Titel: Meikle, über specifische und gebundene Wärme.
Autor: Meikle, Henry
Fundstelle: 1826, Band 22, Nr. II. (S. 3–15)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj022/ar022002

II. Ueber specifische und gebundene Wärme, und über Alkohol-Maschinen. Von Hrn. H. Meikle.

Im Philosophical Magazine and Journal. Jul. 1826. S. 34.

Es gibt wenige Erscheinungen, über welche die Meinungen mehr getheilt wären, als über die Geseze, nach welchen die Wärme sich zwischen verschiedene Körper vertheilt, oder demselben |4| Körper unter verschiedenen Formen sich mittheilt. Wir verdanken unserem Dr. Black die ersten wichtigen Entdekungen über diesen verwikelten Gegenstand; seit seiner Zeit verfolgten mehrere andere seine Untersuchungen, und vermehrten nach und nach die Masse unserer Kenntnisse. Daß wir noch keines Weges zu einer absoluten Gewißheit über die wichtigsten Puncte, die diesen Gegenstand betreffen, gelangt sind, daran wird wohl Niemand zweifeln. Wir dürfen hier nur als Beispiel vom ersten Range an die verschiedenen Meinungen über die Maßstäbe der Thermometer erinnern, die noch heute zu Tage gang und gäbe sind, d.h., über die Frage: ob die Einwirkung der Hize mit der correspondirenden Ausdehnung genau im Verhältnisse steht? Sehr viele Versuche begünstigen die Meinung, daß, während die Hize zunimmt, die Ausdehnung in mehreren Körpern mit beschleunigter Geschwindigkeit fortschreitet.

Man hat eine Zeit lang vermuthet, und gewisser Massen durch Versuche bestätigt, daß bei gleichen Volumen einfacher Gase die specifische Wärme dieselbe ist; Hr. Haycraft hat neulich bedeutend zur Bestätigung dieser Meinung beigetragen, obschon die Weise, wie er verfuhr, wenn sie auch die beste ist, die man bisher anwendete, noch immer einige Einwürfe erlaubt.

Hrn. Haycraft's Versuche finden sich in den Transactions of the Roy. Society of Edinburgh, vol. X., und in dem Philosoph. Magazine vol. LXIV. Sein Apparat aus zwei Cylindern oder Drukpumpen, von welchen die eine ein gewisses Volumen warme Luft durch eine in kaltes Wasser eingetauchte Röhre durchlaufen ließ. Die andere that dasselbe mit einem gleichen Volumen irgend eines anderen Gases. Die specifischen Wärmen dieser Gase wurden, unter gleichen Volumen, verglichen, unter der Voraussezung, daß sie in Verhältniß zu den Wirkungen stehen, die sie einzeln in Erwärmung einer gleichen Menge kalten Wassers hatten.

Um alle Feuchtigkeit von den Gasarten zu beseitigen, ward etwas kochsalzsaurer Kalk in jeden Cylinder gethan; es wäre aber eben so gut gewesen, die Gasarten vor ihrer Einführung in den Cylinder vollkommen zu troknen; denn dieses Salz konnte bei erhöhter Temperatur wieder Feuchtigkeit von sich geben. Wenn ferner dieses Salz aus einer Gasart mehr Feuchtigkeit einzog, als aus der anderen, mußte es zu gleicher Zeit seine Elasticität vermindern, und mit dieser zugleich die Capacität |5| für Wärmestoff unter einem gegebenen Volumen, welches mit dem Inhalte des Apparates gleich war. Wir wissen nicht, ob der Apparat innenwendig geöhlt war, oder nicht: denn, wenn irgend eine Substanz, die einer Verdunstung fähig war, oder mit den Gasarten sich verbinden konnte, mit denselben in Berührung kam, so hat man Grund hiervon Folgen zu fürchten. Daß die Gase während der Versuche etwas verunreinigt wurden, erhellt daraus, daß sie am Ende derselben weniger rein waren, als im Anfange, selbst wenn sie hätten weniger feucht seyn sollen, nachdem sie die ganze Zeit über dem kochsalzsauren Kalke ausgesezt waren.

Aus der Durchsicht der Nachricht, die Hr. Haycraft über seine Versuche mit Mischungen von Gasarten und Dämpfen gegeben hat, werden mir seine Schlüsse nicht so klar, daß ich mich über dieselben in Hinsicht auf specifische Wärme beruhigen könnte, indem es noch aus mehreren Gründen zweifelhaft ist, ob sie zur Verwerfung der Hypothese hinreichen: daß gleiche Volumen von Gasarten unter gleicher Elasticität und Temperatur gleiche specifische Wärme besizen. Ich besorge, daß bei seinen Versuchen mit gekohlstofftem Wasserstoffgase durch Reibung, Wechsel der Temperatur etc., irgend eine Zersezung Statt hatte, und, wenn dieß der Fall ist, so hat man Grund anzunehmen, daß sowohl die Elasticität, als die Wärme einige Veränderung erleiden kann. Die Versuche würden genügender ausgefallen seyn, wenn der Apparat mit Eichmaßen versehen gewesen wäre, wodurch man in jeder Periode des Processes die Elasticität der eingeschlossenen Gasarten mit Sicherheit hatte vergleichen und bestimmen können; denn, wenn diese Elasticitäten mehr als in dem Verhältnisse der Temperaturen der Calorimeter, erhöht bis auf den 448°, von einander abwichen, so ist wohl kaum zu zweifeln, daß der ganze Versuch nicht genau war. Der Apparat konnte, es ist wahr, so vorgerichtet seyn, daß er, wenigstens in einigen Fallen, zwischen den Elasticitäten der beiden Gasarten, oder zwischen diesen und der Atmosphäre ein gewisses Gleichgewicht unterhalten konnte; allein auch hier würde es Unrichtigkeiten gegeben haben.

Die Versuche über geathmete Luft unterliegen noch mehr Einwürfen; denn, wenn diese bei der Temperatur der Lungen in den Apparat kam, konnte sie mehr Feuchtigkeit aufgelöst enthalten, als wenn sie später durch Berührung mit den kälteren |6| Theilen des Apparates, vorzüglich mit dem Calorimeter,1) abgekühlt wurde, wo dann die Feuchtigkeit in einem für den Versuch unbrauchbaren Zustand übergeht. Die geathmete Luft; die auf diese Art ihrer Feuchtigkeit beraubt ist, wird weniger elastisch seyn, als die gemeine atmosphärische Luft in den übrigen Theilen des Apparates. Wenn dieser Verdacht gegründet ist, so muß das Resultat wahrscheinlich so ausfallen, wie Hr. H. es angegeben hat; denn es ist bekannt, daß, bei derselben Temperatur, die Wärme in einer gegebenen Menge einer elastischen Flüßigkeit abnimmt, wenn die Spannung abnimmt, obschon in Hinsicht auf Wärme bei einem gegebenen Gewichte das Entgegengesezte Statt hat.

Man kann also annehmen, daß, außerdem was bereits hier bemerkt wurde, auch noch manches Lindere, was Unrichtigkeiten veranlassen mußte, bei diesen Versuchen hätte vermieden werden können, und noch mehr bei den Versuchen der HHrn. Delaroche und Berard, wenn man das Verfahren gewißer Maßen umgekehrt, und die Gase bei Temperatur angewendet hätte, die nur wenig über derjenigen gewesen wäre, bei welcher sie eingeführt wurden,2) um das Wasser in dem Calorimeter zu kühlen, welches vorher zu einer viel höheren Temperatur erhoben wurde.

Aus obigen Versuchen, vielleicht die besten, die man bisher besizt, sucht Hr. Haycraft mehrere praktische Schlüsse abzuleiten, die zwar sehr sinnreich, jedoch nicht alle mit vollkommner Evidenz geschlossen sind. Der Widerstand, welchen die Luft gegen die augenblikliche Ausdehnung leistet, kann zwar, wie er richtig bemerkt, die Temperatur bei dem Abfeuern des Schießpulvers vermehren; es ist aber sehr zu zweifeln, ob dieselbe Bemerkung auch auf Ofen anwendbar ist. Der Widerstand gegen Ausdehnung kann nie der Kraft gleich kommen, mit welcher die Luft in einen Windofen fährt, und diese ist |7| immer geringer, als der Druk der Atmosphäre. Denn die Luft fährt in einem Ofen ungefähr wie in ein Vacuum in einem verminderten Zustande von Elasticität: denn es ist nur der verminderte Druk in der Nahe des Feuers, der da macht, daß die Luft gegen den Ofen strömt. Das Brennen im Ofen, das ununterbrochen fortgeht, und sich immer wiederholt, ist wesentlich von dem augenbliklichen und einzelnen Acte der Explosion des Schießpulvers verschieden. Die ununterbrochene Entwikelung der Hize nach abwärts, die bei einem Ofen mittelst der höchst verdünnten aufsteigenden Gasarten Statt hat, scheint allen Widerstand gegen plözliche Ausdehnung unnöthig und unwahrscheinlich zu machen.

Hr. Haycraft sagt, wo er von Verbrennung spricht: „Diese Bildung“ (der Kohlensäure), „besteht nicht in einer Verwandlung des Sauerstoffes in Kohlensäure, sondern in einer Verbindung zweier Ingredienzen zu einem Compositum, welches eine absolute Capacität für den Wärmestoff besizt, die nur jener eines einzelnen dieser Ingredienzen gleich ist, nämlich der des Sauerstoffgases: folglich ist die ganze absolute Wärme des Kohlenstoffes frei geworden.“ Hierüber darf man nur bemerken, daß Hr. Haycraft gänzlich vergessen zu haben scheint, daß wir alle über die absolute Menge der Wärme in den Körpern noch immer im Dunkeln sind: ja, wir wissen nicht ein Mahl, welcher von zwei verschieden zusammengesezten Körpern die meiste Wärme enthält, und unter diesen Verhältnissen ist es kein Wunder, wenn wir die genauen Verhältnisse derselben durchaus nicht kennen. Haycraft hat, ohne Zweifel, durch die viele Mühe und Auslage, die er aufwendete, der Wissenschaft einen wichtigen Dienst geleistet, indem er auf eine genügendere Weise, als bisher, darthat, daß, unter gleichen Volumen, die specifischen Wärmen der Gasarten gleich sind; wir sind aber hiernach nicht berechtigt zu schließen, daß auch ihre absoluten Wärmen gleich sind. Daß Kenntniß der specifischen Wannen wenig oder kein Licht über die absolute Menge derselben verbreitet, wird aus dem Umstande klar, daß Dampf, obschon er in ersterer Hinsicht unter dem Wasser steht, in lezterer dasselbe weit übertrifft. Wenn dieß bei einem und demselben Körper unter verschiedenen Formen der Fall ist, um wie viel mehr muß es bei ganz verschiedenen Körpern, Statt haben.

Da Dampf eine der nüzlichsten mechanischen Kräfte ist, so |8| verdient er die genaueste Untersuchung. Er hat schon lang die Aufmerksamkeit unserer Landsleute, so wie die der Ausländer auf sich gezogen, und ich nehme mir jezt die Freiheit, einige Bemerkungen über die Meinungen und Versuche derselben zu machen.

Hr. Clement öffnete eine mit einem Dampfkessel in Verbindung stehende Röhre, und verdichtete eine gewisse Gewichts-Menge dieses Dampfes in einem Gefäße mit kaltem Wasser: er fand, daß die Zunahme der Temperatur des Wassers von der Elasticität des Dampfes in dem Kessel unabhängig war; wenigstens war dieß der Fall, wo die Elasticität des Dampfes dem doppelten und dreifachen Druke der Atmosphäre gleich war. Hieraus schloß er, daß die gesammte Wärme in einer gegebenen Gewichtsmenge Dampfes im Zustande der Sättigung unter allen Temperaturen dieselbe seyn muß. Dieser Schluß, obschon ziemlich allgemein angenommen, wurde vielleicht zu schnell gemacht, als daß er eine strenge Prüfung aushalten könnte. Es ist bekannt, daß eine elastische Flüßigkeit, wenn man dieselbe sich ausdehnen läßt, ohne Hinzutritt von neuer Wärme seine Temperatur vermindern wird; wenn sie aber zugleich mit einem heißeren Körper in Berührung ist, oder mit einem Körper, der die vorige Temperatur derselben besaß, so wird sie alsogleich Wärme von diesem Körper einsaugen. Wenn also der Dampf, der eine doppelte atmospärische Spannung hatte, gegen die Hälfte dieser Spannung hervortritt, so muß er sich bedeutend ausdehnen, und folglich muß die Temperatur desselben, wenn nicht neue Wärme hinzukommt, bedeutend vermindert werden. Da er aber zugleich in Verbindung mit dem Sperrhahne und der Röhre ist, die immer ungefähr 248° heiß sind; so kann man wohl nicht zweifeln, daß diese demselben Wärme mittheilen; und wenn daher dieser Dampf bei seiner Verdichtung in der Kufe das Wasser nicht mehr erwärmte, als eine gleich große Gewichtsmenge Dampfes von der Hälfte der ursprünglichen Elasticität desselben, so muß man offenbar schließen, daß dasselbe Gewicht dichteren Dampfes in dem Kessel weniger Wärme enthält.3)

|9|

Allein, diese und andere verschiedene Ursachen, durch welche Irrungen veranlaßt werden, verdienen noch eine genauere Betrachtung. In Hinsicht auf den Dampf mit hohem Druke muß die Oeffnung, durch welche der Dampf ausfuhr, sehr enge gewesen seyn; wahrscheinlich war es bloß ein kleiner Theil des kreisförmigen Loches in dem Sperrhahne, und daher die größere Wahrscheinlichkeit, daß der sich ausdehnende Dampf Wärme durch seine Berührung mit dem heißeren Metalle verschlukte; um so mehr, wenn wir bedenken, daß der bei einer so kleinen Oeffnung in die Höhlung des Hahnes eintretende Dampf Gelegenheit findet, sich darin auszudehnen und Wärme zu verschluken; daß er, nachdem er von Seite zu Seite in dieser kleinen Höhlung anschlug, bei einer eben so kleinen Oeffnung, schief derjenigen gegenüber, bei welcher er eindrang, heraustritt, und hierauf sich noch weiter ausdehnt, und noch mehr Wärme aus der heißen metallischen Röhre verschlukt. Ueberdieß, wenn die Geschwindigkeit des Dampfes nicht zulezt dieselbe in allen drei Fallen war, so kann man mit Grunde annehmen, daß seine Elasticität während des Durchfahrens durch die Röhre bei hohem Druke geringer war, als selbst bei dem Druke der Atmosphäre; denn sonst müßte das Moment seiner Bewegung, welches von der Abkühlung unabhängig ist, hinlänglich stark gewesen seyn, um alles Wasser aus der Kufe auszutreiben. Ich muß daher vermuthen, daß, wenn die Geschwindigkeiten bei höherer Temperatur größer waren, die Elasticität und das Moment, zusammengenommen, wenig mehr vermögen, als den Druk der Atmosphäre aufzuwiegen. Wenn diese Ansicht richtig ist, so folgt, daß, je größer die Elasticität und Temperatur innerhalb des Kessels, desto geringer beide in dem Dampfstrome sind, und desto größer die Gierde seyn muß, mit welcher, derselbe die Wärme von dem anstoßenden Metalle einsaugt.

|10|

Selbst die Reibung, die durch die heftige und gewaltsame Ausströmung des Dampfes durch den Sperrhahn entsteht, vermehrt wahrscheinlich die Wärme in dem ausgeströmten Dampfe, und zwar desto mehr, je höher der Druk des Dampfes ist.

Ich kann nicht umhin, zu bemerken, daß viele Versuche über Wärme mit Reibung verbunden sind, und mit heftiger Bewegung der angewendeten Flüßigkeiten, und ich habe nicht wahrgenommen, daß man diesen Fehler in Anschlag gebracht hätte, oder mit irgend einer Verläßigkeit in Anschlag bringen kann.4)

Wenn einige dieser Bemerkungen überspannt seyn sollten, so können sie doch, alle zusammengenommen, die Meinung des Hrn. Watt bestätigen helfen, daß die gebundene Wärme des Dampfes schnell abnimmt, so wie die Temperatur erhöht wird. Hrn. Clement's Versuche zeigen, daß, so weit sie nämlich reichen, die Abnahme der gebundenen Wärme wenigstens eben so groß ist, als die Zunahme der Temperatur; und daß, abgesehen von Reibung etc., der Heizungs-Aufwand an einer Maschine |11| nicht größer seyn kann, als im umgekehrten Verhältnisse der mit 448° F. vermehrten Temperatur. Diese Ersparung an Hize erklärt aber, wie Hr. Poisson bemerkt, den Gewinn, den man bei Maschinen mit hohem Druke hat, noch nicht hinlänglich; ein kräftiger Beweis für Hrn. Watt's Meinung, besonders wenn man die verschiedenen Nachtheile erwägt, unter welchen die Dampfmaschinen mit hohem Druke zu leiden haben.

Ganz im Gegensaze zu dem, was wir so eben gesehen haben, rechnen mehrere Praktiker den Aufwand an Hize als die wahre Kraft, der Druk der Maschine mag wie immer gestellt seyn. Sie rechnen aber auch die Menge Wassers, die in Dampf verwandelt wird, so, als ob sie mit der Kraft der Maschine im Verhältnisse stünde, während es doch gewiß ist, daß die Dichtigkeit des gesättigten Dampfes weniger schnell zunimmt, als die elastische Kraft desselben. Die Versuche der HHrn. Dalton und Gay Lussac haben uns hierüber vollkommen in's Reine gebracht.

Allein, obschon die Verwandlung des Wassers in Dampf im leeren Raume weniger Hize fordert, je hoher die Temperatur ist, so gilt dieß doch nicht für den Fall, wo diese Verwandlung unter dem Druke einer anderen elastischen Flüßigkeit, z.B. der Atmosphäre, geschieht. Denn, ich nehme an, daß eine Unze in der Atmosphäre aufgelöste Flüßigkeit, unter demselben atmosphärischen Druke, beinahe denselben gebundenen Wärmestoff besizt, so sehr sie auch durch die Atmosphäre verbreitet seyn mag, oder wie die Temperatur immer stehen mag, und daß dieser gebundene Wärmestoff zunimmt, wenn der Druk der Atmosphäre abnimmt, und umgekehrt. Nach Analogie ist es nicht unwahrscheinlich, daß man noch finden wird, daß die specifische Wärme des wässerigen Dampfes sich zu jener der Atmosphäre, welcher er beigemischt ist, verhält, wie 8 : 5.

Wenn eine elastische Flüßigkeit, ohne dadurch tropfbar zu werden, zusammengedrükt wird, so nimmt die Wärme-Capacität derselben ab, so wie sie durch Ausdehnung derselben zunimmt; man hat aber noch nie gezeigt, in welchem Grade die gebundene oder specifische Wärme dadurch leidet, obschon es wahrscheinlicher ist, daß erstere mehr dadurch verändert wird. Jedes Gas hat, ohne Zweifel, so wie jeder Dampf, seine eigene gebundene Wärme.

|12|

Die Versuche der HHrn. Dalton, Ure und Taylor 5) zeigen in ihrem ganzen Verlaufe, daß, während die Temperatur gleichförmig steigt, sowohl die Kraft als die Dichtigkeit des gesättigten Dampfes weniger6) als in geometrischer Progression zunimmt; wenn aber Hrn. Clement's Versuche, so wie Hr. Poisson sie in den Annales de Chimie, T. 23. anführt, genau sind, so hat, bei hoher Temperatur, das Entgegengesezte Statt. So fand er die Kraft bei 215° am hundertgradigen Thermometer, oder 419° F. gleich 35 Atmosphären, während, hatte dieselbe in demselben Verhältnisse zugenommen, wie sich aus früheren Versuchen erwarten ließ, sie nur ungefähr die Hälfte dieser Kraft betragen hätte. Ich vermuthe, die Temperatur ist hier nach einem Luftthermometer bestimmt; es ist aber noch immer etwas Unerwartetes in dem Resultate. Die Dichtheit eines solchen Dampfes wird nur 26,64 Mahl so groß seyn, als bei 212°, nicht aber 35 Mahl, wie viele irrig vermuthen.

Es ist nicht wenig merkwürdig, daß mehrere angesehene Schriftsteller, während sie über die Kraft der Dämpfe handelten, sorgfältig die große Ersparung andeuteten, die man an Brennmaterial machen konnte, wenn man Alkohol-Dämpfe statt der Wasserdämpfe als Triebkraft bei Maschinen brauchen würde. Die einzige Schwierigkeit, die sie bei dem allgemeinen Gebrauche der Alkohol-Dämpfe fanden, war der hohe Preis derselben, obschon sie auch diesen in einigen Fallen durch die |13| Ersparung des kostbaren Brennmateriales ersezt glaubten.7) Ihr Hauptgrund, warum sie den Alkoholdämpfen einen so entschiedenen Vorrang einräumten, ist, ohne Zweifel, die niedrige Temperatur, und die wenige gebundene Wärme verglichen mit jener des Wasserdampfes unter derselben Spannung; daher, sagen sie, kann man in dem Cylinder einer Dampfmaschine eine gleiche Kraft mit einem weit geringeren Aufwande von Hize erzeugen. Bei aller Nachgiebigkeit für solche Behauptungen kann ich jedoch nicht umhin, zu denken, daß die vorausgesezte Ersparung an Brennmaterial durch andere Nebenumstände vollkommen aufgewogen wird, so daß, im Ganzen, wirklich eben dieselbe Dampfkraft mit eben so wenig Hize erzeugt werden kann, und wahrscheinlich noch mit weniger, wenn Dr. Ure's Versuche, nach welchen ich jezt rechnen will, richtig sind.

Wir wollen jezt die Menge Hize vergleichen, die zur Erhizung des Wassers und Alkoholes von 45° F. bis zu ihren respectiven Siedepuncten, 212° und 175°, und zur Verdampfung derselben, so daß beide eine Kraft, die dem Druke der Atmosphäre gleich, ist, erzeugen, nothwendig ist.

Nach Dr. Ure erhöhten 200 Gran Dampfes, die zu 32,340 Gran Wasser verdichtet wurden, die Temperatur des Wassers um 6°,5, oder von 43° auf 49°,5 F. Also 32340/200 × 6,5 = 1051°,05, ist die Reihe, durch welche 32,340 Gran Dampf das Wasser gehizt haben würden, das Verhältniß gleichförmig angenommen; hierzu muß man aber 4°,5 für Erhizung der 200° von 45° der Temperatur der Luft, auf 49°,5 rechnen, und wir haben 1055°,55 für die Hize, die bei Erhöhung der Temperatur des Wassers von 45° auf 212° verwendet wurde, wo es sich in Dampf verwandelte; abgesehen von einem gleich zu erörternden Ersaze.

Ebenso erhöhte die Verdichtung von 200 Gran Alkohol |14| Dampf die Temperatur von 32,340 Gran Wasser um 3°, oder von 42 auf 45°; daher ist 32340/200 × 3 = 485°1 die Erhöhung der Temperatur, welche Alkohol-Dampf an seinem Gewichte Wasser hervorgebracht haben würde. Nun verhalten sich aber die Mengen Hize, die man auf diese Weise bei dem Füllen zwei gleicher Cylinder verwendete, wie obige Zahlen multiplicirt mit den respectiven Dichtigkeiten der Dampfe. Es ist aber die specifische Schwere solcher Alkohol-Dämpfe nach Dr. Ure 2, 3 Mahl größer, als jene der Wasserdämpfe. Folglich verhalt sich der Aufwand an Hize in den beiden Cylindern, wie 1055,6° : 1115,7°; oder 60° Ausschlag für den Wasserdampf.

In beiden Fällen fehlt noch ein Ersaz für die Hize, welche für Erwärmung der gläsernen Verdichtungskugel verwendet wurde und für das äußere Gefäß des Apparates. Der Dampf erwärmte es um 6,5°, und der Alkohol um 3°. Diese beiden Ersaze, wenn sie unbestimmte Größen sind, stehen im Verhältnisse zu den Reihen, durch welche das Glas durchgehizt wurde, multiplicirt mit den Dichtigkeiten der respectiven Dämpfe; d.h. im vorliegenden Falle, wie 6,5 : 3 × 2,3 – 6,9, welche Zahlen einander so nahe kommen, daß die Unterlassung einer Correction in diesem Verhältnisse keinen wesentlichen Einfluß auf das Resultat der Vergleichung haben kann; wenigstens gibt es keinen Ausschlag für den Dampf.

Ich kenne keine unmittelbaren Versuche, nach welchen ich eine Vergleichung der bei Dampfmaschinen mit hohem Druke aufgewendeten Hize machen könnte. Nach Dr. Ure's Versuchen scheint zu erhellen, daß, wenn die Kraft dieser beiden Dämpfe vermehrt wird und gleich ist, das Verhältniß der Dichtigkeit des Alkohol-Dampfes noch etwas mehr vergrößert wird; und wenn man annimmt, daß ihre gebundenen Wärmen, obschon wandelbar, ihr voriges Verhältniß8) behalten, und daß dieß eben so von ihren specifischen Wärmen im flüßigen Zustande gilt, so ließe sich leicht zeigen, daß die Vergleichung bei hohem Druke für den Dampf noch weit günstiger ausfallt.

|15|

Aehnliche Resultate würden sich auch ergeben, wenn man nach Hrn. Clement's Hypothese von gebundener Wärme rechnet.

Es erhellt hieraus, daß die ungeheuere Kraft der Alkohol-Dämpfe sich nicht so leicht erzeugt, als einige glauben. Dieß ist aber nicht der einzige Fehler in der Rechnung; denn, man darf nicht vergessen, daß Ein Gallon Wasser beinahe so weit reicht, als drei Gallons Alkohol. Hierzu kommt noch, daß die Dike und hieraus folgende Trägheit der Alkohol-Dämpfe bei hoher Temperatur auf eine fein gebaute Maschine als todte Last wirken würde, indem eine bedeutende Kraft nothwendig ist, um denselben mit der gehörigen Schnelligkeit durch die Röhren, Klappen etc. zu bewegen. Die Kraft, die auf diese Weise unvermeidlich verloren geht, ist, selbst in einer Dampfmaschine, großer vielleicht, als viele glauben werden.

|6|

Es ist richtig, daß jeder Dampf bei seiner Verdichtung seine gebundene Wärme fahren läßt; in dem gegenwärtigen Falle ist es aber nicht wahrscheinlich, daß dieß Ersaz für den anderen Abgang gibt, daß er nämlich während des ganzen Versuches in einem flüßigen Zustande schlummert. A. d. O.

|6|

In einem Zustande von Sättigung hängt sich die Feuchtigkeit öfters an eine matte oder oxidirte Oberfläche an, wenn diese auch nicht kälter ist, als jene. A. a. O.

|8|

Man hat öfters bemerkt, daß Dampf, der aus einer Röhre unter 212° F. ausfährt, in einiger Entfernung von der Röhre vollkommen durchsichtig ist; daß aber Dampf von hohem Druke schon an der Mündung der Rohre selbst undurchsichtig herausströmt. Dieß zeigt unwiderlegbar, daß eine gegebene Gewichtsmenge Dampfes |9| von hohem Druke weniger Wärme enthielt, als eine gleiche Menge Dampfes von der gewöhnlichen Art; denn sonst würde diese Wärme den Dampf mit hohem Druke in den Stand gesezt haben, seine durchscheinende elastische Form zu behalten, die er hat, wann er sich in Dampf von gewöhnlichem atmosphärischen Druke ausdehnt. Diese Bemerkung weicht etwas von Hrn. Clement's Resultaten ab, und vielleicht ist die Ursache hiervon diese, daß er den Dampf aus dem Kessel durch eine kleinere Oeffnung entweichen ließ, als er angab. A. d. O.

|10|

Die Ursache, warum Wärme jede Reibung begleitet, liegt noch immer im Dunklen. Wer Wärme für eine Art von Bewegung hält, sezt sich leichter über Reibung weg, als über irgend etwas anderes. Ist es aber unwahrscheinlich, daß diese Wärme nicht nahe mit Elektricität verwandt seyn kann, oder, wie diese, aus irgend einer Entfernung her angehäuft werden kann? Wenn man annimmt, daß absolute Wärme in den Körpern mit irgend etwas verglichen werden kann, was die Temperatur derselben durch die ganze Reihe von Beobachtungen durchführt, konnte dann nicht, wie Graf Laplace bemerkt, viele Wärme durch die Reibung aus der Oberfläche der Körper durch ihre wechselseitige Gegenwirkung und den gegenseitigen Druk so zu sagen ausgepreßt werden? Diese Hypothese scheint am besten auf feste Körper zu passen, und würde einen Nullpunct von Temperatur fordern, der noch weiter von demjenigen entfernt ist, den Laplace angibt, nämlich – 448° F. Dieser Nullpunct, der nach der Annahme bestimmt wurde, daß Gase sich gleichförmig auf Nichts zusammenziehen, wie ihre Temperatur sich demselben nähert, streitet gegen die wahrscheinlichere Meinung, daß alle Gase fest und flüßig werden können. Kein Wunder, daß mehrere der anderen absoluten Nullpuncte so lächerlich absurd sind, wenn sie nach der gratis angenommenen Voraussezung berechnet sind; daß die specifischen Wärmen der Körper sich genau so verhalten, wie ihre absoluten. Mehrere andere chemische Berechnungen beruhen auf demselben schlüpfrigen Grunde. A. d. O.

|12|

Siehe Philos. Mag. IX. Bd. S. 452. A. d. O.

|12|

In der Edinb. Encyclop. hat man in dem Artikel, Meteorologie, etwas unbedachtsam behauptet, daß diese Zunahme in mehr als geometrischem Verhältnisse geschieht. Bei der geringsten Ueberlegung wird es indessen einleuchten, daß die dort angeführte Erklärung des Hrn. Dalton gerade das beweiset, was oben behauptet wurde.

Die Abweichungen in den Resultaten verschiedener Experimentatoren bei höheren Temperaturen hängen sehr wahrscheinlich große Theils von den Verschiedenheiten ihrer Thermometer ab. De Queksilber-Dampf kann gleichfalls in einem Falle mehr gewirkt haben, als in dem anderen. Diesen Dämpfen scheint man es zuschreiben zu können, daß Barometer, in welchen man keine Luft entdeken kann, fallen, wenn man sie erwärmt, obschon man gewöhnlich eine entgegengesezte Correction anbringt, und dadurch den Fehler nur noch vergrößert. A. d. O.

|13|

Ich bin nicht gewiß, ob wir diese sinnreiche Täuschung dem ausgezeichneten spanischen Mechaniker, Betancourt, verdanken. Indessen haben selbst unsere Landsleute dieselbe beifällig aufgenommen, und Dr. Ure hat ihr eine ganz glühende Lobrede gehalten, ohne, wie es scheint, im Mindesten beachtet zu haben, daß sie seinen eigenen Versuchen, nach welchen er die Ersparung berechnete, schnurstraks zuwider läuft. Phil. Trans. 1818. Phil. Mag. vol. LIII. A. d. O.

|14|

Was die Correctionen über Dr. Ure's gebundene Wärme betrifft, siehe die 2te Ausgabe seines schäzbaren Chemical Dictionary, und Philosophic. Mag. Octob. 1822. Octob. 1825. A. d. O.

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