Titel: Lariviere's, Lampe und Apparat, Stahl zu hizen, um denselben zu härten und zu temperiren.
Autor: Gill, Thomas
Fundstelle: 1826, Band 22, Nr. XL. (S. 202–204)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj022/ar022040

XL. Hrn. Lariviere's Lampe und Apparat, Stahl zu hizen, um denselben zu härten und zu temperiren.

Von Hrn. Gill in dessen technical Repository. N. 55. S. 55.

Mit Abbildungen auf Tab. V.

Herr Lariviere bedarf bei seiner Arbeit zum Hizen seiner kleinen Bohrer, Draht-Punzen etc. beständig einer Lampe und Löthrohres, und hat daher in einer Eke seiner Werkstätte einen |203| eigenen Kasten zur Aufstellung dieser Lampe, und der dazu nöthigen Artikel. Die Wände seiner Werkstätte sind alle weiß übertüncht, außer in dieser Eke, die er dunkelbraun anstreichen ließ, um die Farben seiner Hizen desto besser zu sehen; er schließt sogar mittelst Vorhängen, wenn die Sonne scheint, das Licht aus, welches von den gegenüberstehenden Fenstern auf diese Lampe fällt.

Seine Lampe ist eine Pariser-Lampe mit flachem Dochte, wie Fig. 22. Tab. V. zeigt. Sie weicht nicht sehr von den englischen Lampen ab, außer daß der Brenner sorgfältiger verfertigt ist, so daß er ihn bequemer zu seinem Gebrauche vorrichten kann, wie man in Fig. 23. in einer besonderen im größeren Maßstabe von vorne genommenen Zeichnung dargestellt sieht. Ein horizontaler Einschnitt läuft quer durch den Brenner innerhalb des Bechers oder der Lippe, damit man den Docht mittelst eines eigens dazu verfertigten Instrumentes, welches in Fig. 24 und 25. in natürlicher Größe dargestellt ist, heben oder senken kann. Dieses Instrument ist aus Eisen, und bildet an einem Ende einen flachen Meißel, wodurch der Docht, wenn man die gerade Kante des Instrumentes in den queren Einschnitt bringt, leicht gehoben oder gesenkt werden kann. Man kann aber auch den Docht leicht niederdrüken, wen man mit der flachen Seite dieses Instrumentes auf den oberen Theil desselben drükt, was Hr. Lariviere immer, bis beinahe auf die Höhe des Brenners hinab, thut, nachdem er die Lampe gebraucht hat, so daß nur ein Ende des Dochtes noch empor ragt, und die Lampe, wie Fig. 23. zeigt, noch fortbrennt, damit er sie nicht immer neuerdings anzünden darf. Dieses Instrument ist weit bequemer, als der spizige Draht, dessen man sich gewöhnlich bei uns zum Zurichten der Lampe, und zum Aufziehen des Dochtes bedient. Es ist mit einem Haken versehen, wodurch es in einem Bügel all der Seite des Oehlbehälters der Lampe aufgehängt wird, wie Fig. 22. zeigt, und eine kleine messingene Kette sichert gegen alles Verlegen desselben. Oben auf dem Oehlbehälter ist ein Blok aus Messing mit einer Stellschraube, um die Lampe in jeder erforderlichen Höhe auf ihrem Fuße zu erhalten.

Hr. Lariviere bedient sich desselben Löthrohres, dessen sich die Uhrmacher bedienen, und hält die kleineren Gegenstände in einer Spalte, die er durch das Ende eines Stükes Weidenkohle |204| gemacht hat, wie die punctirten Linien in Fig. 23. zeigen, nachdem er vorläufig den Docht hinlänglich in die Höhe gezogen hat, um eine Flamme von der gehörigen Stärke zu erzeugen. Nachdem er den zu erhizenden Gegenstand in die gehörige Temperatur gebracht hat, läßt er ihn, je nachdem er mehr oder minder gehärtet werden soll, entweder in Wasser oder in Oehl fallen, welches sich in darunter gestellten Gefäßen befindet. Er temperirt denselben, indem er entweder die Flamme der Lampe mittelst des Löthrohres auf denselben leitet, während er noch auf der Holzkohle oder zwischen einer Zange ist (vorher hat er ihn aber durch Reiben auf einem orientalischen Oehl-Wezsteine polirt), oder er legt ihn in einen kleinen, flachen, dünnen Trog, dessen Kanten etwas aufgebogen sind (wie Fig. 26 und 27. in natürlicher Größe zeigt), und hält ihn so lange über die Flamme der Lampe, bis die gehörige Temperir-Farbe zum Vorscheine kommt.

Er ist mit Feuerschwamm (deutschem Zunder, Germantider!!) Feuerstein, Stahl und Schwefelkerzchen versehen, um die Lampe so oft als nöthig anzuzünden. Die Lampe hat einen gläsernen Schornstein, und einen kegelförmigen Schirm, um zugleich auch bei derselben arbeiten und lesen zu können.

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