Titel: d'Arcet und Thenard, über die Anwendung fetter Körper.
Autor: d'Arcet, Jean Pierre Joseph
Thenard,
Fundstelle: 1826, Band 21, Nr. LXXX. (S. 321–329)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj021/ar021080

LXXX. Ueber die Anwendung fetter Körper, um die Feuchtigkeit von Gemählden auf Stein und Gyps abzuhalten, und um tief liegende und feuchte Wohnungen gesund zu machen. Von den HHrn. D'Arcet und Thenard.

Aus den Annales de Chemie et de Physique. Mai. 1826. p. 24.101)

Die Beobachtungen, welche in dieser Abhandlung vorgetragen werden, wurden bereits im Jahre 1813 begonnen, wo Hr. Gros die obere Kuppel der Kirche Sainte-Geneviéve mahlte. Die Oberfläche dieser Kuppel wurde wie Mahlerleinwand zubereitet: der Stein wurde mit einer Schichte starken Leimes imprägnirt, und hierauf mit Bleiweiß überzogen, welches mit einem austroknenden Oehle angemacht worden war.

Da Hr. Gros befürchtete, diese Zurichtung möchte nicht dauerhaft seyn, so fragte er uns um Rath; wir standen keinen Augenblik an zu erklären, daß dieselbe nichts weniger, als die gewünschte Sicherheit darböthe; denn die Feuchtigkeit könnte mit der Zeit auf den Leim wirken, und das Gemählde verderben.

Einige Betrachtungen waren hinlänglich uns zu überzeugen, daß man einen fetten Körper in den Stein eindringen lassen müssen, der, nachdem er durch die Wärme flüßig gemacht worden ist, beim Erkalten fest wird, und alle Poren verschließt. Die Gewißheit, daß die Alten zuweilen Wachs auf den Mauern schmelzen ließen, die sie mahlen wollten, bestärkte uns in unserer Ansicht, so daß wir ganz natürlich auf die Idee kamen, einen Ueberzug von gelbem Wachse und Bleiglätte-haltigem Leinöhle zu versuchen. Versuche, die wir mit Steinen anstellten, die jener der Kuppel ganz ähnlich waren, bewiesen uns, daß ein Ueberzug aus 1 Theile Wachs und 3 Theilen Oehl, welches mit dem zehnten Theile seines Gewichtes Bleiglätte gekocht worden war, unsere Erwartungen selbst weit übertraf; |322| das Einsaugen erfolgte in der Wärme leicht, und erstreite sich an den Stäken, an welchen wir Versuche anstellten, nach Belieben auf 9–14 Millimeter in die Tiefe; beim Erkalten wurde der Ueberzug fest, und nahm nach 1 1/2–2 Monaten eine bedeutende Härte an.

Wir schlugen daher vor, denselben für die Kuppel zu benüzen, und dabei auf folgende Weise zu verfahren: Die Kuppel mußte ganz abgekrazt werden, um den Grund von Leim und Bleiweiß, womit sie überzogen war, zu entfernen; hierauf mußte man mittelst einer großen Vergolder-Kohlenpfanne nach und nach den ganzen inneren Theil der Kuppel stark erwärmen, wobei jedes Mahl ein Quadrat Meter auf Ein Mahl behandelt wurde, und dann mußte der Firniß bei einer Temperatur von beiläufig 100° mit großen Pinseln aufgetragen werden. In dem Maße, als die erste Schichte eingesaugt wurde, mußte sie durch eine andere ersezt, und so lange fortgefahren werden, bis der Stein nichts mehr davon aufnahm. Um die Absorption zu erleichtern, mußte der Stein während des Einsaugens von Zeit zu Zeit 1 oder 2 Mahl, nach seiner Porosität erwärmt werden. In jedem Falle mußte die Temperatur so hoch, als möglich seyn, ohne jedoch das Oehl zu verkohlen. Nachdem die Mauer mit diesem gut geebneten und sehr troknen Ueberzuge imprägnirt war, mußte sie mit Bleiweiß in Oehl abgerieben bedekt, und auf diese weiße Schichte nun mußte gemahlen werden.

Unser Vorschlag wurde angenommen; Hr. Rondelet über: nahm dessen Ausführung, und sezte Hrn. Gros bald in den Stand, ein neues Meisterwerk zu liefern, dessen Dauer so lange wie jene des Domes, und das bloß jenen Veränderungen ausgesezt seyn wird, welche Luft und Licht an demselben hervorbringen können.

Jeden Morgen befanden sich an der Wölbung der Kuppel eine unzählige Menge Wassertröpfchen, wie Thautropfen, welche dem Mahler, nicht aber uns, Besorgnisse einflößten; allein auch er wurde zufrieden gestellt, als er diese Tropfen erscheinen und verschwinden sah, ohne oft auch nur die geringste Veränderung zu bewirken. Jezt, nach einer Probe von 11 Jahren, ist gewiß alle Furcht verscheucht.

Der Ueberzug aus Wachs und Oehl schüzt nicht bloß die Mahlerei gegen die Feuchtigkeit, sondern sie verhindert auch das Einsaugen, indem das Oehl unmöglich absorbirt werden kann; |323| der Mahler erspart auch das Ueberfirnissen seines Gemähldes: Vorzüge, deren Werth leicht zu schäzen ist.

Der Versuch mit unserem Ueberzuge war bei der inneren Kuppel von Sainte-Geneviéve zu gut gelungen, als daß wir nicht hätten wünschen sollen, daß die 4 Strebebögen, die zur großen oder inneren Kuppel dieser Kirche gehören, und die Hr. Gérard mahlen soll, auf gleiche Weise zugerichtet werden möchten. Dieser berühmte Mahler nahm auch den Vorschlag, den wir deßhalb machten, eifrig an. Der Ueberzug wurde unter unserer Aufsicht von Hrn. Belot mit einer Sorgfalt besorgt, welche nichts zu wünschen übrig läßt; so zwar, daß, obwohl die Steine sehr hart sind, dieser Ueberzug auf 3,5–4,5 Millimeter tief eingedrungen ist.

Wir suchten ganz natürlich auszumitteln: ob der Ueberzug von Wachs und Oehl auf Gyps eben so angewendet werden könne, wie auf Stein; ob er ihn härter macht, und ihm die Eigenschaft gibt, dem Wasser zu widerstehen. Es wurden in dieser Absicht zahlreiche Versuche angestellt, welche uns bewiesen, daß er in dieser Beziehung von großem Nuzen ist, wie man aus den Mustern sehen kann, die wir der Akademie vorlegten. Das eine ist ein Basrelief, das andere ein Porträt, welche beide zur Hälfte mit dem Ueberzuge imprägnirt sind. Sie wurden beide lange Zeit hindurch unter Dachrinnen gesezt, und man sieht, daß der Theil, wo reiner Gyps ist, stark angegriffen, zerfressen und aufgelöst wurde, während der mit dem Ueberzuge imprägnirte Theil gar keine Veränderung erlitt. Der Ueberzug wird hier auf dieselbe Weise angewendet, wie bei dem Steine; nur müssen wir bemerken, daß das Feuer mäßiger seyn muß, weil sonst der Gyps zersezt werden würde; er verträgt leicht 100–120° Wärme, aber nicht mehr 145°. Uebrigens saugt sich der Ueberzug leicht ein, und das Verfahren ist ohne Hindernisse.

Da nun das Verfahren, Steine und Gyps mit einem Ueberzuge von Wachs und gekochtem Oehle zu imprägniren bekannt ist, so wollen wir nun auch noch von einigen anderen Anwendungen desselben sprechen, wo man ihn bei kostbaren Gegenständen, wo es auf das Wachs nicht ankommt, auf die angegebene Weise zusammensezen, oder wo man Harz statt des Wachses nehmen kann, so zwar, daß 1 Theil Bleiglätte-haltiges |324| Oehl auf 2–3 Theile Harz kommen; diese Mischung taugt z.B. um eine Mauer gegen Feuchtigkeit zu schüzen.

Verfahren, um tief gelegene und feuchte Wohnungen gesund zu machen.

Die Faculté des Sciences an der Sorbonne besizt zwei Säle, deren Boden um mehrere Fuß tiefer liegt, als der der anstoßenden, gegen Osten und Mittag gelegenen, Häuser. Die Mauern sind bei dieser Lage sehr salpeterig. Man ließ sie vor einigen Jahren mit Gyps bedeken, in der Hoffnung dadurch den Salpeter abzuhalten; allein die Salze drangen durch die Schichte Gyps durch, erschienen bald innenwendig wieder, und unterhielten eine solche Feuchtigkeit, daß der Gyps seine Consistenz verlor, und die Säle selbst im Sommer unbewohnbar wurden. Mit diesen beiden Sälen nun stellten wir unseren Versuch an, den wir beschreiben wollen.

Der Ueberzug bestand aus 1 Theile Leinöhl, welches mit 1/10 seines Gewichtes Bleiglätte gekocht worden war, und aus 2 Theilen Harz, welches in einem Kessel aus Gußeisen bei mäßigem Feuer im Oehle geschmolzen wurde. Die Masse blähte sich anfangs stark auf, später blieb sie aber in ruhigem Fluße, wo man sie dann abkühlen ließ, um sie neuerdings wieder zu schmelzen, und sich ihrer nach Belieben zu bedienen.

Da die Mauern sehr feucht waren, so mußten sie mit dem Vergolder-Ofen getroknet werden. Jener, dessen wir uns bedienten, war 5 Decimeter breit, und 4 hoch; so daß wir eine Oberfläche von 20 Quadrat-Decimeter auf Ein Mahl trokneten. Er hatte an jeder Seite, an den oberen, vorderen, und an dem Seiten-Theile zwei halb geschlossene Ringe, mit welchen er an eine wagerechte Eisenstange von 16 Decimeter Länge gehängt werden konnte. Die beiden Enden dieser Eisenstange wurden von gekerbten Einschnitten aufgenommen, welche sich an den Rändern zweier senkrechten Bretter befanden, die 15 Decimeter von einander entfernt, und durch 2 Querstangen, eine obere und eine untere, mit einander verbunden waren. Diese Bretter, welche mit ihren Seitenstangen eine Art eines leicht beweglichen Gestelles bildeten, hatten beinahe die Höhe der Säle, beiläufig 32 Decimeter. Sie wurden in gehörige Entfernung von der Mauer aufgestellt; allein da der Ofen an seinem unteren Theile sich derselben zu sehr näherte, so wurde er durch zwei kleine Zapfen, die an den Enden des Rostes, d.h. unten und |325| an der Seite des Ofens, angeschraubt waren, davon zurükgehalten. Ueberdieß hatte dieser Ofen rükwärts auch noch zwei 2 Handheben, mit welchen er leicht auf den Eisenstangen bewegt oder geschoben werden konnte.

Aus dem Gesagten sieht man leicht ein, auf welche Weise gearbeitet wurde. Der Apparat, d.h., der Ofen, die Eisenstangen und die gekerbten Träger oder das Gestell, wurden vor einen Theil der Mauer gestellt, und blieben so lang dort, bis dieser Theil überzogen war. Die Mauer wurde bei der Arbeit in 8 Querstreifen getheilt, wovon jeder so hoch wie der Ofen (4 Decimeter) und 3 Mahl so breit (15 Decimeter) war. Zuerst wurde der Gyps getroknet, und wenn er troken war, wurde er neuerdings und allmählig erwärmt, um den Firniß auf die angegebene Weise eindringen zu lassen. Der obere Streifen wurde zuerst überzogen. War der erste Raum, den man überziehen wollte, der so groß als die Oberfläche des Ofens oder 1/3 des Streifens war, heiß genug, so entfernte man den Ofen, indem man ihn auf der Eisenstange, die ihn stüzte, fortschob, so daß, während man den vollkommen geschmolzenen Firniß auf den ersten Raum anwendete, ein zweiter Raum erwärmt wurde; nur wenn der Firniß nicht gut eingezogen wurde, wurde der Ofen zurükgebracht und in gehöriger Entfernung gehalten; sobald sich viele Luftblasen entwikelten, geschah die Absorption schnell. Man fuhr auf diese Weise so lang fort den Firniß aufzutragen, bis nichts mehr davon aufgenommen wurde. Fünf starke Lagen wurden eingesogen; die sechste aber nur mehr zum Theile; sie bildete eine leichte Glasur auf der Oberfläche der Mauer, welche zulezt sehr hart wird.

