Titel: Braconnot's, Analyse des Rußes.
Autor: Braconnot, Henry
Fundstelle: 1826, Band 21, Nr. LXXXV. (S. 351–364)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj021/ar021085

LXXXV. Analyse des Rußes109). Von Hrn. Heinr. Braconnot.

Aus den Annales de Chimie et de Physique Januar. 1826. S. 37.

Die älteren Chemiker bemerkten mit Recht, daß der Ruß wenig bekannt sey, und daß er noch viele Arbeiten und Nachforschungen |352| erfordern wird, ehe wir zu einer genaueren Kenntniß desselben gelangen; dessen ungeachtet hat noch Niemand seine Aufmersamkeit auf diese Substanz gerichtet, die doch wegen ihres häufigen Vorkommens und ihrer technischen Benüzung gekannt zu werden verdient. Jedermann weiß, daß es zweierlei Arten von Ruß gibt, eine durch die Wärme des Herdes, zu glänzenden Massen geschmolzene, und eine pulverförmige, welche sich erst höher oben absezt. Diese leztere habe ich untersucht; ich ließ sie in dem mittleren Theile eines Schornsteines sammeln, in welchem bloß Holz verbrannt wurde. Die physischen Eigenschaften des Rußes sind so bekannt, daß ich dieselben füglich übergehen kann.

Untersuchung des Ruß-Absudes.

Wenn man den Ruß mit Wasser kocht, so wird derselbe weich, und bekommt eine Art von Dehnbarkeit; zugleich erhält man eine dunkelbraune Flüßigkeit, welche, wenn sie hinlänglich geklärt ist, beim Abkühlen, und vorzüglich beim Eindampfen, eine pechartige Substanz absezt. Die darüber stehende Flüßigkeit |353| schäumt beim Schütteln stark. Sie röthet kaum das blaue Lackmuß-Papier; alle Metall-Auflösungen fällen dieselbe in größerer oder geringerer Menge; alle Säuren, die Essigsäure ausgenommen, scheiden daraus eine dunkelbraune, bittere, pechartige Substanz ab, welche der bereits erwähnten ähnlich ist, und die Flüßigkeit wird dadurch zum Theile entfärbt. Diese Substanz ist, so lange sie frisch gefällt und zertheilt ist, in einer großen Menge Wassers vollkommen auflöslich. Sezt man dem Ruß-Absude, nachdem man die pechartige Substanz durch Salzsäure daraus gefällt hat, eine Auflösung von Pottaschen-Sulphat zu, so fällt ein Doppelsalz aus Kalk- und Pottaschen-Sulphat zu Boden, dessen noch kein Chemiker erwähnt zu haben scheint. Es schmilzt vor dem Löthrohre viel leichter, als jedes der Salze, woraus es besteht, für sich allein. Durch eine große Menge Wasser wird es großen Theils zersezt. Sättigt man den Ruß-Absud mit Chlorin-Sodium (Kochsalz), so trübt er sich stark, und es bildet sich ein Niederschlag von einer pechartigen Substanz, die der von den Säuren gefällten ähnlich ist; gießt man in diese Flüßigkeit, nachdem sie von diesem Niederschlage getrennt wurde, Salpetersäure oder Salzsäure, so trübt sie sich nicht mehr; die verdünnte Schwefelsäure erzeugt aber unter Entwikelung von Essigsäure einen krystallinischen Niederschlag von Gyps in derselben. Kalkwasser erzeugt in dem Ruß-Absude einen braunen Niederschlag, und behandelt man diesen gehörig mit verdünnter Schwefelsäure, so gibt er Krystalle eines bitteren Salzes, dessen Auflösung mit Pottasche einen starken Niederschlag bildet, und welches Bittererde-Sulphat ist. Vertheilt man Kalk-Hydrat in dem Ruß-Absude, so entwikelt sich Ammonium. Sammelt man den dadurch entstehenden braunen Bodensaz, und behandelt ihn mit verdünnter Salzsäure, so erhält man eine Substanz, welche, gut ausgewaschen und getroknet, ein unfühlbares Pulver bildet, daß eine rothbraune, dem Mineral-Kermes ähnliche, aber etwas dunklere Farbe besizt; erhizt man dieses Pulver mit etwas Wasser, so wird es flüßig, und erzeugt wieder die dunkelbraune pechartige Substanz, und zwar beinahe in demselben Zustande, als wenn sie durch Säuren oder Kochsalz abgeschieden worden wäre. Erwärmt man den Ruß-Absud mir Bleioxid oder Kalkhydrat, und dampft ihn bis zur Trokenheit ein, so gibt der Rükstand bei Behandlung mit Wasser eine, zum Theile entfärbte, Flüßigkeit, die von Salzsäure |354| nicht mehr getrübt wird, und beim Eindampfen eine Rükstand läßt, welcher viele Feuchtigkeit aus der Luft anzieht, und mit Schwefelsäure viel Essigsäure, und Kalk- und Pottaschen-Sulphat gibt. Eben dieser Rükstand gibt, wenn er wieder in Wasser aufgelöst wird, mit salpetersaurem Silber nur einen leichten Niederschlag, der vom Kochsalze herrührt; hieraus scheint hervorzugehen, daß das Ammonium im Ruße mit Essigsäure verbunden, ist. Der Galläpfel-Aufguß bewirkt in dem Ruß-Absude, der den größten Theil seines pechartigen Bodensazes durch die Ruhe abgeschieden hat, einen sehr häufigen gelbbraunen Niederschlag, der in der Wärme weich wird, und sich zu einer schwärzlichen Substanz, wie Pech, zusammenzieht. Die Auflösung des Rußes in reinem Wasser gibt beim Eindampfen krystallinische irisirende Häutchen, Kalk-Sulphat in Verbindung mit der pechartigen Substanz. Erhizt man, diese bis zum Rothglühen, so lassen sie einen weißen Rükstand, der bei Behandlung mit Salpetersäure einen Geruch von Schwefel-Wasserstoff verbreitet, ohne sich merklich in derselben aufzulösen.

