Titel: Ueber die Fortschritte der Industrie in Italien
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 21, Nr. XC./Miszelle 2 (S. 377)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj021/mi021090_2

Ueber die Fortschritte der Industrie in Italien

enthält die Biblioteca italiana, N. 125. Mai. (ausgesandt am 10. Jul.) S. 242. einen sehr interessanten Aufsaz. Während der Hr. Verfasser desselben seine Leser mit einer Art gerechten Stolzes erinnert, daß Italien die Wiege der Cultur Europens gewesen ist, und den neueren Technikern die Ehren-Nahmen der alten Branca, Zonca, und des Fausto Veranzio in das Gedächtniß zurük ruft, die vor Jahrhunderten bereits dasjenige ausführten, was, weil man es entweder nicht gelernt oder wieder vergessen hat, für neue Erfindung ausgegeben, und für bares Geld als neu patentisirt wird, läßt er auch uns Leuten jenseits der Berge (Tramontani) volle Gerechtigkeit widerfahren, und freut sich, seinen Verbano und Lario mit Dampfbothen befahren zu sehen, wie unser von Cotta uns unseren Bodensee damit befahren lehrte; freut sich der Einführung der englischen Diligencen in Italien, von denen unsere Eilwagen eine noch unvollkommne Copie sind (hofft auch bald Eisenbahnen zu sehen, die für Italien wohl eben so gut als für England, schwerlich aber für ein Land taugen, das oft 4 Monathe im Jahre unter Schnee begraben ist), und dankt dem würdigen Grafen Aldini für Einführung der Gasbeleuchtung in Mailand. Die englischen Spinnmühlen sind jezt in Ober-Italien – Dank dem Einfuhr-Verbothe ausländischer Fabrikate überall eingeführt, und täglich werden deren neue errichtet. Noch vor wenigen Jahren erzeugte die Lombardie und das Venezianische keinen Faden Tuch, und ward von England, Frankreich und Sachsen aus gekleidet; gegenwärtig verfertigt man, vorzüglich um Como, Tücher mittelst Maschinen, wie in England, die mit den besten englischen und französischen und holländischen Tüchern wetteifern. Der Hr. Verfasser bemerkt hier, daß die Rauh-Cylinder keine neue englische, sondern eine alte italienische Erfindung sind. Die Seidenzucht, so wie die Verfertigung der Seidenzeuge, nimmt mit jedem Tage zu, und Gensoul's Methode, die Seide mittelst Dampfes abzuwinden, ist bereits durch ganz Italien verbreitet, und selbst verbessert. Die feinsten Goldarbeiten, in welchen Italien schon so frühe den ersten Rang behauptete, die tausend Künste der Juweliere, der Steinschneider etc. sind jezt in Italien blühender als jemahls; nur bedauert der Verfasser, daß die Sarburger Thonarbeiten, die in Paris jezt soviel Glük machten, in Italien noch gänzlich unbekannt sind. Selbst die Münze und die Tabak-Fabricationen, obschon beide Regalien sind, haben in neueren Zeiten wichtige Verbesserungen erhalten.

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