Titel: Preisaufgaben der Académie royale des Sciences zu Paris für die Jahre 1827 und 28.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 21, Nr. LXI./Miszelle 1 (S. 274–275)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj021/mi021061_1

Preisaufgaben der Académie royale des Sciences zu Paris für die Jahre 1827 und 28.

Mathematik. Für 1828.

„Untersuchung des Phänomenes des Widerstandes des Wassers in allem seinen Detail, indem man sorgfältig und durch genaue Versuche den Druk bestimmt, welchen einzeln eine große Menge zwekmäßig an den vorderen, Hinteren und Seiten-Theilen eines Körpers gewählter Puncte zu erleiden hat, wenn dieser Körper dem Stoße dieser Flüßigkeit in ihrer Bewegung ausgesezt ist, und wenn er sich in dieser Flüßigkeit bewegt, während dieselbe ruht? Messung der Geschwindigkeit des Wassers in verschiedenen Puncten der dem Körper zunächst gelegenen Wasser-Faden? Verzeichnung der krummen Linien, welche diese Faden bilden, nach den Resultaten der Beobachtung;82) Bestimmung des Punctes, in welchem ihre Abweichung vor dem Körper anfängt; endlich, wenn es möglich ist, Aufstellung empirischer Formeln nach den Resultaten dieser Versuche, die man nachher mit dem Resultate der früher hierüber angestellten Versuche vergleichen wird.“

„Der Preis besteht in einer goldenen Medaille von 3000 Franken, und wird in der öffentlichen Sizung am ersten Montage im Junius 1828 zuerkannt. Die Preis-Abhandlungen müssen dem Secretariat de l'Institut längstens bis zum 1. Januar 1828 zugesendet werden.“

Die Akademie bemerkt, daß beinahe alle Versuche, die Geseze des Widerstandes flüßiger Körper zu entdeken, gegen die erste Regel bei jedem Versuche fehlen, nach welcher man es sich angelegen lassen seyn muß, sie Phänomene in ihre einfachsten Verhältnisse zu zerlegen. Man beschränkte sich meistens auf Beobachtung der Zeit, welche verschiedene Körper brauchten, um einen gegebenen Raum in einer stillstehenden Flüßigkeit zu durchlaufen, oder des Gewichtes, welches einen dem Stoße einer Flüßigkeit ausgesezten Körper im Gleichgewichte erhält. Hieraus lernt man weiter nichts kennen, als das Resultat verschiedener Einwirkungen, welche diese Flüßigkeit auf jeden Punct der Oberfläche der Körper äußert: Einwirkungen, welche oft sehr verschieden und einander entgegengesezt sind. Unter diesen Umständen bilden sich Ausgleichungen, die die Grundgeseze des Phänomenes verhüllen, und die Resultate der Beobachtungen für keinen anderen Fall anwendbar machen, als für denjenigen, der sie darboth. Hr. Dubuat, Verfasser der Principes d'hydraulique, scheint der erste gewesen zu seyn, der diesen Fehler bemerkte, und der, um denselben zu vermeiden, den örtlichen Druk an verschiedenen Theilen der Oberfläche der Körper, die dem Stoße einer bewegten Flüßigkeit ausgesezt sind, zu bestimmen suchte. Seine Versuche, wenn gleich die geringe Anzahl derselben es ihm unmöglich machte, sie in Hinsicht auf die verschiedene Form der Körper gehörig wechseln zu lassen, biethen immer sehr merkwürdige Resultate dar. Die Akademie ist der Meinung, daß es nüzlich wäre, diese Versuche mit besseren Instrumenten zu wiederholen, sie zu vervielfältigen, die Umstände, unter welchen sie angestellt wurden, wechseln zu lassen, und hat daher obige Preis-Aufgabe gegeben.“

––––––––

|275|

Die Akademie wiederholt ferner die in unserem polyt. Journ. B. XV. S. 124, mitgetheilte Preisausgabe, indem keine genügende Abhandlung eingelaufen ist, für das Jahr 1827, wo bis zum 1. März dieses Jahres die Abhandlungen eingesendet seyn müssen.

Sie bemerke, daß der Werth der Abhandlungen in der Wahl des Verfahrens und in der Genauigkeit der Beobachtungen besteht, und daß die Physiker, die sich mit der Zusammendrükbarkeit der Mäßigkeiten beschäftigten, einen Fehler begingen, der immer in Ungewißheit läßt, wenn auch die numerischen Werthe noch so genau angegeben wurden.

Wenn nämlich die Flüßigkeit, mit welcher man den Versuch anstellt, in einem Gefäße eingeschlossen ist, welches auf seiner inneren und äußeren Fläche den Druk erleidet, der der Flüßigkeit mitgetheilt wird, in die der Apparat eingetaucht ist, so ist die Zusammenziehung, die man dann beobachtet, nur die Differenz der Verdichtungen der Flüßigkeit und der festen Materie, die sie enthält, so daß, um die wirkliche Zusammendrükung der Flüßigkeit zu erfahren, man vorerst diejenige bestimmen muß, die ein gleiches Volumen der festen Substanz erleidet, und diese der durch die unmittelbare Beobachtung, gegebenen scheinbaren Zusammenziehung beifügen muß.

Wenn die Preiswerber glauben, durch Anwendung verschiedener Experimentir-Methoden die Resultate, zu welchen sie gelangten, bestätigen zu müssen, so wünscht man, daß sie einzeln die Resultate angeben, die sie durch jede dieser Methoden erhielten. Dieß ist das einzige Mittel Fehler zu entdeken und zu schäzen, die durch Umstände entstanden sind, deren Einfluß man bisher noch nicht kannte. Um endlich diese Resultate noch leichter zusammenfassen zu können, wäre es gut, wenn die Preiswerber die unmittelbaren Resultate der Beobachtungen immer auf dieselbe Einheit zurükführten.

Die Akademie wiederholt auch die Preise des Hrn. Montyon bis zum 1. Februar 1827.

|274|

Dieß kann auf mehrere verschiedene Weisen geschehen, und zwar zuerst durch leichte Körper, die man auf die Oberfläche des Wassers wirft. A. d. O.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: