Titel: Ueber die Flamme eines Kerzenlichtes
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 21, Nr. XV./Miszelle 13 (S. 87–88)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj021/mi021015_13

Ueber die Flamme eines Kerzenlichtes

hat Hr. J. B. Longmire in den Annals of Philosophy, März l. J. S. 176. einige Bemerkungen mitgetheilt, welche die neulich von uns (Polyt. Journal Bd. XVIII. S. 396.) aufgenommenen theils ergänzen, theils berichtigen.

„Wenn man die Flamme einer Kerze nach Hrn. Sym's sinnreicher Methode abstuzt, so entsteht ein Querdurchschnitt des Flammen-Kegels, und es erscheint eine dunkle mit einem leuchtenden Ringe umgebene Scheibe. In diesem Falle wird aber der brennbare Stoff, der den oberen Theil der Flamme bilden sollte, durch die Maschen des feinen Drathgewebes durchgetrieben, und da dieser Stoff hier das verdampfte Oehl und der verdampfte Docht ist, und dieser Dampf zum Theile zersezt, und durch die Berührung mit dem kalten Eisen zu einem öhligen Rauche verdichtet wird, so hindert dieser Dampf in das Innere der ungestörten Flamme zu sehen. Da ich einige Versuche über die Flamme einer Kerze anstellte, und kein Drahtgewebe bei der Hand hatte, verfertigte ich mir aus grobem Drathe bloß ein paar längliche Maschen, die die Flamme oben an der Spize des Kegels theilten; als ich dieses Instrument etwas senkte, fuhr die Flamme und der Rauch fort außen an dem Drathe aufwärts zu steigen. Ich konnte also in das Innere bis an den Grund der blauen Flamme hinabsehen. Der Docht war schwarz, außer dort, wo er mit der Flamme in Berührung stand. Rings um den Docht bemerkte ich zwischen demselben und der blauen Flamme einen leeren Raum. Das ganze Innere war, außer dem Dochte, ein leichtes durchscheinendes Medium. Der Dampf des geschmolzenen Talges entwikelt sich größten Theils aus dem unteren Theile des schwarzen Dochtes, wo die Hize an demselben am wenigsten stark ist, und der geschmolzene Talg oder das warme Oehl sich in größter Menge findet. Das Oehl hat an diesem Theile des Dochtes eine blaue Flamme. Wenn man Talg mit rothglühendem Eisen berührt, so brennt er mit weißer Flamme; sobald sich aber das Eisen unter die Rothglühe-Hize abkühlt, entsteht eine blaue Flamme; dieß ist also der Grund, warum die blaue Flamme an der brennenden Kerze unter der weißen ist. Die blaue Flamme ist den Oehlen, den vegetabilischen, thierischen und kohligen brennbaren Stoffen, wie der Baumwolle, dem Papiere und den Kohlen eigen. Stekt man die Spize eines Federmessers in eine blaue Flamme, so |88| überzieht sie sich mit verdichtetem Oehle. Man kann aber aus der blauen, wie aus der weißen Flamme, Oehl erhalten, wenn man derselben eine polirte Lichtschere nähert; sie läuft wie von einem Nebel an, welcher, nur dem Finger zusammengeschoben, kleine Oehlkügelchen gibt. Dieß beweiset deutlich, daß das Innere der Flamme vorzüglich mit Oehldampf gefüllt ist, und daß immer ein Theil desselben durch die Flamme entweicht. Wahrscheinlich wird etwas von dem verdunsteten Oehle in dem mattleuchtenden Medium, welches den Kegel der Flamme umgibt, oxidirt, was von der Beimischung von etwas Blauem an dem unteren Theile dieses Mediums bestätigt zu werden scheint.

Der Umstand, daß die verflüchtigten Theile der brennenden Kerze zwischen den Docht und die Luft kommen, macht, daß die Kraft Flamme zu erzeugen auf die Oberfläche des Kegels des aufsteigenden verflüchtigten Stoffes übertragen wird; dadurch läßt sich der Ursprung der Flamme an harzigen brennbaren Körpern erklären. Die leichte Oxidirung ihrer verflüchtigten Theile wird durch die Flamme dargestellt; die minder schnelle Oxidirung ihrer weniger flüchtigen oder kohligen Theile durch die Gluth, die ihren Körper durchzieht. Nur zunächst an der Oberfläche kann die Oxidation auf die ersteren wirken, während die Luft in die poröse Textur der lezteren eindringen und zugleich jedes Theilchen oxidiren kann. So drükt Flamme und Gluth Oxidirung mit vorläufiger Zersezung aus.“

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