Hauptzwek des Gartenbauers ist, sein Klima nach dem Süden hin auszustreken, wo solche Extreme von Trokenheit und Kälte nie vorkommen, und nicht nur sich gegen die verderblichen Wirkungen |62| der äußersten Strenge der Witterung zu sichern, sondern auch den plözlichen Wechsel derselben in den verschiedenen Jahreszeiten abzuhalten. Um die Mittel einzusehen, wie man zu diesem Zweke gelangen kann, wird es nothwendig seyn, die Art zu betrachten, wie diese Wechsel in dem allgemeinen Laufe der Natur entstehen. Man wird bald einsehen, daß die Hauptsache im Winde und in der strahlenden Wärme gelegen ist.“

„Die Summe der Ausdünstung des Bodens und der Blätter der Gewächse hängt von zwei Bedingungen ab: von der Sättigung der Luft mit Feuchtigkeit, und von der Schnelligkeit der Bewegung derselben. Sie verhält sich umgekehrt, wie die erstere, und gerade wie die leztere.“

„Wenn die Luft troken ist, steigt Dampf mit großer Schnelligkeit aus jeder Oberfläche in die Höhe, die denselben zu liefern vermag; die Stärke dieser Wirkung wird durch den Wind gar sehr vermehrt, welcher die Feuchtigkeit von dem ausdünstenden Körper wegnimmt, sobald sie sich auf demselben gebildet hat, und hindert jene Anhäufung, welche sonst die Verdünstung aufhalten würde.“

„Ueber den Stand der Sättigung hat der Gartenbauer wenig oder gar keinen Einfluß in der freien Luft; allein, über die Schnelligkeit der Bewegung derselben kann er einiger Maßen gebiethen. Er kann die Gewalt der Windstöße durch künstliche Mittel, wie Mauern, Planken, Heken oder andere Schirme brechen, oder er kann natürlichen Schuz an den Abhängen von Hügeln finden. Uebermäßige Ausdünstung ist für mehrere Vegetations-Processe höchst verderblich, und verschiedene Arten des sogenannten Mehlthaues (blight) können dieser Ursache zugeschrieben werden. Verdünstung nimmt in einem außerordentlich raschen Verhältnisse mit der Schnelligkeit des Windes zu, und alles, was diese leztere vermindert, vermindert auch auf eine kräftige Weise die Ausdünstung. Dieselbe Fläche, die in Windstille 100 Theile Feuchtigkeit ausdünstet, gibt in einem mäßigen Winde 125, und bei starkem Winde 150. Trokenheit der Atmosphäre im Frühjahre erzeugt die verderblichsten Wirkungen an den zarten Trieben der Gewächse in dieser Jahreszeit; vorzüglich muß man sie gegen die Ost-Winde zu schüzen suchen. Die Feuchtigkeit der Atmosphäre, die aus jedem Puncte zwischen NO und SO herströmt, ist zu jener der Luft aus dem anderen Viertel der Windrose im Jahres-Durchschnitte |63| wie 814 zu 907. Es ist nichts Ungewöhnliches, im Frühjahre den Thaupunct tiefer als 20 Grad“ (F.) „unter der Temperatur der Luft im Schatten zu finden; ich habe ihn selbst in einer Differenz von 30 Graden gefunden. Die Wirkung eines solchen Grades von Trokenheit ist außerordentlich sengend, und wenn zugleich ein Wind weht, so verdirbt sie alle Blüthen zärtlicher Gewächse. Die Wirkung hoher Wände, vorzüglich an der Nord- und Ost-Seite eines Gartens, kann also, als kräftiges Mittel gegen diesen Nachtheil, nicht bezweifelt werden, und wo man zärtliche Obstbäume zieht, dürfen solche Schirme nie weit entfernt stehen.“

„Die Theorie biethet hier noch ein anderes, wie ich glaube noch unversuchtes, eines Versuches aber allerdings werthes Mittel dar. Wenn Bäume an einer Wand gegen Süden gekehrt gezogen werden, so haben sie allerdings den Vortheil einer größeren Wärme; allein diese Temperatur unterscheidet sich im Frühlinge von der gleich hohen Wärme einer mehr vorgerükten Jahres-Zeit, oder eines südlicheren Klimas dadurch, daß sie nicht so viele Feuchtigkeit mit sich führt. Bei dem außerordentlich trokenen Zustande der Atmosphäre, der dann Statt hat, muß die ungeheuere Verdünstung aus den Blumen eines zärtlichen Obstbaumes, die dadurch veranlaßt wird, nothwendig höchst nachtheilig werden. Man sollte demnach suchen die Wirkung einer Beschattung oder Beschüzung der Pflanzen gegen die unmittelbar auffallenden Sonnen-Strahlen zu bestimmen. Dieser Zustand der Atmosphäre hat im April, Mai, Junius, öfters Statt, dauert aber nur selten mehrere Stunden über; indessen kann derselbe auch in wenigen Stunden großes Unheil veranlassen, und der Nachtheil eines theilweisen Verlustes an Licht kann durchaus nicht mit der höchst wahrscheinlichen Wirkung, die wir so eben angedeutet haben, in Vergleichung kommen.“

„Während der Zeit, als ich die Witterung aufzeichnete, sah ich das Thermometer in der Sonne auf 101°“ (F. + 38°,33 R.) „im Mayen, während der Thaupunct nur 34° war. Der Stand der Sättigung an der gegen Mittag gekehrten Wand muß also 120 gewesen seyn; ein Zustand von Trokenheit, den sicher kein afrikanischer Harmattan übertreffen wird. Eine Matte als Schuz gegen die Sonne würde in einem solchen |64| Falle öfters alle Nachtheile beseitigen, welche auf eine ähnliche Weise oft so plözlich entstehen.“

„Einige Methoden, deren man sich gegenwärtig in der Gärtnerei bedient, scheinen auf der Erfahrung ähnlicher Wirkungen zu beruhen. Man weiß jezt, daß Steklinge am besten auf einem gegen Norden gelegenen, und gegen den Wind geschüzten Beete gedeihen, oder daß man sie, wenn sie anders gelegen sind, gegen die Gewalt der Mittags-Sonne mittelst eines Schirmes schüzen muß. Denn man auf diese Umstände nicht achtet, so welken sie schnell dahin und sterben. Aus eben diesem Grunde wählt man auch den Herbst zu ihrer Verpflanzung, so wie zum Versezen der Bäume; die Atmosphäre ist in dieser Jahreszeit mit Feuchtigkeit gesättigt, und erschöpft die Pflanze nicht, ehe sie in dem Boden gehörig eingewurzelt hat.“

„Ueber den absoluten Zustand des Dampfes in der Atmosphäre vermögen wir nichts, und durch kein Wässerungs-System vermögen wir den Thaupunct in der freien Atmosphäre zu bewirken. Dieser wird in den oberen Regionen bestimmt, und es wird bloß durch indirectes Verfahren, durch Auswahl der gehörigen Jahreszeiten, möglich, die zärtlicheren Pflanzen-Schößlinge gegen die verderblichen Wirkungen einer zu starken Ausdünstung zu schüzen.“

