Titel: Preis von 2000 Franken auf Erzeugung von Ziegeln aller Art mittelst Maschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 21, Nr. XV./Miszelle 3 (S. 83–84)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj021/mi021015_3

Preis von 2000 Franken auf Erzeugung von Ziegeln aller Art mittelst Maschinen.

Die Société d'Encouragement pour l'Industrie nationale hat in ihrer Sizung vom 10. Mai l. J. folgende, ihrem lezten Bulletin N. 261. beiliegende, Preisaufgabe ausgeschrieben:

„Man bedient sich in einem großen Theile Frankreichs der Mauer- und Dachziegel und Ziegelplatten aus gebranntem Thone; man erzeugt sie aber nicht überall, wo man sie machen könnte, und selbst dort, wo seit undenklichen Zeiten Ziegel gebrannt werden, scheint die Ziegelbrennerei noch nicht jenen Grad von Vollkommenheit erhalten zu haben, dessen sie fähig ist.“

„Die Gesellschaft hat schon öfters die Aufmerksamkeit des Publicums auf diese wichtige Kunst aufmerksam gemacht, welche, obschon wenig geachtet, doch das unentbehrlichste Material zum Baue der Palläste wie der Hütten liefert.“

„Sie hat gezeigt, wie vortheilhaft es in so mancher Rüksicht seyn würde, wenn man Maschinen bei Verfertigung der Ziegel anwendete; man hat allen Grund, zu vermuthen, daß durch Beihülfe von Maschinen die verschiedenen Erdarten eine bessere Zubereitung erhalten, mit größerer Kraft in den Formen zusammengepreßt, schneller getroknet werden könnten; daß die Ziegel aller Art auf diese Weise eine weit regelmäßigere Form erhalten und behalten, an Festigkeit gewinnen würden, weniger zerbrechlich und vielleicht auch weniger empfindlich für die anhaltende und abwechselnde Einwirkung der Luft, des Wassers, und des Frostes werden würden; daß endlich die Erzeugungs-Kosten selbst bedeutend vermindert werden würden. Dieser lezte Umstand allein verdient vorzüglich in einem Lande alle Aufmerksamkeit, in welchem man, bloß der Ersparung wegen, Holz und Stroh, ungeachtet aller Gefahr der verheerendsten Feuersbrünste, den Mauer- und Dachziegeln vorzuziehen gewohnt ist.“

„Schon seit mehreren Jahren hat man in Rußland, America, England19), Ziegeleien errichtet, bei welchen man sich der Maschinen zur Verfertigung der Ziegel bedient (man findet diese Maschinen beschrieben im Bulletin de la Société, Jahrg. 1813. S. 173. und 177.; Jahrg. 1819. S. 361.) und diese Maschinen lieferten, wie man versichert, alle die glüklichsten Resultate, die man davon erwarten konnte.“

„Aehnliche Maschinen zu demselben Zweke waren der Gegenstand von Patenten und Erfindungs-Briefen in London, Paris, Berlin; man weiß aber nicht, ob sie wirklich ausgeführt wurden.20)

|84|

„Man weiß wohl von einigen in Frankreich angestellten Versuchen; allein diese Versuche haben noch nicht ihre Vollendung erhalten.“

„Die Société d'Encouragement überzeugt von der Wichtigkeit dieses Gegenstandes, glaubt etwas für ganz Frankreich Ersprießliches zu thun, wenn sie die bereits bestehenden Anstalten dieser Art ermuntert, und zu neuen ähnlichen nüzlichen Unternehmungen, Ziegel mittelst Maschinen zu verfertigen, aufmuntert; sie muß jedoch den Unternehmern einschärfen, daß bei dieser Art von Fabrication mehr als bei anderen ihr Hauptaugenmerk darauf gerichtet seyn muß, gute Waare um den möglich wohlfeilsten Preis zu liefern.“

„Sie sezt daher einen Preis von 2000 Franken aus, welcher in der General-Sizung des Monates Julius 1827 Demjenigen zuerkannt werden soll, welcher in einer bereits im vollen Gange stehenden Ziegelei, wo alle Arten von Ziegeln erzeugt werden, Maschinen und mechanische Hülfsmittel eingeführt haben wird, wodurch die besten Ziegel um den niedrigsten Preis, folglich wohlfeiler als bisher geliefert werden können.“

„Die Preiswerber werden vor dem 1. Mai 1827 der Gesellschaft 1) eine Abhandlung einsenden, in welcher sie ihre Verfahrungs-Weise beschreiben, und welcher sie die Zeichnungen der von ihnen angewendeten Maschinen beifügen. 2) Muster ihrer Ziegel. 3) Zeugnisse der Behörde ihres Ortes, daß ihre Ziegelei in vollem Gange steht, und wieviel Ziegel und zu welchem Preise sie dieselben liefert.“

„Der Preis wird demjenigen zuerkannt werden, welcher den Absichten der Gesellschaft am besten entsprochen hat, sowohl in Hinsicht der Preises, als der Güte und Menge der Ziegel.21)

|83|

(Auch in Deutschland und in Oesterreich. A. d. Ueb).

|83|

Polytechn. Journal Bd. XIX. S. 569.

|84|

Es fällt uns auf, daß die Gesellschaft die Preiswerber nicht auf dasjenige Land aufmerksam machte, in welchem die Bearbeitung des Thones in allen ihren Zweigen, als Töpferei, Pfeifenbrennerei und Ziegelbrennerei seit Jahrhunderten den höchsten Grad von Vollkommenheit erreicht hat; wir meinen Holland. In keinem Lande auf Erden wurden, im Verhältnisse zu dem Flächeninhalte desselben, so viele Ziegel gemacht, wie in Holland, wo nicht bloß alle Gebäude aus Ziegeln erbaut, sondern alle Heerstraßen, alle Canäle, die dieses Land und seine Städte in allen Richtungen durchschneiden, mit den besten europäischen Ziegeln gemauert sind. In dieses Land muß derjenige gehen, der die Kunst, Ziegel zu verfertigen, die der Ewigkeit trozen, lernen will; er wird sie eben so gut und eben so spottwohlfeil machen lernen, wie man sie in Holland verfertigt, wenn er holländische Beharrlichkeit, und holländische Reinlichkeit und Nettigkeit in diesem wahrhaftig ehrwürdigen Lande gelernt hat.

A. d. Ueb.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: