Titel: Ueber die Wichtigkeit des Wassers in Beziehung auf Fabrikzweke.
Autor: Parkes, Samuel
Fundstelle: 1826, Band 22, Nr. XXIII. (S. 114–134)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj022/ar022023

XXIII. Ueber die Wichtigkeit des Wassers in Beziehung auf Fabrikzweke.

Aus Samuel Parkes Chemical Essays vol. II. p. 355. etc.

Zu Anfang des lezten Jahrhunderts glaubte man allgemein, daß die Welt aus vier Elementen zusammengesezt sey. Zu diesen Elementen rechnete man auch das Wasser; allein in neuerer Zeit hat man gefunden, daß es ebenfalls aus mehreren Grundstoffen, und zwar aus Sauerstoff und Wasserstoff besteht. Nimmt man 85 Unzen Sauerstoffgas und 15 Unzen Wasserstoffgas, so erhält man ungefähr 100 Unzen Wasser; und will man es zersezen, so kann es entweder durch Feuer, oder mit Hülfe der Electricität oder des Galvanismus geschehen. Auch Pflanzen aller Art zersezen das Wasser, das sie in sich aufnehmen, und bilden daraus Oehl, Zuker, Stärke und eine Menge andere Stoffe, welche man die näheren Bestandtheile der Gewächse nennt. Die Zersezung des Wassers ist auch den Fischen gemein, besonders aber den Cetaceen, und es soll ebenfalls im Magen der Thiere und des Menschen statt finden.

In vielen chemischen Processen bemerkt man ebenfalls eine Zersezung des Wassers, und auch in Fabriken beruht manche Arbeit darauf. Will man z.B. aus dem geraspelten Blauholze den Farbestoff möglichst vortheilhaft ausziehen, so wird es stark mit Wasser besprengt, und in große Haufen zusammengeworfen, wo man es so lange liegen läßt, als erforderlich ist. Dadurch werden die Späne erhizt, oder gehen in Gährung über, wie der Färber zu sagen pflegt; und nachdem sie einige Monate in diesem Zustande geblichen sind, lassen sie die Farbe im Kessel viel leichter fahren, und geben ein viel besseres Blau, als wenn man sie nicht so behandelt hätte. Es würde schwer seyn diesen Umstand zu erklären, wenn man nicht annehmen könnte, daß das Wasser theilweise zersezt wird, und daß der Sauerstoff desselben mit dem Färbestoff des Holzes sich verbindet, und eine schönere Farbe erzeugt.

Den Beobachtungen zufolge, welche ich bei einer Menge chemischer Processe gemacht habe, halte ich mich für berechtigt zu behaupten, daß das Wasser einen größern Einfluß auf die Verrichtungen der Natur und der Kunst hat, als man im Allgemeinen |115| glaubt; und diese Behauptung wird um so einleuchtender werden, wenn man bedenkt, daß es ein Auflösungsmittel für die Alkalien, die meisten salzigen Körper, Säuren und Erden ist, und daß es bei der Zersezung dem einen Grundstoffe öfters Sauerstoff und dem andern Wasserstoff mittheilt. Dieser Gegenstand ist daher für den Fabrikanten von großer Wichtigkeit, weshalb wir ihn etwas genauer vornehmen wollen.

Wasser kommt unter viererlei Existenzformen, nämlich als Eis, Wasser, Dampf, und in chemischer Verbindung mit andern Körpern vor. Die einfachste Form, in welcher man es antrifft, ist unstreitig das Eis; denn wenn man es mit Wärmestoff in Verbindung bringt, wird es augenbliklich zu Wasser, das ein noch höherer Wärmegrad in Dampf verwandelt. Ausser diesen allgemein bekannten Existenzformen des Wassers trifft man es aber auch noch in Verbindung mit andern Körpern an, worin es aber einen so hohen Grad der Verdichtung erleidet, daß es die gewöhnlichen Eigenschaften des Wassers ganz verliert. In diesen Fallen verbindet sich das Wasser in bestimmtem Verhältnisse mit dergleichen Körpern, die man in neuerer Zeit Hydrate nennt.

Die Möglichkeit, das Wasser zu verdichten, hat man anfangs bezweifelt; allein neuere Versuche haben das Gegentheil bewiesen. Zimmermann behauptet, daß man es um den vier und zwanzigsten Theil seines Volumens verdichten könne; und Perkins hat den sogenannten Piezometer erfunden, worin er das Wasser einem Druke von 326 Atmosphären unterworfen, und seine Dichtigkeit um 3,5 %, vermehrt hat. In der Chemie ist es bekannt, daß jeder Körper bei der Verdichtung Wärme entbindet. Dieß ist z.B. beim Wasser der Fall, wenn es gefriert; und gebrannter Kalk, wenn er gelöscht wird, zeigt diese Erscheinung in einem weit höhern Grade.

Wenn eine heiße, gesättigte Lösung von schwefelsaurem Natrum (Glaubersalz) in eine gläserne Flasche gegossen wird, worin ein Thermometer enthalten ist, und wenn man die Flasche verstopft und bei Seite legt, bis sie die Temperatur der umgebenden Atmosphäre erlangt hat; so wird die Auflösung sich abkühlen, ohne daß das Salz kristallisirt. Nimmt man aber den Kork heraus, und erlaubt den Zutritt der Atmosphäre, so bildet sich das Salz augenbliklich in Kristalle, und das Queksilber im Thermometer steigt um mehrere Grade. Was |116| anders kann nun dieses Steigen des Thermometers veranlassen, als der aus dem Wasser sich entbindende Warmestoff, der sich mit dem Salze verbindet, und in den entstandenen Kristallen verdichtet wird? So lange nun dieses Wasser im Salze bleibt, behält lezteres seine Festigkeit und Form, es wird aber bald in Staub zerfallen, wenn es der Luft ausgesezt wird, indem es das Kristallisationswasser dadurch verliert. Wer überhaupt mit den Salzen bekannt ist, weiß wohl, daß einige durch das Aussezen in der Luft ihr Kristallisationswasser verlieren und verwittern, während andere Wasser einsaugen und zerfließen. Zu den erstem gehört schwefelsaures Natrum, boraxsaures Natrum, schwefelsaure Kalkerde und saures schwefelsaures Natrum; und zu den leztern rechnet man salzsauern Kalk, salzsaure Bittererde und salpetersauren Kalk.

Manchmal entzieht auch ein Salz dem andern sein Kristallisationswasser; und dieß ist z.B. bei kristallisirtem salzsauren Kalke der Fall, welcher den Kristallen des kohlensauren Natrums ihr Wasser entzieht. Verschließt man beide Salze in dasselbe Gefäß, ohne daß sie sich berühren, so zerfällt das kohlensaure Natrum zu Staub, und der salzsaure Kalk wird flüßig. Sollte man je Salpetersäure von größerer specifischer Schwere bedürfen, als man sie auf die gewöhnliche Weise erhält, so glaube ich, könnte man sie in einem luftdichten Gefäße verstärken, wenn man etwas von der schwersten Schwefelsäure dazu nimmt, die eine so starke Verwandtschaft mit dem Wasser hat, daß man der Salpetersäure mehr dadurch entziehen könnte, als durch jedes andere Mittel.

Nicht allein die künstlichen, sondern auch die natürlichen Salze, sie mögen erdiger, alkalischer oder metallischer Natur seyn, verdanken ihre Durchsichtigkeit, ihre Kristallisation, und selbst zum Theil ihre Festigkeit hauptsächlich dem darin enthaltenen Wasser; und wenn daher dieses Fluidum eine so wesentliche Einwirkung bei den Verrichtungen der Natur hat, so wird es in Fabriken eine nicht minder wichtige Rolle spielen.

Wenn man einen durchaus dichten Tiegel ganz mit trokener Kreide füllt, und ihn nachher der stärksten Ofenhize aussezt, so ist es sehr schwer, wo nicht unmöglich, die ganze Menge Kreide in Kalk zu verwandeln. Macht man aber ein Loch in den Boden des Tiegels, und stellt ihn dergestalt übers Feuer, daß ein Strom Wasserdampf oder atmosphärische Luft frei |117| hindurchziehen kann, so wird die Kohlensäure davon getrennt, und der Kalk in kürzerer Zeit und mit weniger Hize viel besser werden, als wenn man dieses Mittel nicht benüzt hätte. Das Wasser hilft zur Entbindung der Kohlensäure, und trägt dazu bei, daß sie als Gas entweicht.

Unsere gewöhnlichen Kalköfen haben alle eine Oeffnung im untern Theile derselben, um den Kalk herauszunehmen, wenn er gebrannt ist. Dieß erlaubt einen beständigen Luftzug durch die ganze Steinmasse, wodurch zugleich ziemlich viel Wasser hineinbringt. Wenn daher der in einem Ofen gebrannte Kalk beim Herausnehmen nicht gahr genug ist, so ist vielleicht eine zu trokene Luft mehr daran Schutz, als andere Umstände; und in diesem Falle könnte man dem Uebel dadurch abhelfen, daß man ein großes Gefäß mit Wasser vor das Ofenloch sezte, um eine beständige Verdünstung desselben zu bezweken, und die Dämpfe mit dem Luftzuge durch alle Theile des Ofens zu leiten. Auf dieselbe Weise würde der Kalk sich nicht mit der Kohlensäure verbinden, wenn kein Wasser darin enthalten wäre; und Mörtel oder Kitt würden nicht so hart werden, als es der Fall ist, wenn sie nicht nach und nach Wasser aus der Luft einsaugten.

Vegetabilische Gährung kann ohne Wasser nicht statt finden; und ich vermuthe, daß die Güte des Weines und aller anderer gegohrner Flüßigkeiten großentheils von dem Verhältnisse des Wassers zum Zuker und Schleim abhängt. Ebenso kann man nicht gut mälzen, wenn die Gerste in Haufen nicht gehörig mit Wasser besprengt wird. Löst man Metalle in Salzsäure und in anderen Säuren auf, so wird das Wasser nach Maßgabe des Erfordernisses an Sauerstoff zersezt, der zum Oxidiren des Metalles nöthig ist, und der Wasserstoff geht in Gasform davon.

Obgleich das Wasser bei vielen chemischen Verrichtungen zersezt wird, und einen Gewichtsverlust erleidet, so wird es doch auch bei manchen anderen erzeugt, besonders beim Verbrennen, wo man die Gegenwart desselben am wenigsten vermuthen sollte, wodurch das Resultat der Operationen ganz anders ausfällt, als es diejenigen vermuthen sollten, die mit den Grundsäzen der Chemie nicht vertraut sind. Weingeist, Oehle, Wachs, Talg und viele andere Substanzen, erzeugen beim Verbrennen immer Wasser. Wird ein kaltes, gläsernes Gefäß über |118| brennenden Alkohol gesezt, so bekommt man Wasser, das ganz, frei von Geschmak und Geruch, und in jeder Beziehung wie destillirtes Wasser ist. Ein Pfund Alkohol gibt achtzehn Unzen Wasser.

Die Reinheit des Wassers, das man in einigen unserer Fabriken gebraucht, ist von großer Wichtigkeit, weil der bessere oder schlechtere Erfolg bei der Verfertigung der darin gemachten Gegenstände davon abhängt. Dieß ist z.B. beim Bleichen, Färben, in den Katundrukereien, Zukerrafinerien, Bierbrauereien, Papiermühlen und vielen andern Werken der Fall, wo die Beschaffenheit des Wassers wesentlich auf jene der Waare einwirkt.

Sogenanntes hartes Wasser hält gewisse Salze in sich, und ist deshalb weder in Fabriken noch beim häuslichen Bedarf anwendbar. Indessen enthält doch, wie Dalton behauptet, das härteste Quellwasser selten mehr als den tausendsten Theil seines Gewichtes an fremden Stoffen; und die Natur, welche uns viel reines Wasser von oben herab sendet, hat es so eingerichtet, daß es wenig große Landesstreken gibt, wo man nicht ziemlich reines Quellwasser findet, das sowohl zum Fabrik als Hausbedarf dienlich ist. Wenn man Brunnen gräbt, muß man sie mit Sandsteinen und nicht mit Ziegelsteinen auslegen, weil die leztern das Wasser hart machen. Das meiste Quellwasser enthält gemeines Salz, nebst kohlensaurem und salzsaurem Kalke; allein der schwefelsaure Kalk oder Gyps allein verursacht die Härte des Wassers.

In Distrikten, wo man Steinkohlen nahe an der Oberfläche des Bodens findet, wird das Wasser der in der Nachbarschaft befindlichen Bäche und Flüsse öfters durch die Zersezung des schwefelhaltigen Eisens verdorben, das beim Regen dahin geflößt wird. Ich kenne einen Fall in Yorkshire, wo eine Wollenfärberei aus dieser Ursache allein hätte aufgegeben werden müssen, wenn die Eigenthümer keine Mittel gefunden hätten, einen Wasserstrom von einer in der Nähe befindlichen Quelle zum Bedarf des Werkes dahin zu leiten.

Bis dahin hatten sie das Wasser vom Flusse Calder gebraucht, worin beständig etwas von dem aus den Steinkohlengruben ausfliessenden Wasser enthalten war; und im Sommer oder bei trokener Jahreszeit so sehr dadurch verschlechtert wurde, daß man es kaum mehr beim Färben brauchen konnte. Dieß |119| war lange Zeit hindurch ein für die Unternehmer des Werkes sehr nachtheiliger Umstand, bis endlich eine der verlassenen Kohlengruben borst, und den Fluß Calder dergestalt mit aufgelöstem schwefelsauren Eisen überfüllte, daß man das Wasser desselben gar nicht mehr brauchen konnte, weshalb die Eigenthümer das Wasser anderswoher leiten mußten. Obgleich nun das fragliche Werk nicht von großer Bedeutung ist, so hat es doch durch diese Veränderung des Wassers beim Scheuern des Wollengarns allein eine jährliche Ersparniß von 50 Pfd. Sterling an Seife erzwekt. Ebenso kenne ich ein Haus im nördlichen Schottland, das eine sehr große Bleiche und damit verbundene Katundrukerei besizt, und seit Jahren mit dem Wasser des Flusses Don gebleicht hatte, womit es aber selten zufrieden war. Zulezt entschlossen sich die Eigenthümer alles benachbarte Quellwasser zu untersuchen, und in dem, das ihnen am reinsten scheinen würde, einige ihrer Waaren zu bleichen. Das Resultat übertraf ihre Erwartung, indem sie weniger Alkali gebrauchten, und eine besser ausgebleichte Waare lieferten.

Sobald dieß erwiesen war, ließen die Eigenthümer auf ihre Kosten eine drei Meilen lange Wasserleitung auf eigenem Grund und Boden machen, und den eisenhaltigen Quellen eine andere Richtung geben. Vermittelst dieser Einrichtung sammelten sie das gute Wasser in einer viele tausend Gallonen haltenden Cisterne, von wo es nach Bedürfniß in die verschiedenen Theile des Werkes geleitet wird, worüber wir weiter unten etwas mehr sagen werden. Diese Einrichtung kostete über 2000 Pfund Sterling; allein nach der Versicherung der Eigenthümer selbst haben sie diese Auslage nicht zu bereuen.

Bei den Arbeiten in den Katundrukereien, und namentlich beim Schönfärben, ist reines Wasser unumgänglich nothwendig, und beim Bleichen von Leinwand oder Kalico kann man nie eine schön ausgebleichte Waare erwarten, wenn das Wasser mit salzigen oder metallischen Substanzen geschwängert ist. Ganz reines Wasser trifft man indessen nie in der Natur an; denn Regenwasser selbst ist nicht ganz rein, sondern mit Selenit geschwängert, wenn es unter Dachtraufen gesammelt wird, oder mit andern fremden in der Luft enthaltenen Theilen, wenn man es auf freiem Felde auffängt. Zu chemischen Versuchen taugt daher destillirtes Wasser am besten. In England sind viele Bleichen in der Nähe von Torfmooren angelegt, zum |120| größten Nachtheil der daselbst auszubleichenden Waare, weil zur Regenzeit viel aufgelöstes Eisen aus diesen Mooren nach den benachbarten Flüssen geschwemmt, und das Wasser dadurch verdorben wird.46)

In einigen Theilen von Portugal ist das Wasser so hart, daß man es zu vielen Zweken gar nicht gebrauchen kann Dieß ist besonders bei der Wolle der Fall, die man deshalb in diesem Lande nicht waschen kann, sondern im Felle nach England senden muß, wobei auf Zoll und Fracht viel verloren geht, und die Waare vertheuert wird. Ich machte daher einem dort ansäßigen englischen Kaufmann den Vorschlag, Urin zu diesem Behufe sammeln zu lassen, der, nachdem er etwas alt geworden ist, viel flüchtiges Alkali erzeugt, und durch den Zusaz von etwas ungelöschtem Kalke den unangenehmen Geruch verliert, und zum Waschen tauglich wird; allein niemand will sich in jenem Lande mit Urinsammeln abgeben, und selbst der ärmste Mensch würde sich schämen, es zu unternehmen. Gießt man etwas von so zubereitetem Urin in hartes Wasser, so wird es weich und reinigend. Die Römer kannten die Benuzung des Urins zu solchen Zweken längst; allein sie scheinen nicht gewußt zu haben, daß man den unangenehmen Geruch desselben mit gebranntem Kalke vertreiben kann.

Wenn man Wasser, das zum Gebrauche irgend einer Fabrik bestimmt ist, untersuchen will, so muß man zuerst seine specifische Schwere kennen lernen, weil man daraus allein schon seine Beschaffenheit und Reinheit beurtheilen kann; denn dasjenige |121| Wasser, das zum Kochen und zu Fabrikzweken nicht taugt, ist um so schwerer, je unreiner es ist. Wenn daher irgend ein Wasser nur wenig schwerer als Regen- oder destillirtes Wasser ist, und weder Farbe, noch Geruch und Geschmak besizt, so kann man es im Allgemeinen zu Fabrikzweken und häuslichen Gegenständen gebrauchen. Will man aber den Versuch noch genauer anstellen, so darf man nur eine oder zwei dünne Scheiben Seife in ein reines Weinglas werfen, und einen halben Schoppen von dem zur Untersuchung bestimmten Wasser darüber gießen. Nachdem es eine halbe Stunde ruhig gestanden ist, kann man leicht sehen, ob es hart oder weich ist. Castilische Seife, die man gewöhnlich aus Soda und Oliven- oder Mandelöhl macht, taugt am besten dazu. Mit etwas in Alkohol aufgelöster venetianischer Seife kann man die Härte des Wassers in einem Augenblike untersuchen.

Wasser, das entweder Erden oder metallische und erdige Salze enthält, zersezt die Seife, während reines Wasser sie ganz auflöst. Im ersten Falle trennt sich das Alkali, und die Erde verbindet sich mit dem Oehle oder Talge; und im leztem wird die Seife durch doppelte Verwandtschaft zersezt, indem sich die Säure mit dem Alkali, und die Erde oder das Metall mit dem Oehle verbindet, und eine erdige oder metallische Seife bildet. In beiden Fällen ist die neue Mischung unauflöslich, und die Seife oder deren Bestandtheile sind geronnen.47) Wenn aber das Wasser durchaus gleichförmig und ohne weiße Floken oder geronnene Theilchen ist, so ist es gut, wonach man auch seine größere oder geringere Brauchbarkeit beurtheilen kann.

