Titel: Mill, über Bereitung der essigsauren Soda etc.
Autor: Mill, N.
Fundstelle: 1826, Band 21, Nr. LVII. (S. 261–263)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj021/ar021057

LVII. Ueber Bereitung von essigsaurer Soda, etc. Von Hrn. N. Mill; in einem Schreiben an den Herausgeber der Annals of Philosophy. Aug. 1825. S. 113.

In Ihrem Comentare zu Dr. Hopés Bemerkungen über Ihre Kritik der Edinburgher Pharmacopoe (Ann. of Philos. N. 11. p. 23.), geben Sie ein Verfahren an, Essigsäure durch doppelte Zersezung von Essigsaurem Blei und schwefelsaurer Soda zu bereiten. Dr. Henry bemerkt in der lezten Ausgabe seiner Chemie, indem er Ihren Aufsaz citirt, daß man 4 1/2 Unze essigsauren Kalk statt des essigsauren Bleies nehmen könne. In diesen angegebenen Verhältnissen, (und in keinem anderen), gelang es mir, die schwefelsaure Soda vollkommen durch essigsauren Kalk zu zersezen.

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200 Gran essigsaurer Kalk, die bei einer Temperatur von 430–440° Fahrenh. getroknet worden waren, wurden mit 400 Gran krystallisirter schwefelsaurer Soda zersezt; die Auflösung wurde eingedampft und zum Krystallisiren gebracht. Die in Wasser wieder ausgelösten, und mit salzsaurem Baryte untersuchten Krystalle gaben einen häufigen Niederschlag von schwefelsaurem Baryt; allein weder mit schwefelsaure, noch mit Sauerkleesäure zeigte sich ein Niederschlag von Kalk. Diese Krystalle waren also keine essigsaure Soda, sondern ein aus schwefelsaurer Soda und essigsaurer Soda bestehendes Salz. Die Mutterlauge gab bei Untersuchung mit schwefelsaure einen Niederschlag von schwefelsaurem Kalke, und bei Prüfung mit salzsaurem Baryte, einen Niederschlag von schwefelsaurem Baryte, was beweist, daß sich essigsaurer Kalk und schwefelsaure Soda nur bis zu einem gewißen Grade nicht mit einander vertragen, und daß sie sich zu gleicher Zeit in einer und derselben Auflösung befinden können. Sezt man der Mutterlauge essigsauren Kalk ad infinitum zu, so wird die schwefelsaure Soda doch nicht vollkommen zersezt werden; und sezt man der Mutterlauge im Gegentheile schwefelsaure Soda statt des Kalkes zu, so wird der in derselben befindliche Kalk doch nicht verschwinden, sondern mit Sauerkleesäure einen häufigen Niederschlag geben.

Krystalle, welche aus irgend einer der beiden lezten Auflösungen, es mag essigsaurer Kalk oder schwefelsaure Soda darin im Ueberschusse vorhanden seyn, erhalten wurden, geben mit salzsaurem Baryte doch einen eben so häufigen Niederschlag, als vorher, und zeigen dadurch an, daß die schwefelsaure Soda nicht vollkommen zersezt wird, und daß man sich mittelst schwefelsaurer Soda keine vollkommene essigsaure Soda verschaffen kann.

Ich bin also der Meinung, daß die meisten essigsauren Salze nicht im Stande sind, die schwefelsauren Salze vollkommen zu zersezen; diese meine Meinung wird durch Dr. Thomson's Versuche bei Ausmittelung des specifischen Gewichtes der Essigsaure (Ann of Philos. N. 11. p. 142.) bestärkt.

Er fand, daß sich das Essigsaure Blei eben so verhalle, wie der Essigsaure Kalk, denn er jagt: „das Essigsaure Blei ist nicht im Stande alle schwefelsaure aus der Auflösung eines schwefelsauren Salzes niederzuschlagen.“ Wenn dieß der Fall ist, so muß das Verfahren, welches Sie zur Bereitung der |263| Essigsäure durch doppelte Zersezung des essigsauren Bleies und der schwefelsauren Soda, angegeben haben, mangelhaft seyn; eben so wie dieß, daß die Essigsaure aus der essigsauren Soda, (was durch die vollkommene Zersezung geschehen müßte), nicht in toto, sondern aus einem zusammengesezten Salze, aus Essigsaurem Blei und essigsaurer Soda, erhalten wird. Um die in dem angegebenen krystallisirten Salze enthaltene Menge von schwefelsaurer Soda auszumitteln; löste ich 100 Gran der Krystalle in Wasser auf, und sezte der Auflösung so lange Salzsäuren Baryt zu, als noch ein Niederschlag erfolgte; der gefällte schwefelsaure Baryt wurde gesammelt und getroknet, und wog 10 Gran, die ein Aequivalent für 14,7 Gran krystallisirte schwefelsaure Soda sind. Dieses Salz besteht also in 100 Theilen aus:

Krystallisirter essigsaurer Soda 85,3
Krystallisirter schwefelsaurer Soda 14,7
–––––
100,0

Da die Fabrikanten der brenzeligen Holzsäure den essigsauren Kalk gewöhnlich mit schwefelsaurer Soda zersezen, um sich Essigsaure Soda zu verschaffen, so ist es von Wichtigkeit für dieselben, zu wissen, daß sie, ungeachtet des Verlustes von Salzen, die bei diesem Verfahren in der Mutterlauge zurükbleiben, auch noch einen unreinen Artikel erzeugen.

N. Mill.

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