Titel: Fahrbare Bade-Anstalt zu London.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 21, Nr. LXI./Miszelle 19 (S. 281)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj021/mi021061_19

Fahrbare Bade-Anstalt zu London.

Ein Hr. Joh. Hilary Suwerkrop, Kaufmann in der City of London, Vinestreet, ließ sich am 4. December, 1824, in Folge einer ihm von einem Fremden gemachten Mittheilung ein Patent auf eine fahrbare Bade-Anstalt ertheilen, die im London Journal of Arts Junius 1826. S. 304. etwas unvollständig beschrieben ist. Diese Bade-Anstalt (Thermophore or portable mineral or river water Bath), besteht, soviel wir aus der Beschreibung entnehmen können, aus einem Wagen, auf welchem drei Bade-Wannen und eine zu drei Badern hinlängliche Menge warmen und kalten Wassers, dann die nöthigen Eimer und die Warm-Pfannen zum Wärmen der Bade-Wäsche in der Stadt umhergefahren werden. Ueberdieß ist noch ein Filtrir-Apparat auf diesem Wagen, der aus einem Fasse mit doppeltem Boden besteht, wovon der obere durchlöchert, oben mit gewaschenem Sande beschüttet, und unten mit einer Roßhaar-Deke versehen ist, wodurch das Wasser rein in den unteren Theil des Filtrir-Fasses läuft. Man kann also überall Wasser zu diesen Badern nehmen und siltriren. Das Wasser wird auf dem Wagen selbst in einer hölzernen Kufe gehizt, in welcher mitten in dem Wasser ein kugelförmiger eiserner Ofen angebracht ist, der das zur Heizung desselben nöthige Brennmaterial, so wie die zum Brennen des darin enthaltenen Feuers nöthige Luft, durch Röhren, die aus dem Wasser emporragen, erhält. Aus dem Ofen lauft eine Schlangenröhre im Wasser umher, durch welche der Rauch abzieht, und das Wasser noch mehr erhizt wird.85) Mit dem siedend heißen Wasser werden die Warmpfannen gewärmt, die aus zwei Cylindern von Eisenblech bestehen, welche in einander steken, und deren Zwischenraum mit dem heißen Wasser ausgefüllt wird; die Wäsche, die gewärmt werden soll, kommt in den inneren leeren Cylinder.

Für London und auch für Paris, wo die öffentlichen Bäder, so wie in allen übrigen Städten des christlichen Europas, unter aller Kritik sind, ist diese Anstalt für Kranke, die Bäder bei Hause nehmen müssen, eine wahre Wohlthat; für kleinere Städte aber, wie Wien etc., ist sie überflüßig. Man erhält in der entlegensten Vorstadt Wiens, selbst im Winter, ein Bad noch warm genug in seine Wohnung, und für einen äußerst mäßigen Preis, wenn man dasselbe bei irgend einer der vielen Bade-Anstalten an der Donau bestellt; das Wasser wird siedend heiß in Fäßchen gefüllt, und so in alle Theile der Stadt verfahren.

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Einen solchen äußerst wohlfeilen Wasserheizungs-Apparat hat Dr. Schultes schon vor 30 Jahren zu Wien angegeben. A. d. R.

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