Aus dem Gesagten ergibt sich, daß der Ruß-Absud Kalk-, Pottaschen-, Ammonium- und Bittererde-Acetat, Kalk-Sulphat, (welches ich als wesentlich für alle Ruße halte), und eine braune, bittere, pechartige Substanz enthält, die schwach in der Auflösung gehalten wird, und durch die meisten Reagentien gefällt werden kann. Es wird sich bald zeigen, daß diese Substanz mehrere Bestandtheile des Rußes enthält.

Untersuchung des durch Wasser ausgezogenen Rußes.

100 Gramme Ruß, die mit Wasser gekocht und auf einem Filtrum mit einer großen Menge dieser Flüßigkeit abgewaschen wurden, ließen als Rükstand 44 Gramme eines bräunlichen Pulvers, von viel lichterer Farbe, als der Ruß, welches folgende Stoffe enthielt; 22 Gramme erdige Substanzen, die größten Theils Kalk-Sulphat waren; 3,85 Gramme einer kohligen, in Pottasche unauflöslichen, Substanz, und 18,15 Grammen eines Körpers, der sich leicht mit den Alkalien verbindet, und dieselben beinahe wie eine Säure sättigt. Seine Auflösung in Pottasche gab eine dunkelbraune Flüßigkeit, aus welcher die Salzsäure eine Masse von derselben Farbe abscheidet. Diese leztere gibt, wenn sie gut abgewaschen und mit Wasser gekocht wurde, eine bräunliche Flüßigkeit, welche beim Schütteln stark schäumt, und wenig davon aufgelöst enthält. Durch Kalk-Hydrat |355| wird sie entfärbt. Das Blei-Acetat, das Queksilber-Nitrat bilden in derselben braune Niederschläge, und die darüber stehende Flüßigkeit wird vollkommen entfärbt. Das Eisen-Persulphat, das Calcium-Chlorür, das Sodium-Chlorür erzeugen ebenfalls leichte Niederschläge in derselben. Diese braune Substanz ist getroknet, schwarz, brüchig, glänzend, fast geschmaklos, und in Wasser beinahe unauflöslich. Wenn man sie mit verdünntem Ammonium befeuchtet, so verbindet sie sich damit wie eine Säure, sättigt seine alkalischen Eigenschaften, und läßt beim Eindampfen einen trokenen Rükstand, der wie Gagath glänzt, wenig Geschmak besizt, und in Wasser auflöslich ist; eine Säure, die man in diese Flüßigkeit gießt, macht dieselbe gerinnen; Kalk entwikelt Ammonium aus derselben. Diese Substanz löst sich unter Entwikelung von Wärme in concentrirter Schwefelsäure auf, und die, dadurch entstehende, braune Flüssigkeit wird durch Wasser gefällt. Sie löst sich in der Wärme auch in Essigsäure auf, und wird durch Wasser wieder daraus abgeschieden. Aus den Eigenschaften dieser Substanz ergibt sich offenbar, daß sie ganz identisch mit der künstlichen Ulmine ist, welche ich durch Rösten der Sägespäne mit Pottasche110) bereitete.

Von dem Ruß-Extracte und dessen Einäscherung.

Die Abwasch-Wasser, welche die auflöslichen Theile von 100 Grammen Ruß enthielten, wurden eingedampft. Während der ganzen Zeit des Eindampfens verbreitete sich kein empyreumatischer Geruch; allein auf der Oberfläche erzeugten sich wieder die krystallinischen irisirenden Häutchen von Kalk-Sulphat in Verbindung mit der pechartigen Substanz; im Verlaufe des Eindampfens bildete sich ein Bodensaz, welcher abgeschieden wurde, und zulezt erhielt man einen häufigen, beinahe troknen, Rükstand, der ganz das Aussehen eines pharmaceutischen Extractes besaß; er wog 45 Gr., nach Abzug des Bodensazes, der sich während des Eindampfens bildete. Um die Menge der in diesem Extracte enthaltenen essigsauren Salze zu schäzen, wurde dasselbe in einem silbernen Tiegel erhizt; es brannte unter Aufblähen und mit starker Flamme, und ließ nach der Einäscherung 10,98 Grammen einer weißen Asche zurük, die dem Wasser eine Salzmasse von 4,05 Grammen mittheilte. Ihr |356| Geschmak war bitter, aber nicht merklich alkalisch, obwohl sie das geröthete Lackmuß-Papier wieder blau färbte.

Alkohol von 28°, der bei einer gelinden Wärme mit diesem salzigen Rükstande digerirt wurde, entzog derselben 0,36 Gramme eines Salzes, welches, in Wasser aufgelöst, bei der freiwilligen Verdampfung vierseitige Prismen gab, die mit Thonerde-Sulphat Alaun, und mit Silber-Nitrat einen häufigen Niederschlag von Silber-Chlorür erzeugten. Dieses Salz war also Potassium-Chlorür.

Der, in Alkohol von 28° unauflösliche Rükstand wog 3,69 Grammen, und bestand beinahe ganz aus Pottaschen-Sulphat. Der, in Wasser unauflösliche, Theil der Asche wog 6,93 Grammen, löste sich in Hydrochlorsäure mit lebhaftem Aufbrausen auf, und ließ beiläufig 0,08 Gr. Kieselerde zurük. Die Auflösung gab, nach Verdünnung mit Wasser, mit Ammonium einen gallertartigen Niederschlag, der, stark getroknet, 0,2 Gramme wog; er hatte eine röthliche Farbe, und enthielt Eisen. Dieser Niederschlag gab, nachdem, er mit Salpetersäure erhizt, und der Rükstand mit Wasser behandelt worden war, mit Blei-Subacetat einen häufigen Niederschlag von phosphorsaurem Blei. Diese 0,2 Gramme waren also eisenhaltiges Kalk-Phosphat. In die salzsaure Flüßigkeit wurde, nach Beseitigung dieses lezteren Niederschlages, Ammonium-Carbonat, gegossen, welches Kalk-Carbonat erzeugte, das sogleich durch das Filtrum abgeschieden wurde, und nach dem Troknen 6,45 Grammen wog. Die Flüßigkeit gab ferner durch Eindampfen bis zur Trokenheit, und durch Rothglühen des Rükstandes, 0,15 Grammen Bittererde, die in 45 Grammen Ruß-Extract 0,53 Gramme Bittererde-Acetat darstellen.

Man hat so eben gesehen, daß diese Menge Extract nach dem Einäschern 3,69 Grammen Pottaschen-Sulphat gab; ein Salz, welches nicht in dem Ruße vorhanden ist, und auch nicht zugleich mit dem Kalk-Acetat vorhanden seyn kann: hieraus folgt, daß dieses Extract, obschon. es so viel als möglich von dem Kalk-Sulphate befreit worden war, doch noch eine bedeutende Menge davon enthielt, welche durch die frei gewordene Pottasche, die von dem Pottaschen-Acetat, einem der Bestandtheile des Rußes herrührt, zersezt wurde. Diese 3,69 Gramme Pottaschen-Sulphat enthalten also 1,99 Gramme Pottasche, die 4,1 Gramme Pottaschen-Acetat und 1,7 Grammen Schwefelsäure |357| vorstellen, die 2,89 Grammen Kalk-Sulphat entspricht; zieht man diese lezteren von den 6,45 Grammen des erhaltenen Kalk-Carbonates ab, so bleiben noch 3,56 Grammen Kalk-Carbonat, welche 5,65 Grammen Kalk-Acetat auf 45 Grammen Ruß-Extract geben.

Bei Behandlung dieses Extractes mit verdünntem Alkohol löst sich nur ein Theil desselben auf, und die alkoholische Flüssigkeit läßt nach dem Eindampfen einen Rükstand, der die Feuchtigkeit stark aus der Luft anzieht, und die essigsauren Salze enthält.

Untersuchung der bitteren pechartigen Substanz, welche durch Hydrochlorsäure aus dem Ruß-Extracte abgeschieden wird.

Das Ruß-Extract wurde in beinahe zwei Gewichtstheilen warmen Wassers wieder aufgelöst; in die Flüßigkeit wurde Hydrochlorsäure in geringem Ueberschusse gegossen; es bildete sich ein ziemlich häufiger Bodensaz, der sich zu einem dunkelbraunen Klumpen sammelte, welcher wie Pech aussah. Etwas Wasser, welches der darüber stehenden Flüßigkeit zugesezt wurde, erzeugte neuerdings einen Niederschlag, der sich aber in einer größeren Menge Wassers wieder auflöste. Die pechartige bittere Substanz hatte, nachdem sie mit etwas Wasser abgewaschen, und in einem Tuche ausgedrükt worden war, die Form eines Pulvers; einer gelinden Wärme ausgesezt, wurde sie aber flüßig wie Pech; und bringt man sie in diesem Zustande auf Papier, so bildet sie nach dem Troknen einen sehr glänzenden Firniß auf demselben. Diese Substanz ist in Hydrochlorsäure, Salpetersäure und Essigsäure auflöslich, und wird durch Zusaz von Wasser daraus gefällt. Das Pottaschen- und das Kalk-Acetat lösen dieselbe gleichfalls auf, vorzüglich in der Wärme; allein die Flüßigkeit läßt sich, ohne sich zu trüben, mit Wasser verdünnen, außer man sezt einige Tropfen Hydrochlorsäure, Essigsaure, oder irgend einer anderen Säure zu, wodurch ein häufiger Niederschlag von pechartiger Substanz entsteht. Alkohol löst dieselbe zum Theile auf, und Wasser bildet einen Niederschlag in der Flüssigkeit.

Die, durch Hydrochlorsäure gefällte, pechartige Substanz bläht sich auf, wenn man sie dem Feuer aussezt, brennt mit großer Flamme, und läßt Kalk-Sulphat in Verbindung mit Sulphür zurük; dieses Sulphat ist aber in viel größerer |358| Menge in jener pechartigen Substanz enthalten, welche von selbst, oder bei der Eindampfung des Ruß-Absudes niederfällt. Diese Substanz löst sich in verdünnten Alkalien vollkommen auf, und erwärmt man Wolle und Seide in dieser Flüßigkeit, so werden sie dadurch zimmtbraun.

Um die Bestandtheile der, durch Salzsäure gefällten, pechartigen Substanz auszumitteln, wurde sie mit einer großen Menge Wasser gekocht; nach und nach verlor sie die Eigenschaft in siedendem Wasser flüßig zu werden, und endlich blieb eine schwarze, sehr brüchige, in siedendem Wasser beinahe unauflösliche Substanz zurük. Ohne mich in eine Untersuchung dieser Substanz einzulassen, will ich bloß bemerken, daß sie alle Eigenschaften der Ulmine besizt, welche ich künstlich mit Sägespännen und Pottasche erhielt.

Die Flüßigkeiten, die von der Behandlung der pechartigen Substanz mit siedendem Wasser herrührten, wurden zusammengegossen; sie trübten sich beim Abkühlen, und gaben einen Bodensaz von der Farbe des Kermes, der bei einer gelinden Wärme wieder die pechartige Substanz erzeugte. Die filtrirte, und hierauf zur Trokenheit eingedampfte, Flüßigkeit gab, bei Behandlung des Rükstandes mit einer geringen Menge Wasser, eine braune Auflösung von scharfem und bitterem Geschmake, und es blieb ein pechartiger Rükstand, der, bei wiederholtem Behandeln mit kleinen Mengen siedenden Wassers, noch Ulmine gab, jedoch in geringerer Menge, als die ursprünglich angewendete, pechartige Substanz: dieser Rükstand war übrigens mehr in Wasser auflöslich. Die braune, scharfe und bittere Auflösung gab, nachdem sie von dem größten Theile ihrer pechartigen Substanz getrennt worden war, durch Eindampfen eine durchsichtige, wie Firniß glänzende, Materie, welche sich in Wasser leicht und ohne Rükstand auflöste.

Alkohol, der mit dieser Materie digerirt wurde, gab eine dunkelbraune Flüßigkeit von sehr bitterem Geschmake, und als Rükstand blieb eine pulverförmige Masse, welche, mit Alkohol abgewaschen und getroknet, die Farbe des Kermes hatte. Sie besaß wenig Geschmak, und war nicht bitter. Ihre wässerige Auflösung wurde durch verdünnte Schwefelsäure häufig gefällt; allein beim Erwärmen des Gemenges verschwand ein Theil des Bodensazes; es entwikelte sich etwas Essigsäure, und es entstund Kalk-Sulphat. Beim Verbrennen ließ sie eine beträchtliche |359| Menge Asche zurük, welche aus Kalk-Carbonat und Sulphat entstand. Es schien mir, daß diese, in Alkohol unauflösliche, Substanz aus Ulmine, welche durch Kalk-Acetat aufgelöst erhalten wird, und aus etwas Kalk-Sulphat besteht; sie enthielt auch eine geringe Menge einer thierischen Substanz, auf welche wir bald zurükkommen werden. Die dunkelbraune, sehr bittere, alkoholische Flüßigkeit, von welcher die Rede war, gab beim Eindampfen eine Substanz, welche nichts weniger, als gehörig abgeschieden war; denn sie löste sich nur zum Theile in einer bestimmten Menge Wasser auf, und die Säuren schieden noch immer eine pechartige Masse aus derselben ab. Ich entschloß mich, dieselbe wiederholt mit Schwefel-Aether zu behandeln, der eine goldgelbe Farbe annahm, und den scharfen und bitteren Bestandtheil des Rußes auszog.

Untersuchung des scharfen und bitteren Bestandtheiles des Rußes.

Dieser Bestandtheil hat ein öhlartiges Aussehen, eine gelbe Farbe und einen sehr scharfen Geschmak; er ist flüßig und nicht flüchtig. Mit einer geringen Menge kalten Wassers gemengt, schwimmt er wie Oehl auf demselben; vermehrt man aber die Menge des Wassers, so erhält man eine gelbliche bittere Auflösung, welche, zum Theile eingedampft, beim Erkalten trüb wird, und einen Theil des bitteren Stoffes absezt.

Die Auflösung dieses Bestandtheiles in kaltem Wasser gibt mit Blei-Acetat einen flokigen Niederschlag von schöner Operment gelber Farbe, der nach einigen Stunden schmuzig-grün wird. Mit Silber-Nitrat entsteht eine leichte Trübung ohne weitere Veränderung für den Augenblik; allein, nach einiger Zeit färbt sich die Flüßigkeit, wird bräunlich, und auf der Oberfläche entsteht ein Häutchen von metallischem Silber. Mit Eisen-Persulphat entsteht eine dunkelbraune, beinahe schwarze Flüssigkeit; mit Galläpfel-Aufguß ein Niederschlag; mit Kalkwasser, Barytwasser, Ammonium, und mit den Alkalien im Allgemeinen entsteht eine sehr gesättigte blutrothe Farbe.

Die Auflösung der öhlartigen bitteren Substanz nahm, beim Erwärmen mit Bittererde, eine orangerothe Farbe an, und verlor zum Theile ihren bitteren Geschmak; allein der bittererdige Bodensaz gab, nachdem er getroknet und mit siedendem Alkohol behandelt worden war, keine alkalische salzfähige Basis. Der Alkohol löst den bitteren Bestandtheil des Rußes leicht |360| auf, und die Flüßigkeit wird durch Wasser nicht getrübt. Dem Fener ausgesezt, brennt er mit großer Flamme, wie die fixen Oehle; er ist jedoch sowohl in diesen, als in dem Terpenthin-Geiste unauflöslich. Bei der Destillation gibt er ein ammoniakalisches Product.

Die Salpetersäure löst ihn leicht auf, und gibt ihm eine röthlichgelbe Farbe. Die Auflösung läßt beim Eindampfen viel gelben Bitterstoff, und wenig Sauerkleesäure zurük. Den angeführten Eigenschaften des scharfen und bitteren Bestandtheiles des Rußes zu Folge läßt sich derselbe nicht zu den fixen Oehlen sezen, obwohl er dem Aussehen nach denselben sehr ähnlich ist. Man könnte ihm den Namen Asboline, von ἄσβολη, Ruß, geben. Wahrscheinlich ist dieses der Bestandtheil des Rußes, der specifisch gegen den Bandwurm wirkt. Es ist bekannt, daß der Ruß in den Händen des berühmten Arztes Vilet ein herrliches Arzeneimittel geworden ist.

Untersuchung der extractartigen thierischen Substanz des Rußes.

Um diese Substanz zu erhalten, löste ich 45 Gramme Ruß-Extact in Wasser auf, und goß Blei-Acetat in die Flüßigkeit, welches alle pechartige Masse fällte. Hierauf sezte ich der filtrirten Auflösung sorgfältig verdünnte Schwefelsäure zu, um das überschüßige Blei zu fällen; durch Abdampfen erhielt ich einen beinahe troknen, gelblichbraunen, Rükstand, der ganz wie ein pharmaceutisches Extract aussah, und 25 Grammen wog. Er wurde durch Erwärmen mit etwas Wasser zur Honig-Consistenz gebracht, und hierauf wurde eine hinlängliche Menge Alkohol zugesezt, um das Kalk-Sulphat zu fällen, welches noch in demselben enthalten war. Darauf wurde die Flüßigkeit mit einer noch größeren Menge Alkohol versezt, wodurch der thierische Stoff gefällt wurde, der gut mit Alkohol abgewaschen wurde, um ihn von allem Pottaschen-Acetat zu befreien. Die wässerige Auflösung dieser Substanz läßt nach dem Eindampfen einen troknen Rükstand, den man mit der Spize eines Messers in röthlichgelben, durchsichtigen Schuppen aus der Kapsel nehmen kann. Ihr Geschmak hat nichts Ausgezeichnetes; ich weiß ihn mit nichts zu vergleichen, als mit jenem des Extractiv-Stoffes des Holzes. Sie löst sich in jedem Verhältnisse in Wasser auf, und diese Flüßigkeit röthet kaum das Lackmuß-Papier. Der Nußaufguß |361| erzeugt darin einen falben, häufigen und zertheilten Bodensaz, wie in gewißen thierischen Extracten, und die obenauf stehende Flüßigkeit wird großen Theils gefärbt. Das Blei-Acetat und das Silber-Nitrat erzeugen nur schwache Niederschläge; allein das Blei-Subacetat bringt einen häufigen Niederschlag hervor. Das Eisen-Persulphat erzeugte eine sehr dunkelbraune Farbe, wie mit den Extracten von vielen Pflanzen. Wirft man diese Substanz auf glühende Kohlen, so brennt sie mit bedeutendem Aufblähen, und unter Verbreitung des Geruches eines angebrannten thierischen Körpers. Bei der Destillation in einer kleinen, gläsernen Retorte gibt sie ein empyreumatisches, braunes, flüßiges Oehl, und eine schwach gefärbte, wässerige Flüßigkeit, welche dem gerötheten Lackmuß-Papiere seine blaue Farbe wieder gibt, und Ammonium-Carbonat enthält.

Bei Behandlung mit Salpetersäure gibt sie viel gelben Extractivstoff. Sauerkleesäure, und eine geringe Menge Kalk-Oxalat, woraus hervorgeht, daß sie noch Kalk enthielt, und zwar vermuthlich in Verbindung mit Essigsäure.

Einäscherung des Rußes.

100 Grammen Ruß, die in einem Tiegel erhizt wurden, erlitten eine teigartige Schmelzung. Die Masse blähte sich auf, brannte mit großer Flamme, und ließ eine Kohle zurük, die, einer feuchten Luft ausgesezt und in glühendem Zustande, einen starken ammoniakalischen Geruch verbreitet. Diese Kohle gab beim Einäschern eine graue Asche, welche 27,6 Grammen wog. Mit etwas Wasser angemacht, bildet sie eine Masse beinahe wie angemachter Gyps. Die Abwaschwasser derselben gaben eine alkalische, gelbliche, schwefelige Lauge, welche das Silber stark schwärzte; es wurde derselben ein leichter Ueberschuß von Schwefelsäure zugesezt, welche Schwefelwasserstoffsäure ausschied, und dieselbe milchig machte; es sammelte sich ein Niederschlag in feinen Nadeln, der 0,1 Grammen wog. Beim Erhizen in einer Glasröhre gab er sublimirten Schwefel, und einen Rükstand von Kalk-Sulphat. Die, auf diese Weise mit Essigsäure gesättigte, schwefelhaltige Lauge gab beim Eindampfen 3,7 Grammen eines salzigen Rükstandes, der größten Theils aus Pottaschen-Sulphat, einem kleinen Theile Pottaschen-Acetat, Potassium-Chlorür, Kalk-Sulphat und Acetat bestand. Der in Wasser unauflösliche Theil der Asche gab folgende Resultate: |362| 16,46 Grammen Kalk-Carbonat, 4,75 Kalk-Sulphat; 1,50 einhältiges Kalk-Phosphat, 0,95 Kieselerde; 0,24.

Destillation des Rußes.

Der Ruß, der in einer gläsernen Retorte mit etwas Wasser erhizt wurde, gab eine Flüßigkeit von schwachem empyreumatischen Geruche, die kaum das Lackmuß-Papier röthete. Nachdem alle Flüßigkeit übergegangen war, schmolz der Ruß, und gab in Folge seiner Zersezung eine braune wässerige Flüßigkeit, und beiläufig 1/2 seines Gewichtes eines diken empyreumatischen Oehles von dunkelbrauner Farbe. Es sublimirte sich eine geringe Menge Ammonium-Carbonat. Die wässerige Flüßigkeit enthielt keinen Schwefel, denn das Blei-Acetat erzeugte darin einen weißen Niederschlag von Blei-Carbonat, das durch Zersezung des Ammonium-Carbonates entstand, welches in derselben enthalten war. Die Salpetersäure erregte lebhaftes Aufbrausen, und bei späterem Zusaze von Silber-Nitrat, blieb die Flüßigkeit wasserklar, woraus erhellt, daß sie kein Ammonium-Hydrochlorat enthielt. Dieselbe Flüßigkeit gab, nachdem sie mit Schwefelsäure übersättigt und destillirt worden war, zuerst ein Product von rosenrother Farbe, und ätherisch-empyreumatischem Geruche; hierauf ging Essigsäure über; die braune Flüßigkeit, die von der Destillation des Rußes herrühre, bestand folglich aus vielem Wasser, welches Ammonium-Carbonat und Acetat, empyreumatisches Oehl, und wahrscheinlich brenzelige Holzsäure enthielt. Das dike braune Oehl, eines der vorzüglicheren Producte der Destillation des Rußes, war leicht in Pottasche auflöslich. Bei einer zweiten Destillation gab es ein empyreumatisches Oehl, das viel weniger gefärbt war, und als Rükstand blieb eine schwärzliche harzige Substanz, die wenig Geschmak hatte, in sehr großer Menge vorhanden war, sich in Wasser nicht auflöste, beinahe die Consistenz und die Schmelzbarkeit des Siegellakes hatte, mit großer Flamme brannte, in Alkalien sich sehr leicht auflöste, aus dieser Auflösung durch Säuren, als eine, dem Peche sehr ähnliche Masse abgeschieden wurde, sich in Alkohol sehr leicht auflöste, und mit demselben auch einen schwarzen Firniß gab, der durch Reiben sehr glänzend wird. Wird diese harzartige Substanz längere Zeit einer mittleren Wärme ausgesezt, so läßt sie einen schwarzen, glänzenden, brüchigen Rükstand, der in Alkalien unauflöslich ist, und dem kohligen Zustande nahe kommt, der aber noch mit Flamme und unter Aufblähen brennt.

|363|

Recapitulation.

Nach den angestellten Versuchen glaube ich folgende Bestandtheile des Rußes angeben zu können:

Grammen.
1. Ulmine, identisch mit jener, welche man künstlich mit
Sägespänen und Pottasche erhält, geschäzt auf
30,20.
2. Thierischen Stoff, in Wasser sehr leicht auflöslich, in
Weingeist unauflöslich
20,00.
3. Kalk-Carbonat, mit Spuren von Bittererde-Carbonat 14,66.
4. Wasser 12,50.
5. Kalk-Acetat 5,65.
6. Kalk-Sulphat 5,00.
7. Pottaschen-Acetat 4,10.
8. Kohliger, in Alkalien unauflöslicher, Bestandtheil 3,85.
9. Eisenhaltiges Kalk-Phosphat 1,50.
10. Kieselerde 0,95.
11. Bittererde-Acetat 0,53.
12. Eigener scharfer und bitterer Stoff; Asboline, beiläufig 0,50.
13. Potassium-Chlorür 0,36.
14. Ammonium-Acetat 0,20.
15. Eisen-Acetat. Spuren – –
–––––
Summa 100,00

Ruß, der in der Röhre eines Ofens gesammelt wurde, gab mir beinahe dasselbe Resultat. Ich hatte noch nicht Gelegenheit, den Ruß der Steinkohle zu untersuchen, den man für schärfer, als den Ruß des Holzes, hält, und der, wie man sagt, bei den Schornsteinfegern zu London eine Art von Krebs am Hodensake erzeugt. Unter den, dem Ruße eigenen Producten bemerkt man Schwefelsäure und Phosphorsäure, die das Resultat der Verbrennung des Schwefels und des Phosphor zu seyn scheinen, welche im Holze enthalten sind. Merkwürdig ist, daß der Rauch im Stande ist, solche Substanzen, wie die, die ich im Ruße fand, so hoch emporreißen zu können. Man weiß, daß der Ruß der Schornsteine von Metall-Schmelzereien zuweilen sehr feuerfeste Metalle, wie Gold, Silber etc. enthält. Ich entdekte am Ruße sehr ausgezeichnete antiseptische Eigenschaften, und ich bewahre bereits seit mehreren Monaten thierische Substanzen in einem Ruß-Aufguße auf, ohne daß sie |364| eine Veränderung erlitten hätten. Diese Substanz könnte daher im Nothfalle zur Aufbewahrung von Fleisch verwendet werden, dessen Fäulniß man, wie es bekannt ist, dadurch vorbeugen kann, daß man es dem Rauche aussezt, was man räuchern heißt. Man könnte den Ruß, wie ich mich überzeugte, bei der Fabrication gefärbter Papiere auch zu mehreren Schattirungen von braunem Grunde benüzen; man braucht hierzu bloß ein Gemenge von Ruß in Pulver und von gelöschtem Kalke mit Wasser ohne Leim anzurühren.

Da der Kaminruß in technischer und ökonomischer Hinsicht eine bedeutende Rolle spielt, so wird die nähere Kenntniß desselben, welche uns die Analyse des Hrn. Braconnot darüber verschaffte, für viele unserer Leser von Interesse seyn. In der Wollen-, Seiden-, Baumwollen-, und Leinenfärberei und Drukerei wird er zur Hervorbringung falber, Isabelle- und Nankin-Farben verwendet, worüber man in Vitalis Färbebuch deutsche Ausgabe von Dingler und Kurrer, Stuttgart bei Cotta 1824. S. 364. 496. 519 u.s.w. Nachricht findet. Auch bereitet man aus demselben durchs Glühen in verschlossenen Gefäßen eine Schwärze für Oehl- und Wasserfarben, die das sogenannte Frankfurther Schwarz weit übertrifft. Dieses Schwarz kann dem besten Tusche gleich gebracht werden, wenn der Ruß vor dem Calciniren mit Wasser mehrere Mahle ausgelaugt, dann getroknet, und mit dem achten Theile Leinöhl vermengt wird. In der Haushaltung ist er ein treffliches Mittel, das Fleisch zu conserviren. Gesalzenes Rinds-, Kalbs- oder Schweine-Fleisch, so wie gesalzene Zungen u.s.w. werden, wenn sie einige Zeit in eine kalte, mäßig starke Auflösung von Kaminruß und vorher gekochtem Wasser, gelegt, und darauf an der Luft getroknet werden, weit schmakhafter und haltbarer, als durch's gewöhnliche Räuchern. Eine Anleitung hierzu gibt die Schrift: Anweisung zu einer neuen Schnellräucherungs-Methode, jede Gattung Fleisches, ohne Feuer und Rauch in wenigen Stunden, auf nassem Wege äußerst wohlfeil zu räuchern, von Wolfgang Sanson. München bei Lentner 1824. 8. 48 S. Preis 30 kr., welche Schrift wir mit Recht allen wirtschaftlichen Frauen empfehlen können. A. d. Red.

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Annales de Chimie et de Physique T. XII. p. 189. A. d. O.

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