„Das Ausstrahlen der Wärme, die zweite Ursache, welche einen plözlichen und nachtheiligen Einfluß auf die zarten Garten-Producte äußert, wurde, bis auf die lezteren Jahre her, von den Physikern nicht gehörig beachtet und verstanden, und selbst jezt noch ist sie dem praktischen Gärtner nicht gehörig geläufig, der zwar durch Erfahrung auf einige Mittel gegen die nachtheiligen Wirkungen derselben geleitet wurde, mit der Theorie seines Verfahrens aber gänzlich unbekannt ist. Dr. Wells, dessen vortrefflichem Werke über den Thau (Essay upon Dew) wir soviel über diesen wichtigen Gegenstand verdanken, gesteht so offenherzig: „im Stolze auf Halbwisserei habe ich öfters über die Mittel gelächelt, deren sich häufig die Gärtner bedienen, im zärtliche Gewächse gegen die Kälte zu schüzen, da es mir unmöglich schien, daß eine dünne Matte, oder irgend eine so leichte Bedekung sie hindern könne, die Temperatur der Atmosphäre anzunehmen, durch welche ich sie allein für verlezbar hielt. Alt ich aber lernte, daß Körper auf der Oberfläche der Erde |65| während einer stillen heitern Nacht kälter werden, als die Atmospäre, indem sie ihre Hize gegen dieselbe ausstrahlen, sah ich alsogleich den guten Grund eines Verfahrens ein, welches ich bisher für unnüz hielt.“

„Die Kraft, Wärme in geraden Linien in allen Richtungen, ohne alle Berührung, auszustrahlen, kann als eine der Materie überhaupt inwohnende Kraft betrachtet werden, die jedoch in verschiedenen Stoffen in verschiedenem Grade vorkommt. Als gleichzeitig mit derselben, und in demselben Grade vorhanden, kann man die Kraft betrachten, diese von anderen Körpern ausgeströmte Hize einzusaugen. Polirte Metalle und Pflanzenfasern kann man als die beiden Körper betrachten, welche sich auf den äußersten Endpuncten des Maßstabes befinden, mit welchem man diese Eigenschaften an verschiedenen Substanzen messen kann. Wenn ein Körper so gelagert ist, daß er gerade so viel strahlende Hize aufnimmt, als er ausstrahlt, so bleibt seine Temperatur dieselbe: wenn die umherstehenden Körper Wärme in höherem Grade ausstrahlen, als der eingeschlossene, so steigt die Temperatur desselben, bis die Menge Wärmestoffes, welche er aufnimmt, in genauem Gleichgewichte mit derjenigen ist, welche er ausstrahlt, auf welchem Puncte sie dann wieder unverändert bleibt; wenn endlich die Kraft der Ausstrahlung unter Umständen wirkt, unter welchen keine Rükkehr zu erwarten ist, so nimmt die Temperatur des Körpers ab. So wird ein in dem Brennpuncte eines Metall-Hohlspiegels angebrachtes Thermometer gegen irgend einen wolkenlosen Theil des Himmels gekehrt, zu jeder Stunde des Tages um einige Grade unter die Temperatur eines Thermometers fallen, welches außer dem Spiegel in der Nähe des vorigen sich befindet; beide Thermometer strahle aus, an dem ersteren wird aber alle Rükkehr der ausgestrahlten Wärme unmöglich, während das leztere von den ihm zunächst befindlichen Körpern eben so viel Wärme erhält, als es ausstrahlt. Dieser Austausch unter Körpern hat sowohl in durchscheinenden Mitteln als im leeren Raume Statt, im ersten Falle wird aber die Wirkung durch die ausgleichende Kraft des Mittels abgeändert.“

„Jeder Theil der Oberfläche der Kugel, welcher frei gegen die Sonne gekehrt ist, erhält mehr strahlende Wärme, als er ausstrahlt, und wird erwärmt; wenn man aber durch Umdrehung der Achse des Thermometers diesen Theil von der Quelle seiner Wärme wegkehrt, dauert das Ausstrahlen in dem umgebenden |66| Raum fort, und, da die ausgestrahlte Wärme jezt nicht ersezt wird, wird die Temperatur sinken. In Folge der verschiedenen Grade, in welchen verschiedene Körper die Wärme auszustrahlen vermögen, werden zwei an einander stoßende Theile des Erdsystemes verschiedene Temperaturen erhalten, und wenn man in einer hellen Nacht ein Thermometer auf einen Rasenplaz, und ein anderes auf nakte Erde, oder einen mit Schutt bestreuten Gang legt, wird man das erstere um mehrere Grade niedriger stehen finden, als das leztere. Der faserige Bau des Grases begünstigt die Ausstrahlung der Wärme, welche die dichteren Oberflächen des Schuttes in sich zu halten und zu fixiren scheinen. Diese ungleiche Wirkung hat aber nur bei unumwölkter Atmosphäre Statt, und wenn freier Abzug in den Raum möglich ist: denn selbst ein leichter Nebel wird den ausgestrahlten Stoff in seinem Laufe aufzuhalten vermögen, und dem ausstrahlenden Körper eben so viel zurücksenden, als er ausstrahlt. Wenn noch körperlichere Hindernisse dazwischen kommen, wird der Erfolg noch mehr gehindert werden, und das Gleichgewicht in der Temperatur wird in keinem Körper gestört werden, der sich nicht unter einem klaren Himmel befindet. Ein Stük Rasenplaz unter dem Schuze eines Baumes, oder einer Heke wird in einer hellen Nacht, um 8 bis 10 Grade „(F.)“ wärmer seyn, als der dieses Stük umgebende unbeschüzte Rasenplaz, und alle Gärtner wissen, daß an solchen geschüzten Stellen weniger Thau und Reif sich zeigt, als an frei liegenden Pläzen.“

„Es gibt indessen mehrere hiervon unabhängige Umstände, welche die Wirkung dieser Kraft abändern, wie z.B. der Zustand des strahlenden Körpers, seine wärmeleitende Kraft etc. Wenn, z.B., der Körper sich in einem flüßigen oder luftförmigen Zustande befindet, so wird, obschon der Proceß, wie bei dem Wasser, fortgeht, die dadurch erzeugte Kälte sich nicht auf der Oberfläche anhäufen, sondern, nach bekannten Gesezen, sich durch die ganze Masse verbreiten, und wenn ein fester Körper ein guter Wärmestrahler, aber ein schlechter Leiter ist, so wird die abkühlende Wirkung auf der bloßgestellten Oberfläche sich verdichten. So ist auf der Oberfläche der Erde vollkommene Stille der Atmosphäre nothwendig, wenn sich Kälte auf dem strahlenden Körper anhäufen soll: denn, wenn die Luft in Bewegung ist, so zerstreut sie die Wirkung, und gleicht sie mit einer |67| Schnelligkeit aus, die mit der Geschwindigkeit jener Bewegung in Verhältniß steht.“

„Nach diesen Grundsäzen hat Doctor Wells alle mit dem Thaue und Reife in Verbindung stehenden Phänomene auf eine genügende Weise erklärt. Diese Ablagerung von Feuchtigkeit ist der Kälte zuzuschreiben, welche in den Körpern durch Ausstrahlung entsteht, und wodurch der Dampf der Atmosphäre auf ihren Oberflächen verdichtet wird. Er zeigt sich nur auf Pflanzen, nicht auf dem nakten Boden. Die Fasern des kurzen Grases begünstigen die Bildung desselben vorzüglich. Er entsteht nie bei nebeligem oder windigem Wetter, oder in Lagen, die nicht gegen den Himmel vollkommen frei oder offen sind. Er bildet sich nie auf den gut leitenden Oberflächen der Metalle, lagert sich aber schnell auf den schlecht leitenden Oberflächen faseriger Körper, wie der Baumwolle, Wolle etc.“

„Hinsichtlich der Bemerkung, daß sich der Thau nie auf Metallen bildet, muß man nothwendig eine zweite Wirkung unterscheiden, welche öfters eine Ablagerung von Feuchtigkeit auf jeder Art von Oberfläche ohne Unterschied veranlaßt. Die Kälte, welche auf her Oberfläche eines strahlenden Körpers entsteht, wird nach und nach der rings umher befindlichen Atmosphäre mitgetheilt, und wenn die Wirkung stark genug und hinlänglich anhaltend ist, lagert sich nicht nur Feuchtigkeit auf dem festen Körper ab, sondern wird in der Luft selbst niedergeschlagen, aus welcher sie nach und nach niedersinkt, und sich auf allen Körpern in ihrem Bereiche ansezt.“

„Die Bildung des Thaues ist einer derjenigen Umstände, welche die abkühlende Wirkung der Ausstrahlung verändern und aufhalten; denn, so wie der Dampf sich verdichtet, läßt er die gebundene Wärme fahren, mit welcher er in seiner elastischen Form verbunden war, und dadurch beugt er, ohne Zweifel, einer zu großen Erniedrigung der Temperatur vor, welche in vielen Fällen der Vegetation nachtheilig werden könnte, die indessen dadurch alle Vortheile einer sanften Verbreitung von Feuchtigkeit erhält.“

„Die Wirkungen der Ausstrahlung der Wärme biethen sich dem Gartenbauer unter zwei Gesichtspunkten dar: ein Mahl unter dem ursprünglichen Einfluße auf die derselben ausgesezten Pflanzen, und dann in Hinsicht auf die Veränderungen, welche dadurch auf die Atmosphäre verschiedener Lagen erzeugt werden. |68| Für Pflanzen, welche in einem ihnen ursprünglich von der Natur angewiesenen Klima wachsen, kann die Einwirkung der strahlenden Wärme nicht anders als höchst wohlthätig seyn, indem dadurch Ablagerung von Feuchtigkeit auf ihren Blättern veranlaßt wird: für zärtliche Gewächse hingegen, die man künstlich aufziehen, und an die Strenge einer ihnen unnatürlichen Lage gewöhnen muß, muß dieser Grad von Kälte, welcher noch besonders hinzukommt, höchst gefährlich werden können. Es ist auch wahrscheinlich, daß, nach angestellten Beobachtungen, die Stärke dieser Wirkung mit der Entfernung von dem Aequator gegen die Pole hin zunimmt. Der tiefste Stand am Thermometer, den man zwischen den Tropen, als Folge dieser Wirkung, aufzeichnete, war 12° „(F.)“, während das Thermometer zu London aus demselben Grunde nicht selten um 17° „(F.)“ fällt. Es ist gewiß, daß die Vegetation in England des Nachts in Folge der Ausstrahlung zehn Monate im Jahre über, der Gefahr einer Erniedrigung der Temperatur unter den Frierpunct ausgesezt ist, und selbst in den beiden Monaten, Julius und August, welche die einzigen Ausnahmen sind, wird ein mit Wolle bekleidetes Thermometer öfters auf 35° „(F.)“ (+ 1,67 R.) fallen. Indessen sind es nur niedrige, auf dem Boden liegende Gewächse, die der ganzen Strenge dieser Wirkung ausgesezt sind. In einer solchen Lage liegt die durch diesen Proceß abgekühlte Luft auf der Oberfläche der Gewächse, und kann, ihrer Schwere wegen, nicht darüber weg, während sie von den Blättern der Bäume und Sträucher herabgleitet, und sich auf der Erde lagert.“

„Alles, was den Anblik des reinen Himmels entzieht, hält in demselben Verhältnisse das Fortschreiten dieser Abkühlung ab, und die leichteste Bedekung mit einem Tuche, oder einer Matte hebt sie gänzlich auf. Bäume, die an einer Wand oder Planke aufgezogen sind, oder Pflanzen, die im Schuze derselben gezogen werden, sind dadurch allein gegen den größten Theil dieses Unheiles geschüzt, und sie werden noch mehr geschüzt seyn, wenn ein anderer Schirm in einer mäßigen Entfernung angebracht ist. Die bestberechnete Anlage für ausländische Fruchtbäume in freier Luft würde eine Anzahl paralleler, und nach Süd-Ost gekehrter Wände in geringer Entfernung von einander seyn: die Zwischenräume müßten bis auf ein schmales Beet zu jeder Seite, mit Schutt aufgefahren seyn, |69| und von allem Unkraute und niedrigem Gewächse frei gehalten werden. An der Süd-Seite dieser Wände könnten Pfirsiche, Aprikosen, Feigen etc. mit Vortheil gezogen werden, und an der Nordseite härtere Fruchtsorten. Zarte ausländische Gewächse gewännen so alle Vortheile einer frühen Morgen-Sonne, die sobald möglich die größte Anhäufung der Kälte, die dem Sonnen-Aufgange unmittelbar vorausgeht, zerstreute, und dem nachtheiligen Einfluße der nächtlichen Ausstrahlung vollkommen vorbeugt. Auf Bäume, die auf diese Weise gezogen werden, könnte der unmittelbare senkrechte Eindruk nur wenig Wirkung äußern, und selbst dieses Wenige könnte durch mäßige Bedekung beseitigt werden.“

„Matten oder Tücher auf Walzen vor den Bäumen, so daß man sie gelegentlich herablassen kann, in der Entfernung von Einem Fuße, oder von zwei Fuß von denselben angebracht, würden ohne Zweifel in den oben angeführten Fällen von Trokenheit der Atmosphäre sehr gute Dienste leisten, und wenn keine gegenüber stehenden Wände vorhanden sind, würden sie als Stellvertreter derselben dienen können.“

„Erfahrung lehrte die Gärtner die zärtlichen Gewächse dadurch gegen die Wirkungen des Frostes zu schüzen, daß sie dieselben mit Stroh oder Streue bedeken: das Deken mit Matten ist aber noch nicht so allgemein verbreitet, wie es seiner Einfachheit und guten Wirkung nach verbreitet seyn sollte. Selbst dort, wo man Matten anwendet, scheint die Weise, wie man sich derselben bedient, nicht von der mindesten Einsicht des Grundsazes, worauf diese Anwendung beruht, zu zeugen: gewöhnlich bindet man sie dicht an dem Baume an, den sie schüzen sollen, oder nagelt sie in enger Berührung der Blätter desselben auf.“

„Nun darf man aber nicht vergessen, daß die Ausstrahlung bloß von dem Baume auf die Matte übertragen wird, und die Kälte der lezteren auf jeden Punct des ersteren geleitet wird, in welchem sie denselben berührt. Die Berührung sollte also durch Reifen, oder auf irgend eine andere zwekmäßige Weise vermieden werden, indem die von der Matte eingeschlossene Luftschichte durch ihre schlecht leitende Kraft die Pflanze hinlänglich sichert. Wenn die Blätter so geschüzt, und die Wurzeln hinlänglich mit Streu bedekt sind, wird man ohne Zweifel eine Menge immer grünender Gewächse die Strenge |70| unseres Winters ertragen machen können, die jezt zu einem verkrüppelten Wachsthume in unseren Orangerien und Conservatorien verdammt sind.“

„Die zweite Wirkung, welche die Ausstrahlung der Wärme auf das Klima irgend einer besonderen Lage hat, wird gewöhnlich weniger beachtet, als die erste, verdient aber dessen ungeachtet noch mehr Aufmerksamkeit. Die äußerste Kälte kann nur bei einer vollkommenen Stille der Atmosphäre Statt haben: eine geringe Bewegung der lezteren reicht hin, um sie zu zerstreuen. Es bildet sich öfters in besonderen Lagen ein niedriger Nebel auf Wiesen, in Folge der langsamen Ausdehnung der oben erwähnten Bildung der Kälte in der Luft: die bloße Bewegung, die dadurch in diesem Nebel entsteht, daß man über die Wiese hingeht, reicht meistens hin, um denselben zu zerstreuen und zu schmelzen. Ein Thal, das von niedrigen Hügeln umgeben ist, unterliegt den Wirkungen der Ausstrahlung mehr, als die Gipfel und Abhänge dieser Hügel: denn es ist bekannte Thatsache, daß Thau und Reif immer häufiger im Thale, als auf den Abhängen dieser Hügel ist. Dieß gilt jedoch nicht von Thälern, die mir hohen und steilen Hügeln umgeben sind, welche die Aussicht auf den Himmel versperren; denn hier hat der entgegengesezte Fall Statt. Sanfte Abhänge, die die wellenförmige Bewegung der Luft brechen, ohne die Aussicht nach dem Himmel abzuhalten, bringen am meisten jene Wirkung der Ausstrahlung hervor, und es verdient bemerkt zu werden, daß Wände oder Heken auf eine künstliche Weise dieselben Nachtheile hervorzubringen vermögen.“

„Der Einfluß der Hügel auf die nächtliche Temperatur der Thäler, welche sie umgeben, beschränkt sich aber nicht bloß auf diese Insulirung; die Ausstrahlung geht auf ihren Abhängen fort, und die durch Kälte verdichtete Luft rollt von denselben herab, und lagert sich an ihrem Fuße.“

„Auf diese Weise werden ihre Abhänge gegen den Frost gesichert, und eine doppelte Ladung desselben fällt auf jene Stelle hinab, die sehr viele für eine höchst geschüzte Lage erklären. Die Erfahrung bestätigt diese theoretischen Ansichten vollkommen. Es ist eine alte Bemerkung, daß die bösen Wirkungen der Kälte vorzüglich sich in hohlen Lagen zeigen, und daß der Frost auf den Hügeln minder streng ist, als in benachbarten Thälern. Ich weiß aus meinen eigenen Beobachtungen, daß die Blätter |71| der Rebe, des Wallnuß-Baumes, die saftigen Triebe der Dahlien und der Erdäpfel, oft durch den Frost in geschüzten Thälern während Nächten zerstört werden, in welchen dieselben Gewächse auf den umgebenden Hügeln unverlezt bleiben. Ich habe, einen Unterschied von 30° „(F.)“ an zwei Thermometern in diesen beiden verschiedenen Lagen zu Gunsten desjenigen gesehen, welches sich auf den Hügeln befand.“

„Der Vortheil eines auf einem sanften Abhange gelegenen Gartens muß daher einleuchtend seyn: ein Strom am Fuße desselben würde noch den Vortheil einer anstoßenden Fläche gewähren, die der Erkältung nicht so sehr unterworfen ist, und zugleich jedes verderbliche Stillstehen der Luft unmöglich macht. Es giebt nur wenige Lagen, welche alle Bedingungen erfüllen, die die Theorie zur vollkommensten Milderung des Klima in freier Luft vorschlagen kann; obige Bemerkungen werden indessen nicht ohne Nuzen zur Bezeichnung solcher Lagen seyn, welche, in dieser Hinsicht, vermieden werden müssen.“

„Der Gartenbauer vermag wenig, um die Wirkung des Klimas in freier Luft zu erhöhen, außer daß er die Lage des Gartens gegen die Sonne, und nach der Concentrirung ihrer Strahlen auf Wänden und Schirmen wählen kann. Die natürliche Zurükprallung der Strahlen von diesen, und von dem dazwischen liegenden Boden, ist indessen sehr stark, und es gibt nur wenige Pflanzen in den tropischen Regionen, die einer größeren Hize ausgesezt sind, als ein gut ausgebundener Baum an einer Wand in unseren Sommern. Es scheint wirklich, nach Versuchen, daß die strahlende Kraft der Sonne, wie die Ausstrahlung der Wärme aus der Erde, mit der Entfernung von dem Aequator zunimmt: es ist ein größerer Unterschied zwischen einem Thermometer im Schatten und in der Sonne in unserem Klima, als in der Sierra Leone, oder auf Jamaica. Die Bemerkungen des Präsidenten der Gesellschaft „(Sir Knight)“ über den Wachsthum der Ananasse stimmen genau mit dieser Idee; denn er hat bemerkt, daß diese Pflanze, ob schon sie sehr gut eine höhere Temperatur ertragen kann, durchaus nicht so leicht ein anhaltend starkes Licht erträgt, wie viele andere Gewächse, und noch weit weniger, als die Feige und der Pomeranzenbaum; er ist daher geneigt zu glauben, daß sie, in dieser Hinsicht, ihre Früchte weit besser im Frühjahre, als in der Mitte des Sommers, zur Reife bringen würde. (Horticultural |72| Transactions IV. p. 546.). Die Stärke des Sonnen-Lichtes ist zuweilen so groß, daß es oft nöthig wird, zarte Blumen gegen den Einfluß desselben zu beschüzen, und ich habe bereits einen Fall angedeutet, in welchem es wünschenswerth ist, dieselbe Vorsicht bei den Blüthen gewißer Obstbäume zu gebrauchen. Die größte Stärke hat das Licht bei uns im Junius, während die größte Hize erst im Julius eintritt. In gehörig geschüzten Lagen kann man daher die Temperatur Einen Monat voraus gewinnen.“

„Der größte Nachtheil, welchem die Garten-Cultur bei uns „(in England)“ unterliegt, ist die Unsicherheit eines klaren Himmels, wogegen die Kunst nichts vermag. Keine künstliche Wärme kann diesen Nachtheil ersezen, und ohne die Strahlen der Sonne verlieren die Früchte ihren Geschmak, und die Blüthen den Glanz ihrer Farbe. Man hat versucht, die Wände durch Oefen und Züge zu heizen; allein, ohne Glas wollte keiner dieser Versuche gehörig gelingen.“

„Es ist bekannt, daß verschiedene Körper die Sonnenhize mehr oder minder leicht, und zwar nach ihren verschiedenen Farben, verschlingen, und daß die schwarze Farbe in dieser Hinsicht die kräftigste ist. Man hat daher vorgeschlagen, die Wände in den Gärten schwarz anzustreichen; allein, der Vortheil, der hierdurch entstehen kann, scheint nicht besonders groß zu seyn. Es ist wahrscheinlich, daß dadurch die Bäume im Frühlinge, noch ehe sie Blätter haben, gereizt werden, ihre Blüthen früher zu entfalten, als sonst: doch dieß ist ehe ein Nachtheil, indem die Blüthe dadurch allen Zufälligkeiten eines frühen Frühlinges ausgesezt wird. Wenn der Baum aber einmahl Blätter getrieben hat, so kann die Farbe der Wand keinen Einfluß mehr auf denselben äußern, indem die Blätter dieselbe bedeken, und nach ihrer Farbe wirken. Der einzige wirkliche Vortheil von dunkler Farbe zu diesem Zweke ist, wenn man die Früchte bedekt, um dieselben gegen die Verheerungen der Insekten zu schüzen: Trauben in Säken von schwarzem Flor reifen besser, als in weißen; allein doch in keinem von beiden, wie es mir scheint, so gut, als in freier Luft.“

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Der Hr. Verfasser geht nun zur Betrachtung einer eingeschlossenen Atmosphäre über, die zwar gänzlich unter der Gewalt der Kunst steht, dafür aber auch umfassendere Kenntnisse |73| der Geseze der Natur in Hinsicht auf die Klimate, und größere Geschiklichkeit und Erfahrung in Anwendung der dabei nöthigen Mittel fordert. Die Pflanzen, welche den Schuz einer geschlossenen Atmosphäre fordern, befinden sich in dem möglich künstlichsten Zustande, nicht bloß in Hinsicht auf ihre Stängel und Blätter, die dieser Atmosphäre ausgesezt sind, sondern auch in Hinsicht auf ihre Wurzeln. Die Erde, in welcher sie leben, ist gewöhnlich in porösen irdenen Töpfen, an deren innere Oberfläche die zarten Würzelchen schnell durchdringen, und sich daselbst in jeder Lage verbreiten. Diese Würzelchen sind dadurch gleichfalls jedem Wechsel der Temperatur und der Feuchtigkeit, und großer Gefahr einer Verkältung ausgesezt, sobald die Ausdünstung plözlich vermehrt wird.“

Er betrachtet die Behandlung der Gewächse in geschlossener Atmosphäre unter zwei Gesichtspuncten: 1) Behandlung solcher ausländischer Gewächse, welche gänzlich von der künstlichen Atmosphäre eines Treibhauses abhängen; 2) Behandlung der mehr abgehärteten Gewächse, welche nur im Winter in einer Orangerie aufbewahrt werden dürfen, im Sommer aber in freier Luft dem Wechsel der Witterung ausgesezt werden können.“

Was die erstere betrifft, so bemerkt er, daß die Gärtner in dieser delicaten Angelegenheit vorzüglich nur auf die Temperatur Rüksicht nehmen, da doch die Feuchtigkeit von eben so hoher Wichtigkeit ist. Die Gewächse der Tropen-Länder, die ein Treibhaus fordern, haben in ihrem heimathlichen Klima nicht bloß einen unwandelbaren hohen Grad von Hize, sondern zugleich auch eine sehr feuchte, dampfvolle Atmosphäre. Capitän Sabine fand bei seinen meteorologischen Untersuchungen zwischen den Wendekreisen in den heißesten Stunden des Tages selten einen größeren Unterschied zwischen dem Thaupuncte und der Temperatur der Luft, als ungefähr 10°, was beiläufig 730° Sättigung gibt; am häufigsten aber betrug dieser Unterschied nur 5° oder 850° für die Sättigung: die Sättigung der Luft konnte im Durchschnitte nicht über 910° betragen. Nun glaube ich, daß, wenn man das Hygrometer zu Rathe ziehen wollte, man häufig in den Treibhäusern, so wie sie gegenwärtig geleitet werden,15) |74| eine Differenz von 20° zwischen dem Verdichtungs-Puncte und der Luft, oder einen Grad von Feuchtigkeit unter 500 finden würde. Die Gefahr des zu starken Begießens der Gewächse, vorzüglich in gewissen Perioden ihres Lebens, ist im Allgemeinen hinlänglich bekannt, weßwegen man auch die Erde an den Wurzeln immer etwas troken hält: die einzige Feuchtigkeit wird also hier gewöhnlich aus den Töpfen und aus den Ausdünstungen der Blätter erhalten, und diese reicht nicht zu, die Luft zu sättigen: die Folge hiervon muß also nothwendig eine ungeheure Ausdünstung aus der Pflanze selbst seyn. Dieß ist aber den Pflanzen auf doppelte Weise schädlich: wenn die Töpfe nämlich ganz feucht, und nicht durch Lohe oder Mist geschüzt sind, so werden die zarten Wurzelfasern, mit welchen sie innenwendig ausgekleidet sind, sich verkälten. Wie sehr man aber die Gefahr dieser Verkältung kennt, die so schnell die traurigsten Folgen erzeugt, erhellt aus der allgemein gebrauchten Vorsicht, kein anderes Wasser zum Begießen anzuwenden, als solches, welches bereits die Temperatur des Glashauses erlangt hat; und die Gefahr der Erkältung für eine Pflanze in einem feuchten Topfe, der in einer sehr troknen Atmospäre steht, ist doch um nichts geringer.“

