Titel: Gill's, trefflicher halbrunder Schweizer-Bohrer.
Autor: Gill, Thomas
Fundstelle: 1826, Band 22, Nr. VII. (S. 33–34)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj022/ar022007

VII. Ein trefflicher halbrunder Schweizer-Bohrer. Von Hrn. Gill.

Aus dessen technical Repository. N. 54. S. 358.

Mit Abbildungen auf Tab. I. (Im Auszuge.)

Herr Larivière muß täglich in seinen Patent-Sieben und Seihern eine zahllose Menge von Lochern durch Metallplanen bohren lassen; mehrere dieser Löcher sind so sein, daß man sie kaum mit freiem Auge sieht, und die Metall-Platte, wenn man sie gegen das Licht hält, aussieht, wie die feinsten Niederländer-Spizen. Diese Löcher werden, alle mittelst walzenförmiger Punzen verfertigt, die aus gut gehärtetem und temperirtem Stahl-Drahte gemacht werden, und genau in cylindrische Löcher in stählere Platten passen, in welchen sie fest gehalten werden. Die wirken in anderen verdünnt zulaufenden Röhren, die in gehärteten und temperirten Stahl-Blöken, oder Platten angebracht sind, die mit den Punzen correspondiren. Er bohrt auf diese Weise Locher, die so fein sind, als ein Menschenhaar.

Um so feine Löcher durch bedeutend dike Stahl-Blöke und Platten zu bohren, braucht man nothwendig ganz außerordentliche Bohrer. Hr. Larivière erlaubte Hrn. Gill folgende Beschreibung derselben bekannt zu machen.

„Diese Bohrer sind aus dem besten Gußstahl-Drahte vorfertigt: ihr Stiel ist walzenförmig, ihr bohrender Theil aber halb walzenförmig, und ihre Spize besteht aus zwei Flächen, die unter einem stumpfen Winkel an einander stoßen.

Fig. 26. zeigt einen dieser Bohrer von der größeren Sorte von vorne

Fig. 27. von hinten;

Fig. 28. von der Seite;

Fig. 29. vom Ende aus, nach der punctirten Linie in Fig. 27. Diese Bohrer sind demnach eine Art halbrunder Bohrspize, deren man bei vielen feineren mechanischen Arbeiten so sehr bedarf; nur ist ihr Ende anders geformt. Die gewöhnlichen halbrunden Bohrer laufen an ihrem Ende in Eine schiefe Fläche zu, nicht in zwei, wie es hier der Fall ist, oder sie bilden vielmehr einen Theil einer Spirale. Zuweilen sind |34| die Enden dieser Bohrer auch rund abgedacht, wie Fig. 30 und 31. zeigt: solche Bohrer braucht man vorzüglich zur Erweiterung der bereits gebohrten Löcher.“

„Diese Bohrer sind leicht gemacht, und wenn sie sorgfältig gehärtet und temperirt sind, lassen sie sich auch leicht gut erhalten. Man darf die Spizen nur auf dem orientalischen Wezsteine mit Oehl abziehen; sie leiden hierdurch nichts an ihrer Größe, wie die gewöhnlichen Bohrer, und dieß ist keine geringe Empfehlung für sie.“

„Man bedient sich dieser Bohrer in der gewöhnlichen Drehelade nach Genfer Art (Geneva turns), wo noch eine kleine Docke mit einem kegelförmigen Ende angebracht ist, welche sich in einem kegelförmigen, auf einem auf der Hauptlatte der Drehebank schiebbaren Bloke aufgezogenen, Halsbande dreht: das andere Ende der Doke hat ein Loch in der Mitte, welches auf das kegelförmige Ende eines der schiebbaren Cylinder der Drehebank paßt. Eine Rolle auf der Docke wird durch das Rad der Drehebank in Bewegung gesezt. Statt der Schraubenblöke, die in oder auf die Docke aufgeschraubt werden, hat diese an vierekiges Loch, in welches die vierekigen Stiele der verschiedenen nöthigen Apparate genau passen, und worin sie durch eine Bindschraube in der Docke fest gehalten werden, die in einen Einschnitt in der Kante eines jeden vierekigen Stieles genau paßt. In diese Stellvertreter der gewöhnlichen Einsaz-Blöke werden die halbrunden Bohrer eingepaßt: es werden nämlich cylindrische Löcher in den Mittelpunct derselben eingebohrt, wenn sie in der Docke sind, die genau nach der Größe der Stiele dieser Bohrer sich richten, und mittelst Schrauben darin festgehalten werden. Zuweilen wird ein solcher Stellvertreter so eingerichtet, daß er Bohrer von verschiedener Größe aufzunehmen vermag, wie Fig. 32. zeigt, wo statt eines Bohrers ein Stahl-Cylinder angebracht ist, der eine cylindrische Höhlung hat, und gleichfalls mit einer Bindschraube versehen ist. In die cylindrische Höhlung kann nun der Stiel eines kleineren Bohrers eingepaßt, und darin gehörig befestigt werden, oder wieder ein anderer kleinerer Cylinder, in welchen noch ein kleinerer Stiel eines Bohrers eingepaßt werden kann, u.s.f. Fig. 33, 34, 35. zeigt solche Bohrer von drei verschiedenen Größen, die, so wie alle anderen größeren oder kleineren, leicht in ihre Hälter eingepaßt werden können.

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