Titel: Ueber ein neues Mineral, Gay-Lussit genannt.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 21, Nr. LXI./Miszelle 11 (S. 278–279)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj021/mi021061_11

Ueber ein neues Mineral, Gay-Lussit genannt.

In den Annales de Chimie et de Physique, 1826. März. p. 270. befindet sich ein sehr interessanter Aufsaz über ein neues Mineral, welches Hr. Boussingault Gay-Lussac nannte. Hr. Boussingault gab die Analyse desselben, und Hr. Cordier die physischen Eigenschaften, und vorzüglich die Krystallformen an. Der Gay-Lussit krystallisirt in rhomboidalen Prismen, welche zuweilen mit einer Pyramide endigen; alle |279| Krystalle, selbst die unregelmäßigsten, sind der Quere nach gestreift; nach Cordier ist die Grundform ein unregelmäßiges Octaëder; die Krystalle sind der bipyramidalen Varietät des Arragonits sehr ähnlich, und unterscheiden sich von demselben vorzüglich durch ihre geringere specifische Schwere, welche 1,928 bis 1,950 beträgt. Uebrigens sind die Krystalle größten Theils sehr unregelmäßig und verschieden modificirt; sie werden auch wegen ihrer Form von den Bergleuten Nägel (Clavos) genannt. Die Krystalle sind durchsichtig; das Mittel zwischen jenem des Gypses und jenem des Kalkspathes; sie rizen den Gyps, werden aber vom Kalkspathe gerizt; sie sind leicht zerbrechlich; der Bruch ist muschelig in's unebene übergehend; die Bruchfläche ist stark glasartig-glänzend. In einem Glas-Kolben dem Feuer ausgesezt wird der Gay-Lussit undurchsichtig, knistert schwach, und es verflüchtigt sich dabei Wasser; wenn man Stükchen in der Rothglühhize verknistern ließ, und sie dann in die Spize der Lothrohrflamme bringt, so schmelzen sie schnell zu einem undurchsichtigen Kügelchen, welches dann nicht weiter schmilzt, und alkalischen Geschmak besizt. Die Analyse gab Hrn. Boussingault:

Kohlensaure Soda 33,96
Kohlensauren Kalk 31,39
Wasser 32,20
Kohlensaure 01,45
Thonerde 01,00
––––––
100,00

was folgender Formel entspricht: a ² + a ² + 11 Aq. Dieses Mineral findet sich häufig in einem Thon-Lager bei dem indianischen Dorfe Lagunilla, südöstlich von der columbischen Stadt Merida; an demselben Orte, wo die kohlensaure Soda, der sogenannte Urao, bergmännisch gewonnen wird.

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