„Bekanntlich kühlt man in heißen Ländern Flüßigkeiten dadurch, daß man sie in sehr poröse irdene Gefäße gießt: und ein Gartentopf ist ein eben so guter Kühler, als irgend einer. Bei dem gewöhnlichen Zustande der Atmosphäre eines Treibhauses kann dadurch eine Verminderung der Temperatur von 15 bis 20 Graden auf einer solchen ausdünstenden Oberfläche entstehen. Das größte Unglük entsteht aber durch die vermehrte Ausdünstung der Pflanzen unter solchen Umständen, und durch die dadurch nothwendig entstehende Erschöpfung der Vegetations-Kraft. Die Blüthen der Tropen-Gewächse sind häufig sehr saftiger Textur, und reichlich mit Haut-Poren versehen; ihre zarten Knospen haben jene Hüllen nicht, und nichts von den wunderbaren Schuzmitteln, |75| womit die Natur in unstäteren Klimaten ihre zarten Embryonen zu schüzen pflegt. Sie treten, so zu sagen, nakt in die Welt, und sind bloß für jene bezaubernde Mildheit der Atmosphäre berechnet, welcher ihr ganzer Organismus angepaßt ist. In den Tropen-Ländern hört der Saft der Gewächse nie auf zu fließen, und plözliches Stillstehen desselben, so wie zu große Beschleunigung seines Laufes, ist diesen Gewächsen eben so nachtheilig, als für Pflanzen unter veränderlicheren Klimaten zur Bildung jenes Winterkleides nothwendig, welches zur Erhaltung der Schößlinge während des Winters unentbehrlich ist. Man wird sich einen Begriff von dem ungeheuer vermehrten Abzuge, der durch zunehmende Trokenheit der Atmosphäre an den Lebensverrichtungen einer Pflanze Statt hat, machen können, wenn man bedenkt, daß, wenn die Menge der Ausdünstung derselben während einer gewissen Zeit bei einer Temperatur der Luft von 76° „(F.)“ (+ 19°,11 R.), und 70° Thaupunct, oder bei einer Sättigung der Luft von 849,57 Grane beträgt, dieselbe in derselben Zeit 120 Grane betragen wird, wenn der Thaupunct derselbe bleibt, die Temperatur aber auf 80° „(F.)“ (+ 21,33 R.) steigt, d.h., wenn die Sättigung der Atmosphäre auf 726 fällt.“

„Außer dem, daß die Pflanzen ausdünsten, saugen die Blätter derselben zugleich auch ein, und auch diese Verrichtung wird durch Mangel an Feuchtigkeit bedeutend gestört. Einige Pflanzen ziehen den größten Theil ihrer Nahrung aus einer feuchten Luft, und alle hängen mehr oder minder von derselben ab. Der Wasservorrath, den die Nepenthes destillatoria in dem am Ende ihrer Blätter gebildeten Becher sammelt, wird wahrscheinlich aus der Luft eingezogen, und für die Bedürfnisse der Pflanze bei ihrer Ausdünstung verwendet; da die Menge dieses Wassers im Glashause so sehr wechselt, so hängt dieß ohne Zweifel von dem Zustande der Feuchtigkeit in der Atmosphäre ab.“

„Diese Beobachtungen mögen hinreichen, um die Nothwendigkeit einer besonderen Aufmerksamkeit auf die Menge der Dämpfe in der Atmosphäre unserer künstlichen Klimate zu beweisen, und uns zur genauesten Nachahmung der Natur in dieser Hinsicht zu leiten.“

„Pflanzen aus den Wendekreisen dürfen nur mit großer Vorsicht an der Wurzel begossen werden, und es ist unmöglich von dieser Quelle allein aus, eine hinlängliche Menge von Dampf |76| in die Atmosphäre zu bringen. Es unterliegt aber keiner besonderen Schwierigkeit, den Fußboden und die Züge eines Treibhauses immer feucht zu erhalten, und man kann auf diese Weise auf eine der Natur vollkommen analoge Art eine sehr elastische Atmosphäre erhalten. Wo man Dampf als Heizungs-Mittel braucht, kann man auch diesen gelegentlich in das Haus lassen; allein, dieß darf nur mit vieler Vorsicht geschehen, während bei der oben empfohlenen Methode nicht leicht zu viele Feuchtigkeit erzeugt werden kann.“

„Es ist allerdings richtig, daß eine sehr nasse Luft, oder eine in der Luft schwebende Feuchtigkeit, wenn sie zu lange anhält, den Pflanzen nachtheilig wird: denn es ist durchaus nothwendig, daß die Ausdünstung ununterbrochen fortgeht; es ist aber nie zu fürchten, daß die hohe Temperatur eines Treibhauses jemahls den Sättigungs-Punct durch bloße Ausdünstung erreichen könnte. Die Temperatur der äußeren Luft wird immer die Kraft des Dampfes niederhalten, denn so, wie in der natürlichen Atmosphäre der Thaupunct auf der Oberfläche der Erde durch die Kälte der oberen Regionen regulirt wird, so wird die Ablagerung in einem Treibhause durch die Temperatur des Glases regulirt, welches damit in Berührung ist. In einem gut gelüfteten Glashause kann man durch Besprizen des Bodens den Thaupunct innerhalb 4 bis 5 Graden der Temperatur der Luft bringen, ohne daß die Fenster feucht seyn werden: wenn man den Ventilator schließt, wird man die Wärme wahrscheinlich um 10 bis 15 Grad erhöhen; der Sättigungs-Punct wird jedoch beinahe derselbe bleiben, und es wird sich schnell ein Thau an den Fenstern bilden, der in Strömen herablaufen wird. Auf diese Weise erhält man einen Destillations-Proceß, welcher den Dampf hindert, die volle Elasticität der Temperatur zu erlangen.“

„Diese Wirkung ist, innerhalb gewisser Gränzen und zu gewissen Jahreszeiten wohlthätig; wenn aber die äußere Luft sehr kalt ist, oder die Ausstrahlung sehr schnell vor sich geht, kann sie übermäßig stark und nachtheilig werden. Es ist eine wohlbekannte Thatsache, die aber, wie ich glaube, noch niemahls gehörig erklärt wurde, daß, wenn man in einem Treibhause bei der Nacht dieselbe Hize unterhalten will, wie bei Tage, die Pflanzen gesengt werden. Aus dem, was so eben bemerkt wurde, erhellt, daß dieß von der niedrigen Temperatur des Glases abhängt, und von dem dadurch tief herabgesezten Thaupuncte |77| in dem Hause, wodurch ein Grad von Trokenheit entsteht, welcher die Säfte schnell erschöpft.“

„Ein guter Theil dieses Nachtheiles könnte durch die einfache und wohlfeile Weise, die Gläser außen des Nachts mit Matten oder Tüchern zu bedeken, beseitigt werden.“

„Die Wärme des Glases eines Treibhauses kann bei der Nacht nicht die mittlere Temperatur zwischen der äußeren und inneren Luft übersteigen: nimmt man diese zu 80° und 40° „(F.)“ (+ 21,33 und + 3,56 R.), so entstehen 20° Trokenheit für die innere Luft, oder ein Grad von Sättigung, der nicht 528 übersteigt. Hierzu können wir bei einer hellen Nacht für Ausstrahlung wenigstens 6° rechnen, indem das Glas dieselbe vorzüglich begünstigt, und dadurch wird die Sättigung auf 434° herabgebracht, und dieß ist ein Grad von Trokenheit, der beinahe zerstörend wirken muß. Man wird gestehen, daß das Beispiel, welches ich wählte, durchaus nicht von Extremen hergenommen ist, und daß es selbst in Sommer-Monaten vorkommen kann. Durch eine äußere Bedekung mittelst Matten etc. könnten die Wirkungen der Ausstrahlung mit einem Mahle beseitigt werden, und eine dünne Lage von Luft würde, mit dem Glase in Berührung gehalten, dadurch erwärmt werden, und so der Zerstreuung der Hize vorbeugen. Indessen wäre kein Mittel dagegen besser, als Doppel-Fenster. Und diese Doppel-Fenster scheinen wirklich bei Glashäusern wesentlich nothwendig, wenn dieser Zweig der Garten-Cultur zur Vollkommenheit kommen soll. Wenn man bedenkt, daß eine Temperatur von 20° bei der Nacht „(– 5°,33 R.)“ kein so gar seltenes Ereigniß in unserem Lande ist, so kann die Sättigung der Luft in diesem Falle bis auf 120° fallen, und ein solcher Nachtheil kann gegenwärtig nur durch verhältnißmäßige Verminderung der Temperatur in dem Treibhause vermieden werden: eine Wahl zwischen Scylla und Charybdis.“

„Wenn wir die Temperatur vermindern, so erzeugen wir in der Bewegung der Säfte der Gewächse einen Aufenthalt, welchen die Gesundheit der Tropen-Gewächse durchaus nicht verträgt. Die Kälte, welche dem Glase durch Regen oder Schnee augenbliklich mitgetheilt wird, und die dadurch entstehende Verdünstung auf seiner Oberfläche, muß auch die Dämpfe im Inneren des Hauses niederschlagen, und die daselbst eingeschlossene Luft bedeutend austroknen: eine Wirkung, die genau beachtet |78| werden muß. Die Verminderung des Lichtes durch Doppel-Fenster kann keinen bedeutenden Nachtheil erzeugen. Der Unterschied wird kaum so viel betragen, als zwischen Treibhäusern mit hölzernen Glasrahmen und mit krummlinigen Eisenstangen. Wahrscheinlich würden dadurch auch die Blätter sich weiter entwikeln, denn es ist bekannt, daß in Häusern, die gegen Norden gekehrt sind,16) die Blätter größer werden, als in den gegen Süden gelegenen. Auf diese Weise sucht die Natur der Wirkung entgegen zu arbeiten, die durch den Abgang des Lichtes entsteht, indem sie die Fläche vergrößert, auf welche das Licht wirken soll.“

„Auch die gegenwärtige Methode, die Häuser zu lüften, ist, nach den hier aufgestellten Grundsäzen, fehlerhaft. Man öffnet auf ein Mahl die Fenster, und läßt die heiße und dampfvolle Atmosphäre des Glashauses in die atmosphärische Luft; die Folge hiervon ist, daß die trokene äußere Luft mit Gewalt herein stürzt, und da sie sich schnell im Hause erwärmt, so entzieht sie auch schnell den Blättern und den Töpfen alle Feuchtigkeit. Dieß ist um so gefährlicher, als sie mit einer Schnelligkeit wirkt, die in einem hohen Grade mit der Geschwindigkeit ihrer Bewegung im Verhältnisse steht. Man sollte die Luft ehe erwärmen, und über eine nasse Fläche streichen lassen, ehe man sie in das Haus läßt.“

„Eine von den Gärtnern allgemein angewendete Verfahrungs-Weise bestätiget diese theoretischen Ansichten: nämlich das Bedeken der zarten Steklinge, die sie in ein warmes Beet stellen, mit einem doppelten Glase. Die Erfahrung hat gelehrt, daß viele Steklinge durchaus nicht anders anschlagen wollen, als in einer auf diese Weise mit Feuchtigkeit gesättigten Atmosphäre.“

„Man hat in dem Garten der Horticultural Society auf meinen Rath in dem dortigen Treibhause Versuche über die Wirkung angestellt, die ein beständig nasser Boden hervorbringen würde, und man hat gefunden, daß die Pflanzen mit einer bisher noch nie gesehenen Kraft auf dieses Mittel gewachsen sind: die Ueppigkeit ihres Wuchses muß auch dem oberflächlichsten Beobachter auffallen.“

„Selbst der Mensch fühlt den Eindruk einer auf diese Weise mit Feuchtigkeit erfüllten Atmosphäre gegen eine andere eben so warme, aber trokene, Luft, zumahl wenn er aus einem auf die |79| gewöhnliche Weise geheizten Hause in ein mit feuchter warmer Luft erfülltes Haus plözlich übertritt. Wer in heißen Klimaten gelebt hat, der fühlt und riecht sogar die Aehnlichkeit zwischen der Luft in solchen Häusern, und in den Regionen der Wendekreise.“

„Allein, es ist mit diesem Verfahren eine Gefahr verbunden, gegen welche man nicht genug auf der Huth seyn kann. Obiger Versuch wurde im Sommer angestellt, wo die Temperatur der äußeren Luft nicht sehr niedrig war, und der Unterschied in der Temperatur zwischen Tag und Nacht nicht sehr groß ist. Je üppiger der Wachsthum, desto größer ist die Gefahr, wenn der Umlauf der Säfte plözlich aufgehalten wird, und es steht sehr zu besorgen, daß, wenn nicht die gehörige Vorsicht getroffen wird. Kälte und lange Winternächte einen unersezlichen Schaden bringen.“

„Man wird gegen meine vorgeschlagenen Doppel-Fenster einwenden, daß sie zu theuer zu stehen kommen; es scheint mir aber, daß sie in der Anwendung weit wohlfeiler zu stehen kommen, als es bei dem ersten Anblike scheint. Erfahrungen, die die Horticultural Society anstellen könnte, könnten entscheiden. Man könnte mehrere Fenster, die man im Frühjahre und im Sommer zu anderen Zweken im Garten verwendet, so einrichten, daß sie im Winter auf den Glashäusern aufgesezt werden könnten: im nächsten Frühjahre könnte man dieselben wieder zu ihren vorigen, gewöhnlichen Zweken verwenden, und bei der Nacht könnten Matten und Tücher die Stelle derselben vertreten.“ 17)

„Die hier aufgestellten Grundsäze lassen sich auch auf Ananas- und Melonen-Beete anwenden, in welchen lezteren weite, flache Geschirre mit Wasser die Luft in der gehörigen Feuchtigkeit zu erhalten hinreichend sind. Die Früchte werden dadurch größer, und sie verlieren nicht so viel am Geschmake, als durch das häufige Begießen ihrer Wurzeln.“

„Die Bemerkungen über das künstliche Klima eines Treibhauses lassen sich auch auf das künstliche Klima einer Orangerie, ob schon nicht in demselben Maße, ausdehnen. Die Gewächse |80| einer Orangerie fordern selten mehr, als 45 bis 50° „(F.)“ (+ 5,78 bis + 8° R.), und nur wenige derselben würden bei einer Temperatur von 35° „(F.)“, (+ 1,33 R.) leiden. Im Hause sind sie gegen die unmittelbare Wirkung des Ausstrahlens gesichert, die durch das Glas nicht Statt finden kann; das Glas selbst strahlt sehr stark aus, und erkältet auf diese Weise die Luft: diesem Nachtheile läßt sich aber durch Matten abhelfen. Bei dieser Bedekung würde man, in guten Lagen, öfters sogar alle Feuerung ersparen können, die jedoch in unserem dumpfigen Klima die übermäßige Nässe zerstreut. In Hinsicht auf leztere muß der Zustand der Luft hier eben so genau beachtet werden, als in Hinsicht auf Trokenheit bei warmer Luft, um das entgegengesezte Extrem zu vermeiden. Freie Ausdünstung ist, wie wir bemerkten, für die Gesundheit der Pflanzen unerläßlich; und wann Nässe und Feuchtigkeit an den Pflanzen sich zeigt, muß die Temperatur allmählich erhöht und das Haus gelüftet werden. Wenn die Töpfe zu ihrer Zeit in die freie Luft gebracht werden, wird es für die Pflanzen sehr zuträglich seyn, wenn man die ersteren in Moos oder Streu einbettet, um die Pflanzen vor zu großer Ausdünstung zu verwahren. Man stellt in dieser Hinsicht, die Töpfe gewöhnlich gegen Norden, wo sie von der Sonne nicht so sehr leiden; allein, die Sonne würde ihnen zuträglicher seyn, wenn die Wurzeln gehörig geschüzt werden. Man sieht die Vortheile dieses Verfahrens daran, wenn man die Topfe in die Erde senkt, wodurch die Pflanzen sehr üppig wachsen, allein im folgenden Winter eben deßwegen schwerer überwintert werden.“

„Wenn man Orangerien, wie es öfters geschieht, nachdem die Töpfe in freie Luft gebracht wurden, zum Treiben der Reben braucht, so müssen diese in denselben eben so, wie die Pflanzen in den Treibhäusern behandelt werden, und die Elasticität des Dampfes muß durch Besprizen des Bodens unterhalten werden: nach einiger Zeit aber muß ein großer Grad von Trokenheit in dem Hause vorherrschend bleiben, damit das Holz ausreifen, und den Winterschuz für die Knospen bilden kann. Und hierin unterscheidet sich die Behandlung der Rebe von jener der Gewächse der Wendekreise, welche keiner solcher Abwechselung bedürfen, die ihnen, im Gegentheile, sogar höchst schädlich seyn würde. Eben dieß gilt auch in Hinsicht auf das Treiben der Pfirsiche, und die Behandlung ähnlicher Bäume in |81| Treibhäusern überhaupt. Sobald die Frucht ganz reif ist, muß man dieselbe dem Wechsel der Witterung frei bloß stellen.“

„Hygrometer sind also im Gartenbaue eben so nothwendig, als Thermometer, und Beobachtungen über das künstliche Klima in den Glashäusern eben so nöthig, als meteorologische Beobachtungen über die Witterung außer denselben.“

Obschon man in mehreren Gegenden Deutschlands Garten-Cultur auf alle erdenkliche Weise zu unterdrüken suchte, und man bei uns (wo nach der officiellen Anzeige des Finanz-Ministers jährlich für Flachs und Hanf 226,515 fl., für Feldfrüchte 308,351 fl., für Hopfen 158,130 fl., für Oehle 217,892 fl., für Hanf-, Klee- und Reps-Saamen 61,584 fl., also jährlich beinahe Eine Million für Dinge in's Ausland geht, die man beinahe umsonst im Lande erzeugen könnte), also auf Cultur der Gewächse weniger aufmerksam ist, als in den benachbarten östlichen und westlichen Ländern, so glauben wir doch nicht, daß diese Abhandlung, die jezt in allen englischen Journalen aufgenommen ist, in Deutschland nicht auch einige Leser finden sollte, die sie ihrer Aufmerksamkeit werth fänden, und dadurch wenigstens theilweise das Gute fördern, das im Ganzen vernachläßigt wird. A. d. Ueb.

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Der sogenannte Thau-Punct ist jener Grad der Temperatur, bei welchem die Feuchtigkeit der Atmosphäre anfängt sich niederzuschlagen, und welcher zu jeder Jahreszeit sich leicht durch das Hygrometer bestimmen läßt. Der natürliche Maßstab des Hygrometers liegt zwischen vollkommener Trokenheit und vollkommener Feuchtigkeit; leztere ist folglich jener Zustand der Atmosphäre, in welchem der Thaupunct mit der Temperatur der Atmosphäre zusammentrifft. Die Zwischengrade lassen sich dadurch bestimmen, daß man die Elasticität des Dampfes bei der Temperatur des Thaupunctes durch die Elasticität bei der Temperatur der Luft theilt; der Quotient wird das Verhältniß der wirklich vorhandenen Feuchtigkeit zu der zur Sättigung erforderlichen Menge ausdrüken; denn, wenn der Sättigungspunct = 1,000 ist, so ist die Elasticität des Dampfes bei der Temperatur der Luft zu der Elasticität des Dampfes bei der Temperatur des Thaupunctes, wie der Sättigungspunct zu dem wirklichen Grade der Feuchtigkeit. Die Tafeln zur Erleichterung dieser Berechnung mit ausführlichen Erläuterungen sind, sammt dem Hygrometer, bei Hrn. Newmann, Lisle-street, zu Kaufe, und finden sich auch in des Verfassers Meteorological Essays. A. d. O.

|73|

Hr. Hofrath Schultes hat schon vor vier Jahren in unserem polytechnischen Journale Bd. IX. S. 491.) die Nothwendigkeit der Feuchtigkeit in den Glashäusern, das Nachtheilige der trokenen Heizung |74| und die Vortheile der Heizung derselben mit Dampf oder feuchter Luft gezeigt, und über die Trokenstuben, die man zu München als Glashäuser erbaute, gegründete Bemerkungen gemacht. Ueber das Heizen der Gewächshäuser mit Wasserdämpfen, so wie das Verfahren, die Pflanzen mittelst Wasserdämpfen zu befeuchten, findet man in Dingler's Anleitung zur Benüzung von Wasserdämpfen (Augsburg und Leipzig 1818) genügende Belehrung. A. d. R.

|78|

Leider haben wir auch bei uns so gestellte Glashäuser. A. d. Ueb.

|79|

Es ist sonderbar, daß der Hr. Verfasser nicht die Ersparung an Brenn-Material zur Heizung, die bei Doppel-Fenstern Statt haben muß, mit in Anschlag bringt. A. d. Ueb.

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