Titel: Laforest's, mechanische Breche.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 22, Nr. X. (S. 52–58)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj022/ar022010

X. Mechanische Breche für das Landvolk, erfunden von Hrn. Laforest. Von den Administratoren der Gesundheits-Gesellschaft gegen die Röstung.

Aus den Annales de l'Industrie nationale. Julliet. 1826. S. 21.

Mit Abbildungen auf Tab. II.

Fig. 1. Tab. II. zeigt alle Theile dieser Maschine im Perspective.

Fig. 2. zeigt sie im Aufrisse. Unten befindet sich der Maßstab: wir werden aber die Größen-Verhältnisse der Haupttheile noch besonders angeben.

Alle Theile dieser Maschine sind genau dieselben, wie wir sie in dem kleinen Modelle unseren Subscribenten geliefert haben: nur die Form ist etwas abgeändert: ihre Anordnung ist dieselbe. Wir haben anwendbare, arbeitende Modelle versprochen (modéles fonctionant): wir mußten daher einige Theile größer machen, als sie bei der Maschine im Großen sind; denn, wenn wir alle Theile nach demselben Maßstabe verfertigt hatten. Z.B. Eine Linie auf den Zoll, so würde das Modell nicht gearbeitet haben, wenigstens nicht bei Hanf und Flachs, wie er wirklich ist.

Wenn wir ferner bei Ausführung der Maschine im Grossen dieselbe nach dem arbeitenden Modelle hatten verfertigen lassen, so würde sie 13 bis 14 Fuß Höhe erhalten haben, und dadurch für die Landleute unbrauchbar geworden seyn.

Es haben sich überdieß noch andere Schwierigkeiten dargebothen, die wir im Verlaufe der Beschreibung unseren Lesern mittheilen werden, um ihnen die Mühe zu ersparen die Schule durchzulaufen, die wir durchwandern mußten.

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Die Maschine ist in 5 Fächer eingetheilt, A, B, C, D, E die wir hier in der Ordnung der Operationen bezeichnen. Dieselben Buchstaben bezeichnen in beiden Figuren dieselben Gegenstände.

Das Stampfen oder Pochen (macquage) geschieht in A, mit vieler Leichtigkeit und Schnelligkeit, und liefert den an den Brechen in B, und C, beschäftigten Arbeitern hinlänglichen Stoff; ein dritter Arbeiter hechelt den Hanf bei D, und ein vierter macht ihn bei E, weich und nimmt ihm seinen Gummi. Die Triebkraft dieser Maschine ist ein Mensch, der die Kurbel F, treibt, an deren Achse eine Rolle G, ist, über welche ein Riemen ohne Ende läuft, H, die die Rolle I, umfaßt, welche sich am Ende der Achse I, K, befindet, die die Stampfe (macque) A, und die beiden Brechen, B, C, in Bewegung sezt. Die Bewegung geschieht auf folgende Weise:

Die Stampfe A, und die beiden Brechen B, C, bestehen jede aus zwei Theilen: die feststehenden Theile sind a, b, c, die beweglichen R, S, T Die feststehenden Theile sind auf dem großen doppelten Querbalken, U, V, der die Maschine in zwei Theile theilt, gehörig befestigt. Die oberen Theile der Stampfe und der beiden Brechen sind durch zwei senkrechte Pfosten fest verbunden, und diese Pfosten sind an ihrem unteren Ende wieder durch das Stük d, vereint. Auf diese Weise entsteht ein Rahmen, der sich mit aller Leichtigkeit längs der Pfosten C', s B', s, zwischen den Leisten f, f, g, g, schiebt, die den Falz bilden. Eben so sind die oberen Theile der beiden Brechen B, C, gebaut.

Die Achse oder der Wellbaum, I, K, hat drei Däumlinge, L, M, N, die so gestellt sind, daß der Kreis, den sie beschreiben, in drei gleiche Theile getheilt ist, damit, soviel möglich, nicht zwei Däumlinge auf ein Mahl wirken.

Mit jedem dieser Däumlinge correspondirt eine Laufwalze O, P, Q, in dem Querstüke d, des Rahmens, von welchem wir oben sprachen.

Man wird nun das Spiel der Maschine leicht begreifen. Wenn man die Kurbel F, dreht, bringt man die Welle I, K, in Bewegung; die Däumlinge stoßen auf die Laufwalzen O, P, Q, heben die Rahmen so hoch, als diese steigen können, und lassen sie mit ihrer ganzen Schwere auf die feststehenden Theile fallen.

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Die Stampfe besteht aus zwei Blöken harten Holzes: in dem unteren Theile finden sich drei starke hervorspringende Grathe: der obere Theil ist das Gegenstük hierzu; folglich muß, was an dem einen erhöht ist, an dem anderen vertieft seyn. Dieß wird man auch an dem arbeitenden Modelle bemerken. Der Zwek des Pochens unter der Stampfe ist die Pflanze zu quetschen, ohne die Agen abzubrechen; es ist eine Vorarbeit für die Breche.

Die Brechen bestehen aus fünf unteren und aus vier oberen Lagen, die so gestellt sind, daß sie genau in einander passen. Man muß nicht vergessen, daß die beiden mittleren oberen Blätter der Breche um 6 Linien breiter seyn müssen, als die beiden äußersten. Durch diese Vorsicht erhält man weniger Werg, wie man leicht einsehen wird. Die breiteren Blätter berühren die Pflanze zuerst: sie ziehen, ohne Anstrengung, eine hinlängliche Menge der Pflanze an sich, die sich in die Vertiefung einsenkt, und wenn die schmäleren Blätter kommen, wirken sie nur mehr auf den Hanf, der außen liegt an den beiden Enden der Fläche, und das Werg wird nicht zerbrochen.

Wenn der Hanf unter der Breche herauskommt, hat er den größten Theil seiner Agen verloren. Um dieselben noch mehr fallen zu lassen, und die Rindenhülle des Hanfes zugleich zu zertheilen, bedient man sich der Hechel D, deren Bau man erwägen muß, um die Vortheile desselben kennen zu lernen.

Die Hechel, D, Fig. 1., hat in 5 Reihen nur 25 Zähne, so wie sie hier dargestellt ist. Die Zahl dieser Zähne muß nothwendig nach Verschiedenheit der Feinheit des Flachses und Hanfes verschieden seyn. Indessen ist bei diesem Baue der Hecheln seltener eine größere Anzahl von Zähnen nöthig, weil wir sie um die Hälfte feiner machen können. Wir verfertigen diese Hecheln auf folgende Weise. Wir bringen auf dem Boden derselben, j, an der zweiten und vierten Reihe, einen Falz an. Beide Falze sind an ihren Enden in zwei Querstüken, k, l, so eingezapft, daß, wenn man das Querstük, k, nach auswärts zieht, das Querstük, l, sich an dem Bodenstüke, j, anstemmt, und dann sind, in allen 5 Reihen, alle Zähne hinter einander, wie in Fig. 1. Wenn man aber das Querstük, k, so schiebt, daß es das Bodenstük, j, berührt, so werden auch die Falze geschoben, und jeder Zahn dieser beiden Reihen schiebt sich zwischen zwei feststehende Zähne, so daß man dadurch eine |55| Hechel mit zehn Reihen von Zahnen erhält, die halb so weit von einander entfernt stehen, als die vorigen 5. So sind sie in D, Fig. 2. dargestellt.

Wir müssen nun noch den Apparat zum Entgummen (degommage) mittelst der oben angebrachten Bürsten erklären. Anfangs hatten wir diesen Theil, E, eben so eingerichtet, wie die Stampfe und die Brechen: d.h. es war ein ähnlicher Rahmen da, den gleichfalls ein Däumling bewegte: allein, wir bemerkten bald, daß diese Vorrichtung nicht entsprach. Der Arbeiter muß, nach Belieben, oft wiederhohlte kleine Schlage geben können; er muß die obere Bürste, nöthigen Falls, auf der unteren halten, und einige Zeit über in Berührung erhalten können, während er den Haar zurükzieht; er muß beide Hände frei haben, um denselben gehörig ausrichten zu können, und diese Maschine muß von der übrigen Breche frei seyn, und nur dem Willen des Arbeiters gehorchen.

Wir erreichten alles dieses auf folgende Weise. Wir bauten einen ähnlichen Rahmen, wie jener an der Stampfe und Breche, nur nicht so schwer. Dieser Rahmen muß so leicht seyn, als es die nothwendige Festigkeit desselben nur immer erlaubt; er muß sehr leicht und ohne viele Reibung in den Falzen laufen. Ueber dem Gestelle der Maschine befindet sich ein wohlbefestigter Galgen, n, in dessen oberem Ende eine hölzerne Feder eingekeilt ist, m, welche in der Mitte ihrer Länge einen doppelten Keil, q, führt. Diese Feder ist 4 Fuß lang, und besteht aus mehreren Blättern holländischen Fichtenholzes von 2 Linien Dike und verschiedener Lange, die man, wie bei den gewöhnlichen hölzernen Wagenfedern, über einander legt. Die senkrechte Schnur, o, dieser Feder, die genau wie die Feder an einer Drehbank dient, ist an einem eisernen Ringe über dem oberen Theile des Rahmens befestigt. Eine ähnliche Schnur, p, ist mit einem ihrer Enden an einem eisernen Ringe in dem unteren Theile des Rahmens befestigt, und, mit dem anderen Ende, an dem Tretschämel x.

Die Feder, m, muß sehr schwach seyn; sie darf nur die zum Aufheben des Rahmens nöthige Kraft besizen, indem sie sonst den Arbeiter zu sehr ermüdete, weßwegen auch der Rahmen sehr leicht und frei sich bewegen muß.

Wir haben gesagt, daß der Arbeiter beide Hände frei haben muß. Nachdem er die obere Bürste aufsteigen ließ, wie |56| Fig. 1. zeigt, muß er seinen Hanf darauf werfen, und mit beiden Händen aus einander richten, soviel wie möglich, so daß nur eine dünne Lage davon liegen bleibt, was eine Hauptsache ist, wenn das Entgummen gehörig geschehen soll. Wenn der Hanf vollkommen troken ist, blättert das Gummi-Harz sich bei dem mindesten Schlage ab; es zerreibt sich in Staub durch die wiederhohlte Wirkung der Bürsten, wenn wenige Haare mit den Enden der Schweinsborsten in Berührung kommen. Von Zeit zu Zeit stüzt der Arbeiter beide Bürsten auf einander, und zieht den Haar ganz sanft zurük, der, auf diese Weise, sehr glänzend wird.

Diese Arbeit ist sehr wichtig, fordert viele Sorgfalt, ist aber nicht schwer: man muß sich nur einüben.

Die ganze Maschine ist 5 Fuß hoch, vom Boden an gerechnet. Ein starkes Brett, A', A', dekt sie, das 15 bis 16 Linien dik, und 7 Zoll breit ist.

Die 5 aufsteigenden Pfosten, C', B', B', B, C', sind an ihrem Ende in dieses Brett bei, s, eingezapft, und die Zapfen s, laufen durch einen Einschnitt, und sind darin eingekeilt. Jeder dieser Pfosten ist 15 bis 16 Linien dik, und B', B', B' hat eine Sohle, t, t, t, die 7 Zoll lang, 2 Zoll 6 Linien breit, und 2 Zoll 3 Linien dik ist. Diese Sohle ist notwendig, wenn die Pfosten fest stehen sollen.

Die beiden äußersten Pfosten, C', C', dienen zur vollkommensten Befestigung der Maschine auf dem Boden: jede ihrer Sohlen, u, u, hat 3 Fuß 8 Zoll Länge, 4 Zoll Dike, 5 Zoll Breite. Die aufrechtstehenden Pfosten sind mit den Sohlen mittelst eingezapften Strebehölzern, n, v, von gleicher Stärke verbunden.

Die 5 Pfosten sind durch zwei Laden, U, V, von 4 Zoll Breite und 15–16 Linie Dike befestigt und von einander gehalten. Sie umfassen sie, und sind mittelst 5 Schrauben-Bolzen, r, r, r, r, r, verbunden. Auf diesen Laden ruht Stampft, Breche, Hechel und Bürste.

Die Welle I, K, hat 3 Zoll im Durchmesser. Die große Rolle Einen Fuß. Die kleine 8 Zoll. Die Stampft hat 4 Zoll Dike, 8 Zoll Breite, 17 Zoll Länge. Die Feder, m, ist 2 Zoll breit. Das Uebrige lehrt der Maßstab.

Statt eines Menschen an Einer Maschine kann ein Pferde-Göpel oder eine Dampfmaschine mehrere derselben zugleich bewegen.

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Beschreibung der an dieser Maschine angebrachten Verbesserungen.

Kaum hatte diese Maschine aus eine genügende Weise im Großen gearbeitet, als wir uns beeilten, die Ungeduld unserer Subscribenten zu befriedigen, dieselbe in obigen Figuren mit Maßstab abzubilden, und zu beschreiben.

Die Maschine arbeitete gut; alles war damit zufrieden; nur wir nicht. Die Däumlinge, die rükwärts an der Maschine bedeutend hervortraten, hinderten die Leute daselbst zu arbeiten, und wir wollten die Zahl derselben verdoppeln, ohne die Triebkraft vermehren zu müssen.

Kaum war obige Abbildung ausgetheilt, als wir auf ein leichte und einfache Weise diese Aufgabe losten. Wir ließen daher, unserem Versprechen gemäß, den Subscribenten jede Verbesserung mitzutheilen, folgende Figuren nachstechen, in welchen dieselben Buchstaben dieselben Gegenstände bezeichnen.

Fig. 3. zeigt, in demselben Maßstabe, das Fach, A, in Fig. 2.; nur ist es hier von der entgegengesezten Seite dargestellt, um die Vorrichtung zu zeigen, durch welche wir den Däumlingen abgeholfen haben.

Die Falze f, f, g, g, sind mehr verlängert, um den Rahmen, R, d, der größer ist, von einem Ende bis zu dem anderen aufzunehmen und zu leiten. In der Mitte des Querbalkens dieses Rahmens, 6, ist ein Ende eines Riemens oder Gurtes m, m, befestigt; das andere Ende desselben ist auf einer Rolle oder einem etwas gewölbten Cylinder, n, angemacht, der gefurcht ist, damit der Riemen weniger glitscht. Siehe Fig. 46, die im doppelten Maßstabe gezeichnet sind.

Die Welle, I, K, wovon die Figur nur den dritten Theil der Länge darstellt, führt die Kurbel, ohne Laufriemen, nicht wie in Fig. 2., wodurch die Reibung sehr vermindert wird, folglich die Kraft vermehrt. Diese Welle führt noch, in der Mitte der Entfernung, f, g, die Rolle, n, welche frei auf der Achse, I, K, läuft, und nur durch folgenden Mechanismus zugleich mit derselben läuft: nähmlich 1te, mittelst einer hölzernen Gabel, q, Fig. 4., die fest in die Welle I, K, eingezapft ist; 2te mittelst einer eisernen Gabel, o, p, deren Stüzpunkt r, mittelst eines Bolzens in der Kurbel, q, befestigt ist. 3te mittelst einer Feder, t, die den Arm, o, p, des Hebels immer |58| hebt. 4te mittelst eines Bolzens oder Zapfens, s, auf der Rolle, n.

Unter dem Querbalken, V, U, ist eine Laufwalze, v, auf welche sich der geneigte Theil, o, u, stüzt, den man deutlicher in Fig. 7. sieht, wo er von vorne dargestellt ist. Das Spiel dieser Maschine ist Folgendes. Wenn die Wirbel, F, die Welle I, K, dreht, stößt der Hebel, o, p, mit seinem Arme, p, auf den Zapfen, s, der die in Fig. 11. dargestellte Form hat, und die Rolle n, mit sich zieht. Diese hebt, indem sie sich dreht, mittelst des Riemens, m, m, den Rahmen, d, R; wenn aber der Arm, o, u, unter der Laufwalze, v, hinlauft, nähert sich der Arm, o, r, der Welle, I, K, der Arm, r, p, hebt sich, läst den Zapfen, s, frei, die Rolle, n, auf welche das Gewicht des Rahmens wirkt, läuft zurük, und die Stampfe, R, fällt wieder herab. Eben dieß hat auch bei den Brechen Statt. Sobald der Hebel unter der Laufwalze, v, durch ist, führt die Feder, t, den Hebel in seine ursprüngliche Lage zurük, und das Spiel geht von vorne an.

Wir haben diese Vorrichtung noch mehr vervollkommnet. Wir machen den Hebel, o, r, p, Fig. 8., ganz gerade, haben die Laufwalze, v, ganz aufgegeben, und auf dem Querbalken, V, U, ein rechtwinkeliges Stük Holz, x, x, angebracht, Fig. 10., wo das Spiel dieses Hebels angedeutet ist. In dem Maße, als die Welle, I, sich dreht, zieht sie den Hebel mit sich, dessen Spize man in, o, sieht; dieser Hebel reibt sich unter dem ekigen Stüke, x, x, und nähert sich der Welle, während der andere Arm, p, den Zapfen, s, verläßt, was eben dieselbe Wirkung hervorbringt, wie die in Fig. 4. 5. 6. 7. dargestellte Vorrichtung. Fig. 8. 9. 10. zeigt die lezte Verbesserung im Detail, bei welcher wir geblieben sind, weil sie weniger Reibung erzeugt.12)

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Wir werden in einiger Zeit unsern Lesern die reellen Ergebnisse, welche diese Maschine als Flachs- und Hanfbreche liefert, mittheilen. A. d. R.

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