Titel: Daclin's Bericht über Prechtl's Abhandlung der Verfertigung des chinesischen Papieres.
Autor: Daclin,
Fundstelle: 1826, Band 22, Nr. XXV. (S. 140–150)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj022/ar022025

XXV. Bericht des Hrn. Daclin über eine der Gesellschaft von Hrn. Prechtl eingesandte Abhandlung über Verfertigung des chinesischen Papieres.

Aus dem Bulletin de la Société d'Encouragement. N. 265. S. 225.

Hr. Prechtl, Director des polytechnischen Institutes zu Wien, hat der Gesellschaft eine Abhandlung in deutscher Sprache über die Verfertigung des chinesischen Papieres54) eingesendet, in |141| der Absicht, um die, wie es ihm scheint, noch sehr unvollkommenen Kenntnisse über ein Verfahren zu verbreiten, das die Aufmerksamkeit des. Publicums in einer Zeit verdient, wo der Mangel an Lumpen uns zwingt zu anderen Materialien unsere Zuflucht zu nehmen, um die Menge Papieres zu erhalten, die wir verbrauchen. Da die Société einen Preis auf Verfertigung des Papieres aus Maulbeerbaum ausschrieb, so glaubte der Verfasser, daß die Bekanntmachung dieser Abhandlung den Preiswerbern nüzlich seyn könnte.

Der Verfasser zeigt zuerst den Nuzen des chinesischen Papieres, seine Eigenschaften, und die verschiedenen Materialien, aus welchen man dasselbe erhält. Er beschreibt das Verfahren Bambus-Papier zu erhalten nach dem Jesuiten Pater Duhalde und den übrigen Missionären, die China durchschlichen. Die Beschreibungen dieser heiligen Väter sind obscur55), unvollständig, und lehren gerade dasjenige nicht, was zur Verfertigung dieses Papieres nöthig ist. Hr. Prechtl suchte diesen Mängeln dadurch abzuhelfen, daß er selbst eine Reihe von Versuchen mit Rindenpapier anstellte. Er sagt, er habe es dahin gebracht, aus Lindenrinde ein Papier zu erzeugen, das alle Eigenschaften des chinesischen Papieres besizt, und die Stelle desselben vertreten kam:. Er beschreibt die verschiedenen Bearbeitungen der Rinde nach seiner Art, und bemerkt, daß das Verfahren dasselbe ist, man mag Bambus-Fasern die Rinde des Maulbeerbaumes oder irgend einen anderen Pflanzenstoff hierzu wählen. Er schließt endlich seine Abhandlung mit allgemeinen Betrachtungen über die Wichtigkeit dieses Gegenstandes, und über die Vortheile, welche Europa davon hätte, wenn diese Art von Papiermacherei in Europa eingeführt würde.

Man ist dem Verfasser alles Lob schuldig für die Sorgfalt, mit welcher er seine Untersuchungen angestellt hat; nur muß man bedauern, daß er nicht Kämpfer's Amoenitates exoticae consultirte, ein Werk, welches eben so wichtige, als genauere Nachweisungen über die Papier-Fabrication in Japan enthält, die jener in China ganz ähnlich ist, indem man sich derselben Materialien bedient. Man hat das Detail dieses Verfahrens in der Encyclopedie methodique) Artikel: Papier aufgenommen: die Uebersezung ist aber fehlerhaft.

|142|

Hr. Mérimée hat sie verbessert, und mir seine Berichtigungen zum Behufe der Ablassung dieses Berichtes mitgetheilt. Kein anderes technologisches Werk beschäftigte sich bisher mit dem chinesischen Papiere, und wir haben keine anderen klaren und bestimmten Nachrichten über das in diesem Lande bei Verfertigung dieses Papieres befolgte Verfahren.

Das chinesische Papier, dessen man sich heute zu Tage so häufig in Europa bedient, vorzüglich zu Abdrüken von Kupferstichen, zeichnet sich durch die Gleichförmigkeit seiner Masse, seine glatte und seidenartige Oberfläche, seine Sanftheit und seine ausserordentliche Feinheit aus. Man verkauft es in sehr großen Bogen, die drei bis vier Meter Länge und ein Meter Breite haben.

Die Chinesen verfertigen dieses Papier aus verschiedenen Stoffen. In der Provinz Se-Tsehnen macht man es aus hänfernen Lumpen, wie in Europa; in Fo-Kien wird es aus jungen Bambus-Trieben verfertigt; in den nördlichen Provinzen aus der inneren Rinde des Baumes Ku-tschu, der nichts anderes, als der Papier-Maulbeerbaum (Morus papyrifera L., jezt Broussonetia papyrifera) ist. Dieses leztere wird am häufigsten in China gebraucht. Pater Duhalde beschreibt die Art wie es verfertigt wird, ziemlich umständlich; weit deutlicher und bestimmter aber beschreibt sie Kämpfer in dem oben angeführten Werke.

Nach diesem lezteren macht man in Japan dieses Papier aus der Rinde von Morus papyrifera.56) Man schneidet jährlich im December die jungen einjährigen Triebe ab, und schnürt sie fest in Bündel von ungefähr drei Fuß Länge, die man aufrecht in einen mit siedendem Wasser (dem Asche zugesezt wird) gefüllten Kessel stellt. Man läßt sie darin so lang, bis die Rinde, die sich zurük zieht, einen halben Zoll des Holzes nakt läßt; dann nimmt man sie heraus, läßt sie kalt werden, spaltet sie, um die Rinde zu bekommen, und wirft das Holz, das man nicht brauchen kann, weg.

Diese Rinde gibt nun, getroknet, den ersten Stoff zum |143| Papiere. Ehe man dieselbe jedoch verarbeitet, muß sie noch einer anderen Vorbereitung unterzogen werden, muß man sie puzen und sortiren, um nur diejenigen Stüke zu erhalten, die alle nöthigen Eigenschaften besizen. In dieser Absicht weicht man sie drei bis vier Stunden lang in Wasser, und wenn sie weich geworden ist, schabt man das Oberhautchen und den größten Theil der darunter befindlichen grünen Rindenlage mit einem stumpfen Messer ab.

Die auf diese Weise sortirte und gereinigte Rinde kommt nun in eine filtrirte Aschenlauge. Sobald sie anfangt zu sieden, rührt man sie mit einem Bambos beständig um, und sezt von Zeit zu Zeit neue Lauge zu, um diejenige zu ersezen, die bereits verdichtet ist. Man fährt mit dem Sieden derselben solang fort, bis die Masse so weich geworden ist, daß, wenn man sie zwischen den Fingern drükt, sie eine Art von Werg oder Faser-Knäuel bildet.

Nachdem die Rinde endlich durch langes und starkes Sieden in einen Teig verwandelt wurde, schreitet man zum Waschen; eine Arbeit, die bei dieser Art von Papier-Bereitung höchst wichtig ist, indem das Gelingen derselben davon abhängt. Wenn diese Arbeit nicht lang genug fortgesezt wird, bleibt das Papier, wenn es auch stark und markig wird, immer von geringem Werthe. Wenn man hingegen zu lang wäscht, wird das Papier zwar schön weiß, aber es schlagt durch oder fließt, und taugt weder zum Schreiben, noch zum Mahlen mit Wasserfarbe. Man sieht hieraus, wie nothwendig es ist bei dieser Arbeit die beiden Extreme zu vermeiden.

Dieses Waschen der Rinde geschieht in einem Gefäße, welches unten durchlöchert ist, und in welches man einen Strahl Wassers einlaufen läßt. Man rührt sie immer mit den Händen um, bis sie endlich ganz im Wasser vertheilt, und in sehr feine und zarte Fasern aufgelöst ist. Wenn man feines Papier verfertigen will, so wiederholt man das Waschen; nur nimmt man hier statt eines Gefäßes Leinwand, und wäscht auf dieser, damit die feinen Fasern nicht durchfallen können, und zertheilt diese noch immer mehr und mehr, indem man sie immer mehr und mehr umrührt. Man muß zugleich alle Knöpfe und Knoten, die bei dem ersten Waschen allenfalls durchschlüpften, beseitigen.

Wenn man mit dem Waschen fertig ist, wird die Rinde |144| auf einem ebenen und starken Tische von zwei oder drei Arbeitern mit Stöken aus sehr hartem Holze geklopft, bis sie hinlänglich fein geworden ist. Sie wird alsdann dem Zeuge (papier maché) ähnlich, und läßt sich im Wasser leicht vertheilen.