War der obere Streifen mit Firniß überzogen, so ließ man den Ofen und die Stange beiläufig um 4 Decimeter herab, und verfuhr nun mit dem zweiten und den übrigen Streifen, wie mit dem ersten.

Die ganze Oberfläche betrug beiläufig 94 Quadrat-Meter oder 24 □ Toisen. Die Kosten, ohne den Arbeitslohn, betrugen 16 Sous für den Quadrat-Meter oder 3 Fr. 20 Cent, für die □ Toise; auf Stein wären sie geringer, aus dem einfachen Grunde, weil weniger von dem Ueberzuge eingesogen würde. Der Gyps wurde in kurzer Zeit hart, so daß er nur schwer mehr vom Nagel gerizt wird. An zwei Stellen wurde er zu stark erhizt, und daher neu gemacht. Waren die Stellen zu |326| sehr salpeterhältig, so drang der Firniß schwer ein, und löste sich sogar nach einiger Zeit in Schuppen ab; in diesem Falle mußten sie neu bearbeitet werden; bei frischem und troknen Gypse gelingt die Operation immer recht gut. Bei den Zimmern zu ebener Erde müßte man auch den Boden gegen Feuchtigkeit schüzen; bei Sälen, deren Boden getafelt werden soll, müßte man eine Tenne aus Gyps machen, diese mit Firniß überziehen, und hierauf mit Stüzbalken die Tafeln darauf legen; will man Steine oder Platten nehmen, so müßten diese selbst überzogen werden. Wenn dieses Verfahren nicht zureichend scheint, so gibt es für parketirte und mit einem Ofen geheizte Zimmer noch ein anderes unfehlbares; man läßt nämlich auf die angegebene Weise eine Tenne machen, und bedient sich der Luft des Zimmers, die man vorher unter dem Fußboden durchleitet, beim Heizen des Ofens. Uebrigens könnte man auch die Luft von außen hereinziehen, und auf die gewöhnliche Weise in die Heizlocher, und von da in das Zimmer leiten.

Zurichtung von Zimmerdeken, welche gemahlen werden sollen.

Es ist bekannt, daß die Mahlerei an den Deken der Zimmer nach und nach zu Grunde geht. Wir sind überzeugt, daß sie sich, wenn man sie mit einem Ueberzuge von Wachs und Bleihaltigem Oehle imprägnirt, wie wir es mit der Kuppel und den Strebepfeilern thaten, gewiß eben so lang gut erhalten, als wenn sie von Stein wären; und daß die Farben keine größere Veränderung als auf Leinwand erleiden. Man wird uns einwenden, daß Feuchtigkeit von oben eindringen wird, und daß diese nach und nach den Zusammenhang des Gypses vermindern, und denselben endlich in Stüken ablösen wird; allein dagegen sagen wir, daß wir den Ueberzug tief eindringen machen können, und daß der Gyps beinahe so hart wie Stein wird. Dieß ist so wahr, daß die Eke eines Kamin-Simses im Laboratorium der Münze, welches abgebrochen wurde, durch ein Stük Gyps, welches mit Wachs-Ueberzug imprägnirt worden war, ersezt werden konnte. Dieß geschah vor 11 Jahren, und doch scheint das Stük, obschon es einer beständigen Reibung ausgesezt ist, gar nicht abgenüzt zu seyn, und ein und dasselbe Stük mit der Steinplatte von Liais auszumachen. Der Gyps wird also der der Zurichtung der Zimmerdeken und |327| vorzüglich der gewölbten Deken mit dem Ueberzuge gewiß soviel Festigkeit bekommen, daß er geringen Mengen Wassers, welches von außen eindringen könnte, widersteht; wir glauben, daß, wenn die Deke des Antiken-Saales, welche Barthelemy im Jahre 10 mahlte, mit dem Ueberzuge imprägnirt worden wäre, gewiß heute noch existiren würde, während sie bereits im J. 1820 durch Wasser zerstört wurde, welches von dem oberen Saale eindrang.

Statuen und Bas-Reliefs aus Gyps an der Luft unveränderlich gemacht.

Da der, mit dem angegebenen Ueberzuge imprägnirte, Gyps mehrere Monathe lang weder durch Regen, noch durch Wassergüsse, noch durch Tropfen, die aus Dachrinnen fallen, verdorben wird, so sieht man wohl ein, daß man daraus Statuen und Bas-Reliefs machen kann, welche den Einflüssen der Luft wahrscheinlich lang widerstehen; wenn wir ferner bemerken, daß sich dieser Ueberzug mit Kupfer- oder Eisen-Seife verbinden läßt, welche das antike Grün gibt, und unvertilgbar ist, und daß sie alle Poren des Gypses ausfüllt, ohne dike Schichten darauf zu bilden, ohne die Feinheiten der Bildhauer-Arbeit zu verkleistern, und ohne die Züge stumpf zu machen, so läßt sich leicht schließen, daß man sich um einen geringen Preis schöne Statuen aus Gyps von Bronze-Farbe verschaffen kann, die sich sehr lang halten, und die mit Oehlfarben gemahlenen weit vorzuziehen sind. Die Muster, welche wir der Akademie vorlegen, werden unsere Ansicht bestätigen. Die Ausführung hat gar keine Schwierigkeit.

Man nimmt reines Leindöl, verwandelt es mit äzender Soda in neutrale Seife, sezt dann eine starke Kochsalz-Auflösung hinzu, und siedet hierauf das Ganze so lang, bis die Lauge sehr dicht wird, und die Seife in kleinen Körnern auf der Oberfläche der Flüßigkeit schwimmt. Nun bringt man das Ganze auf einen Seihrahmen, süßt die Seife gut aus, und bringt sie unter die Presse, um die Lauge soviel als möglich auszubrüten. Diese Seife lost man hierauf in destillirtem Wasser auf, und seiht die Auflösung durch ein feines Tuch. Man löst ferner auch ein Gemenge von 80 Theilen käuflichem Kupfer-Vitriol, und 20 Theilen Eisen-Vitriol in destillirtem Wasser auf, und filtrirt die Flüßigkeit; nachdem man nun einen Theil hiervon in einem reinen, kupfernen Gefäße gekocht |328| hat, gießt man nach und nach von der Seifen-Auflösung zu, bis die Metall-Auflösung vollkommen zersezt ist. Ist dieser Zersezungspunct erreicht, so bringe man eine neue Menge der Auflösung des Kupfer- und Eisen-Vitrioles in das Gefäß, rühre die Flüßigkeit von Zeit zu Zeit um, und bringe sie zum Sieden. Auf diese Weise wird die Seife in Floken in einem Ueberschusse von schwefelsaurem Salze abgewaschen; sie muß nun hierauf in vielem heißen, und dann in kaltem Wasser ausgewaschen, und zulezt in einem Tuche ausgepreßt, und so gut als möglich getroknet werden. In diesem Zustande wendet man dieselbe nun auf folgende Weise an:

Man läßt 1 Kilogr. reines Leinöhl mit 250 Gramm, reiner, sehr fein gepulverter. Bleiglatte sieden, seiht das Product durch ein Tuch, und läßt es dann im Trokenofen sich sezen, wo es ziemlich schnell klar wird. Ist dieß geschehen, so nimmt man:

Gekochtes Leinöhl 300 Grammen
Kupfer- und Eisen-Seife 160
Reines, weißes Wachs 100

Dieses Gemenge läßt man in einem Gefäße von Fayence im Dampf- oder Sand-Bade schmelzen, und hält es im Flusse, um die wenige Feuchtigkeit, welche darin ist, zu vertreiben. Den Gyps erwärmt man in einem Trokenofen auf 80–90° Centigr., nimmt ihn dann heraus, und mengt ihn mit dem geschmolzenen Gemenge.

Ist der Gyps so weit abgekühlt, daß das Gemenge nicht mehr eindringen kann, so bringt man ihn wieder in den Trokenofen, erhizt ihn neuerdings auf 80–90°, und fährt so lang fort ihn mit der fetten Farbe zusammenzubringen, als er noch etwas davon aufnimmt. Der Gyps wird hierauf noch einige Augenblike lang in den Trokenofen gebracht, damit keine Farbe auf seiner Oberfläche zurükbleibt, und damit alle Feinheiten der Bildhauer-Arbeit sichtbar und nicht verkleistert werden. Hierauf nimmt man ihn aus dem Trokenofen, läßt ihn an der Luft abkühlen, und läßt ihn einige Tage, oder solang, bis er den Geruch der Composition nicht verloren hat, an einem bedekten Orte der Luft ausgesezt. Zulezt reibt man ihn mit feinem Baumwoll- oder Leinen-Zeuge, worauf die Arbeit beendigt ist.

Sind die Stüke, welche zuzurichten sind, klein, so muß |329| man sie in das geschmolzene Gemenge tauchen, sie wieder herausnehmen, schütteln, und an einer Seite abtroknen, damit das Gemenge eindringen kann, welches sich an der entgegengesezten Seite befindet; dasselbe könnte man auch dadurch bewirken, daß man diese Oberfläche an ein Helles Feuer hält.

Sind die Stüke zu groß, so kann man sich der Vergolder-Kohlenpfanne bedienen.

Wenn man Muschel-Gold an die hervorspringenden Stellen des Gypses bringt, und ihn dann auf die angegebene Weise behandelt, so erhält man die antike Patine mit metallischem Bronze an den hervorspringenden Stellen.

Eine größere Menge Eisenseife würde leicht die röthliche Patina geben, welche gewisse Arten von Bronze haben. Die Eisenseife allein gäbe eine rothbraune Farbe; die Zink-Wißmuth-Zinn-Seife würde dem weißen Marmor ähnlich seyn.

Man könnte den Gyps auch mit alkoholischen oder wässerigen Farben-Auflösungen färben, und auf diesen gefärbten Gyps die Metall-Seifen anbringen; man erhielte auf diese Weise eine Menge verschiedener Schattirungen.

In jedem Falle könnte man gekochtes Leinöhl in das Innere der Statuen fließen laßen, um sie noch mehr undurchdringlich für die Feuchtigkeit zu machen, und um weniger von der färbenden Composition zu brauchen.

Wir machten bloß die angeführten Versuche; allein sie reichen hin, um uns zu überzeugen, daß man mit Vortheil den Ueberzug von Harz oder Wachs und Bleiglätte-haltigem Leinöhle anwenden könnte, um Wohnungen zu ebner Erde und Gefängnisse vor Feuchtigkeit zu bewahren, um das Auslaufen der Bassins und Cisternen zu verhindern; um den Einsikerungen bei Gewölben und Terrassen vorzubeugen; um das Wasser im Gypse, dem so leicht alle beliebigen Formen zu geben sind, zurükzuhalten; um Statuen aus weichen Steinen, Medaillen aus Gyps und viele andere Gegenstände, wie Vasen, Bas-Reliefs, Säulen, Schornstein-Kappen, Gesimse etc. damit zu überziehen, und endlich zur Aufbewahrung des Getreides in den Sylos. Dieß sind Anwendungen, aus welchen die Gesellschaft, wenn wir uns anders nicht irren, großen Vortheil ziehen wird.

Wir haben im Bd. XX. S. 280, bereits von diesem Verfahren nach Hrn. Bussy's Berichte Nachricht gegeben. Hier kommt nun endlich die Original-Abhandlung der HHrn. d'Arcet und Thenard selbst, welche wir noch nachzutragen uns verpflichtet halten. A. d. R.

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