Titel: Schnellpressen der HHrn. Bauer und König in Oberzell bei Würzburg.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 21, Nr. CXIV./Miszelle 3 (S. 474–476)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj021/mi021114_3

Schnellpressen der HHrn. Bauer und König in Oberzell bei Würzburg.

Es ist den meisten Buchdrukereibesizern bereits bekannt, daß wir seit 8 Jahren eine Maschinenfabrik angelegt haben, in der wir besonders Drukmaschinen oder Schnellpressen, deren Erfinder wir sind, verfertigen; eine Erfindung die bereits in England, Frankreich und Deutschland häufig im Gebrauche ist.

Man hat dieser Erfindung bisher, nicht ganz ohne Grund, den Vorwurf gemacht, daß sie nur für ein Geschäft von großem Umfange, besonders für große Auflagen etc. etc. anwendbar sey. Dieser Vorwurf traf besonders die von uns zuerst in Deutschland erbauten Maschinen, welche den Bogen auf beiden Seiten druken, und die eines Theils einer besondern mechanischen Kraft, z.B. einer Dampfmaschine, zum Betriebe bedurften, anderer Seits mit ihrer Production über den Bedarf der meisten Buchdrukereien hinaus gingen.

Seit einiger Zeit haben wir es uns oder zum besondern Zweke gemacht, die Erfindung allen Umständen anzupassen und bei dem Baue und Betriebe der Maschinen auf den sehr verschiedenen Bedarf von Buchdrukereien Rüksicht zu nehmen. Wir machen jezt, auf Verlangen, überall die Einrichtung so, daß die Maschinen von Menschenhänden in Bewegung gesezt werden können, da auf dem Continente fast überall 2 Taglöhner wohlfeiler und leichter zu erhalten sind, als eine Dampfmaschine.

Beim Zeitungsdruke ist Geschwindigkeit meistens von der größten Wichtigkeit. – Beim Bücherdruke ist Sauberkeit der Arbeit und Schärfe des Druks bei leichter Stellbarkeit und Behandlung der Maschine, verbunden mit möglichster Wohlfeilheit der Produktion, wohl die Hauptsache. – Lange Erfahrung, durch zahllose Experimente erworben, und unsere genaue Kenntniß des Geschäfts der Buchdrukerei haben uns bei dem Plane der verschiedenen, unten verzeichneten Maschinen, die jezt in unsern Werkstätten gefertigt werden, und die wir hiermit zum Verkaufe anbieten, geleitet:

Nr. 1. – Eine Maschine, die den Bogen nur auf einer Seite drukt; das Register wird durch Punkturen erhalten. – Das Anlegen und Abnehmen der Bogen wird von 2 Knaben besorgt. – Mit eingeübten Leuten können 1200 Abdrüke in einer Stunde geliefert werden; – durch Aufenthalt aus verschiedenen Ursachen, z.B. öftern Wechsel der Formen, wird immer einiger Zeitverlust verursacht; allein man kann im Durchschnitte rechnen, daß mit einer Maschine dieser Art in den gewöhnlichen Arbeitsstunden eines Tages 10,000 Abdrüke, also die Arbeit von 4 Pressen erhalten wird. – Die Maschine ist zum größten Royal-Format eingerichtet; die Form kann 17 1/2 Zoll breit, und 22 Zoll (Englisches oder Nürnberger Maaß) lang seyn. – 2 Mann am Schwungrade können sie mit Leichtigkeit treiben. Sie nimmt nicht viel mehr Raum ein, als eine gewöhnliche Presse.

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Wir glauben, daß diese Maschine in jeder Buchdrukerei, die ohngefähr 4 Pressen, beschäftigt, mit großem Vortheile angewendet werden kann. Es sind daran besonders mehrere Einrichtungen angebracht, die das Wechseln der Formen und den Uebergang von einem Formate zum andern so erleichtern, daß das Zurichten noch schneller als an der gewöhnlichen Presse geschehen kann. Ueberhaupt ist für viele Bequemlichkeiten im Gebrauche (die hier nicht aufgezählt werden können) gesorgt, die diese Maschine zum Bücherdruke und zu den mannigfachen Arbeiten einer Buchdrukerei besonders geschikt machen. – Der Preis ist 6000 Fl. Rheinl.

Nr. 2. – ist der vorigen in Allem ähnlich und nur in der Größe verschieden. Es kann keine Form, die mehr als 14 1/2 Zoll Breite und 18 1/2 Zoll Länge hat, darauf gedrukt werden. – Es ist nur ein Schwungraddreher nöthig, sie zu treiben. Preis 5000 Fl.

Nr. 3. – ist eine Maschine, die den Bogen ebenfalls nur auf einer Seite, aber mit doppelter Geschwindigkeit drukt; sie liefert 2400 Abdrüke in einer Stunde, und es sind dabei 4 Knaben zum Anlegen und Abnehmen der Bogen, und 2 Mann zum Treiben des Schwungrades erforderlich. – Sie ist besonders zum Druke einer Zeitung geeignet. – Preis 9000 Fl. –

Nr. 4. – Eine Schön- und Wiederdruks-Maschine, die den Bogen auf beiden Seiten drukt. – Format groß Royal – die lezte dieser Art, die wir gebaut haben, (und welche in Augsburg im Gebrauche ist126) liefert, bloß mit Hülfe zweier Knaben, im Durchschnitte 12 bis 13,000 Bogen täglich, folglich die Arbeit von 10 Pressen, und ist also nur für ein Geschäft von bedeutendem Umfange anwendbar, kann auch von nicht weniger als 4 Menschen, oder einer Dampfmaschine, getrieben werden. – Preis 20,000 Fl.

Wir haben hier große und kostspielige Fabrikanlagen gemacht, und sind jezt eingerichtet, Bestellungen in einer sehr mäßigen Zeit auszuführen.

Der Werth der Erfindung muß natürlich an verschiedenen Orten und unter verschiedenen Umständen sehr verschieden seyn. – Wir wollen uns den Fall denken, daß ein Buchdrucker ohngefähr 4 Pressen beschäftige, und daß im Durchschnitte jeder Druker 3 1/2 Thaler Sächsisch, Wochenlohn erhalte so würden in einem Jahre 1456 Thaler Arbeitslohn bezahlt werden müssen.

Eine Maschine von der mit Nr. 1. bezeichneten Art würde die Arbeiten einer solchen Buchdrukerei bequem fördern und an Arbeitslohn kosten:

2 Mann, das Schwungrad zu treiben, angenommen, daß solche
wöchentlich mit 2 Rthlr. bezahlt würden
4 Rthlr.
2 Knaben zum Anlegen und Abnehmen der Bogen, angenommen,
daß solche mit 1 1/2 Rthlr. bezahlt würden
3 Rthlr.
1 Aufseher, der die Formen zurichtet, die Maschinen in Ordnung
hält etc.
4 Rthlr.
–––––––
Wöchentlich 11 Rthlr.

Oder 572 Rthlr. jährlich, welches eine Ersparung von 904 Rthlr. übrig läßt, außer der direkten Ersparung an Arbeitslohn sind noch andere Vortheile beim Gebrauche der Maschine in Anschlag zu bringen: – es wird an Licht und Feuerung gespart, – man braucht weniger Schriften, da sie immer nur kurze Zeit in der Presse sind; – die größte Nebenersparniß, ist aber ohne Zweifel an Schriften, die auf der Maschine viel länger halten, als auf der Presse.

Ueber die Reparaturen, die an diesen Maschinen nöthig werden können, bemerken wir: daß gewisse Theile sich oft abnuzen und ersezt werden müssen, z.B. Bänder, Schnüre, Compositionscylinder. – Das Material, woraus diese Theile bestehen, läßt keine lange Dauer erwarten. Der Aufseher einer Maschine muß diese Reparaturen besorgen, und erhält dazu |476| von uns alle nöthigen Anweisungen und Werkzeuge. – Fast alle übrigen Theile der Maschine sind aber von Eisen oder Messing und mit einer Solidität gearbeitet, daß Abnuzung sehr langsam erfolgt, und Reparaturen überhaupt selten nöthig sind. – Da indeß viele Buchdrukereien nicht in der Nahe von Werkstätten sind, die Reparaturen dieser Art besorgen können, so übernehmen wir den Ersaz von metallenen Maschinenteilen, die durch Zerbrechen oder Abnuzung unbrauchbar werden, für eine gewisse mäßige Summe jährlich.

Für die oben angegebenen Preise werden auch eiserne Formen zum Gießen von Compositionscylindern, – Schwungrad mit Kurbel, kurz der ganze Apparat zum Gebrauche vollständig, geliefert. Die Transport- und Aufstellungs-Kosten sind aber in jenen Preisen nicht begriffen und müssen besonders vergütet werden.

König und Bauer.

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Auf der auch unser polytechnisches Journal bereits, schon über ein Jahr gedrukt wird. A. d. R.

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