Titel: Bemerkungen über Dampfbothe in den vereinigten Staaten und in Canada.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 21, Nr. XXXIII./Miszelle 2 (S. 182–183)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj021/mi021033_2

Bemerkungen über Dampfbothe in den vereinigten Staaten und in Canada.

Hr. Prof. Silliman ließ bekanntlich einige Bemerkungen auf einer Reise von Hartford nach Quebec druken (Remarks made on a short Tour between Hartford and Quebec in the Autumn of 1819). Hr. Gill theilt den Abschnitt, welcher die Bemerkungen des Hrn. Profs. über die nordamericanischen Dampfbothe enthält, im 52. Hefte seines technical Repository mit, und wir liefern hier einen Auszug aus diesem Capitel. Obschon der Phoenix erst vor Kurzem verbrannte durch bloße Nachläßigkeit, so war man doch auf dem Congreß (dem Dampfbothe, worauf Prof. Silliman fuhr) so nachläßig und unvorsichtig, daß, hätte er nicht zufällig vorgezogen die Nacht in seiner Kutsche auf dem Verdeke, statt in der Kajüte, zuzubringen, wahrscheinlich auch der Congreß in Flammen aufgegangen seyn würde. Dicht an dem Ofen und an den Kesseln waren mitten auf dem Bothe ungeheuere Stöße harzigen Fichtenholzes aufgeschichtet; so dicht am Ofen, daß das Holz ganz heiß davon geworden ist. Dieß war noch nicht genug. Auf ein hervorstehendes Scheit klebte ein Arbeiter Nachts eine Kerze auf, und schien gänzlich auf dieselbe vergessen zu haben; denn sie war beinahe ganz niedergebrannt, und der Wind wehte die Spize der Flamme eben auf die benachbarten heißen harzigen Scheiter hin; als ein Begleiter des Hrn. Silliman diese unverzeihliche Nachläßigkeit von der Kutsche aus, in welcher er auf dem Verdeke die Nacht zubrachte, bemerkte. So unvorsichtig ist man auf Dampfböthen in Nordamerica, und, wenn bei solcher Sorglosigkeit ein Unglük geschieht, ist man in Europa einfältig genug, dasselbe der Dampfschifffahrt zuzuschreiben.

Täglich gehen nun auf dem Lorenzo-Flusse Dampfbothe zwischen Quebec und Montreal, und man fährt, ungeachtet der gefahrvollen Stellen, mittelst Dampfbothen vom Ocean bis in den Lake Superior, 2000 engl. Meilen. An dem unteren Ende von Montreal wird der Lorenzo durch die Insel St. Helena so eingeengt, und so reißend, daß das Dampfboth, das sonst überall auf den reißendsten Streken desselben stromaufwärts kann, hier ankern, und sich mit vier Joch Ochsen am Taue eine halbe englische Meile weit hinaufziehen lassen muß. Ehevor war es äußerst mühsam, zwischen diesen beiden Städten sowohl zu Wasser als zu Land hin und her |183| zu reisen; mittelst der 7 Dampfbothe, die jezt zwischen Montreal und Quebec täglich hin und her gehen, hat man die Entfernung von 180 engl. Meilen in 4 Tagen hin und her zurükgelegt. Die Lady Sherbrook ladet 800 Tonnen; der Malsham 600; die übrigen sind leichter; alle aber sind bloß für Fracht, da sich nur wenige Reisende finden, obschon diese außerordentlich gut, man darf sagen köstlich, gehalten sind; man frühstükt um 8 Uhr, um Mittag ist Inbiß, um 4 Uhr üppige Tafel, um 8 Uhr Thee, und man sizt, nach Canadischer Sitte, lang beim Weine. Die Capitäne sind alle, wie Prälaten, gemästet, aber auch alle sehr freundlich und artig. Die Maschine liegt tief im Bothe, wodurch, zugleich mit der Schwere der Fracht, die Bewegung derselben ruhiger wird, als an den Dampfbothen der vereinigten Staaten. Am Malsham hört man kaum die Maschine gehen. Das Brenn-Material kostet 2 1/2 Thaler, und es wird zwei Mahl, zu Sorel und Three Rivers, angelegt, um neues einzuschiffen. Es ist nur zu bedauern, daß man hier nicht soviel Aufmerksamkeit auf das Both wendet, als nöthig ist. Der Phoenix brannte durch eine Kerze ab, und noch jezt brennt man in einem offenen Ofen auf dem mit Peche überstrichenen Verdeke offenes Feuer. Auch ist der ganze übrige Schiffsdienst noch echt französisch; für nichts vorgesorgt, und wenn, was bei solcher Nachläßigkeit unvermeidlich ist, irgend etwas in Unordnung geräth, solches Geschrei und solche Verwirrung, das immer mehr Unglük dadurch herbeigeführt wird, als ehevor vorhanden war. So erzählt Hr. Prof. Silliman, wie man an einer gefährlichen Stelle (Richelieu rapids) stromaufwärts so wenig für das Takelwerk sorgte, daß, als der Wind sich plözlich wendete, der Mast brach, und das Segel über die beiden Schornsteine fiel, auf welchen man es so lang ließ, bis es durchbrannte, obschon hundert Brantwein-Fässer auf dem Verdeke lagen, die am Ende, so wie das ganze Both, nur durch die Gegenwart des Geistes eines Matrosen gerettet wurden. – Wenn man, unter solchen Verhältnissen, etwas oder nichts von Unfällen auf Dampfbothen in Nordamerica hört, so hat man auf alle Fälle nichts gehört.

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