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Eisen findet man am häufigsten im Wasser, zum größten Nachtheile der Fabriken. Um sich daher von der Gegenwart desselben zu vergewissern, nimmt man eisenblausaures Kali oder Galläpfeltinktur, und gießt etwas davon ins Wasser. Ist Eisen darin vorhanden, so wird es vom erstem blau; und von der leztern anfänglich blau und zulezt schwarz. Vermittelst dieser und der vorhin angegebenen Hülfsmittel kann man im Allgemeinen die Reinheit und Beschaffenheit des Wassers untersuchen; weil es aber häufig noch manche andere als die angegebenen Bestandtheile enthält, die man alle mit Hülfe chemischer Reagentien entdeken kann, so haben wir sie in folgender Ordnung zusammengestellt:

entdeken
Sauerkleesäure, oder andere kleesaure Salze Kalk, oder irgend eines von den Kalksalzen.
Aufguß von Lakmus, oder Beilchensyrup,
oder Aufguß von den Blättern des rothen Kohls
unverbundene Säuren.
Dieselben, mit Essig etwas geröthet oder Curcumä-Papier Reine Alkalien und reine Erden.
Salzsaures Platin Kali, oder die Salze derselben.
Säuerliches, salpetersaure Silber Salzsäure, oder salzsaure Salze.
Salzsaurer Baryt Schwefelsäure, oder schwefelsaure Salze.
Kalkwasser Kohlensäure, Bitter- u. Alaunerde.
Essigsaures Blei Geschwefeltes Wasserstoffgas.
Salzsaurer Kalk Kohlensaure Alkalien.
Polirtes Eisen oder Stahl Schwefelsaures Kupfer.
Phosphorsaures Natrum Bittererde.
Schwefelkalium Blei.

Außer diesen im Wasser enthaltenen Bestandtheilen gibt es aber noch manche andere, welche gelegentlich darin vorkommen; weil es aber nicht so häufig der Fall ist, so haben wir sie weggelassen. Sobald nun der Fabrikant mit Hülfe dieser Untersuchungsmittel gefunden hat, daß das in seinem Bereiche befindliche Wasser nicht für ihn taugt, so muß er entscheiden, ob es besser ist, sich nach anderem Wasser umzusehen, oder das vorhandene zu reinigen.

Zur Reinigung des Wassers hat man verschiedene Mittel, und die Natur selbst nimmt einige davon zu Hülfe, wohin namentlich Destillation und Filtration gehören. Das schlechteste Wasser wird täglich durch die Sonnenstrahlen gereinigt, welche die klaren Theilchen von der unreinen Masse trennen, |123| in die Atmosphäre führen, und als Regen, Schnee oder Hagel wieder herunter stürzen. Die Hügel und Berge unseres Erdballs haben eine ähnliche Verrichtung, indem sie das Wasser auffangen, und nachdem es filtrirt ist, bekommen wir es in verschiedenen Graden der Reinheit, je nach der Beschaffenheit der Erdschichten und Mineralien, durch welche es fliest.

Die erste dieser Methoden ahmen wir beim Destilliren des Wassers mit Erfolg nach: allein für Fabrikzweke ist sie zu kostspielig. Die leztere Methode dagegen, oder das Filtriren, kann man im Großen nachahmen; und das so gereinigte Wasser vielfältig benüzen; allein wir können doch nur einige gröbere Theile davon trennen, während die Natur das Schädliche zersezen, und die Unreinigkeiten ganz davon trennen kann. In großen Fabriken, wo man beständig eine Dampfmaschine im Gange hat, könnte man genug destillirtes Wasser aus dem sich verflüchtigenden Dampfe sammeln, wenn man einen Behälter dazu baute; und dieß würde namentlich beim Färben und Kattundruken von großem Werthe seyn.

Vor einiger Zeit hatte ich Gelegenheit, den Plan eines großen Behälters zu untersuchen, den ein geschikter Fabrikant zum Filtriren des Wassers anlegen ließ, und der 180 Fuß lang und 120 breit war. Dieser große Behälter war am Ufer eines Flußes angelegt, und einige Fuß niedriger, als die Oberfläche des umgebenden Bodens. Sobald dieser tief genug ausgegraben war, zog man einige breite Gräben, welche noch 1 bis 2 Fuß tiefer waren, und füllte sie mit großen Kieselsteinen aus, um zu verhindern, daß sie nicht mit Wasser angefüllt wurden. Ueber diese, und den Boden des Behälters her, warf man eine dike Deke Kies, den man zulezt mit einer Lage gesiebten Sandes bewarf. Die Eigenthümer hatten die Absicht diesen Behälter mit Wasser zu füllen, das sie mit Hülfe einer Dampfmaschine aus dem nahe gelegenen Fluße dahin pumpen wollten, damit es durch den Sand und Kies hindurch nach den Gräben ziehe, von wo die Fabrik mit einem beständigen und klaren Strome Wasser versehen werden sollte. Der Erfolg dieses Unternehmens ist mir nicht bekannt; allein ich zweifle keineswegs, daß er gelungen ist. Indessen kann ich doch nicht umhin, zu bemerken, daß man auf diese Weise bloß die im Wasser gelöst enthaltenen Unreinigkeiten, nicht aber die chemisch damit verbundenen Erden und Salze hinwegschaffen kann.

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Wenn man einen Behälter dieser Art anlegen will. Hat man viele Umstände zu berüksichtigen, die an und für sich selbst unbedeutend scheinen mögen, deren Vernachläßigung aber das Mißlingen des Planes verursachen kann. So werden z.B. Würmer durch den Boden und die Seiten graben, wenn man sie nicht mit Thon ausstampft, und eine dünne Lage Kohlenasche darauf bringt; indem man gefunden hat, daß keine Würmer durch diese Asche hindurchdringen. Eben so muß man die in den Gräben befindlichen großen Kieselsteine mit langem Strohe bedeken, ehe man sie mit Kies bewirft, damit er nicht dazwischen fällt; und die nämliche Vorsicht muß man beobachten, ehe man den Sand darauf wirft. Am besten aber ist es einen in der Sache erfahrenen Mann zu Rathe zu ziehen, wenn man dergleichen Behälter anlegen will.

In allen großen, zu Fabriken gehörigen Wasserbehältern muß man auch das Wachsthum der Unkräuter und der Wasserpflanzen befördern, weil sie zur Reinigung des Wassers wesentlich beitragen. Manches Wasser wird schon dadurch für Fabrikzweke hinlänglich gereinigt, daß man es der Einwirkung der Luft aussezt. So z.B. sezen einige eisenhaltige Wasser das Eisen in einem dünnen Häutchen auf der Oberfläche ab, weil es durch die Aufnahme des Sauerstoffs unauflöslich wird. Auch kenne ich einen anderen Fall, wo ein kleiner Wasserstrom in einer Kattundrukerei zu unrein befunden wurde, um ihn benüzen zu können; allein so bald er die nächst gelegene Drukerei erreichte, welche denselben Eigenthümern gehörte, und ziemlich weit, davon entfernt war, so konnte man dasselbe Wasser beinahe zu allen Arbeiten gebrauchen.

Vieles Quellwasser wird durch den darin enthaltenen Selenit für Fabrikzweke unbrauchbar; allein man konnte es leicht, und mit geringen Kosten, reinigen, wenn man anders keine zu große Menge davon braucht. Dazu taugt wohl eine Auflösung von Schwererde am besten, nie man auf folgende Weise bereitet: Man nimmt Schwerspath, mahlt ihn zu Pulver, und mengt ihn, dem Gewichte nach, mit einem Drittel pulverisirter Holzkohle, worauf man das Gemenge in starken eisernen Gefäßen einer rothglühenden Hize aussezt, um die Säure in Schwefel zu verwandeln. Sobald das Gemenge in den Gefäßen ist, muß man es mit einer guten Lage Holzkohlen-Pulver bedeken, damit die Luft nicht hinzudringen kann, sonst wird |125| der Schwefel wieder in Schwefelsäure verwandelt, worauf man es in einen guten Reverberirofen bringt. Das daraus entstehende Schwefel-Baryum wird auf die gewöhnliche Weise zersezt, und die zurükbleibende Erde in dichte Gefäße verschlossen. Wenn man nun Wasser auf die oben angegebene Weise damit reinigen will, macht man eine Auflösung davon, und läßt etwas, nach und nach, in das Wasser tröpfeln, bis es keinen Niederschlag mehr gibt. Auf diese Weise kann man zu jeder Zeit reines Wasser zu chemischen Versuchen machen; denn wenn man auch zufälligerweise zu viel von der Auflösung nähme, so würde die im Wasser oder in der Luft enthaltene Kohlensäure sich bald damit verbinden, und mit dem zersezten Selenit zu Boden fallen. Zum häuslichen Gebrauche kann man indessen dieses Wasser nicht empfehlen, weil die Schwererde giftig ist.

Wenn man aber keinen Schwerspath bekommen kann, oder diese Erde nicht dazu nehmen will, so kann man solches Wasser mit etwas Perlasche zwar weich, aber nicht rein machen, oder auch einige Sodakrystalle hineinwerfen. Beide Alkalien werden sich mit der Schwefelsäure verbinden, und den Kalk niederschlagen; und nachdem das Wasser einige Zeit ruhig geblieben ist, kann man es zum Kochen und allen anderen Zweken gebrauchen. Wo man große Behälter hat, ist dieß die beste Art, hartes Wasser weich zu machen; und zum Waschen und Scheuem kann man denselben Zwek mit altem Urin noch wohlfeiler erreichen, wie wir bereits oben angegeben haben.

Der wichtigste Gegenstand für Bleicher, Färber und Druker ist jedoch der, eine wohlfeile Methode zu entdeken, wie man das im Wasser enthaltene Eisen niederschlagen kann, weil es diesen Gewerben so nachtheilig ist. In den meisten Fällen ist Schwefelsäure das Auflösungsmittel des Eisens; und wo man Behälter für das Wasser hat, könnte man die Schwererde dazu gebrauchen. Diese würde sich augenbliklich mit der Schwefelsaure verbinden, und zu Boden fallen; und dasselbe würde auch mit dem Eisen der Fall seyn, nachdem es das Auflösungsmittel verloren hätte. Der Niederschlag der im Wasser enthaltenen Unreinigkeiten fängt augenbliklich an, nachdem man die Baryt-Auflösung hinzugegossen hat; und nach Verlauf einiger Stunden ist das Wasser gut. Uebrigens aber muß man ja nicht mehr davon nehmen, als man zum Niederschlagen des Eisens braucht, sonst wird das Wasser selbst davon verdorben. Um |126| zu wissen, ob das in Wasser enthaltene Eisen durch Schwefelsaure, Salzsäure oder Kohlensäure aufgelöst ist, nimmt man etwas salpetersaure Schwererde; und wenn sie einen gelben Niederschlag bildet, und das Wasser seinen salzigen Geschmak verliert, so kann man daraus schließen, daß Schwefelsäure das Auflösungsmittel des Eisens war. Durch das Abkochen des Wassers kann man finden, ob Kohlensäure die Ursache davon war.

In Fällen, wo etwas Kalk nicht schaden würde, kann man das Eisen mit ein wenig gepülverter Kalkerde hinwegschaffen. Am besten nimmt man frisch gebrannten Kalk dazu; und nimmt man mehr davon als nöthig ist; um das Eisen zu trennen, so wird der Ueberfluß von selbst niedergeschlagen werden, wenn man ihm Zeit läßt. Kohlensäure aus der Luft einzusaugen. Hat man aber keine Zeit zu warten, so kann man den Kalk mit etwas Schwefelsäure in vier und zwanzig Stunden davon trennen, wodurch das Wasser so rein werden wird, daß man es zu jedem Zweke gebrauchen kann. Dieß könnte man am besten mit zwei großen, an einander stoßenden Wasserbehältern verrichten, damit man beständig gutes Wasser vorräthig hätte; denn während man das Wasser aus einem derselben gebrauchte, hätte man Zeit das andere zu reinigen.

Der Behälter, wovon wir weiter oben (S. 6.) gesprochen haben, wurde in einer anderen Absicht errichtet. Er sollte hauptsächlich dazu dienen, reineres Wasser, als das gewöhnliche, zu liefern, weßhalb man es beständig dem Einflusse der Atmosphäre aussezte. Dieser Behälter war von schottischem Granit gemacht, und mit dem sogenannten römischen Kitt verkittet. Er war 50 Fuß lang, 30 breit, und 10 tief. Das Wasser wurde in eisernen Röhren, 3 englische Meilen weit, herbeigeleitet; und obgleich der Behälter, im Verhältnisse zu seiner Ausdehnung nicht tief war, so geschah es absichtlich, um eine größere Fläche dem Einflusse der Atmosphäre auszusezen, weil es Kalktheilchen enthielt, welche ihre Kohlensäure zum Theile verloren, und zu Boden fielen. Weil man aber voraussehen konnte, daß der Niederschlag immer beträchtlicher werden würde, so läßt man das Wasser, welches den Behälter speist, nicht von oben hinein laufen, sondern es wird zuerst in einen großen hölzernen Trog geleitet, der beinahe bis auf den Boden des Behälters reicht. Durch diese Vorrichtung kann das Wasser |127| nur von unten hineinfließen, wo es sich auf dem Grunde vertheilt, ohne eine Störung an der Oberfläche zu erzeugen; was für die Fabrik um so wichtiger ist, als sie gerade nur die oberen Wasserschichten verbraucht.

Anfänglich wurden die eisernen Wasserröhren, wenn sie nicht ganz voll gehalten werden konnten, oxidirt, und daher das im Behälter befindliche Wasser mit Eisen geschwängert; seitdem man aber einen Hahn angebracht, und die Cirkulation der Luft in den Röhren verhindert hat, wird das Eisen nicht mehr aufgelöst, und das durch dieselben hindurch fließende Wasser nimmt nichts mehr davon auf. Weil nun aber die an der Oberfläche befindliche Wasserschichte am besten und reinsten ist, so haben die Eigenthümer eine Vorrichtung ersonnen, um sie nach Bedarf ablassen zu können. Zu diesem Behufe wurde eine kupferne Röhre mit einem Hahne auf einer Seite des Behälters, und in gehöriger Entfernung vom Boden, angebracht, und an den Theil der Röhre, der sich im Wasser befindet, ein lederner, 18 Zoll langer Schlauch befestigt, der innen mit kupfernen Ringen aufgenäht ist, damit er vom Wasser nicht flach gedrükt wird. Am anderen Ende dieses ledernen Schlauches befindet sich wieder ein kupfernes, oben durchlöchertes Rohr, damit das Wasser hineindringen kann, und auf demselben ist eine kupferne Luftkugel befestigt, die so dünn gemacht ist, daß sie auf dem Wasser schwimmt. Auf diese Weise bleibt die Kugel immer halb aus dem Wasser, und das durchlöcherte Ende der kupfernen Röhre sinkt nie mehr als 1 bis 2 Zoll tief hinein, so daß nur der reinste Theil des Wassers abfließen kann. Dieß scheint eine sehr einfache und vorzügliche Methode zu seyn, gutes Wasser zu bekommen; und es ist zu wünschen, daß man sich dieses Mittels überall bediene, wo es erforderlich ist.

Bei dieser Gelegenheit wird es nicht überflüßig seyn, etwas über die bleiernen Wasserbehälter und Pumpen zu sagen, deren man sich häufig zur Herbeischaffung und Aufbewahrung des Trinkwassers bedient. Die giftige Natur des Bleies, wenn es aufgelöst in Magen kommt, ist ziemlich allgemein bekannt; weil aber Blei im Wasser nicht auflöslich ist, so glaubt man, daß bleierne Wasserröhren und Cisternen nicht schädlich seyen. Allein, obgleich reines Wasser das Blei weder auflöst noch oxidirt, so verwandelt es doch den Sauerstoff der Luft, in Verbindung mit der Einwirkung des Wassers, in ein Oxid, das |128| kohlensaures Gas mit Gierde aus der Atmosphäre einsaugt, wodurch es auflöslich wird. Die Bleioxide sind zwar im Wasser nicht auflösbar, allein nur wenig Kohlensäure ist erforderlich, um ihnen diese Eigenschaft mitzutheilen. Mit 16 Theilen Kohlensäure kann man 83 Theile Bleioxid dergestalt säuren, daß es im Wasser, worin Kohlensäure enthalten ist, auflösbar wird. Die weiße Linie, welche man gewöhnlich in bleiernen Cisternen am der Oberfläche des Wassers sieht, wird durch die Oxidirung dieses Metalls veranlaßt; und weil dieses Oxid die Kohlensäure aus der Atmosphäre verschlukt, so wird es in kohlensaures Blei verwandelt, und von denen getrunken, welche das in solchen Cisternen befindliche Wasser gebrauchen.

Die verschiedenen Formen, in welchen das Wasser vorkommt, haben wir schon oben angegeben: allein es dürfte nicht überflüßig seyn, etwas mehr darüber zu sagen. Als Dampf ist es vollkommen durchsichtig, oder dem Auge unsichtbar. In diesem Zustande ist es in der Luft ganz auflöslich; und obgleich es durch vermehrte Temperatur außerordentlich verdünnt werden kann, so hat sie doch keinen Einfluß auf die chemische Beschaffenheit dieses Fluidums.

Luft und Wasser wirken beständig auf einander ein. In seinem natürlichen Zustande hält man das Wasser für 850 Mahl schwerer, als die Luft: allein die verschiedenen Wasser selbst weichen in specifischer Schwere von einander ab. Eine Flasche, welche, bei einer Temperatur von 60° F., 4258 Gran destillirtes Wasser hielt, enthielt nur 4260 Gran New River-Wasser, und 4262 Gran Pumpwasser. Wenn man den Druk der Atmosphäre beseitigt, so bekommt das Wasser eine stärkere, lösbare Kraft: und daher ist es auch der Mühe werth, zu untersuchen, ob man beim Ausziehen des Färbestoffs aus vegetabilischen Substanzen mit Hülfe des Wassers nicht bedeutende Vortheile erlangen könnte, wenn es in einem theilweisen luftleeren Raume geschähe.

Eine andere Eigenthümlichkeit des Wassers ist die, daß seine specifische Schwere, in besondern Fällen ausgenommen, mit der Erhöhung der Temperatur abnimmt. Man sollte daher vermuthen, daß es auch bei Verminderung derselben in seiner Schwere zunehmen sollte, was auch wirklich der Fall ist, bis es die Temperatur von 42° Fahrenheit erlangt hat, worauf es wieder bei jeder fernem Wärmeveränderung leichter wird.

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Da wir weiter oben von der auflösenden Kraft des Wassers gesprochen haben, so folgt hier eine Tabelle über die Lösung der Salze, die ich vor einiger Zeit zu eigenem Gebrauche entworfen habe. Ich kann indessen die vollkommene Genauigkeit dieser Tabelle nicht verbürgen; allein zu Fabrikzweken ist sie genau genug.

Tabelle
über die Wassermenge, welche man zur Lösung von 100 Pfund nachstehender Salze braucht.

Salze. Bei 60°. Kochend.
Schwefelsaure Bittererde 100 Pfund 100 75
Schwefelsaures Ammonium 200 190
Schwefelsaures Kali 1670 500
– – übersaures 200 100
– Natrum 500 224
Schwefelsaure Alaunerde und Kali (Alaun) 2000 133
Salpetersaurer Kalk 25 20
– Bittererde 100
– Ammonium 200 50
– Natrum 300 100
– Kali 720 50
– Strontian 500
– Baryt 1120 335
Salzsaurer Kalk 50
– Strontian 84
– Bittererde 100
– Natrum 286 280
– Kali 300
– Ammonium 340 100
– Baryt 560
Phosphorsaures Ammonium 400 180
– Natrum 400 200
Uebersaures phosph. Kali 2000 304
Borax 1180 590
Basisch kohlensaures Ammonium 200 100
Saures, kohlensaures detto
Basisch kohlensaures Natrum 200 100
Saures, kohlensaures detto
Basisch kohlensaures Kali
Saures, kohlensaures Kali 400 125

Von gleicher Wichtigkeit für den Fabrikanten ist es, die Expansion und Contraktion des Wassers bei veränderter Temperatur zu kennen, weßhalb ich folgende Tabelle entworfen habe, welche für einen Barometerstand von 29 1/2'' gilt.

|130|
Temperatur
nach Fahrenheit
Gehalt einer Flasche in Gran, welche
4265 Gran reines Wasser bei einee
Temperatur von 42° enthält.
32° 4260
34 4261
36 4262
38 4263
40 4264
42 4265
44 4264
46 4263
48 4262
50 4261
52 4260
56 4259
60 4258
64 4257
68 4256
70 4255
74 4254
80 4252
84 4249
88 4245
92 4240
96 4237
100 4234
102 4232
108 4228
112 4226
120 4220
126 4214
134 4208
140 4199
146 4191
150 4185
154 4180
162 4172
170 4160
178 4150
184 4142
192 4130
200 4116

Da ich mir schmeichle, daß diese Tabelle in vielen Fällen des praktischen Lebens nüzlich seyn wird, so will ich ein Beispiel geben, wie sie anzuwenden ist. Gesezt ein Kessel, oder irgend ein anderes Gefäß, halte 4260 Schoppen bei irgend einer |131| Temperatur zwischen 32° und 52° Fahrenheit, so wird derselbe Kessel, wenn die Temperatur auf 150°F. gesteigert wird, nur 4185 Schoppen enthalten, wie man es in obiger Tabelle augenbliklich sehen kann. Wird die Temperatur ferner bis auf 200° gesteigert, so zeigt die Tabelle an, daß das nämliche Gefäß nur 4116 Schoppen enthalten kann; und wenn es daher bei einer Temperatur von 52° ganz gefüllt würde, so würden nicht weniger als 144 Schoppen überlaufen, ehe das darin befindliche Wasser auf 200° erwärmt werden könnte. Das Maximum der Dichtigkeit des Wassers zeigt sich bei 42° Fahrenheit; und es wird leichter, wenn es entweder über oder unter diesen Temperaturstand gebracht wird.

Wenn man einen Absud mit Farbhölzern macht, ist es öfters von großer Wichtigkeit einen gewißen Temperaturgrad nicht zu übersteigen; allein dieß ist sehr schwierig, wenn man sie über einem offenen Feuer abkocht. Man hat daher diese Arbeit mit Dampf zu verrichten gesucht; allein wenn man ihn in die Gefäße selbst hineinleitet, so kann man den Wärmegrad nicht höher treiben, als etwa 1 bis 2 Grade vom Siedepunkte.48) Macht man dagegen zwei Kessel in einander, und füllt den dazwischen befindlichen leeren Raum mit Dampf aus, den man aus einer auf hohem Druk berechneten Dampfmaschine hinzuströmen läßt, so wird das im inneren Kessel befindliche Wasser etc. schneller sieden, als wenn es über einem offenen Feuer geschähe, vorausgesezt, daß der Dampf nicht entweichen kann.

Als ich mich vor einiger Zeit in einer großen Fabrik im nördlichen England befand, machte ich einige Versuche, um zu sehen, in wie viel Zeit, das in so eingerichteten Gefäßen befindliche Wasser mit Dampf auf den Siedepunct gebracht werden kann. In dieser Fabrik ist eine Reihe von fünf kupfernen Farbkesseln befindlich, welche ganz vorzüglich eingerichtet sind. Ein eiserner Kessel mit breitem Rande ist zuerst eingemauert, und mit |132| einer Ofenthüre versehen. Innerhalb desselben befindet sich ein kleinerer Kessel von Kupfer, der ebenfalls einen schmalen Rand hat, an welchem er dergestalt aufgehängt ist, daß er überall einen Zoll von dem äußern entfernt steht. Ein starker Reif von geschmiedetem Eisen kommt auf beide Ränder zu liegen, nebst einem Stükchen Tuch dazwischen, den man so fest anschraubt, daß keine Luft hineindringen kann. Mit jedem dieser Kessel steht ein Dampfrohr in Verbindung, so daß, wenn man den Krahn dreht, der Dampf zwischen beiden Kesseln hineinströmt, und in wenigen Minuten den innern Kessel heizt.

Der Kessel, den ich zu meinen Versuchen gebrauchte, war 18 Zoll tief, oben 20 Zoll breit, und hielt 20 Gallonen. Ich füllte ihn mit kaltem Wasser, das eben aus dem Fluße geholt wurde, und auf 52° Fahrenheit stund. Sobald der Dampf 6 Minuten lang darauf eingewirkt hatte, war das Wasser von 52° auf 190° F. gestiegen; zwei Minuten darauf stund es auf 200°, zwei andere Minuten später auf 208°, und endlich in 1 Minute auf 212° F.; mithin brauchte man im Ganzen nur 11 Minuten Zeit.

Da ich jedoch die Erhöhung der Temperatur in kürzern Zeiträumen kennen zu lernen wünschte, so nahm ich einen andern Kessel von derselben Größe, der ganz wie der vorige eingerichtet war, maß 20 Gallonen Wasser auf 52° hinein, und zeichnete die Zeit vermittelst einer Sekunden-Uhr auf.

In 1 Minute stieg das Wasser auf 82°
2 detto 108
3 128
3 1/2 137
4 146
4 1/2 154
5 162
5 1/2 169
6 176
6 1/2 182
7 188
7 1/2 193
8 198
8 1/2 201
9 203
9 1/2 205
10 206 1/2
10 1/2 208
In 11 Minuten stieg das Wasser auf 209
11 1/2 210
12 210 1/2
12 1/2 211
13 212

Dieser Kessel hatte die Gestalt eines umgekehrten Bienenkorbes mit sehr spizigem Boden, um beim Zubereiten der Farben den Saz leichter herausschaffen zu können. Der äußere Kessel war von Gußeisen, und der innere von Kupfer, mit einem 1 Zoll breiten Raume dazwischen. Am Boden des äußern Kessels ist ein mit einem Hahne versehenes Rohr angebracht, um das durch die Verdichtung des Dampfes entstehende Wasser abzulassen; denn wenn dieß nicht öfters geschieht, so wird der innere Kessel nicht so schnell heiß. Diesem Umstande schreibe ich auch die längere Zeit zu, welche zum Sieden des Wassers erfordert wurde; denn obgleich beide Kessel gleich groß waren, so kochte das Wasser im ersten doch schon in 11, und im lezten erst in 13 Minuten, bei ganz gleicher Behandlung. Die äußeren Kessel nebst den Dampfröhren sind mit Stroh umflochten und mit Mörtel überstrichen, um jede unnöthige Entweichung des Warmestoffs zu verhindern. Die großen Dampfröhren sind von gegossenen Eisen gemacht, und zusammengeschraubt; und die kleinen vom Blei, obgleich Kupfer besser dazu taugt.

Es ist zu bemerken, daß, wenn man Kessel auf diese Weise heizt, das darin befindliche Wasser nicht aufwallt, bis es wirklich den Siedepunct erreicht hat; während es in solchen, wo der Dampf in das Wasser selbst strömt, lange zuvor auf dem Siedepuncte zu seyn scheint, ehe es wirklich der Fall ist, weßhalb man auch ohne einen Thermometer seiner Sache nicht gewiß ist. Ueberdieß ist diese Methode noch mit andern Vortheilen begleitet, die ich hier angeben will.

Wenn man den Färbestoff aus einigen Hölzern und anderen Farbmaterialien auszieht, so darf man eine gewisse Temperatur beim Färben nicht übersteigen, welche sich immer nach der Natur des Gegenstandes und den damit beabsichtigten Zweken richtet. Man kann daher bei der Heizungsmethode mit Dämpfen dem Kessel jede beliebige Temperatur mittheilen, und ihn auch so lange dabei erhalten, als man es für dienlich erachtet. Indessen wäre es besser, wenn man am Hahne eine richtige Eintheilung träfe, um zu untersuchen, welchen Temperaturgrad |134| man beim Drehen desselben erzwekte, worauf man sich dann immer mit Zuverläßigkeit verlassen könnte.

Bei der Zubereitung einiger Farben zum Druken der Katune wird der Absud ziemlich lang mit Stärke gekocht, bis er zu einer diken Masse wird. In solchen Fällen ist es daher gewöhnlich, daß die im Kessel über dem offenen Feuer befindliche Masse anbrennt, wodurch die Schönheit der Farbe verdorben wird, und ein Verlust entsteht. Wenn man daher Dampf zur Verdikung der Farben nimmt, so kann dieß nicht geschehen; und obgleich die Farbe durch eine zu hohe Temperatur leiden könnte, so kann sie doch nie anbrennen, weil die Hize überall gleich und nie so groß ist, um diese Wirkung zu haben.

|120|

Die Bleicher und Katunfabrikanten machen wir bei diesem Anlasse aufmerksam: daß sie in der Nahe ihres Brunnens nichts von auflöslichen Materialien schütten oder ausleeren lassen sollen. Wir kennen eine Bleichanstalt, welche den Rükstand von der Bereitung der Chlorine in der Nahe ihres Brunnens ausleeren ließ, bei dem es sich nach jedem Regen ergab, daß das zum Bleichen aus diesem Brunnen genommene Wasser durch den Zusaz von Chlorinkalk braun wurde und keine Bleichkraft hatte. Durch den Regen hat sich das salzsaure und schwefelsaure Mangan aufgelöst, in den Brunnen gezogen, und das Wasser mit der Manganlösung so stark geschwängert, daß durch den Zusaz von basischem Chlorinkalk braunes Manganoxyd aus der Flüssigkeit gefällt wurde und der Chlorkalk dadurch seine Bleichkraft verlohr. Aus diesem Beispiel kann man sich einen Schluß auf so manche gefundene Bestandtheile verschiedener untersuchter Wässer machen. A. d. R.

|121|

Um harte Wasser zum Bleichen, zum Entschälen der Baumwolle, zu den öhlig-alkalischen Beizen, zum Degraisiren, so wie zum Aviviren und Rosiren tauglich zu machen, löst man in 2 Pfunden Wasser anderthalb Pfund Soda oder gute Pottasche nebst einem Lothe klein geschnittene Seife vollkommen auf und gießt die Lösung an 200 Pfund kochendes Wasser, wo sich alsbald eine geronnene Maße bilden wird, welche auf der Oberfläche schwimmt und abgeschäumt werden muß. Nach dem Quantum des Wassers, das man weich machen will, richtet man sich mit der Menge des anzuwendenden Kali und der Seife. In Färbereien pflegt man die harten Wasser durch Kleie oder schleimige Pflanzen, die man in einem Sake mit dem Wasser kochen läßt, zu verbessern. So behandeltes Wasser eignet sich zum Scharlachfärben und zum Färben mit Holzpigmenten. A. d. R.

|131|

Das Auskochen der Farbehölzer durch unmittelbare Einströmung der Wasserdampfe geht bei starkem Druke derselben rasch von Statten, und ist für den Fabrikanten mit vielen anderen Vortheilen noch verbunden. Wir verweisen hierüber auf die Abhandlung über diesen Gegenstand in unserer Schrift: „Beschreibung und Abbildung mehrerer Dampf-Apparate zur Benüzung der Wasserdämpfe, zum Kochen und Heizen etc. S. 94 A. d. R.

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