Titel: Neue Art künstliche Augen zu verfertigen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 21, Nr. CXLVII./Miszelle 3 (S. 553–555)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj021/mi021147_3
|554|

Neue Art künstliche Augen zu verfertigen.

Der französische Wundarzt Bax befolgt bei der Verfertigung künstlicher Augen nachstehendes Verfahren, welches in drei Operationen zerfallt, nemlich in das Schmelzen, in das Schleifen und Poliren, und in das Mahlen der Glaslinsen.

Zum Schmelzen der Linsen bedarf man eines sehr einfachen Apparates von Eisenblech, der wie ein Etui oder Schieber aussieht, worin man Bücher stekt, und also nur auf einer Seite offen ist. Bei der Verfertigung dieses Behältnisses muß alle Löthung vermieden werden, weil sie beim Erhizen aufgehen würde. Man macht dasselbe 8 Zoll lang, 5 Zoll breit und 1 1/2 Zoll dik oder hoch; doch sind diese Dimensionen nicht eben genau so erforderlich. Durch die Oeffnung dieses Behältnisses wird eine blecherne Lade eingeschoben, welche 8 Zoll lang, 4 3/4 Zoll breit ist, und deren Ränder 6 Linien hoch aufgebogen sind. Sie muß sich leicht aus und einbewegen lassen; man versieht sie zum Anfassen mit einem Handgriffe oder Stiele. Die ganze Vorrichtung dient, die Glaslinsen während des Schmelzens vor dem Darauffallen der Achse zu schüzen, und durch die Oeffnung, welche zwischen dem oberen Boden des Behältnisses und der nur 1/2 Zoll hohen Lade bleibt, kann man den Fortgang des Schmelzens beobachten.

Man verschafft sich eben so viele runde Glasstüke, als man Linsen zu verfertigen wünscht. Der Durchmesser dieser Stüke richtet sich nach der Dike des Glases und nach der Größe der zu bildenden Augen. Um den Glasstüken die Rundung zu geben, legt man sie auf die Kante eines harten Körpers, und bricht durch vorsichtige Schläge mit einem Hammer allmählig jene Theile weg, welche über den bestimmten Umkreis hinausstehen. Für größere Stüke könnte man auch das gewöhnliche Kröseleisen anwenden, dessen sich die Glaser bedienen. Das beste Glas ist Spiegelglas, welches auf seinem Bruche eine grüne Farbe zeigt; in dessen Ermanglung kann man aber Krystallglas und Fensterglas anwenden. In jedem Falle muß man die Vorsicht beobachten, nicht mehrere Glassorten bei einer Operation gemeinschaftlich zu behandeln, damit die Schmelzung gleichzeitig vor sich gehe.

So gebildet werden die Glasstüke auf die Schieblade des oben beschriebenen Apparates gelegt, in hinreichender Entfernung von einander, damit sie sich nicht zusammenhängen können. Um auch die Anhaftung an die blecherne Lade selbst, oder die Aufnahme einiger Oxydtheile von derselben (welche der Durchsichtigkeit des Glases schaden würden), zu verhindern, ist es unerläßlich, die Lade mit einem Anstriche von Bleiweiß zu überziehen, und denselben in einer schwachen Hize zu troknen. Man kann statt des Bleiweißes auch Tripel anwenden, oder den Boden der Lade mit seinem Sande bestreuen. Der Apparat kann wenn er in der oben angegebenen Größe verfertigt wird, ein Sortiment von 40 Paar Linsen fassen. Er wird horizontal auf einen Feuerherd gelegt, und hinreichend mit Kohlen umgeben, um einer starken Hize ausgesezt werden zu können, und erst nachdem das Feuer angezündet worden ist, schiebt man die Lade hinein, vorsichtig genug, um die Glasstüke nicht aus ihrer Ordnung zu bringen. Die Schmelzung beginnt am Umkreist der Stüke, welcher sich senkt und abrundet. Dadurch verschwindet jede Unregelmäßigkeit des Bruches, und die obere, Seite wölbt sich, während die untere durch die Fläche auf der sie liegt, eben erhalten wird. Sobald bas Glas geschmolzen ist, zieht man die Lade heraus, und ersezt sie, wenn man noch mehr Linsen zu verfertigen hat, durch eine andere.

Die geschmolzenen Linsen müssen meistentheils auf ihrer geraden Fläche abgeschliffen werden, was durch Reibung auf einem ebenen, nassen Sandsteine geschieht; so lange, bis jede Linse ein Segment einer Kugel ist, deren Größe jener der Augenhölung entspricht. Um diese Arbeit abzukürzen, kann Man ein Stük Weisblech oder ein Blatt Pappe zu einer Röhre von angemessener Weite und Länge zusammen rollen, diese mir ihrer untern Oeffnung auf irgend eine glatte Fläche (z.B. eine Marmortafel) stellen, eine Anzahl Glaslinsen neben einander auf die gerade Flache hineinlegen, und endlich eine Mischung |555| von Gyps und Pech darauf gießen, welche die sämmtlichen Linsen während des Schleifens festhält.

Das Schleifen auf dem Sandsteine macht die Linsen matt. Man polirt sie deshalb auf einer mit sehr fein gepulverten Bimsstein oder mit Zinn-Asche bestreuten Holzfläche, und zulezt auf Hutfilz.

Beim Mahlen der Pupille und der Iris kann ein in der Handhabung des Pinsels geübter Künstler seinem Geschmake folgen. Wer der Kunst ungewohnt ist, kann die ebene Fläche der Linse ganz mit der Irisfarbe übermahlen, dann in der Mitte einen Kreis von der Größe der Pupille herausschaben, und mit schwarzer Farbe ausfüllen; oder umgekehrt, wenn man das Schwarz zuerst aufgetragen hat. Die Farben, welche man anwendet, müssen mit gekochtem Leinöl abgerieben, und konsistent genug seyn, um während des Troknens nicht bedeutend auseinander zu fließen. (Bulletin des Sciences technologiques, Febr. 1825. W. J. d. polyt. Inst. Bd. VIII. S. 288.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: