Titel: Berthier's, Analyse der Asche verschiedener Holzarten.
Autor: Berthier, Pierre
Fundstelle: 1826, Band 22, Nr. XXVI. (S. 150–163)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj022/ar022026

XXVI. Analyse der Asche verschiedener Holzarten. Von Hrn. P. Berthier.

Aus den Annales de Chimie. Jul. 1826. S. 240.

Herr de Saussure hat in seinen Werken über die Vegetation, und vorzüglich in einer Abhandlung über den Einfluß des Bodens auf einige Bestandtheile der Gewächse schon vor 20 Jahren (Journal de Physique, T. 51. p. 9.) mehrere Analysen der Holzasche geliefert,62) aus welchen erhellt, daß diese Aschen wesentlich aus kohlensaurem Kalke bestehen, und nur wenig Kieselerde enthalten. Dessen ungeachtet scheint man noch allgemein zu glauben, daß die Kieselerde das vorherrschende Element in der Asche ist, und nur wenige haben eine richtige Idee über die Natur dieses Körpers. Da bei dem Schmelzen irgend eines Körpers in freier Berührung mit dem Holze oder mit Holzkohle die Asche eine Rolle spielt; da diese Rolle nicht selten sehr wichtig ist, vorzüglich bei metallurgischen Operationen; so hielt ich es für interessant, eine vergleichende Analyse der Asche verschiedener Holzarten, deren man sich als Brenn-Material |151| bedient, und auch noch anderer Holzarten, die in unserem Lande einheimisch sind, zu unternehmen. Ich beschäftigte mich mit dieser Arbeit seit mehreren Jahren, konnte aber die Resultate nicht früher bekannt machen, weil ich viel Zeit dazu brauchte, alles Wesentliche derjenigen Holzarten zu erhalten, die ich untersuchte.

So oft es nur immer möglich war, brennte ich das Holz oder die Kohle selbst zu Asche, und gab mir alle mögliche Mühe nichts davon zu verlieren, um die Mengen-Verhältnisse mit aller Genauigkeit bestimmen zu können. Diese Arbeit fordert große Sorgfalt, indem der Stoff, mit welchem man sich hier beschäftigt, so fein und leicht ist, daß die mindeste Erschütterung denselben als Staub davon stiegen läßt. Ich fing die Verbrennung in einem kleinen walzenförmigen irdenen Ofen oder in einem kleinen Kohlenbeken an, dessen Thürchen kaum geöffnet, und die in einen Ort gestellt waren, wo die Luft vollkommen ruhig blieb; die erhaltenen Kohlen äscherte ich in einem Platinna-Tiegel bei Rohglühhize bis zur vollkommensten Zerstörung derselben ein.

Jede Asche besteht aus alkalischen, im Wasser auflöslichen Salzen und aus unauflöslichen Stoffen. Die alkalischen Salze haben entweder Kali oder Natrum zur Basis, und enthalten Kohlensäure, Schwefelsäure, Salzsäure, etwas Kieselerde, und zuweilen auch Phosphorsäure. Die unauflöslichen Stoffe enthalten Kohlensäure, Phosphorsäure, Kieselerde, Kalk, Bittererde, Eisen- und Braunstein-Oxid. Die Kohlensäure ist niemahls in solcher Menge vorhanden, daß sie die Alkalien, die Bittererde, und die Kalkerde sättigen könnte, indem die Hize, welche zur Einäscherung nöthig ist, die kohlensaure Bittererde zersezt, und selbst einen Theil des Kalkes in kaustischen Zustand versezt. Die Menge des äzenden Kalkes ist desto größer, je höher die Temperatur war, unter welcher die Einäscherung geschah: Asche aus großen Oefen, wo die Hize sehr groß ist, hält immer mehr davon, als eine Asche, die man im Kleinen durch Verbrennung einiger Hundert Grammen Holzes oder Kohle bereitet.

Ich habe verschiedene Verfahrungs-Weisen angewendet, um die Asche gehörig zu analysiren; diejenige, die ich gewöhnlich befolgte, weil ich sie für die beste hielt, ist folgende.

Man siedet die Asche in destillirtem Wasser, filtrirt, und |152| wäscht den Rükstand vollkommen aus, troknet ihn bei Rothglühhize, und wiegt ihn. Die Auflösung wird bis zur Trokenheit abgeraucht, und die Salze werden gleichfalls nach dem Ausglühen gewogen. Man erhält fast immer eine kleine Gewichtszunahme, indem während des Kochens in: Wasser der in der Asche enthaltene äzende Kalk auf die kohlensauren Alkalien wirkt, und denselben eine gewisse Menge Kohlensäure entzieht, und die davon frei gewordenen Alkalien an der Stelle der Kohlensäure eine äquivalente Menge Wassers an sich ziehen, die durch Glühen nicht mehr davon weggetrieben werden kann. Selten sättigt sich der Kalk während des Kochens mit der Kohlensäure, und fast immer bleibt etwas kaustischer Kalk in den unauflöslichen Stoffen zurük.

Die alkalischen Salze und die unauflöslichen Stoffe werden besonders analysirt. Ich umgehe das Detail der Analyse bei den Alkalien als ohne dieß bekannt. Ich habe mich öfters bloß begnügt ihre Menge überhaupt anzugeben, weil dieser Theil der Asche für meinen Zwek weniger wichtig war; zuweilen jedoch habe ich das Verhältniß des Kali und Natrum, und selbst die Gegenwart der Phosphorsaure besonders angegeben.

Was die unauflöslichen Stoffe betrifft, so nimmt man a) einen Theil derselben, und glüht ihn bei starker Weißglühhize aus: die Menge Kohlensäure, die sich entwikelte, wird durch den Gewichts-Verlust bestimmt. Da immer einige Kohlen-Theilchen unter der Asche bleiben, die während des Glühens eingeäschert werden, so gibt der Gewichts-Verlust in der That eine etwas zu große Menge Kohlensäure an; indessen ist diese Veranlassung eines Irrthumes unbedeutend, und kann in den meisten Fallen Übergangen werden. Wenn ich aber Äsche analysirte, die noch viel Kohle beigemengt hatte, bestimmte ich vorläufig die Menge der lezteren. In dieser Hinsicht kochte ich die Masse mit Salzsäure von mittlerer Stärke, wodurch, bis auf die Kieselerde und die Kohle, alles aufgelöst wurde. Den unaufgelösten Rükstand, wusch ich mit kaustischem Kali, wodurch die Kieselerde aufgelöst wurde, und die Kohle blieb rein zurük. Wenn die unauflöslichen Stoffe nicht stark genug getroknet wurden, so konnte vielleicht etwas Wasser mit dem kaustischen Kalke in Verbindung bleiben, und auf diese Weise würde die Bestimmung der Menge der Kohlensäure durch Ausglühen ein zu großes Verhältniß derselben angeben, indem auch |153| das Wasser durch das Ausglühen entweicht. In diesem Falle müßte sowohl die Menge Wassers durch Erhizung dieser Stoffe in einer Röhre, als die Menge Kohlensäure auf nassem Wege bestimmt werden.

b) Man reibt eine andere Portion der unauflöslichen Stoffe auf einem Reibsteine sehr fein ab, und kocht sie in einem Kolben mehrere Stunden lang mit Essigsaure; alle Bittererde, der größte Theil der Kalkerde und etwas Braunstein-Oxid wird dadurch aufgelöst: man glüht den Rükstand aus, und wiegt ihn. Dieser Rükstand enthält alle Kieselerde, alles Eisenoxid, alle Phosphorsaure, und den größten Theil des Braunstein-Oxides; überdieß noch Kalk mit Phosphorsäure verbunden, wenn nicht genug Eisenoxid vorhanden ist, um diese Säure zu sättigen: wenn aber sehr viel Eisen-Oxid vorhanden ist, so findet man nie Kalk in dem Rükstande bei Behandlung mit Essigsaure.

c) Man verdünstet die Essigsäure-Auflösung (b), um die überflüßige Essigsaure zu verjagen, und behandelt den Rükstand mit Wasser, sezt der Auflösung Kalkwasser zu, und schlägt so die Bittererde und das Braunstein-Oxid nieder. Dieser Niederschlag wird ausgeglüht, gewogen, und sein Gewicht zu jenem der Kohlensäure und des unauflöslichen Rückstandes in der Essigsäure hinzu addirt, wodurch man, nach Abzug des ganzen Gewichtes der angewendeten Asche, das Verhältniß des Kalkes nach der Differenz erhält. Man löst die Bittererde und den Braunstein in der Salzsäure wieder auf, schlägt lezteren durch eine alkalische Schwefelleber nieder, röstet den Niederschlag, um ihn in Oxid zu verwandeln, wiegt ihn, und bestimmt die Menge der Bittererde aus der Differenz.

d) Man löst den Rükstand (b) wieder in Salzsäure auf, raucht bis zur Trokenheit ab, um die Kieselerde unauflösbar zu machen, sezt neuerdings Salzsäure zu, aber nur so viel, als nöthig ist, um die phosphorsauren Verbindungen und die Metall-Oxide aufgelöst zu erhalten, und bestimmt die Menge der Kieselerde.

e) Man verdünnt die salzsaure Auflösung mit Wasser, und sezt sauerkleesaures Ammonium zu, wodurch der Kalk und auch etwas Braunstein-Oxid niedergeschlagen wird. Man bestimmt die Menge dieser beiden Körper zusammengenommen, nachdem man den Niederschlag ausglühte, und scheidet sie hierauf, wie |154| oben bei dem Gemenge von Bittererde und Braunstein-Oxid angegeben wurde.

f) Man schlägt endlich das Eisen- und Braunstein-Oxid aus der Flüßigkeit mit Ammonium oder mit einer kohlensauren Verbindung nieder. Wenn wenig Phosphorsäure in der Asche ist, so nehmen diese Oxide sie ganz mit sich fort; wenn aber viel davon vorhanden ist, und wenn der Rükstand (b) Kalk enthielt, so bleibt Phosphorsäure in der Flüßigkeit. Um die Menge derselben zu bestimmen, gießt man eine Auflösung von salzsaurem Kalke in dieselbe, wo dann ein Gemenge von phosphorsaurem, sauerkleesaurem und kohlensaurem Kalke sich niederschlagt, welches man bei Rothglühhize ausglüht; man löst diesen Niederschlag wieder in einer Säure auf, und fällt den phosphorsauren Kalk aus der Auflösung mittelst kaustischen Ammoniums.

g) Um den Niederschlag (f) zu analysiren, kann man ihm naß, mit einer alkalischen Schwefelleber digeriren, die ihm die Phosphorsaure entzieht, so daß man nur mehr das Eisen vom Braunstein zu scheiden hat; oder, was auf dasselbe hinausläuft, man glüht ihn aus, wiegt ihn, hizt ihn in einem silbernen Tiegel mit kaustischem Alkali, rührt ihn mit Wasser an, und läßt die Flüßigkeit einige Zeit über ruhig stehen, damit das Braunstein-Oxid, welches sie aufgelöst enthält, sich sezen kann etc. Wenn der Niederschlag (f) Eisen genug enthält, um alle Phosphorsaure zu sättigen, so kann man ihn noch naß mit Essigsäure behandeln, bis zur Trokenheit bei gelinder Wärme abrauchen, um die überschüssige Säure zu verjagen, und wieder in Wasser auflösen. Aller Braunstein löst sich als essigsaurer Braunstein, und alles Eisen bleibt mit der Phosphorsäure verbunden.

Wenn die Asche nur etwas Braunstein-Oxid enthält, so sieht sie grau aus, und bildet, mit Salzsäure behandelt, Chlor: zum Beweise, daß dieses Oxid frei, und nicht mit Phosphorsäure verbunden ist. Die Asche kann aber viel Eisen-Oxid enthalten, ohne bedeutend gefärbt zu seyn, wenn sie zugleich Phosphorsaure enthält, wo dann dieses Oxid als phosphorsaure Verbindung in der Asche vorhanden zu seyn scheint. Daher scheint es mir, daß die Phosphorsäure zum Theile mit Eisenoxid verbunden ist, und zum Theile mit Kalk, sobald eine größere Menge derselben vorhanden ist, als zur Sättigung des Oxides

|zu S. 155|

Tabelle B zu S. 155

Textabbildung Bd. 22, S. 155
|155|

nothwendig wäre, und ich nehme an, daß das in der Asche enthaltene phosphorsaure Eisen F² P⁵, und der phosphorsaure Kalk einerlei mit der phosphorsauren Knochenerde ist.

Folgende Tabellen, in welchen dieselben Numern dieselben verbrennlichen Stoffe bezeichnen, stellen die Resultate der angestellten Versuche dar:

Textabbildung Bd. 22, S. 155

1) Hainbuchen-Holz aus dem Depart. de la Nièvre; aus Schlägen; sehr troken. Der Boden, wo es wuchs, ist thonig und sandig, und sehr eisenschüssig. Aus diesem Boden kommen die Eisenerze, die so viele Hochöfen in diesem Departement beschäftigen.

2) Hainbuchen-Kohle aus dem Somme-Departement; |156| sehr trecken, und von erster Güte. Man führt sie auf Wagen bis Paris; sie gibt mehr Hize, als die auf Schiffen dahingefahrne. Ihre Asche war gelblich.

3) Buchen-Kohle aus dem Dptt. de la Somme. Von gleicher Güte mit der vorigen. Die Asche hatte eine Farbe, wie Sägespäne. Ein Liter dieser Asche, nicht aufgehäuft, wog 530 Gramm.

4) Eichen-Kohle, aus dem Dptt. de la Somme. Von gleicher Güte mit den Kohlen N. 2 und 3. Die Asche war gelblich. Sie scheint viel Soda zu enthalten.63)

5) Eichen-Holz, in Prügeln von 5 bis 15 Centimetern Durchmesser, von Roque-les-Arcs, bei Cahors, Dptt. de Lot. Der Boden ist sehr troken, felsig, aus Trümmern secundären Kalksteines mit wenig Thon: was man im mittägigen Frankreich überhaupt causse nennt. Die Asche war weiß, und so dicht, daß sie, ungehäuft, 680 Grammen das Litter wog, gehäuft und eingerüttelt aber 750, und mit der Hand stark eingedrükt, 910 Grammen.

6) Eichenrinde, gesammelt im Dptt. de l'Allier; troken, so wie man sie zu Nemours (Seine et Marne), in den Gärbereien braucht. Sie gibt eine bedeutende Menge Asche, die braun, und auffallend arm an Alkali ist, dafür aber eine Menge Braunstein-Oxid enthält, und nicht die mindeste Spur von Phosphorsäure. Die aus den Lohgruben genommene Lohe, die keinen Gärbestoff mehr hält, wird zu Klumpen geformt, und als Brennmaterial verbraucht. Diese Lohklumpen geben 0,12 Asche, die auffallend mit Sand gemengt ist. Diese Asche gibt nur 0,016 alkalische Salze, und kann nie zur Lauge verwendet werden. Offenbar nimmt das Wasser, während des Gärbens, der Rinde mehr als die Hälfte ihrer alkalischen Bestandtheile.

7) Linden-Holz, aus einem Garten zu Nemours.64) |157| Der Boden ist etwas kalkartiges Gerölle, das nicht hoch über dem Wasserspiegel des Flußes Loing liegt, und in welchem das Gehölz sehr freudig wächst. Die zum Versuche genommenen Aeste waren von mittlerer Starke. Sechs Monate, nach dem Hiebe hatten sie 0,40 ihres Gewichtes verloren, und nun wurden sie eingeäschert, und gaben weiße Asche.

8) Mahaleb (Bois de St. Lucie). Aus demselben: Garten. Die Aeste hatten mittlere Stärke, und, im Zimmer, in 6 Monaten 0,26 ihres Gewichtes verloren. Die Asche war weiß.

9) Trauben-Hohlunder, aus demselben Garten. Man ließ die abgeschnittenen Aeste ein Jahr lang troknen. Die Asche war graulich.

10) Judasbaum, aus demselben Garten. Die Aeste von mittlerer Stärke verloren in 6 Monaten 0,27 ihres Gewichtes. Die Asche war weiß.

11) Nußbaumholz, aus demselben Garten. Die Aeste und Zweige verloren in 6 Monaten 0,33 ihres Gewichtes. Die Asche war weiß.

12) Papier-Maulbeerbaum (murier de la Chine), aus demselben Garten. Die mittleren Aeste hatten nach 6 Monaten 0,26 ihres Gewichtes verloren. Die Asche war weiß.

13) Weißer Maulbeerbaum, aus demselben Garten. Nach 6 Monaten verloren die Aeste mittlerer Größe 0,31 ihres Gewichtes. Die Asche war weiß.

14) Weißer Maulbeerbaum, aus der Gegend von Air, Dptt. des Bouches du Rhône, wo die Vegetation sehr üppig ist. Der Boden ist talkartig und thonig.

15) Pomeranzenbaum, im Freien gewachsen im Dptt. d. Bouches du Rhône. Die Asche war weiß, etwas graulich.

16) Stein-Eiche (Chêne blanc). Dptt. des Bouches du Rhône. Die Asche war sehr leicht und weiß.

17) Stiel-Eiche (Chêne vert). Eben daher.

18) Birke, aus dem Walde um Orleans. Der Boden ist ein sandiger Thon mit Kieselsteinen. Die Asche sah wie lichter Tabak aus. Sie war aus sehr trokenen Bündeln.

19) Bohnenbaum. Aus dem Garten der Ecole des Mines am Luxembourg. Die Aeste waren von mittlerer Stärke; man schnitt sie klein, und troknete sie 14 Tage lang auf dem Ofen. Die Asche war weiß. Sie verdient Beachtung wegen |158| der Menge Phosphorsäure, die sie hält. An einem Bohnenbaume aus obigem Garten zu Nemours erhielt ich noch mehr davon: 0,23. Diese Säure bleibt mit dem Kalke in den unauflöslichen Stoffen verbunden: die alkalischen Salze zeugen nur eine Spur davon. Da Flußspathsäure beinahe immer die Phosphorsäure begleitet, so prüfte ich diese Asche auf dieselbe. Ich nahm den Rükstand aus der Behandlung derselben mit Essigsaure, und kochte ihn mit concentrirter Schwefelsäure in einer gläsernen Retorte. Das Glas blieb überall glatt, und das Wasser, in welchem ich die Dampft auffing, zeigte nicht die mindeste Spur von Kieselerde. Es scheint also nicht, daß Flußspathsäure vorhanden war.

20) Kastanienbaum. Von Allevard, Dptt. de l'Isère, auf Grauwacke und Uebergangs-Kalkstein gezogen.

21) Erle. Von Allevard.65) Aus Schlägen von 12–15 Jahren. Die Asche war gelblich.

22) Fichte. Von Allevard. 40 bis 50 Jahre alt. Die Asche war braun.

23) Fichte, aus Norwegen. Ein Stük Brett, das Hr. Ström die Güte hatte, mir von einer feiner Kisten zu geben. Das Brett war vollkommen troken und rein, und konnte nicht von Meerwasser naß geworden seyn, indem die in der Kiste enthaltenen Güter sehr wohl erhalten waren. Während der Einäscherung ward die Asche weich, und klümperte sich, so daß man sie öfters zerstoßen, und neuerdings brennen mußte, um sie rein von aller Kohle zu erhalten. Diese Asche unterscheidet sich von allen mir bekannten durch die Menge alkalischer Salze und Metall-Oxide, die sie enthält. Es ist auch merkwürdig, daß sie weit mehr Pottasche, als Soda enthält. Man könnte sie auf Soda benüzen, und diese Soda würde den Vergleich mit der spanischen aushalten. Es war natürlich zu vermuthen, daß sie sich nur zufällig in diesem Holze fand, und durch Meerwasser hinein kam; allein, das Brett ward nie von der See naß, und wenn dieß der Fall gewesen wäre, so wäre salzsaures und nicht kohlensaures Natrum in der Asche geblieben: man fand aber keine Spur von Salzsäure. Auch findet sich mehr Kieselerde, als gewöhnlich, in dieser Äsche, jedoch bei weitem nicht so viel, als einige Metallurgen darin annahmen.

|159|

24) Föhre. Aus dem Dptt. des Basses-Alpes. Die Asche war graulich weiß.

25) Weizen-Stroh. Von einem starken kalkigen Boden zu Puiselet, bei Nemours. Man nahm die Aehren und alles Unkraut sorgfältig weg, und äscherte es drei Monate nach der Ernte ein. Obschon man die Asche lange Zeit über in einem Platinna-Tiegel glühte, blieb sie doch schwarz, und floß dort, wo sie den Tiegel berührte. Man digerirte sie dann mit siedend heißem Wasser, glühte den Rükstand von Neuem, der nun nicht mehr floß, und äscherte die Kohle ein. Nach der Tabelle wird man sehen, daß die alkalischen Salze bestehen aus

0,360 salzsaurem Kali,
0,043 schwefelsaurem Kali,
0,597 kieselsaurem KS²
Spuren von kohlensaurem
–––––
1,000

Die unauflöslichen Stoffe enthalten noch 0,08 Kali, die man in der Tabelle mit der Kohle und unter dem Verluste begriffen hat. Dieses Alkali befindet sich daselbst im Zustande eines übersauren kieselsauren Salzes (sursilicate), so wie auch der Kalk. Die nicht gewaschene Asche bestünde demnach aus

0,715 Kieselerde,
0,130 Kali mit Kieselerde verbunden,
0,053 Kalk,
0,032 salzsaurem Kali,
0,004 schwefelsaurem Kali,
– – kohlensaurem Kali, Spuren.
0,023 Eisenoxid,
0,011 Phosphorsaure,
0,032 Kohle und Verlust.

Hr. de Saussure hat in seinen Recherches sur la Vegétation eine Analyse des Strohes und der Weizenkörner bekannt gemacht, die folgende Resultate gibt:

Stroh: Körner:
Kohlensaures Kali 0,1250 0,2500
Phosphorsaures Kali 0,0500 0,3200
Salzsaures Kali 0,0300 0,0016
Schwefelsaures Kali 0,0200 Spuren
Erdige phosphorsaure Verbindung 0,0620 0,4450
Erdige kohlensaure – 0,0100 0,0000
|160| Stroh: Körner:
Kieselerde 0,6150 0,0050
Metall-Oxide 0,0100 0,0025
Verlust 1,0780 0,0759

Diese Resultate, insofern sie das Stroh betreffen, weichen von den meinigen nur wenig ab, und zeigen, daß verschiedene Theile derselben Pflanze Asche von sehr verschiedener Natur erzeugen können.

26) Erdäpfelkraut. Von Nemours auf einem sehr trokenen Boden, der aus weißem Quarzsand bestand, und etwas kalkig war. Es wurde im Augenblike der Erdäpfel-Ernte gesammelt. Nachdem man es mehrere Monate lang troknen ließ, verbrannte man einzeln die Stängel und die Wurzeln. Ihre Gewichte verhielten sich, wie 7 : 1. Die Stängel gaben 0,162 Asche, die Wurzeln nur 0,080. Die Asche war sehr weiß. Die Asche der Stängel enthielt

Alkalische Salze 0,162;
Unauflösliche Stoffe 0,838.

Die alkalischen Salze bestanden aus

Kohlensaurem Kali 0,20;
Schwefelsaurem 0,50;
Salzsaurem 0,30;
–––––
1,00.

Die unauflöslichen Stoffe bestanden aus

Gallertartiger Kieselerde und Sand 0,365;
Phosphorsaurem Kalke 0,130;
Kohlensaurem Kalke und d° Bittererde 0,490;
Kohle 0,015;
–––––
1,000.

Die Menge beigemengten Sandes kann auf 0,200 geschäzt werden. Hiernach wäre das Verhältniß der reinen Asche, welche die Stängel lieferten, nur ungefähr 0,13.

Die Asche der Wurzeln enthielt mehr Alkalien, als die der Stängel: sie gab 0,09 bis 0,10.

Aus diesen Daten kann man schließen, daß Stängel und Wurzeln zusammengenommen, 1/150 ihres Gewichtes Kali-Salze geben konnten; d.i., drei bis vier Mahl mehr, als das gewöhnliche Holz liefert. Allein diese Salze, die nur wenig kohlensaures Kali geben, wären von wenig Nuzen zur Wäsche, |161| und könnten nur zur Salpeter- und Alaun-Erzeugung dienen. Wenn sie auch übrigens von der ersten Güte wären, so hätte man doch keinen Vortheil beim Verbrennen des Erdapfelkrautes, um daraus, wie man vorgeschlagen hat, Alkali zu gewinnen; denn der Bruto-Werth des Productes von 100 Kilogr. des trokenen Erdapfelkrautes wäre nicht mehr als 1 Franc; nun ist es aber offenbar, daß 100 Kilogr. grünes Erdäpfelkraut als Viehfutter mehr werth sind.

27) Wurmkraut (Tanacetum). Aus dem Garten von Nemours. Es ist reich an Alkali, und enthält eine große Menge Kieselerde.66)

28) Wurzeln von Tabak von Saint Malo. Sie wurden halb verbrannt geschikt, weßwegen man das Verhältniß der Asche nicht bestimmen konnte. Die Asche war sehr arm an alkalischen Salzen, und diese enthielten nur den vierten Theil ihres Gewichtes kohlensaure Verbindungen. Es ist daher besser diese Wurzeln als Dünger zu verwenden, als sie zu verbrennen, um Alkali daraus zu erhalten.

Die erste Bemerkung, die aus allen diesen Analysen hervorgeht, ist wohl diese, daß nirgendwo sich Thonerde fand, obschon sie überall und sehr oft in höchst bedeutender Menge in der Erde vorkommt. Wenn man hier und da in einer Asche Spuren davon findet, so kommt sie offenbar von Thonerde her, die an den Wurzeln der Pflanze hängen bleiben konnte, und sich dann unter die Asche mengte. Die Abwesenheit dieser Erde rührt wahrscheinlich davon her, daß sie in Wasser unauflösbar ist, und nur sehr schwache Verwandtschaften besizt, die ihr nicht gestatten bei der Gegenwart so starker Basen, wie Kalk, Bittererde, Eisen- und Braunstein-Protoxid, sich mit Pflanzen-Säuren zu verbinden. Die Kieselerde findet sich selten in großer Menge in der Asche der Holzarten; sie kommt aber in bedeutender Menge in der Asche vieler Pflanzen, vorzüglich der Grasarten, vor. Sie konnte in Folge ihrer Auflöslichkeit |162| im Wasser, und ihrer leichten Verbindung mit Alkalien in die Pflanzen gelangen.67) Die Schwefelsäure, Salzsäure und Phosphorsäure kann nur durch den Dünger und durch thierische Reste entstehen.

Wenn man die Asche einer und derselben Holzart, die aber auf verschiedenem Boden wuchs, unter einander vergleicht, so wird man finden, daß sie bedeutend von einander abweichen kann, zum deutlichen Beweise, daß der Boden Einfluß auf die Bestandtheile derselben hat. Die Asche der Eiche von der sogenannten Causse bei Roque-les-Arcs (5) ist beinahe nur kohlensaurer Kalk, während die der Eiche de la Somme (4), viel Bittererde und phosphorsauren Kalk enthält. Die Asche des weißen Maulbeerbaumes aus den Bouches du Rhône (14) hält kaum eine Spur von Phosphorsäure, während der weiße Maulbeerbaum von Nemours (13), wenigstens 0,10 davon enthält etc.

Wenn man im Gegentheile, die Asche verschiedener Pflanzen, die in demselben Boden wuchsen, (7) (8) (9) (10) (11) (12) (13) (19) (27) vergleicht, so wird man finden, daß, wenn die Pflanzen einige Analogie haben; auch die Asche eine ziemliche Aehnlichkeit zeigt; wenn aber die Gewächse sehr verschieden sind, ist auch die Asche sehr verschieden. Man vergleiche (19) und (27) mit (7) (8) etc. Hieraus muß man schließen, daß die Pflanzen solche Stoffe aus dem Boden ziehen, die ihnen am besten taugen, und daß diese Stoffe nicht durch bloße Einsaugungs-Kraft der Haarröhrchen, oder auf mechanische Weise in dieselben gelangen. Man sieht, daß Bäume, die in einem rein thonigen und steinigen Boden wachsen, wie die Birke bei Orleans (18), der Kastanienbaum und die Erle bei d'Allevard, (20,21) eine Asche geben, die sehr viel Kalk hält, während die Asche des Weizenstrohes von Puiselet (25) nichts davon enthält, obschon es auf kalkigem Boden wuchs.

Was endlich ferner noch den Beweis vollendet, daß die Stoffe, welche der Boden den Pflanzen liefert, von diesen nach den Gesezen ihrer Organisation und ihrer Bedürfnisse gewählt werden, ist der Umstand, daß diese Stoffe in verschiedenen Theilen derselben sehr ungleich vertheilt sind. So geben die |163| stärkeren Aeste der Eiche 0,012 Asche, die 0,15 ihres Gewichtes alkalische Salze enthält, und die Rinde desselben Baumes gibt 0,06 Asche, in welcher nur 0,05 alkalische Salze vorkommen, welche keine Phosphorsäure enthalten, und mehr als 0,07 Braunstein-Oxid liefern. Die Asche des Weizenstrohes besteht beinahe einzig aus kieselsaurem Kali, und die der Weizen-Körner enthält fast nur phosphorsauren Kalk.68)

Die Holzarten, die am meisten alkalische Salze geben, sind der Traubenhohlunder und die Aeste der Linde,69) die 1/200, ihres Gewichtes geben; der Bohnenbaum, der 1/250 liefert, der Judasbaum, der 1/300 gibt. Eichenholz aus dem Departement du Lot würde auch ungefähr 1/300, seines Gewichtes geben.

|150|

Noch mehrere andere finden sich in Böhmer's techn. Gesch. der Pflanzen von verschiedenen Schriftstellern. Wir haben von obiger Abhandlung des Hrn. Berthier bereits eine kleine Notiz gegeben. Da sie jezt ganz erschienen ist, so beeilen wir uns, sie dem Publicum mitzutheilen. A. d. Ueb.

|156|

Es ist zu bedauern, daß der Hr. Verf. nicht sagt, welche Eiche er meint, da er unten Stein- und Stiel-Eiche besonders anführt, und in Frankreich so viele verschiedene Eichen vorkommen. A. b. Ueb.

|156|

Der Hr. Verfasser gibt hier in einer langen Anmerkung eine interessante geologische Beschreibung der Umgebungen von Nemours, die wir aber weglassen, als nicht zur Sache gehörig. A. d. Ueb.

|158|

Welche Art? A. d. Ueb.

|161|

Es ist sehr zu bedauern, daß Hr. Berthier, während er mit diesen Versuchen im Gange war, nicht auf die Idee gekommen ist, die Chenopodien, die Atriplex, die Artemisien, die als lästiges Unkraut überall an Hecken und Graben wachsen, und die Disteln einzuäschern, und den Alkali-Gehalt ihrer Asche zu prüfen. Unkraut, das kein Thier genießt, das schädlich ist, läßt sich auch bei geringerem Alkali-Gehalte mit Vortheil einäschern. A. d. Ueb.

|162|

Die Versuche Schrader's und des alten Crell stimmen nicht mit dieser Ansicht, und veranlassen die Vermuthung, daß Kieselerde in den Pflanzen so, wie Kalkerde in den Thieren, vielleicht gebildet werden kann: durch den chemisch organischen Lebens-Proceß. A. d. Ueb.

|163|

Dieß kann aber auch beweisen, daß verschiedene Theile einer Pflanze verschiedene Stoffe in Folge ihrer Organisation erst in sich ausbilden. Die Kirsche, der Pfirsich ist eine gesunde, schmakhafte Frucht, und mitten in diesen köstlichen Früchten umhüllt ein braunes Hautchen unter der beinharten Schale den Kern, welches Häutchen das stärkste Pflanzengift enthält, das man kennt. Soll man annehmen dieses Gift käme zugleich mit dem schmakhaften Safte aus der Erde, und flöße durch den kleinen Stiel der Frucht neben lezterem vorbei, ohne ihn zu vergiften? Oder ist es wahrscheinlicher, daß dieses Gift in der Haut, die den Samen umhüllt, in Folge des Baues derselben eben so gebildet wird, wie in Folge des Baues der Frucht, aus demselben Boden der Kirschbaum Kirschen, und der Pfirsichbaum Pfirsiche trägt? A. d. Ueb.

|163|

Es wäre sehr zu wünschen, daß, wenn man ja die Chausseen mit Bäumen bepflanzen will, man statt der elenden Espen und schwarzen Pappeln, oder den geköpften Linden (mit welchen man hier und da in Bayern die Heerstraßen bepflanzt, und die mit Ausnahme der Linden nicht nur keinen Nuzen geben, sondern als Schlupfwinkel der Insekten auch noch schädlich werden), wie in Holland Rüstern (Ulmen), die ein so treffliches Werkholz liefern, oder, wie in einigen Gegenden Polens und Rußlands unverstümmelte Linden pflanzte. Leztere geben nicht nur gute Asche, herrliche Kohle, sondern auch das allerbeste Brennholz: nach Grafen Rumfords Versuchen gibt kein Holz mehr Hize. Ueberdieß geben die Linden, zumahl wenn man großblättrige und kleinblättrige unter einander pflanzt, das beste Bienenfutter, das man wünschen kann, und es ist wahrlich in Bayern sehr der Mühe werth, auf Bienenzucht zu denken, nicht bloß wegen des Honiges, als Zuker-Surrogat, sondern auch wegen des Wachses, das Bayern fast lediglich aus Polen und Rußland bezieht, und wovon es, bei dem täglich sich steigerndem Gebrauche der Kerzen bald das Doppelte und Dreifache wird einführen müssen. A. d. Ueb.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: