Titel: Neue Patent-Lanzetten!
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 21, Nr. XXXIII./Miszelle 15 (S. 189)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj021/mi021033_15

Neue Patent-Lanzetten!

Wir wissen nicht, ob den Aerzten unserer Tage (zumahl den Doctoribus Haematophilis zu M.....) vor Freude, oder dem Publicum vor Schreken mehr das Herz schlagen wird, wenn sie hier lesen, daß Hr. Thom. Robinson Williams, Gentleman in New Norfolk-street, Strand, Middlesex, sich am 16. Julius 1825 ein Patent auf eine neue verbesserte Lanzette geben ließ, welche im Repertory of Patent-Inventions, Junius 1825. S. 400. beschrieben ist. Damit das Aderlassen geschwinder hergeht, wird die Lanzette hier mit einer Feder getrieben! – So sehr unsere M...... Aerzte an dieser Schnell-Aderlaßmaschine ihre Freude haben mögen, so sehr kann das Publicum sich hierüber beruhigen. Diese Schnell-Lanzette ist nämlich, nach Versicherung der HHrn. Herausgeber des Repertory um kein Haar besser, und weder leichter noch schneller noch sicherer zu handhaben, als die gewöhnliche Lanzette, und sie fürchten nicht, daß die englischen. Aerzte und Wundärzte, die gewohnt sind sizend, und nicht stehend, Ader zu lassen, von diesem neuen Instrumente Gebrauch machen werden. Bei uns in Deutschland läßt der Arzt oder Wundarzt aber stehend Ader, und zu M..... gibt es gar Aerzte, die nicht bloß stehend (stante pede), sondern sogar gehend Ader lassen. Ein Sohn holte neulich einen Arzt zu seinem kranken Vater. Der Arzt begegnete glüklicher Weise dem Sohne auf der Gasse, während dieser ihn holen wollte. Ich kann vor zwei Stunden nicht kommen, sagte der Arzt dem Bittenden, ich bin zu Tische geladen; nicht wehr als sechs Schüsseln; ich komme dann gleich, holen sie einstweilen nur den Bader, und lassen sie dem Vater 1/2 Pfund Blut laufen. Der Sohn, empört über ein solches Benehmen, suchte einen anderen Arzt, der kein Tröpfchen Blut dem Kranken abzapfte, und der Kranke genas in 2 Tagen!

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