Der auf diese Weise erhaltene Teig wird in eine kleine Kufe geworfen, und mit dikem Reißwasser und einem schleimigen Aufgusse der Oreni-Wurzel gemengt. Man mischt alle diese Theile mit einem sehr reinen Bambusrohre, und rührt so lang, bis sie zu einer gleichförmigen Masse von gehöriger Consistenz geworden ist. Es ist besser eine kleinere Kufe zu nehmen, weil die Mischung in derselben vollkommener geschieht. Hierauf kommt der Teig in eine Kufe, wie wir sie in unseren Papiermühlen brauchen, und man schöpft aus derselben einen Bogen nach dem anderen mittelst Formen aus kleinen Bambus-Rüchchen, statt des Messing-Drahtes, dessen wir uns bedienen.

So wie die Bogen nach und nach geschöpft, und von der Form abgelegt worden sind, werden sie auf einem mit einer doppelten Binsen-Matte überdekten Tische in Haufen auf einander gelegt; die untere Matte ist gröber; die obere ist feiner, hat aber weitere Oeffnungen, damit das Wasser leichter dadurch ablaufen kann. Man legt noch überdieß zwischen jeden Bogen ein flaches Stük Bambos, welches man etwas hervorstehen läßt, und das zum Abheben eines Bogens nach dem andern dient: dadurch wird der Filz unserer Fabriken ersezt. Jeder Haufen wird mit einem dünnen Brette von der Form und Größe der Bogen bedekt, und mit einem leichten Gewichte beschwert, damit die noch nassen und frischen Bogen nicht, wenn sie zusehr auf einander gedrükt würden, an einander kleben, oder aus einander gehen: nach und nach vermehrt man jedoch das Gewicht, um das überflüßige Wasser aus demselben auszudrüken. Des anderen Tages werden die Bogen mittelst der kleinen Stüke Bambos abgehoben, und auf langen vollkommen ebenen Brettern aufgeklebt, indem man mit dem Ballen der Hand darüber fährt. Sie bleiben, wegen der Feuchtigkeit, die sie enthalten, leicht darauf kleben. In diesem Zustande sezt man sie der Sonne aus, und nachdem sie ganz treten geworden sind, nimmt man sie von den Brettern ab, schneidet sie am Rande zu, und legt sie auf Haufen.

In der kalten Jahreszeit bedient man sich eines andern Verfahrens. Man bringt nämlich mittelst einer Bürste, wie |145| man sie beim Leimen des Papieres braucht, die Blätter auf eine Mauer, deren beide Wände sehr glatt und schön weiß sind: an einem Ende dieser Mauer befindet sich ein Ofen, dessen Flamme durch den ganzen Hohlraum dieser Mauer zieht, und dieselbe erwärmt. Die Seite der auf diese Weise getrokneten Bogen, welche an der Wand klebte, unterscheidet man sehr leicht durch die Eindrüke, welche die Haare der Bürste auf derselben lassen: auf der anderen, der glatten, schreiben die Chinesen mit ihrem Pinsel ihre ausserordentlich zarte Schrift, und beschreiben und bedruken die Rükseite nie, wie wir es zu thun pflegen, indem die Feinheit und Durchsichtigkeit ihres Papieres dieß nicht gestattet.

Hinsichtlich der verschiedenen Materialien zur Bereitung dieses Papieres bemerken wir, daß das Reißwasser, dessen man sich zur Bereitung des Teiges bedient, eine gewisse Klebrigkeit besizt, die dem Papiere Festigkeit und eine glänzende Weiße ertheilt. Man bereitet es auf folgende Weise. Man gibt die vorher angefeuchteten Reißkörner in einen nicht glasirten irdenen mit Wasser gefüllten Topf, rührt sie öfters um, gibt sie dann in ein Tuch, und drükt das Wasser aus. Man erneut dieses von Zeit zu Zeit, bis der Reis gänzlich ausgezogen ist.

Der Aufguß der Oreni-Wurzel wird auf folgende Weise bereitet. Man weicht die Wurzel in kaltem Wasser ein, und stößt sie oder zerschneidet sie vorher in kleine Stüke. Nachdem man sie eine Nacht lang darin ließ, ist das Wasser hinlänglich klebrig geworden, um mit den: Teige gemischt werden zu können. Die Mengen, die man von diesem Aufgusse zu nehmen hat, sind nach der verschiedenen Jahreszeit verschieden, und die japanischen Papiermacher behaupten, die ganze Kunst des Papiernachens bestehe darin, daß man das Verhältniß derselben bei der Mischung gehörig zu treffen wisse. Während der grossen Hize ist der Schleim der Oreni-Wurzel zu flüssig, daher braucht man im Sommer mehr davon, als im Winter. Wenn man überhaupt zuviel davon nimmt, so wird das Papier zu dünn, und wenn man zu wenig nimmt, so fällt es zu dik und ungleich aus: es kommt also sehr viel darauf an, daß man das gehörige Verhältniß genau zu treffen wisse, wenn das Papier die erforderlichen Eigenschaften haben soll. Die Hauptwirkung des Aufgusses der Oreni-Wurzel ist, dem Wasser einen gewissen Grad von Klebrigkeit zu ertheilen, wodurch die Fasern in der |146| Flüßigkeit leichter gleichförmig vertheilt werden. Sie hindert zugleich, daß der Leimstoff des Reises mit dem Zeuge die Papierbogen nicht aneinander kleben macht, wenn sie gepreßt werden.

Nachdem Kampfer obiges Detail über die Papiermacherei in Japan gegeben hat, beschreibt er auch die hierzu gebrauchten Pflanzen.

Da der Papier-Maulbeerbaum jezt bekannt genug ist, so wäre es überflüßig, denselben jezt genauer zu beschreiben. Wir begnügen uns zu bemerken, daß die Japaner ihn, wie wir die Weiden, durch Steklinge vermehren. Diese Steklinge werden, 2 Fuß lang, vom Baume abgeschnitten, und im November in geringer Entfernung von einander gepflanzt. Sie treiben bis Ende des nächsten Jahres 3 bis 4 Fuß lange Triebe, die dann geschnitten werden. Die feinen seidenartigen Fasern dieser Triebe geben das rohe Papier-Material.

Die von den Japanern Oreni genannte Pflanze gehört unter die Malven. Kämpfer nennt sie Alcea radice viscosa, flore ephemero, magno, punico.57) Die Wurzel ist weiß, dik, fleischig, faserig, und hält einen schleimigen Saft, der durchsichtig ist, und, mit dem Zeuge gemengt, dem Papiere die gehörige Festigkeit gibt. Die Blätter sind gezähnelt, dik, fühlen sich rauh an, und sind dunkelgrün, stark, nervig, und enthalten auch viel Schleim. Die Blumen sind purpurroth. Die Samen klein, hökerig, dunkelbraun.

Die Versuche, welche Hr. Prechtl im Großen in einer bei Wien gelegenen Fabrik anstellen ließ, um Papier aus verschiedenen Pflanzen zu erhalten, sind folgende.

Er ließ, nachdem die Rinde von Linden und jungen Fichten und Föhren abgeschält war, dieselbe in eine in die Erde gegrabene und ausgemauerte Grube legen, deren Boden mit einer Lage Kalkes ausgelegt war. Auf diese Kalkschichte gab man eine Lage Rinde, dann wieder eine Lage Kalkes n. s. f., bis die Grube voll war, schwerte Alles ein, und schüttete dann |147| Wasser auf. Diese Art von Macerirung dauerte 14 Tage, worauf man die Rinde aus der Grube nahm, sie mit großen Hämmern schlug, bis die grüne Rinde sich löste, und nur die dünnen weißen Fasern zurük blieben. Diese legte man in die Sonne, um sie zu bleichen,58) und kochte sie im Wasser, um sie von den gummigen Bestandtheilen, die sie noch enthielten, zu reinigen, worauf sie noch zu wiederholten Mahlen gewaschen wurden, um sie vom Kalke zu befreien. Hierauf kochte man sie in Wasser, dem Asche beigemengt wurde, und wusch sie in reinem Wasser aus. Der auf diese Weise erhaltene Stoff wurde59) mit Reiß-Wasser oder mit irgend einer anderen schleimigen Abkochung begossen, und in einem Mörser mit einem hölzernen Stößel gestossen, wodurch er in einen ziemlich dünnen Brei, der aus äußerst feinen Fasern bestand, verwandelt wurde. Aus diesem Breie oder Zeuge schöpfte der Verfasser mit einer kleinen Form Velinpapier. Die geschöpften Bogen wurden auf Filze aus einer sehr feinen Wolle gelegt, nachdem man sie aber preßte, ward es unmöglich, sie davon abzulösen. (Wenn Hr. Prechtl seinem Zeuge eine hinlängliche Menge Eibisch-Schleim beigesezt hätte, so würden die Blätter weder unter sich, noch an dem Filze, angeklebt haben, wenn man sie zwischen den weißen Filzen preßte. Die unebene Oberfläche und die Eindrüke der Fasern des Filzes würden bei der weiteren Appretur |148| verschwunden seyn. Die Ablösung gelang Hrn. Prechtl nur mit den dikeren Bogen, die aber immer eine unebene Oberfläche, und die Eindrüke der Filzfasern behielten.) Durch dieses Mißlingen hielt sich der Verfasser überzeugt, daß die in Europa gebräuchliche Methode mit Filz zu pressen bei dem chinesischen Papiere nicht taugt, er gab sie auf, und beschrankte sich darauf, den geschöpften Bogen auf die Oberfläche eines mit Kalk übertünchten und gehörig geheizten Ofens zu legen, wo er alsogleich anklebte, und, nach dem Troknen, sich leicht abnehmen ließ. Die auf einen Haufen zusammengelegten Blätter wurden mit einer starken Presse gepreßt.

Das auf diese Weise verfertigte Papier glich dem chinesischen vollkommen; es war eben so weich und fein, und es läßt sich nicht zweifeln, daß, wenn man es diker gemacht hätte, es sich auf beiden Seiten hatte beschreiben und bedruken lassen. Da es schon im Zeuge geleimt war, so war kein weiteres Leimen mehr nothwendig. (Der Umstand, daß das Papier des Hrn. Prechtl nicht durchschlägt, muß nicht dem Umstande zugeschrieben werden, daß Reiß-Aufguß beigemengt wurde, sondern dem klebrigen Bestandtheile der Rinde, den der Kalk nicht zerstört. Auch das Papier aus gebleichtem Strohe ist von Natur aus geleimt. Der Leim wurde durch die verschiedenen Operationen nicht zerstört, und das Leimen des chinesischen Papieres ist mehr ein Alaunen.)

Hr. Prechtl vergleicht nun das europäische und das chinesische Papier.

Man kennt in China keine Leinen-Lumpen, weil man keine Leinwand hat; man hat nur Baumwollen-Lumpen: das Baumwollen-Papier ist aber filzig, und taugt nicht zum Schreiben mit dem Pinsel, wozu die Oberfläche glatt seyn muß. Die Rinde mehrerer Pflanzen taugt hierzu weit besser, weil sie weit feineres, glätteres und doch festes Papier geben, das man indessen nur aus sehr feinen Fasern erhalten kann. Um die Fasern gehörig zu zertheilen, sind aber nicht bloß mechanische, sondern auch chemische Mittel nothwendig. Alte Leinen-Lumpen, die öfters gebleicht und ausgelaugt wurden, sind allerdings vorzuziehen, indem sie die Arbeit abkürzen; es scheint aber auch hier chemische Einwirkung nöthig, und man darf sich nicht blos auf mechanische Mittel allein beschränken, wie man in neueren Zeiten bei dem Cylinder that. So nüzlich diese Maschine ist, |149| und so kurz und fein sie die Fasern macht, so vermag sie doch nicht, dieselben der Länge nach zu theilen, so daß sie höchst fein würden, außer wenn die Lumpen sehr alt sind, oder der Cylinder sehr schnell läuft, wie auf den englischen Papiermühlen. Hiernach, und nach den angestellten Versuchen, scheint es dem Hrn. Verfasser unmöglich mit dem Cylinder Rindenpapier zu erzeugen, das so fein wäre, wie das chinesische, und in dieser Hinsicht scheinen die Stampfen entschiedene Vorzüge zu besizen, indem sie die Fasern so zu sagen kauen, ohne sie zu zerreißen, wodurch sie dann gleichförmiger sich vertheilen. Hr. Prechtl schlägt daher zur Erzeugung sehr feinen Papieres, wie das chinesische ist, vor, die Stoffe erst chemisch, dann im Cylinder, und endlich in der Stampfe behandeln zu lassen.

Er glaubt, daß man in den ältesten Zeiten in Europa das Papier, wie heute zu Tage in China, erzeugte, und daß die Lumpen erst mit Kalk behandelt und einer faulen Gährung unterworfen wurden. Man kann nicht läugnen, daß, wie man aus Büchern sieht, die vor Jahrhunderten gedrukt wurden, das Papier damahls sehr gut war. (Hr. Prechtl scheint nicht bemerkt zu haben, daß die Chinesen nur das Bambus-Papier mit Kalk behandeln, dessen Fasern so sehr aneinander geleimt sind, daß, wenn dieser Zusammenhang nicht durch Kalk zerstört würde, das mechanische Reiben nur einen Brei erzeugen würde, der weder auf der Form noch auf dem Filze hielte. Dieß ist nicht der Fall bei den Fasern des Leines, Hanfes, Maulbeerbaumes, der Nessel, die von Natur so fein und lose sind, daß die Stampfen und der Cylinder bei dem Zerreiben sie noch lang genug lassen, um einen Filz zu bilden auf der Form, der nach dem Troknen und Pressen noch fest genug ist. Bei den ersten Versuchen mit Strohpapier erhielt man nur ein wenig festes Papier, gegenwärtig, wo man die Fasern mit Kalk theilt, ist es viel fester und starker. Das Papier ist desto fester, je feiner und langer die Fasern sind. Das englische Papier bricht leicht im Buge, weil die Fasern des Zeuges kurz sind.60) Wo man die Lumpen durch den Kalk laufen läßt, geschieht dieß bloß um die Wirkung der Gährung aufzuhalten. Wenn irgend ein Zufall das Zerkleinern derselben aufhält, oder langsamer gehen macht, werden sie bald in der Faulstube zu Staub werden, |150| wenn sie daselbst bleiben müssen. Man gibt sie dann in Kalkwasser, und kann sie so eine unbestimmte Zeit über aufbewahren.

Würde man Hanf und Flachs mit Kalk behandeln, so würde man wahrscheinlich einen Theil des Leimes zerstören, der das Papier durchscheinend macht, und, wenn man es dann mit Chlor behandelte, würde man einen sehr weißen Zeug erhalten. Rinden können eben so wenig, wie Bambos oder Stroh, mechanisch zerrieben werden. Es ist hier eine chemische Einwirkung nothwendig, um die Fasern zu zertheilen, und vom Leime zu befreien.61)

|140|

Man vergleiche: Jahrbücher des k. k. polytechnischen Institutes in Wien. Achter Band. S. 151–166. A. d. R.

|141|

Wie sie selbst. A. d. U.

|142|

Dieser Baum hält den Winter in Alt-Bayern nicht aus; am Rheine und Mayne hingegen läßt er sich in geschüztem Stande um so leichter ziehen, als man gerade diejenigen Theile desselben, die durch strenge Kälte leiden, anfangs Winters zur Papier-Fabrikation abschneiden muß. A. d. U.

|146|

Ihr systematischer Nahme findet sich nicht in Willdenow. Sollte es eine Urena seyn? Uren nannte auch Rheede die Urena sinuata. Das Herbarium des sel. Banks, der unseren Landsmann in englischer Pracht edirte, könnte hierüber Auskunft ertheilen. A. d. U.

|147|

Der obenerwähnten Abhandlung, zufolge wurde der Bast, nachdem er einige Zeit so der Luft und Sonne ausgesezt, und dabei gebleicht worden war, neuerdings in abwechselnden Lagen mit Kalk in eine Grube oder einen Behälter eingelegt, mit Wasser übergossen, und ferner der Macerirung überlassen. Er wurde sodann herausgenommen, auf einer gereinigten Stelle in Haufen aufgeschichtet, um dieselben einer Gährung zu überlassen, um den verhärteten Leim, welcher noch die feinsten Fasern verband, aufzuschließen und auflöslich zu machen; von diesen Haufen weg wurde er nun in Wasser gekocht etc. A. d. R.

|147|

Das Zeug wurde nun (vergl. S. 157 der angef. Abhandl.) bis zum lezten Zerstampfen in Gruben aufbewahrt, welche in die Erde gegraben waren. Es wurde hier lagenweise eingelegt und jede Lage mit einer Brühe besprengt, die man durch Kochen von Erbsen mit Wasser erhalten hatte. Diese Haufen wurden beständig feucht erhalten, und daher von Zeit zu Zeit mit klarem Wasser besprengt. Es wurde sodann in steinernen Mörsern mit Stößeln von Holz gestampft etc. A. d. R.

|149|

Auch die Bleiche macht es brüchig. A. d. U.

|150|

Vergl. Böhmer's techn. Gesch. d. Pflanzen-Papiermaterialien. A. d. U.

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