Titel: Ballard, über eine neue Substanz, Brom genannt, welche in dem Meerwasser enthalten ist.
Autor: Ballard, M.
Fundstelle: 1826, Band 22, Nr. XLIX. (S. 221–255)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj022/ar022049

XLIX. Ueber eine eigenthümliche Substanz, welche in dem Meerwasser enthalten ist. Von M. Ballard, Apotheker und Präparateur an der Academie der Wiss. zu Montpellier.

Aus den Annales de Chimie et de Phys. August 1826. S. 337.

I. Geschichtliche Darstellung der Untersuchungen.

Ich hatte öfters bemerkt, daß, wenn man die Lauge von der Asche der Jod enthaltenden Fucus mit der wässerigen Auslösung des Chlor behandelt, sich nach dem Zusaze einer Stärkeauflösung, |222| nicht bloß eine blaue Zone zeigt, welche einen Antheil Jod enthält, sondern auch, etwas über derselben eine Zone von einer sehr intensiven gelben Farbe.

Diese orangegelbe Farbe zeigte sich auch, als ich auf dieselbe Art die Mutterlauge unserer Salinen behandelte; die Färbung war dabei um so dunkler, je concentrirter die Flüßigkeit selbst war. Die Erscheinung dieser Färbung war von einem starken eigenthümlichen Geruch begleitet.

Ich untersuchte nun, von welcher Art dieses färbende Princip seyn könnte, und meine ersten Versuche führten mich, so weit sie reichten, auf folgende Bemerkungen:

1) Die Mutterlauge der Salinen, nachdem sie mit Chlor behandelt worden ist, verliert ihre Farbe und ihren Geruch, wodurch sie sich auszeichnet, dadurch, daß sie einen oder zwei Tage der Berührung mit der Luft ausgesezt bleibt, ohne daß das Chlor alsdann dieselbe Erscheinung wieder in ihr hervorbringen könnte;

2) wenn man sie mit Alkalien oder basisch-kohlensauren Alkalien behandelt, so verschwinden der Geruch und die Farbe gleichfalls;

3) dieselbe Wirkung wird hervorgebracht, wenn man der gefärbten Flüßigkeit ein Reagenz zusezt, welches Wasserstoff abgeben kann, es sey nun für sich, oder durch Dazwischenkunft des Wassers.

Dieses thun die schwefelige Säure, das Ammoniak, der Schwefelwasserstoff, die schwefelwasserstoffsauren Salze, vorzüglich aber ein Gemenge von Zink und Schwefelsäure, durch welches der Flüßigkeit der Wasserstoff in dem Zustande dargeboten wird, wo er als Gas aus einer Verbindung tritt;

4) in dem Falle, wo die Entfärbung durch Alkalien oder wasserstoffhaltige Körper bewirkt worden ist, kann der Zusaz von Chlor die anfängliche Färbung wieder herstellen.

Zwei Erklärungen bothen sich nun natürlich dar, um von diesen verschiedenen Erscheinungen Rechenschaft zu geben.

Erstens, könnte man annehmen, daß der gelbe Stoff eine Verbindung von Chlor mit irgend einem der in der Mutterlauge der Salinen enthaltenen Stoffe sey.

Zweitens, ließ sich der Fall denken, daß die färbende Substanz aus irgend einer ihrer Verbindungen durch das Chlor, welches ihre Stelle einnahm, ausgetrieben worden sey. Um nun |223| zu erfahren, woran man sich in dieser Beziehung halten muß, war es unumgänglich nöthig, die färbende Substanz isolirt zu erhalten. Die Flüchtigkeit derselben schien Hoffnung zu geben, daß sie durch bloße Destillation von der Flüßigkeit getrennt werden könnte, zu welchem Verfahren ich auch meine Zuflucht nahm.

Die gelbgefärbte Flüßigkeit, welche nun der Destillation unterworfen wurde, entband wirklich vom ersten Kochen an, sehr dike röthliche Dämpfe, welche sich durch Erkalten zu einer Flüßigkeit verdichteten, an der ich die meisten Eigenschaften der gefärbten Flüßigkeit wieder fand; aber diese Eigenschaften waren bei weitem hervorstechender.

Diese Flüßigkeit, von röthlich gelber Farbe, und einem Geruche, welchen man mit dem des Chloroxydes vergleichen möchte, besaß keine sauren Eigenschaften, und verlor ihre Färbung durch die Wirkung der Alkalien, der schwefeligen Säure, des Schwefelwasserstoffs, u.s.w., und, mit einem Worte, aller Agentien, welche auch das Wasser der Salinen, nach der Wirkung des Chlor, entfärbten.

Ich zweifelte nun um so weniger, daß das erste Product der Destillation, den Stoff enthielt, der mich beschäftigte, weil die rükständige Flüßigkeit nunmehr alle ihre anfänglichen Eigenschaften in Beziehung auf jenen Stoff, verloren hatte. Ihre Farbe war verschwunden: anstatt ihres lebhaften Geruches, fand man nur mehr einen ätherischen Geruch, auf welchen ich in der Folge zurükkommen werde. Das Chlor vermochte ihr die gelbe Farbe nicht wieder zu geben.

Um nun diese Substanz im Zustande ihrer Reinheit zu erhalten, handelte es sich bloß noch darum, sie von dem Wasser zu befreien, welches sich zugleich mit ihr verflüchtigte.

Zu diesem Ende ließ ich die röthlichen Dämpfe über Chlor-Calcium streichen. Sie verdichteten sich in einem kleinen Recipienten zu Tröpfgen, von sehr tiefer rother Farbe, welche sehr flüchtig waren, und das kleine Gefäß, worin sie sich befanden, mit dunkelrothen Dämpfen anfüllten, deren Farbe man mit der des Salpetergases vergleichen konnte.

Ich glaubte so den färbenden Stoff in seiner Reinheit erhalten zu haben; aber das Verfahren war wenig ergiebig. Ich hielt eine Operation für gelungen, wenn sie mir einen Tropfen des Liquidums gab.

So geringe Quantitäten eigneten sich fast nur zu gewissermassen |224| mikroscopischen Untersuchungen. Jedoch verdanke ich ihnen die Berichtigung der ersten Vermuthungen, welche ich mir über die Natur dieser Substanz machte; und die Untersuchungen, welche ich in der Folge mehr im Großen ausführen konnte, haben sie auch bestätiget.

Anfangs war ich in Versuchung, diese Substanz für eine Verbindung des Chlor mit Jod zu halten, freilich, für eine, von jenen Verbindungen dieser Stoffe verschiedene, welche die Chemiker beschrieben haben.

Umsonst richtete ich alle meine Versuche darauf hin. Die Substanz färbte die Stärkeauflösung nicht blau, und schlug die Sublimatauflösung nicht nieder; mit salpetersauren Queksilberoxydul gab sie einen weißen Niederschlag, mit salpetersaurem Blei deßgleichen u.s.w., kurz Alles sprach dafür, daß durchaus kein Jod in ihr enthalten ist.

Andererseits habe ich diese Substanz nach einander nicht nur dem Einfluß der Voltaischen Säule, sondern auch dem einer erhöhten Temperatur ausgesezt, und sie hat mir nicht die mindeste Spur von Zersezung dargebothen. Der Widerstand gegen diese Kräfte mußte mich natürlich auf den Gedanken bringen, daß ich es mit einem einfachen Körper zu thun haben würde, oder wenigstens mit einem solchen, der sich wie ein einfacher verhält.

Gerade in diesem Gedanken wurde ich auch durch alle Versuche, welche ich mit der Substanz anstellte, immer mehr und mehr bestärkt.

Ich glaubte hier einen einfachen Stoff vor mir zu haben, der in seinem chemischen Verhalten die größte Aehnlichkeit mit Chlor und Jod hat; der vollkommen analoge Verbindungen eingeht; dessen physische Eigenschaften und chemisches Verhalten jedoch, zusammengenommen, die stärksten Gründe darbiethen, ihn davon zu unterscheiden.

II. Ueber die Benennung der rothen Substanz, welche aus der Mutterlauge der Salinen, nach der Einwirkung des Chlor erhalten wird.

Meine Ansicht über die Natur dieser rothen Substanz, welche in Folge der Einwirkung des Chlor aus der Mutterlauge der Salinen erhalten wird, die ich für die wahrscheinlichste hielt, und an welche ich mich fest hielt, führte die Nothwendigkeit herbei, ihr einen Namen zu geben, wobei man sie leichter |225| in ihren Verbindungen verfolgen kann, und der, indem er es unnöthig macht, zu den Benennungen, rother Stoff, durch Chlor freigemachte Substanz, u.s.w., welche nothwendigerweise die Sache verwirren würden, seine Zuflucht zu nehmen, mich zugleich in Stand sezte, die von mir darüber gefaßte Meinung mit mehr Treue vorzutragen.

Ich nahm meine Zuflucht zu den Einsichten des gelehrten Professors, dessen Schüler ich bin, und dessen weiser Rath meine Unerfahrenheit im Laufe dieser, unter seinen Augen ausgeführten Arbeit, leitete.

Seinem Rache und den Gedanken, auf welche er mich gebracht hat, verdanke ich die Ueberwindung der Schwierigkeiten, welche meinen Untersuchungen im Wege standen, weßwegen ich ihm hier mit Vergnügen meine Erkenntlichkeit bezeuge.

Hr. Anglada rieth mir diese Substanz Brom (Brôme) von dem griechischen βρωμος (faetor) zu nennen. Dieser Name eignet sich vortrefflich zur Bildung der zusammengesezten Benennungen, welche ihre Verbindungen erfordern, und ich behalte ihn auch wegen der Leichtigkeit der Aussprache bei.

Wenn die Chemiker die Resultate, welche ich beobachtet zu haben glaube, bestätigen, und dieser Substanz entschieden eine Stelle unter den einfachen Körpern sichern, so wird diese Benennung, wie ich glaube, beibehalten werden können.

III. Ueber die Ausscheidung des Brom.

Nach zwei verschiedenen Methoden, womit ich mich jezt nach einander beschäftigen will, habe ich die Ausscheidung des Brom bewerkstelligen können.

Erstes Verfahren. Davon habe ich schon Einiges gesagt: es besteht darin, die Mutterlauge der Salinen, nach der Einwirkung des Chlor zu destilliren, und durch eine erkältende Mischung die röthlichen Dämpfe zu verdichten, welche sich im Moment des Siedens entwikeln.

Durch dieses langwierige Verfahren, erhält man nur eine geringe Quantität Brom, und zwar ein unreines Brom. Ich habe mich überzeugt, daß es so beständig mit einer dreifachen Verbindung von Wasserstoff, Kohlenstoff und Brom gemengt ist, die ihrer Natur und ihren Eigenschaften nach dem Chlor-Kohlen-Wasserstoff analog ist.

Deßwegen habe ich diese Darstellungsmethode ganz und gar aufgegeben, nachdem ich, um denselben Zwek zu erreichen, |226| eine leichter ausführbare Methode gefunden hatte, welche mir auch ein reineres Brom in größerer Quantität gab.

Zweites Verfahren. Nachdem ich durch die Mutterlauge der Salinen einen Strom Chlorgas83) habe streichen lassen, gieße ich auf die Oberfläche der Flüßigkeit eine gewiße Quantität Aether, und fülle so die ganze Flasche an, worin die Flüßigkeit eingeschlossen wird; wenn ich sie alsdann stark schüttle, so daß diese beiden Flüßigkeiten sich mischen, und alsdann einige Augenblike in Ruhe lasse, um ihre Trennung zu begünstigen, so schwimmt der Aether oben auf, sehr schön hyacinthroth gefärbt, während die entfärbte Mutterlauge anstatt des lebhaften und reizenden Geruches des Brom nur mehr den angenehmen Geruch des in ihr aufgelösten Aethers zeigt.

Der gefärbte Aether (die wahre ätherische Auflösung des Brom) verliert dann seine Farbe und seinen unangenehmen Geruch, wenn man ihn mit irgend einer alkalischen Substanz, besonders aber mit kaustischem Kali, schüttelt. Lezteres absorbirt das Brom; indem ich nun nach einander die gelb gefärbte Mutterlauge der Salinen mit Aether und den gefärbten Aether mit Kali schüttle, kann ich mit einer geringen Quantität dieses Alkali alles, aus einer sehr großen Menge Wasser entwikelte Brom, vereinigen.

Das Kali verliert allmählig alle seine alkalischen Eigenschaften, und verwandelt sich in einen salzartigen Körper, der in Wasser auflöslich ist, und durch Verdampfen der Flüßigkeit in Würfeln krystallisirt. Dieser kubischen Krystalle bediene ich mich mit Erfolg zur Darstellung des Brom.

Ich vermenge die gepulverten Krystalle, mit gereinigtem Manganperoxyd (Braunstein), und übergieße das Gemenge in einem kleinen Destillationsapparate mit Schwefelsäure, welche mit der Hälfte ihres Gewichtes Wasser verdünnt ist.

Diese Säure, welche nur weiße Dämpfe und sehr wenig Brom entbunden hätte, wenn sie mit den Krystallen allein in Berührung gebracht worden wäre, oder wenn sie in sehr concentrirtem |227| Zustande auf obiges Gemenge gewirkt hätte, bringt unter diesen Umständen röthliche Dämpfe hervor, welche sich zu Tröpfgen als Brom verdichten.

Man kann lezteres sammeln, wenn man den Hals der Retorte auf den Boden eines kleinen Recipienten leitet, der mit kaltem Wasser gefüllt ist. Das Brom, welches in Dämpfen aus der Retorte kommt, löst sich in dieser Flüßigkeit auf; dasjenige, welches sich im Halse der Retorte in Gestalt von Tröpfgen verdichtet, fällt wegen seines großen specifischen Gewichtes auf den Boden des Gefäßes.

So groß auch die Verwandschaft ist, welche das Wasser zu diesem Körper hat, so ist doch die Schichte Flüßigkeit, welche ihn umgibt, bald gesättigt, und da sie das Brom von allen Seiten umgibt, so schüzt sie es gegen die auflösende Kraft der oberen Schichten.

Um es im Zustande großer Reinheit zu erhalten, braucht man es nun bloß abzuscheiden, und, um ihm das Wasser zu entziehen, welches es zurükhalten könnte, über Chlor-Calcium zu destilliren.

IV. Von einigen Eigenschaften des Brom und besonders von seinen physischen Eigenschaften.

Das Brom erscheint in Gestalt einer schwärzlich rothen Flüßigkeit, wenn man es in Masse, und bei reflectirtem Lichte betrachtet, hyacinthroth hingegen, wenn man es als dünne Schichte zwischen das Licht und das Aug bringt.

Sein sehr unangenehmer Geruch erinnert an den des Chloroxydes, ist aber bei weitem stärker.

Sein Geschmak ist sehr stark.

Es greift die organischen Körper an, das Holz, Kork, u.s.w., besonders aber die Haut, welche es zerfrißt und stark gelb färbt. Die Farbe, welche es ihr mittheilt, ist weniger intensiv, als die, welche das Jod hervorbringt, verschwindet aber, wie leztere, nach einiger Zeit; wenn die Berührung dieses Agens von einer gewißen Dauer war, so verschwindet die Farbe nur mit der Zerstörung der Epidermis.

Es wirkt kräftig auf die Thiere. Ein Tropfen, welcher in den Schnabel eines Vogels gebracht wurde, war hinreichend ihn zu tödten.

Das spec. Gew. fand ich, so gut ich es mit geringen Quantitäten der Substanz schäzen konnte, = 2,966.

|228|

Das Brom wird bei einer Kälte von – 18° (nach d. hunderttheil. Scale) nicht fest.

Es verflüchtigt sich leicht, und diese große Flüchtigkeit contrastirt sehr mit seinem specif. Gewichte; man braucht bloß einen Tropfen Brom in irgend ein Gefäß zu bringen, um sogleich seinen innern Raum mit einem sehr dunkelrothen Dampfe anzufüllen, den man wegen seiner Farbe mit dem Salpetergas verwechseln könnte, wenn er sich nicht durch eine Menge Eigenschaften davon unterscheiden würde.

Es siedet bei einer Temperatur von + 47° (hunderttheil. Scale). Der Wärmestoff scheint, obgleich seine Wirkung den physischen Zustand des Brom so verändern kann, keineswegs auf seine chemische Natur zu wirken. Ich habe wenigstens keine Zersezung beobachtet, als ich seinen Dampf in eine lutirte, stark glühende Glasröhre streichen ließ.

Das Brom leitet die voltaische Elektricität nicht. Ich habe mich davon überzeugt, indem ich die beiden Pole einer Säule in Verbindung mit einem kleinen Apparate brachte, worin die Zersezung des Wassers bewirkt werden konnte. Diese Zersezung, welche sehr leicht vor sich ging, wenn ich geradezu die Flüßigkeit mit den beiden Polen der Säule vermittelst metallischer Drähte in Communication sezte, hörte sogleich auf, wenn ich in den leitenden Draht eine, nur 3 bis 4 Linien lange, Säule von Brom brachte.

Die Elektricität scheint das Brom auch nicht zersezen zu können. Als die Substanz dem Einflüße einer Säule ausgesezt wurde, welche stark genug war, um das Wasser, die Salz-Auflösungen u.s.w. zu zersezen, bemerkte ich weder eine Verminderung ihres Volumens, noch Entbindung eines Gases, noch die Absezung irgend eines Stoffes am Ende der leitenden Platindrähte, mit einem Worte, ich erhielt kein Zeichen von Zersezung.

Die Dämpfe des Brom können die Verbrennung nicht unterhalten. Eine brennende Wachskerze, welche man in eine solche Atmosphäre taucht, löscht darin bald aus; aber ehe sie auslöscht, brennt sie einige Augenblike mit einer, an der Basis grünen, und an dem oberen Theile röthlichen Flamme, wie dieses in dem Chlorgas Statt findet.

Das Brom ist im Wasser, im Alkohol, und vorzüglich im Aether auflöslich.

|229|

Die Schwefelsäure löst nur sehr wenig davon auf.84)

Das Olivenöhl wirkt sehr langsam darauf.

Es röchet die Lakmustinktur nicht, aber es entfärbt sie rasch, ungefähr eben so wie das Chlor. Die schwefelsaure Indigauflösung wird ebenfalls davon entfärbt.

V. Ueber die Bromwasserstoffsäure (Acide hydrobromique).

Die große Analogie, welche ich zwischen der Wirkung des Brom und derjenigen des Chlor auf die vegetabilischen Farben bemerkt hatte, brachte mich auf die Vermuthung, daß sie auch zwischen den Ursachen dieser Erscheinungen Statt finde, und daß das Brom, begierig nach Wasserstoff, denselben wie das Chlor, den organischen Körpern, womit man es in Berührung bringt, entziehe. Aus diesem Grunde leitete ich meine Versuche darauf hin, eine Verbindung von Wasserstoff mit Brom aufzusuchen.

Anfangs versuchte ich es, Wasserstoff und Brom gegenseitig auf einander wirken zu lassen, aber ohne Erfolg. Meine Versuche waren glüklicher, als ich das Brom in Berührung mit mehreren gasförmigen Wasserstoff-Verbindungen brachte. Ich erhielt dadurch ein farbenloses, sehr saures Gas, welches, vom Kali absorbirt, die kubischen Krystalle hervorbrachte, welche ich schon erhalten hatte, als ich dieses Alkali mit dem bromhaltigen Aether schüttelte.

Ich versuchte nun aus diesen Krystallen selbst, den gasförmigen Stoff auszuscheiden, den sie zu enthalten schienen. Mit concentrirter Schwefelsaure behandelt, entbanden sie ein saures Gas, das ich als Bromwasserstoffsäure erkannte, da ich beobachtete, daß das Chlor es unter Niederschlagung von Bromdämpfen zersezt, und daß gewisse Metalle, indem sie ihm diese Substanz entziehen, reines Wasserstoffgas als Rükstand lassen.

Die Bromwasserstoffsäure kann durch folgende Verfahrungsarten erhalten werden:

1) Ich sezte Wasserstoff, mit Bromdämpfen gemengt, einige Zeit dem Einfluße der Sonnenstrahlen aus, ohne merkliche Zeichen von einer Verbindung zu bemerken; dagegen sah ich |230| bromwasserstoffsaures Gas entstehen, wenn ich dieses Gemenge der Flamme einer Kerze aussezte, oder noch besser, wenn ich eine glühende Eisenstange in das cylindrische Gefäß (mit weiter Oeffnung) brachte, welches dasselbe einschloß.

In keinem Falle verbreitete sich die Wirkung jedoch durch die ganze Masse, wie dieß mit dem Chlor und Wasserstoffe der Fall ist. Die Verbindung entstand nur um den heißen Körper herum, der sie hervorbrachte. Vielleicht wäre nicht dasselbe eingetreten, wenn ich Bromdämpfe hätte sammeln, messen, und mit einem bestimmten Volumen Wasserstoffgas mengen können.

2) Das jodwasserstoffsaure Gas, schwefelwasserstoffsaure Gas und Phosphorwasserstoffgas werden durch das Brom zersezt, welches sich in Bromwasserstoffsäure umändert, indem es Dämpfe von Jod, Schwefel oder Phosphor niederschlägt.

Die Zersezung tritt immer mit Entbindung von Wärme ein.

Das Volumen des Gases ändert sich nicht merklich, wenn man das jodwasserstoffsaure Gas durch das Brom zersezt; es vergrößert sich hingegen, wenn man die Zersezung des Schwefelwasserstoffs oder des Phosphorwasserstoffs bewerkstelligt.

Das Brom wirkt ebenso auf diese Wasserstoffverbindungen, wenn sie im Wasser aufgelöst sind; es bildet sich auch, auf ihre Kosten, Bromwasserstoffsäure.

3) Man kann auch Bromwasserstoffsäure bereiten, durch Zersezung der mit Kali und der ätherischen Auflösung des Brom erhaltenen kubischen Krystalle, vermittelst Schwefelsäure; aber das so gesammelte Gas ist oft mit einer kleinen Menge schwefliger Säure und Chlorwasserstoffsäure gemengt; deßwegen darf man diese Methode nicht anwenden, wenn man die Bromwasserstoffsäure vollkommen rein haben will.

4) Um diese Säure in ihrer Reinheit zu erhalten, nahm ich meine Zuflucht zu einer Verfahrungsart, die gewissermassen derjenigen nachgeahmt war, welcher man sich zur Darstellung der gasförmigen Jodwasserstoffsäure bedient. Brom und Phosphor, in Berührung gebracht, und mit einigen Tropfen Wasser befeuchtet, entbinden in der That reichlich eine gasförmige Substanz, welche man über Queksilber auffangen kann, und welche nichts als bromwasserstoffsaures Gas ist.

Diese Verbindung besizt folgende Eigenschaften:

Sie ist farbenlos, ihr Geschmak ist vollkommen sauer. |231| Sie verbreitet, in Berührung mit der Luft, weiße Dämpft, welche dichter sind als diejenigen, welche die Chlorwasserstoffsäure unter denselben Umständen verbreiten würde. Diese Dämpfe haben einen sehr stechenden Geruch und reizen stark zum Husten.

Die Bromwasserstoffsäure erleidet keine Zersezung, wenn man sie durch eine glühende Glasröhre streichen läßt. Sie wird sogar durchaus nicht verändert, wenn man sie mit Sauerstoffgas vermengt, durch eine ähnliche Röhre gehen läßt, oder auch, wenn man eine brennende Kerze in das gasförmige Gemenge taucht.

Andererseits scheint das Brom nicht das Wasser zersezen zu können, wie es das Chlor thut. Ich habe in der That nicht bemerkt, daß Sauerstoff frei wurde, oder Bromwasserstoffsäure entstand, als ich Brom und Wasserdampf durch eine rothglühende Glasröhre streichen ließ.

Die Bromwasserstoffsäure ist durch Chlor zersezbar, welches, indem es sich ihres Wasserstoffs bemächtigt, auf der Stelle reichliche rothe Dämpfe und einen Niederschlag von Tröpfgen von Brom hervorbringt.

Wenn man über Queksilber arbeitet, werden diese Tröpfgen bald von dem Metalle absorbirt und der gasförmige Stoff, welcher zurükbleibt, besizt alle Eigenschaften der Chlorwasserstoffsäure.

Gewisse Metalle können auch das bromwasserstoffsaure Gas zersezen. Es schien mir, daß das Queksilber das vollkommen reine Gas durchaus nicht verändert; aber das Zinn, das Kalium, bewirken eine vollständige Zersezung; das erste bei einer etwas erhöhten, das zweite bei der gewöhnlichen Temperatur.

Ein Stük Kalium, welches matt in eine graduirte, mit diesem Gase gefüllte Röhre bringt, verliert in wenigen Augenbliken seinen metallischen Glanz, und verwandelt sich in eine weiße Substanz, welche bei der Einwirkung des Chlor, Brom frei werden läßt.

Das Volumen des gasförmigen Stoffes vermindert sich bei diesem Versuche genau um die Hälfte und man findet als Rükstand Wasserstoffgas.

Das bromwasserstoffsaure Gas hätte diesem Versuche zufolge eine der Chlorwasserstoffsäure und Jodwasserstoffsäure analoge Zusammensezung, das heißt, es wäre aus gleichen Raumtheilen |232| Wasserstoff und Bromdampf gebildet, ohne Vermehrung oder Zusammenziehung des Volumens.

Das bromwasserstoffsaure Gas ist sehr auflöslich im Wasser. Die wässerige Auflösung erhält man sowohl, wenn man flüssige Schwefelwasserstoffsäure mit Brom behandelt, als auch, wenn man das, durch eine der oben angegebenen Verfahrungsarten entbundene Gas, durch Wasser streichen läßt. Dieses erhizt sich, vermehrt sein Volumen, erlangt eine große Dichtigkeit und das Vermögen, in Berührung mit der Luft, weiße Dämpfe zu verbreiten.

Diese Auflösung ist farbenlos, wenn sie gehörigermassen bereitet wurde; wenn aber das entwikelte bromwasserstoffsaure Gas mit Bromdämpfen gemengt ist, so hat sie eine sehr dunkle röthliche Farbe. Der farbenlosen Auflösung des bromwasserstoffsauren Gases kann man diese Farbe ertheilen, wenn man sie mit Brom schüttelt. Sie löst alsdann vielmehr davon auf, als ein gleiches Volumen reinen Wassers hätte auflösen können. Man könnte dieser Auflösung den Namen bromhaltige Bromwasserstoffsäure (acide hydro-bromique brômé)) beilegen.

Erhizt man diese neue Verbindung, so entwikeln sich Bromdämpfe und Bromwasserstoffsäure, und es bleibt nur eine saure, in der That fast farbenlose, aber auch weit weniger concentrirte Auflösung zurük.

Das Chlor zersezt auf der Stelle die flüßige Bromwasserstoffsäure und ertheilt ihr eine Färbung, welche von dem freigewordenen Brom herrührt.

Die Salpetersäure wirkt auf die Bromwasserstoffsäure weniger schnell, aber ihre Wirkung zeigt sich weit kräftiger, sobald sie einmal angefangen hat. Es entsteht alsdann viel Brom und wahrscheinlich Wasser und salpetrige Säure. Man erhält dabei eine dem Königswasser analoge Flüßigkeit, welche auch in der That das Gold und Platin auflöst.

Die Schwefelsäure hat bis zu einem gewissen Grade die Eigenschaft, die Bromwasserstoffsäure zu zersezen: auch sieht man nicht selten, wenn man dieses Gas vermittelst der Schwefelsäure entbindet, sich Dämpfe von Brom und schwefliger Säure bilden; dieses geschieht durch eine gegenseitige Einwirkung, welche man sich leicht erklären kann.85)

|233|

Gewisse Metalle wirken auf die flüßige Bromwasserstoffsäure. Das Eisen, Zink und Zinn lösen sich darin unter Entbindung von Wasserstoff auf.

Die Oxyde mit metallischer Grundlage wirken verschieden auf diese Säure, wenn man sie damit in Berührung bringt.

Die meisten von ihnen, die Alkalien, die Erden, die Eisenoxyde, das Kupferoxyd, Queksilberoxyd bilden flüßige Verbindungen, welche man als bromwasserstoffsaure Salze betrachten kann.

Mit gewissen Oxyden gibt die Bromwasserstoffsäure eine gegenseitige Zersezung; es wird Wasser und eine metallische Brom-Verbindung gebildet; solche sind das Bleioxyd und das Silberoxyd.

Diejenigen von diesen Oxyden, welche wegen ihres großen Sauerstoffgehaltes keine Verwandtschaft zu der Bromwasserstoffsäure haben, oder bei ihrem hohen Oxydationsgrade, durch die Zersezung der Säure, keine entsprechenden Brom-Verbindungen bilden können, verlieren einen Theil ihres Sauerstoffs, welcher die Zersezung eines Theiles der Bromwasserstoffsäure und folglich eine Entbindung von Brom bewirkt. Das weniger oxydirte Oxyd bildet alsdann mit der der Zersezung entgangenen Säure, ein bromwasserstoffsaures Salz oder eine metallische Brom-Verbindung.

Auf diese Art wirken das zweite (rothe) und dritte (braune) Bleioxyd, das Antimonperoxyd (Antimonsäure) und das Manganperoxyd. Die Wirkung des lezten Körpers auf die Bromwasserstoffsäure kann man zur Darstellung des Brom benuzen.

Diese Verfahrungsart, ähnlich derjenigen, welcher man sich zur Darstellung des gasförmigen Chlor bedient, ist noch leichter auszuführen, als die von mir oben angegebene Methode.

Das Brom hat, wie man sieht, zum Wasserstoff eine geringere Verwandtschaft, als das Chlor, aber eine größere als das Jod.

Der Wasserstoff vereinigt sich leicht mit dem Chlor; es ist schwieriger, ihn geradezu mit Jod und Brom zu vereinigen.

|234|

Das Chlor zersezt bei einer hohen Temperatur das Wasser; aber Brom und Jod können unter denselben Umständen seine Zersezung nicht bewirken.

Die Bromwasserstoffsäure wird endlich durch das Chlor zersezt, aber das Brom zersezt seinerseits die Jodwasserstoffsäure.

Die Wirkung der Metalle auf diese verschiedenen Wasserstoffsäuren führt ebenfalls auf dieselbe Folgerung. Die Jodwasserstoffsäure zersezt sich in Berührung mit Queksilber; die reine Bromwasserstoffsäure kann hingegen lange Zeit ohne bemerkbare Veränderung über diesem Metalle aufbewahrt werden; aber bei einer wenig erhöhten Temperatur fängt sie an, durch Zinn zersezt zu werden, welches bei derselben Temperatur auf die Chlorwasserstoffsäure (Salzsäure) keine Wirkung gehabt hätte.

Aus dieser ungleichen Verwandtschaft folgt, daß die Eigenschaften des bromwasserstoffsauren Gases gewissermassen zwischen denen der Chlorwasserstoffsäure und Jodwasserstoffsäure das Mittel halten. Wenn es der ersteren darin gleicht, daß es sich schwer unter dem vereinten Einflüsse einer hohen Temperatur und des Sauerstoffs zersezen läßt, so nähert es sich andererseits wieder der zweiten durch feine Eigenschaft, bis zu einem gewissen Puncte durch die Schwefelsaure verändert zu werden, und durch sein Vermögen einen Ueberschuß von Brom aufzunehmen.

VI. Ueber die bromwasserstoffsauren Salze (Hydro-Bromates) und die Verbindungen des Brom mit den Metallen (Bromures métalliques).

Die Wirkung des Brom auf die Metalle zeigt die größte Aehnlichkeit mit derjenigen, welche das Chlor auf dieselben Körper ausübt. Das Antimon und Zinn brennen in Berührung mit Brom. Das Kalium entwikelt bei seiner Vereinigung damit soviel Wärme und Licht, daß die entstehende Detonnation stark genug ist, die Glasgefäße, in welchen man arbeitet, zu zerbrechen, und die Verbindung weit wegzuschleudern.

Die Brom-Verbindungen, welche man mit diesen Körpern geradezu darstellt, und besonders das Brom-Kalium, zeigen in ihrem Aussehen und in ihren Eigenschaften keine bemerkbare Verschiedenheit von denjenigen, welche man durch Behandlung der Oxyde dieser Metalle mit Bromwasserstoffsäure erhält, es |235| sei nun auf dem troknen Wege, oder auf dem nassen, wenn man nur die Auflösungen verdunsten oder krystallisiren ließ. Ihre wässerigen Auflösungen haben alle Eigenschaften mit den entsprechenden bromwasserstoffsauren Salzen gemein. Alles dieses macht es sehr wahrscheinlich, daß, so wie dieses bei den Verbindungen des Chlor und Jod mit den Metallen der Fall ist, auch die metallischen Brom-Verbindungen sich bei der Auflösung in Wasser in bromwasserstoffsaure Salze umändern, und daß umgekehrt die bromwasserstoffsauren Salze sich in Brom-Verbindungen umändern, wenn sie in festen Zustand übergehen.

Diese beiden Classen von Verbindungen möchten daher schwerlich ohne lästige Wiederholungen getrennt abgehandelt werden können.

Da ich nur wenige bromwasserstoffsaure Salze oder Brom-Verbindungen dargestellt habe, so kann ich noch keine Beschreibung ihrer allgemeinen Eigenschaften geben. Nur das will ich sagen, daß man die bromwasserstoffsauren Salze leicht an ihrer Eigenschaft erkennt, sich gelb zu färben und Brom zu entbinden, wenn man auf sie solche Körper einwirken läßt, welche den Wasserstoff stark anziehen, wohin die Chlorsäure, Salpetersäure und besonders das Chlor gehören; auf diese Eigenschaft gründet sich auch die Anwendung des leztern Körpers zur Ausscheidung des Brom. Was die Brom-Verbindungen betrifft, so werden sie alle durch Chlor mit Entbindung von Brom zersezt.

Ueber das Brom-Kalium (Bromure de Potassium).

Ich habe mich verschiedener Verfahrungsarten zur Darstellung des Brom-Kalium bedient: 1) ich erhielt es, indem ich das Metall in den Dampf des Brom brachte 2) indem ich mittelst desselben die Bromwasserstoffsäure zersezte; 3) indem ich geradezu diese Säure mit Kali vereinigte, die Auflösung abrauchte und den Rükstand eintroknete. 4) Die kubischen Krystalle, welche man durch Sättigung des bromhaltigen Aethers mit Kali erhält, kann man entweder als bromwasserstoffsaures Kali oder als Brom-Kalium betrachten. Sie enthalten immer kleine Antheile chlorwasserstoffsaures Kali oder Natrum.

Das auf was immer für eine Art dargestellte Brom-Kalium hat stets gleiche Eigenschaften.

Wenn man es durch Auflösen in Wasser wieder in seinen krystallinischen Zustand bringt, nimmt es gewöhnlich die Gestalt |236| von Würfeln an, zuweilen die von langen rechtwinklichten Parallelopipeden. Sein Geschmak ist siechend. Beim Erhizen decrepitirt es und kommt hierauf in Fluß, ohne dadurch eine Veränderung zu erleiden.

Das Chlor zersezt es bei einer erhöhten Temperatur, es entbindet sich Brom und es bildet sich Chlor-Kalium.

Das Jod hat keine Wirkung auf dasselbe, selbst nicht bei einer hohen Temperatur. Das Brom treibt hingegen aus dem geschmolzenen Jod-Kalium, über welches man es leitet, reichliche veilchenblaue Dämpfe aus.

Die Boraxsäure kann es bei der Rothglühhize nicht zersezen, wenigstens Nicht, wenn man nicht Wasserdampf durch das stark erhizte Gemenge treibt: in lezterem Falle entwikelt sich Bromwasserstoffsäure.

Das Brom-Kalium wandelt sich, in Berührung mit Wasser, in bromwasserstoffsaures Kali um; lezteres löst sich in größerer Quantität im heißen als im kalten Wasser auf, wobei es eine merkliche Kälte hervorbringt. Es löst sich auch im Alkohol, jedoch in geringer Quantität, auf.

Die Auflösung des bromwasserstoffsauren Kali löst nicht mehr Brom auf, als das reine Wasser aufgelöst hätte.

Die Schwefelsäure zersezt es, indem sie Dämpfe von Bromwasserstoffsäure und Brom entbindet.

1,27 Gramm Brom-Kalium86) hinterließ, auf diese Art behandelt, einen Rükstand von 0,973 schwefelsaurem Kali. Diese Quantität Salz enthält 0,52668 Kali, welche aus 0,08927 Sauerstoff und 0,43741 Kalium bestehen.

Das Brom-Kalium bestünde diesem Versuche zufolge aus:

Brom 65,56;
Kalium 34,44.
––––––
100,00.

Wenn diese Verbindung aus einem Atom Brom und einem Atom Kalium besteht, so ist das Atomgewicht des ersteren Körpers = 93,26, das Atomgewicht des Sauerstoffs = 10 angenommen.

Die metallischen Brom-Verbindungen verwandeln sich bei ihrer Auflösung im Wasser in neutrale bromwasserstoffsaure Salze.

|237|

Dieses wird zersezt, und zwei Raumtheile Wasserstoff verlassen einen Raumtheil Sauerstoff, der sich mit dem Metalle vereinigt. Da nun die Bromwasserstoffsäure aus gleichen Raumtheilen Wasserstoff und Bromdampf besteht, so folgt daraus, daß die zwei frei gewordenen Raumtheile Wasserstoff, vier Raumtheile Bromwasserstoffsaure hervorbringen müssen. Hieraus muß man nun schließen, daß die bromwasserstoffsauren Salze mit metallischer Basis einen Raumtheil Bromwasserstoffsäure enthalten, der viermal so groß ist, als der Raumtheil des Sauerstoffs, welchen das Oxyd enthält. Da nun die 0,08927 Gr. Sauerstoff einen Raum von 0,0624 Lit. einnehmen, so muß 1,270 Gramm Brom-Kalium 0,2496 Lit. Bromwasserstoffsäure hervorbringen.

Das specifische Gewicht des Brom-Dampfes wäre zufolge der hier gegebenen Verhältnisse = 5,1354 und das der Bromwasserstoffsäure = 2,6021. Ich habe mich noch nicht überzeugt, ob diese Resultate, welche die Theorie gibt, durch die Erfahrung bestätiget werden.

Bromwasserstoffsaures Ammoniak (Hydro-Bromate d'Ammoniaque)

Das bromwasserstoffsäure Gas vereinigt sich zu gleichen Raumtheilen mit dem Ammoniakgas. Es entsteht dadurch eine salzartige Verbindung, welche man auch durch Verbindung der Bromwasserstoffsäure mit flüssigem Ammoniak erhalten kann. Ich habe mir auch bromwasserstoffsaures Ammoniak bereitet, indem ich gasförmiges oder an Wasser gebundenes Ammoniak durch Brom zersezte. Das Resultat der Einwirkung ist, daß Wärmestoff ohne Licht frei, Stikstoff entbunden und bromwasserstoffsaures Ammoniak gebildet wird.

In keinem dieser Fälle habe ich jedoch bemerkt, daß sich eine dem Chlor-Stikstoff analoge Verbindung bildete.

Das bromwasserstoffsaure Ammoniak ist fest, weiß. In feuchtem Zustande der Luft ausgesezt, färbt es sich ein wenig gelb und erlangt die Eigenschaft, das blaue Lakmuspapier zu röthen. Es krystallisirt in langen Prismen, auf welche kleinere unter rechtem Winkel aufgesezt sind. Es verflüchtigt sich durch die Einwirkung der Wärme.

Bromwasserstoffsaurer Baryt (Hydro-Bromate de Baryte.)

Ich habe dieses Salz durch Schütteln des Barythydrates |238| mit der ätherischen Auflösung des Brom, oder auch durch directe Verbindung des Baryt mit Bromwasserstoffsäure erhalten. Der bromwasserstoffsaure Baryt schmilzt, wenn er der Einwirkung der Wärme ausgesezt wird. Er ist im Wasser leicht auflöslich. Auch löst er sich im Alkohol auf. Seine Krystalle, in Gestalt undurchsichtiger Knollen gruppirt, haben keine Aehnlichkeit mit den glänzenden Schuppen, welche der chlorwasserstoffsaure Baryt bildet.

Bromwasserstoffsaure Bittererde (Hydro-Bromate de Magnésie)

Dieses unkrystallisirbare, zerfließende Salz wird wie das chlorwasserstoffsaure zersezt, wenn man es einer erhöhten Temperatur aussezt.

Brom-Blei (Bromure de Plomb).

Wenn man in eine Bleiauflösung einige Tropfen eines in Wasser auflöslichen bromwasserstoffsauren Salzes gießt, bildet sich ein weißer krystallinischer Niederschlag, welcher das Aussehen des Chlor-Blei hat. Dieser Niederschlag schmilzt, wenn er stark erhizt wird, zu einer rothen Flüßigkeit, welche nur sehr schwache weiße Dämpfe ausstößt, und durch Erkalten fest wird, worauf sie einen schönen gelben, dem Mineralgelb ähnlichen, Stoff darstellt.

Das Brom-Blei ist, so lange es sich noch in einem sehr vertheilten Aggregatzustande befindet, durch Salpetersäure und Schwefelsäure zersezbar, unter Entbindung von Brom durch erstere und unter Entbindung von Brom und Bromwasserstoffsäure durch leztere.

Die große Cohäsion, welche es durch Schmelzen erlangt, macht, daß es von der Salpetersäure nicht mehr angegriffen wird. Man kann es alsdann bloß vermittelst siedender Schwefelsäure zersezen.

Zweites Brom-Zinn (Deuto-Bromure d'Étain).

Ich habe schon bemerkt, daß sich das Zinn in der Bromwasserstoffsäure unter Entbindung von Wasserstoff auflöst. Das bromwasserstoffsaure Salz, welches dadurch entsteht, verwandelt sich, zur Trokne gebracht, in Erstes Brom-Zinn, welches ich wenig untersucht habe, aber wovon ich mich überzeugt habe, daß es sehr verschieden ist von der Verbindung, welche durch directe Einwirkung des Brom auf Zinn erhalten wird. Leztere |239| Verbindung ist offenbar dem Salze proportional, welches die Bromwasserstoffsäure mit dem zweiten Zinnoxyde gibt.

Das Zinn brennt in Berührung mit Brom, und verwandelt sich in eine feste, weiße, krystallinische, sehr schmelzbare und leicht zu verflüchtigende Verbindung.

Diese Verbindung verbreitet, in Berührung mit der feuchten Luft, nur Spuren von weißen Dämpfen. Sie löst sich im Wasser ohne merkliche Erhizung auf und ändert sich dabei in saures bromwasserstoffsaures Zinnoxyd um.

In heiße Schwefelsäure gebracht, wird es flüßig, und bleibt in Gestalt öhlartiger Tropfen auf dem Boden des Gefäßes liegen, ohne eine merkliche Veränderung zu erleiden. Die Salpetersäure hingegen bewirkt in wenigen Augenbliken eine lebhafte Entbindung von Brom.

Das Zweite Brom-Zinn, der rauchenden Flüßigkeit des Libavius analog, besizt, wie man sieht, nur wenige Eigenschaften von lezterer Verbindung.

Verbindungen des Brom mit Queksilber (Bromures de Mercure)

Das Queksilber kann sich in mehreren Verhältnissen mit Brom verbinden. Die Auflösung eines bromwasserstoffsauren Alkali bringt im salpetersauren Queksilberoxydul einen weißen Niederschlag hervor, dem Calomel ähnlich, welcher nur Erstes Brom-Queksilber zu seyn scheint.

Das Brom greift das Queksilber stark an. Die Verbindung findet unter Wärmeentwiklung ohne Lichterscheinung Statt. Es entsteht dadurch ein weißer Stoff, welcher sich beim Erhizen sublimirt, in Wasser, Alkohol und besonders im Aether auflöslich ist, und durch die Alkalien roth und gelb gefällt wird, daher er viele Analogie mit dem äzenden Sublimat zeigt. Er unterscheidet sich davon durch seine Eigenschaft, bei der Behandlung mit Salpetersäure und noch vielmehr mit Schwefelsäure, röthliche Dämpfe von Brom zu geben. Der Vorzug, welchen in diesem Falle die Schwefelsaure zu erlangen scheint, ist, glaube ich, darin begründet, daß sie mit Beihülfe einer höhern Temperatur wirken kann.

Brom-Silber (Bromure d'Argent).

Das salpetersaure Silber bringt in den auflöslichen bromwasserstoffsauren Salzen einen käseartigen Niederschlag hervor.

Diese Verbindung hat eine schwache zeisiggelbe Farbe, |240| wenn sie im Schatten getroknet worden ist, schwärzt sich hingegen, wenn sie noch feucht dem Sonnenlichte ausgesezt wird, jedoch weniger schnell als das Chlor-Silber. Sie ist, wie lezteres, in Wasser unauflöslich, in Ammoniak auflöslich, in Salpetersäure unauflöslich. Leztere bringt selbst im Kochen keine Veränderung hervor; die kochende Schwefelsäure entwikelt einige Dampfe von Brom.

Das Brom-Silber schmilzt beim Erhizen zu einer röthlichen Flüßigkeit, welche beim Erkalten zu einer gelben hornartigen Masse erstarrt.

Der Wasserstoff kann diese Verbindung zersezen, wenn er in dem Zustande damit in Berührung kommt, wo er als Gas aus einer Verbindung tritt. Es entsteht alsdann metallisches Silber und Bromwasserstoffsäure.

Ich habe mich dieser Eigenschaft bedient, um das Brom-Silber zu analysiren. Ich brachte eine scharf gewogene Quantität der Brom-Verbindung in ein Gemenge von reiner Zinkfeile und verdünnter Schwefelsäure. Das Silber wurde reducirt, und ich habe sein Gewicht nicht eher bestimmt, als nachdem ich mich versichert hatte, daß der Zink vollkommen aufgelöst worden ist, und nachdem ich die erforderlichen Manipulationen beendigt hatte.

Das Mittel aus zwei, sehr wenig von einander abweichenden. Versuchen gab für die Zusammensezung dieses Körpers:

Silber 589;
Brom 411;
–––––
1000;

daraus würde sich das Atomgewicht des Brom = 94,29 ergeben, eine Zahl, die wenig von derjenigen abweicht, welche man aus der Analyse des Brom-Kalium ableiten kann.

Brom-Gold (Bromure d'Or).

Das Brom und seine wässerige Auflösung können Goldtheilchen auflösen. Man erhält so eine gelbe Brom-Verbindung, welche auf animalischen Substanzen veilchenblaue Fleken macht, und sich durch Erhizen in Brom und metallisches Gold zersezt.

Brom-Platin (Bromure de Platine).

Das Platin wird bei der gewöhnlichen Temperatur vom Brom nicht angegriffen. Es löst sich jedoch auf, wenn man es in Berührung mit der Brom-Salpetersäure (Acide bromonitrique) |241| bringt, und bildet eine gelbgefärbte Verbindung, welche sich durch die Wärme zersezt, und welche, wie das Chlor-Platin, in der Auflösung der Kali- und Ammoniaksalze wenig auflösliche, gelbe Niederschlage bilden kann.

VII. Ueber die Wirkung des Brom auf die Metalloxyde.

Auf die Oxyde der Metalle kann das Brom unter zwei verschiedenen Umständen wirken.

1) Es kann auf diese Körper wirken, wenn sie troken und stark erhizt sind;

2) kann es auf sie bei der gewöhnlichen Temperatur unter Beihülfe des Wassers wirken.

Wenn man Brom in Dampfen über Kali, Natrum, Baryt und Kalk streichen läßt, welche rothglühend gemacht worden sind, so zeigt sich ein lebhaftes Weißglühen; es entbindet sich Sauerstoffgas, und man findet im Inneren der Röhre Brom-Kalium, Brom-Natrium u.s.w.

Auf diese Art habe ich die Bittererde nicht zersezen können, ebensowenig wie die Zirkonerde. Das Brom hat sich um diese rothglühenden Erden herumbewegt, ohne Spuren von Sauerstoff zu entwikeln, und ohne mit ihnen in Verbindung zu treten.

Auf das sublimirte Zinkoxyd hat das Brom, mit Unterstüzung einer hohen Temperatur, keine Einwirkung geäußert.

Die Metalloxyde, welche das Brom zersezen kann, scheinen davon nicht mehr verändert werden zu können, wenn sie mit einer starken Säure verbunden sind. Ich versuchte vergebens, Sauerstoff zu entbinden, indem ich Brom über rothglühendes schwefelsaures Kali streichen ließ.

Anders verhält es sich, wenn die Säure nur wenig Verwandtschaft zum Metalloxyd hat. Die kohlensauren Alkalien werden in der That vollkommen durch das Brom zersezt, welches daraus ein Gas entbindet, das, dem Räume nach aus 2 Theilen Kohlensäure und 1 Theile Sauerstoff besteht.

Ganz andere Erscheinungen treten ein, wenn man das Brom auf die oben angegebenen Alkalien oder Erden wirken läßt, indem sie aufgelöst, oder in einer sehr großen Quantität Wasser vertheilt sind. Man bemerkt keine Entbindung von Sauerstoff; der Geruch und die Farbe des Brom verschwinden; aber die gebildete Verbindung hat die Eigenschaft, diese Substanz |242| auf Zusaz schwacher Sauren, z.B. der Essigsäure, zu entbinden, und schnell die Lakmustinctur zu entfärben.

Diesen Versuchen zu Folge kann das Brom Verbindungen mit den Oxyden eingehen, analog dem Chlor-Kalk, Chlor-Natrum u.s.w.

Wenn man endlich das Brom in eine sehr concentrirte Auflösung von Kali bringt, oder mit dem festen Alkali den bromhaltigen Aether schüttelt, so erhält man durch Abdampfen der Flüßigkeit nicht bloß kubische Krystalle von bromwasserstoffsaurem Kali, sondern auch nadelförmige Krystalle, welche nichts als ein bromsaures Salz mit derselben Basis zu seyn scheinen. Der Baryt verhalt sich ebenso gegen das Brom. Der Kalk ebenfalls. Die Bittererde aber scheint diese Eigenschaft nicht zu haben. Die Analogie spricht hinreichend dafür, daß die Entstehung dieser zwei verschiedenen Salze auf der Zersezung des Wassers beruht.

Die Zersezung des Wassers, welche so leicht mit Beihülfe der Alkalien vor sich geht, findet auch, jedoch weniger vollständig, Statt, wenn das Brom darauf unter dem Einflüsse der Sonnenstrahlen wirkt. Eine wässerige Auflösung von Brom, welche ich lange Zeit den Sonnenstrahlen ausgesezt hatte, gab mir deutliche Anzeigen, daß sie Bromsaure und Bromwasserstoffsäure enthielt, deren Bildung nicht anders, als durch Annahme einer Wasserzersezung erklärt werden kann.

Ich glaube aus den Thatsachen, welche in diesem und dem vorhergehenden Paragraph enthalten sind, folgern zu können, daß das Brom nicht so kräftig auf die Metalle wirkt, als das Chlor, aber stärker als das Jod. Die Licht- und Wärme-Entwiklung, wovon seine Vereinigung mit diesen Körpern begleitet wird, ist viel starker, als diejenige, welche das Jod unter denselben Umständen hervorbringen würde. Wenn das Zinn sich mit Brom unter Lichtentwiklung vereinigt, was es mit dem Chlor nicht thut, so rührt dieß, wie ich glaube, daher, weil das Brom, als ein flüßiger Körper, die Vereinigung durch seine größere wirkende Masse befördern kann.

Die Verbindungen des Jod mit den Metallen werden durch das Brom zersezt, und die Brom-Verbindungen wieder durch das Chlor.

Das Jod, welches das Kali und Natrum bei einer erhöhten Temperatur sehr leicht zersezt, wirkt nicht auf den Baryt, |243| mit welchem Oxyde es sich verbindet. Das Brom hingegen kann diese salzfähige Grundlage und selbst den Kalk zersezen, aber nicht so kräftig auf die Bittererde wirken, während das Chlor seine zersezende Kraft auch auf dieses Oxyd ausdehnt.

VIII. Von der Bromsäure (Acyde bromique) und ihren Verbindungen.

Wenn man das Brom mit einer hinreichend concentrirten Auflösung von Kali schüttelt, bilden sich, wie schon gesagt, zwei sehr verschiedene Verbindungen. Man erhält bromwasserstoffsaures Kali in der Flüßigkeit aufgelöst. Auf dem Boden des Gefäßes sammelt sich ein weißes, krystallinisches Pulver, welches, da es auf glühenden Kohlen wie Salpeter schmilzt, und sich durch die Hize in Brom-Kalium, wobei es allen seinen Sauerstoff als Gas fahren läßt, umändert, als bromsaures Kali betrachtet werden zu müssen scheint.

Das bromsaure Kali ist in Alkohol sehr wenig auflöslich; es löst sich in sehr großer Quantität im siedenden Wasser auf, woraus es beim Erkalten in auf einander gruppirten Nadeln sich niederschlägt. Wenn man es durch Abdämpfen krystallisiren läßt, sezt es sich in Blättern von matten Aussehen ab.

Das bromsaure Kali wird durch die Hize zersezt. Es brennt auf glühenden Kohlen. Als Pulver mit Schwefelblumen gemengt, detonnirt es durch den Stoß.

Die Auflösung dieses Salzes bringt im salpetersauren Silber einen weißen, pulverigen Niederschlag hervor, der sich in Berührung mit dem Lichte kaum schwärzt, und sich so von dem Brom-Silber unterscheidet, welches gelblich und käseartig ist, und durch die Sonnenstrahlen leicht verändert wird.

Das bromsaure Kali schlägt die Bleisalze nicht nieder, während diese Verbindungen in der Auflösung des bromwasserstoffsauren Kali einen reichlichen krystallinischen Niederschlag hervorbringen.

Mit dem salpetersauren Queksilberoxydul gibt es einen gelblich weißen, in Salpetersäure auflöslichen Niederschlag.

Das bromsaure Kali zeigt eine Eigenschaft, welche man bei den chlorsauren Salzen nicht, bei den jodsauren aber in einem hohen Grade findet. Seine Säure zersezt sich unter dem Einflüsse solcher Körper, welche Wasserstoff mittelbar oder unmittelbar an sie abtreten können, geradeso, als wenn sie ungebunden wäre; daher wirken auch die schweflige Säure, der |244| Schwefelwasserstoff, die Bromwasserstoffsäure und die Chlorwasserstoffsäure auf das bromsaure Kali so, daß in den drei ersteren Fallen Brom entbunden wird, und im lezteren eine Verbindung des Brom mit dem Chlor entsteht.

Ich habe vergebens versucht, ein Bromoxyd durch Zersezung des bromsauren Kali zu erhalten. Es ist wahr, daß dieß vielleicht von den zu geringen Quantitäten der Substanzen herrührt, womit ich meine Versuche habe anstellen können.

Die mit Wasser verdünnte Bromwasserstoffsäure entbindet Brom, wenn man sie mit bromsaurem Kali schüttelt. Die verdünnte Schwefelsäure entwikelt bei der Temperatur des kochenden Wassers eine gasförmige Substanz, welche ich zuerst über Wasser, dann über Queksilber und endlich über Oehl aufzufangen versuchte. Immer erhielt ich Brom und Sauerstoffgas, was anzuzeigen scheint, daß das Brom entweder keine Oxyde bilden kann, oder auch, daß diese Verbindungen, wenn man sie erhalten kann, noch leichter zersezt werden, als die Chloroxyde.

Man kann bromsaures Kali noch durch ein anderes Verfahren erhalten, als das angegebene. Man braucht z.B. bloß Brom mit Chlor zu vereinigen, und die wässerige Auflösung dieser Verbindung mit Kali zu versezen, um in einem Augenblike, durch Zersezung des Wassers, ein bromsaures und ein chlorwasserstoffsaures (salzsaures) Salz von diesem Alkali zu erzeugen. Diese Salze kann man leicht wegen ihrer ungleichen Auflöslichkeit von einander trennen.

Ich habe dieses Verfahren zur Darstellung des bromsauren Baryt benuzt, den ich in nadelförmigen, in kochendem Wasser auflöslichen, in kaltem Wasser wenig auflöslichen und mit grüner Flamme auf glühenden Kohlen schmelzenden Krystallen erhielt.

Wenn man mit Wasser verdünnte Schwefelsaure in eine wässerige Auflösung von bromsaurem Baryt gießt, so daß man die ganze Salzbasis niederschlägt, so erhält man eine Flüßigkeit, welche nur eine verdünnte Auflösung von Bromsäure ist.

Durch langsames Verdunsten kann man den größten Theil des mit dieser Säure verewigten Wassers wegbringen. Sie bekommt dann die Consistenz eines Syrups; wenn man aber die Temperatur noch mehr steigert, um das Wasser, was sie |245| enthält, vollkommen zu verjagen, so verflüchtigt sich ein Theil, und der andere zersezt sich in Sauerstoff und Brom.

Dieselben Wirkungen schienen mir beim Verdampfen der Säure im luftleeren Räume mit Beihülfe der Schwefelsäure hervorgebracht zu werden, daher das Wasser zum Bestehen der Bromsaure nöthig zu seyn scheint.

Diese Säure röthet anfangs stark das Lakmuspapier, bleicht es aber bald darauf. Sie ist fast geruchlos; ihr Geschmak ist sehr sauer, aber keineswegs äzend.

Die Salpetersäure und Schwefelsaure verändern sie nicht. Die zweite bringt zwar, wenn sie sehr concentrirt ist, ein Aufbrausen hervor, indem wahrscheinlich Sauerstoff entbunden wird, und macht etwas Brom frei; aber diese Wirkung scheint der höhern Temperatur zugeschrieben werden zu müssen, welche die Schwefelsäure, indem sie sich mit dem Wasser der Bromsäure verbindet, hervorbringt; denn es geschieht nicht mit verdünnter Schwefelsäure.

Die Wasserstoffsauren, so wie die mit Sauerstoff nicht gesättigten Sauren, wirken hingegen sehr kräftig auf die Bromsäure.

Die schweflige Säure, die Schwefelwasserstoff- und Bromwasserstoffsäure zersezen sie. Dasselbe thun die Chlorwasserstoffsäure und Jodwasserstoffsäure. Im leztem Falle erhält man Verbindungen des Brom mit Chlor und Jod.

In Verbindung mit den Basen verhalten sich diese verschiedenen Säuren ebenso gegen die Bromsäure.

Die Bromsäure bringt in den Silbersalzen einen weißen pulverigen Niederschlag hervor, der nichts als ein bromsaures Salz dieses Metalles zu seyn scheint. Sie schlägt ebenso die concentrirten Auflösungen der Bleisalze nieder, aber die Verbindung, welche man alsdann erhält, löst sich auf Zusaz von etwas Wasser wieder auf, durch welche Auflöslichkeit sie sich von derjenigen unterscheidet, welche die bromwasserstoffsauren Salze in der Auflösung derselben Metallsalze hervorbringen.

Mit salpetersaurem Queksilberoxydul gibt sie, wie das bromsaure Kali, einen weißen Niederschlag.

Die Bromsäure nähert sich in ihren Eigenschaften sehr den analogen Verbindungen des Chlor und Jod; aber wegen der Unmöglichkeit, ihr alles Wasser zu entziehen, und sie bis zum Siedepuncte zu erhizen, ohne sie, wenigstens zum Theil, zu |246| zersezen, nähert sie sich weit mehr der Chlorsäure, und zeigt, daß der Sauerstoff weniger stark in ihr gebunden ist, als in der Jodsäure.

Das Verhältniß ihrer Bestandtheile zeigt, daß sie in ihrer Zusammensezung denselben Gesezen unterworfen ist, wie die Chlorsäure, Jodsäure und Salpetersäure.

1,128 bromsaures Kali hinterließen nach dem Glühen 0,790 Brom-Kalium; der von dem entbundenen Sauerstoff87) herrührende Gewichtsverlust war folglich 0,338.

0,799 Brom-Kalium enthalten nach der oben angegebenen Analyse 0,27255 Kalium und 0,51745 Brom.

Diese Quantität Kalium nimmt, um Kali zu werden, 0,05563 Sauerstoff auf, welche von 0,338 abgezogen, 0,28237 als die Quantität Sauerstoff übrig lassen, welche mit 0,51745 Brom vereinigt ist.

Die Bromsäure bestünde, nach diesem Versuche, aus:

64,69 Brom;
35,31 Sauerstoff.
––––––
100,00

Wenn man das Atomgewicht des Brom durch 93,28 ausdrükt, so wie es durch die Analyse des Brom-Kalium gefunden wurde, so würden, unter der Voraussezung, daß die Bromsäure aus 5 Atomen Sauerstoff und 1 Atom Brom besteht, 100 Theile Bromsäure enthalten:

Brom, 65,10;
Sauerstoff, 34,90.
––––––
100,00

Diese Zahlen weichen so wenig von denjenigen ab, welche die directe Analyse der Bromsäure gibt, daß man, wie ich glaube, die Voraussezung, unter welcher sie berechnet sind, als wahr annehmen darf.

IX. Von der Verbindung des Brom mit Chlor und Jod.

Das Brom vereinigt sich mit dem Chlor bei der gewöhnlichen Temperatur. Man kann diese Verbindung erhalten, wenn |247| man einen Strom Chlor durch Brom leitet, und vermittelst einer erkältenden Mischung die Dampfe verdichtet, welche sich entwikeln.

Das Chlor-Brom zeigt sich in Gestalt einer rothlichgelben Flüßigkeit, welche weit weniger dunkel, als das Brom selbst ist, einen lebhaften, durchdringenden, sogleich Thränen entlokenden Geruch, und einen äußerst unangenehmen Geschmak hat.

Es ist sehr flüßig und flüchtig. Seine dunkelgelben in der Farbe den Chloroxyden vergleichbaren Dampfe haben keine Aehnlichkeit mit der Röthe der Dampfe des Brom.

Die Metalle brennen in dieser Verbindung, wodurch wahrscheinlich metallische Brom- und Chlor-Verbindungen entstehen.

Das Chlor-Brom ist in Wasser auflöslich. Die Flüßigkeit hat alsdann die Farbe und den Geruch dieser Verbindung und kann, wie sie, schnell das Lakmuspapier entfärben, ohne es zu röthen.

Das Chlor-Brom ist daher ohne Zersezung in Wasser auflöslich.

Das Wasser zersezt hingegen dieses Liquidum unter dem Einfluße alkalischer Substanzen. Das Kali, Natrum, der Baryt bringen, wenn sie in eine Auflösung von Chlor-Brom gegossen werden, chlorwasserstoffsaure (salzsaure) und bromsaure Salze derselben Basen hervor, eine Eigenschaft, welche man bei dem Chlor-Jod findet, und welche bestätigt, daß das Chlor in der That mehr Verwandtschaft zum Wasserstoff, als das Brom hat.

Brom-Jod (Bromure d'Jode).

Das Jod scheint mit dem Brom zwei verschiedene Verbindungen bilden zu können. Wenn man diese beiden Körper in bestimmten Verhältnissen auf einander wirken läßt, so erhält man eine feste Verbindung, welche beim Erhizen rothbraune Dampfe von sich gibt, die sich zu kleinen Krystallen von derselben Farbe verdichten, welche ein farnkrautähnliches Aussehen haben.

Ein neuer Zusaz von Brom verwandelt diese Krystalle in eine flüßige Verbindung, die im Aussehen der Jodwasserstoffsäure gleicht, wenn diese viel Jod aufgelöst enthält.

Das flüßige Brom-Jod ist mit Wasser vermischbar, welchem |248| es die Eigenschaft mittheilt, die Lakmustinktur und das Lakmuspapier zu bleichen, ohne sie roth zu färben.

Die Alkalien, welche in diese Auflösung gegossen werden, geben bromwasserstoffsäure und jodsaure Salze, wie es die Analogie voraussehen laßt.

X. Von der Wirkung des Brom auf den Phosphor, Schwefel und Kohlenstoff.

Phosphor und Brom, welche in einer mit Kohlensäure angefüllten Flasche in Berührung gebracht werden, wirken sogleich unter Wärme- und Lichtentwiklung auf einander.

Das Resultat der Vereinigung theilt sich in zwei Theile: der eine von ihnen ist fest und sublimirt sich in Krystallen im oberen Theile des Gefäßes; der andere ist flüßig und nimmt den unteren Theil ein.

Diese leztere Verbindung des Brom und Phosphor scheint weniger Brom als die feste und krystallinische Verbindung, von welcher ich gesprochen habe, zu enthalten. Man kann ihr auch wirklich die leztere Form geben, wenn man ihr eine hinreichende Quantität Brom zusezt. Ich werde sie daher Ersten Brom-Phosphor (proto-bromure de phosphore) nennen, während ich den Namen Zweiten Brom-Phosphor (deuto-bromure de phosphore) für die feste Verbindung des Phosphor mit dem Brom beibehalten werde.

Erste Brom-Verbindung. Der Erste Brom-Phosphor ist flüßig, selbst bei einer Temperatur von – 12° (hundertth. Sc.) Er röthet das Lakmuspapier nur schwach; vielleicht verdankt er diese Eigenschaft nur der unvollkommnen Trokenheit der angewandten Stoffe. Er verflüchtigt sich leicht und verbreitet in Berührung mit der Luft siechende Dampfe.

Er kann, wie der Erste Chlor-Phosphor, einen Ueberschuß von Phosphor auflösen, und so die Eigenschaft erlangen, brennbare Körper, womit man ihn in Berührung bringt, zu entflammen.

Auf das Wasser wirkt er sehr heftig, und erzeugt unter großer Wärmeentwiklung Bromwasserstoffsäure, welche man als Gas sammeln kann, wenn man nur einige Tropfen Wasser zugesezt hat, welche sich aber in dieser Flüßigkeit auflöst, wenn man davon eine größere Quantität angewandt hat.

Diese saure Auflösung läßt beim Verdunsten einen Rükstand |249| der sich leicht entzündet, wenn man ihn ganz austroknet und sich so in Phosphorsäure umändert.

Zweite Brom-Verbindung. Der Zweite Brom-Phosphor ist fest, von gelber Farbe; bei einer wenig erhöhten Temperatur zergeht er zu einer rothen Flüßigkeit, welche beim Erhizen eben so gefärbte Dämpfe hervorbringt.

Wenn man den Zweiten Brom-Phosphor nach dem Schmelzen erkalten läßt, oder seine Dampft verdichtet, so gibt er im ersten Falle rhomboidale Krystalle, während sich im zweiten Falle diese Verbindung in auf einander gesezten Nadeln darstellt.

Die Metalle zersezen ihn, indem sie mit dem Brom und wahrscheinlich auch mit dem Phosphor in Verbindung treten. Er verbreitet in Berührung mit der Luft dichte siechende Dampfe. Er zersezt das Wasser, womit er in Berührung kommt, mit Wärmeentwiklung, wodurch Bromwasserstoffsäure und Phosphorsäure entstehen.

Läßt man das Chlor auf die eine oder die andere der Verbindungen des Brom mit dem Phosphor, wovon ich so eben gesprochen habe, wirken, so entwikeln sich röthliche Dämpfe von Brom, und man erhält Chlor-Phosphor. Das Jod kann diese Verbindungen nicht zersezen; im Gegentheile erhält man violette Dämpfe und Brom-Phosphor, wenn man das Brom auf den Jod-Phosphor wirken läßt.

Vom Brom-Schwefel (Bromure de Soufre).

Den Brom-Schwefel kann man erhalten, wenn man Brom auf sublimirten Schwefel gießt. Lezterer verwandelt sich in eine Flüßigkeit von öhlartigem Aussehen von röthlicher Farbe, welche bei weitem dunkler, als die des Chlor-Schwefel ist, und sie kann, wie lezterer, in Berührung mit der Luft weiße Dämpfe verbreiten, deren Geruch auch an den dieser leztern Verbindung erinnert.

Der Brom-Schwefel röthet nur schwach das Lakmuspapier; mit Hülfe des Wassers röthet er es sehr stark. Das Wasser wirkt in der Kälte nur langsam auf den Brom-Schwefel; aber bei der Siedhize entsteht eine schwache Detonnation; es bildet sich Bromwasserstoffsaure, Schwefelsaure und Schwefelwasserstoff, während der Chlor-Schwefel unter denselben Umständen ohne Detonnation Chlorwasserstoffsaure, schwefelige Säure und Schwefelsäure hervorgebracht hätte. Der Brom-Schwefel wird durch Chlor mit Entwikelung von Brom, und unter Bildung von Chlor-Schwefel zersezt.

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Vom Brom-Kohlenwasserstoff (Hydro-Carbure de Bróme).

Ich habe keine Anzeige von Zersezung oder Vereinigung bemerkt, als ich bei verschiedenen Temperaturen Kohlenstoff in Berührung mit Brom brachte, aber ich habe diesen Körper leicht mit dem zweiten Kohlenwasserstoffgas verbinden können.

Schüttet man einen Tropfen Brom in eine Flasche, welche mit diesem Gas gefüllt ist, so ist er in einem Augenblike in eine Substanz von öhlartigen Aussehen umgeändert, welche schwerer als Wasser, und farbenlos ist, und welche anstatt des starken Brom-Geruches, nur mehr einen ätherischen Geruch zeigt, welcher angenehmer, als der des Chlor-Kohlenwasserstoffs ist.

Die Verbindung des Brom mit Kohlenwasserstoff verflüchtigt sich mit Leichtigkeit; sie zersezt sich, wenn man sie durch eine rothglühende Glasröhre streichen läßt. Ich habe bei einem solchen Versuche abgesezte Kohle und entbundenes bromwasserstoffsaures Gas erhalten. – In Berührung mit einem brennenden Körper entzündet sich diese Verbindung, indem sehr saure Dämpfe entstehen, und ein diker Rauch wegen des fein vertheilten Kohlenstoffs. Ich habe vergebens versucht, eine Verbindung von Brom mit Kohlenstoff zu erhalten, indem ich ein Gemisch dieses Brom-Kohlenwasserstoff der Einwirkung der Sonnenstrahlen aussezte.

Man kann eine, mit der eben beschriebenen Verbindung identische erhalten, wenn man die durch Chlor gelb gefärbte Mutterlauge der Salinen destillirt. Das Brom, welches man alsdann erhält, ist oft mit dem Brom-Kohlenwasserstoff gemengt, wovon man es durch Wasser abscheidet. Zuweilen geschieht es sogar, daß bei dieser Operation alles Brom sich in diese dreifache Verbindung umändert. Diese Umänderung wird wahrscheinlich durch die Einwirkung des Brom auf eine geringe Quantität eines organischen Stoffes hervorgebracht, welcher im Wasser der Salinen enthalten ist, und dem durch Abrauchen erhaltenen Rükstande die Eigenschaft ertheilt, beim starken Erhizen sich zu schwärzen.

XI. Von der Wirkung des Brom auf einige organische Substanzen.

Die große Verwandschaft, welche das Brom zum Wasserstoff hat, läßt gewissermaßen voraussehen, auf welche Art es auf die organischen Substanzen wirkt. Es zersezt die meisten |251| derselben, indem es immer Bromwasserstoffsaure bildet, und zuweilen Kohle ausscheidet.

Das Brom löst sich sehr leicht in der Essigsäure auf, auf welche es nur langsam einwirkt. Es ist sehr auflöslich im Aether und Alkohol. Die gefärbten Auflösungen, welche diese beiden Flüßigkeiten bilden, verlieren ihre Farbe nach Verlauf einiger Tage, worauf man Bromwasserstoffsäure in der Flüßigkeit aufgelöst findet.

Die fetten Oehle bewirken nur sehr langsam Erscheinungen dieser Art. Augenbliklich finden sie Statt, wenn man Brom in Berührung mit den wesentlichen Oehlen bringt. Indem ich einige Tropfen dieser Substanz in Terpenthin- oder Anisöhl fallen ließ, bemerkte ich, daß Wärme entstand, weiße Dämpfe von Bromwasserstoffsäure sich entbanden, und das wesentliche Oehl sich in eine harzige, gelbliche, pechartige, dem Terpenthin ähnliche Substanz umänderte.

Leztere Substanz verhält sich eben so gegen das Brom.

Der Kampher löst sich in dieser Flüßigkeit sehr leicht auf, und sie verliert in dieser Verbindung größtenteils ihren Geruch und ihre Flüchtigkeit. Diese Verbindung des Brom mit dem Kampher wird durch Erniedrigung der Temperatur fest und krystallisirt.

Die dauerhaftesten Pigmente, werden durch die Wirkung des Brom, welches sie entfärbt, und sie, wie das Chlor in eine eigenthümliche gelb gefärbte Substanz umändert, von Grund aus verändert.

Ich habe keine bemerkenswerthe Erscheinungen beobachtet, als ich Brom auf Zuker, Stärkmehl, Morphium, Margarinsäure u.s.w. wirken ließ.

Die geringe Quantität Brom, welche mir zur Disposition stand, verhinderte mich zu untersuchen, wie es sich gegen die organischen Verbindungen verhalten würde.

XII. Ueber das natürliche Vorkommen des Brom.

Das Brom findet sich im Meerwasser in sehr geringer Menge. Die Mutterlauge der Salinen enthält auch nur sehr wenig davon, selbst wenn man sie durch Verdampfen bedeutend in die Enge gebracht hat, so daß sich Kochsalz ausgeschieden, und obgleich dieses nur geringe Quantitäten Brom mit nachgezogen hat.

Die Natur der Mittel, durch welche man es ausscheiden |252| kann, scheint dafür zu sprechen, daß es als Bromwasserstoffsäure darin enthalten ist, und aus mehreren Gründen muß ich glauben, daß diese Säure an Bittererde gebunden ist.

Der durch Verdampfen der Salinen-Mutterlauge erhaltene Rükstand verliert nämlich die Eigenschaft, in Berührung mit Chlor, Brom zu entwikeln, wenn man ihn stark glüht. Bedenkt man, daß die von mir untersuchten bromwasserstoffsauren Salze durch Glühen nicht zersezt werden, mit Ausnahme des Bittererdesalzes, so wird man auf die Annahme geführt, daß die Mutterlauge der Salinen wirklich diese Verbindung enthält.

Die Pflanzen und Thiele, welche im Meere leben, enthalten auch Brom. Die Aschen der Pflanzen, welche im Mittelmeere wachsen, geben alle eine gelbe Farbe, wenn man ihre Lauge mit Chlor behandelt. Dieselbe Farbe entstand, als ich mit diesem Agens die Auflösung der Asche von lanthina violacea, eines molluscus testaceus behandelte, den ich der Güte des Hrn. August Berard verdankte, und welchen dieser ausgezeichnete Officier auf der Insel St. Helena, während seiner zweiten Reise um die Welt, gesammelt hatte.

Bemerkenswerthe Quantitäten von Brom erhielt ich aus der Mutterlauge der Varecsoda, deren man sich zur Darstellung des Jod bedient88).

Endlich schien es mir, daß der Rükstand, welchen ich durch Abdampfen eines Mineralwassers von den östlichen Pyrenäen erhielt, und der sehr salzhaltig war, sich durch Chlor gelb färbte. Würde das Brom wirklich in einem Wasser dieser Art vorkommen, so hatte man Hoffnung, es in den eigentlich sogenannten Salzquellen, und besonders in der Mutterlauge des Steinsalzes anzutreffen. Es fehlten mir die Materialien, um dieses zu entscheiden.

Alles dieses macht es sehr wahrscheinlich, daß man das Brom in vielen Producten des Meeres oder des unterirdischen Wassers antreffen wird.

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XIII. Schlußbemerkungen.

Wenn die Thatsachen, welche ich so eben durchgegangen habe, mich nicht getäuscht haben, so rechtfertigen sie, wie ich glaube, vollkommen, die in Betreff der Natur des Brom von mir ausgesprochene Meinung, welche ich zur Erklärung seiner Verbindungen gebraucht habe.

Eine Substanz, welche in ihrem isolirten Zustande so kräftig wie das Brom allen Zersezungsversuchen widersteht, welche aus allen Verbindungen, die sie eingeht, durch das Chlor ausgetrieben wird, und darauf constant ihre anfänglichen Eigens schaffen zeigt, welche, indem sie auf die Verbindungen des Jod wirkt, sich lezterem in allen Fallen substituirt, und ganz seine Rolle in den neuen Producten spielt; welche endlich, troz dieses auffallend verschiedenen chemischen Verhaltens, sich dennoch an das Chlor und Jod durch die entschiedensten Analogieen anschließt, scheint daher mit demselben Rechte als ein einfacher Körper betrachtet werden zu müssen.

Wenn dieses Resultat die nöthige Begründung durch die Untersuchungen erhält, welche die Chemiker in der Folge über das Brom anstellen werden, so ergibt sich der Rang, welcher ihm in der Reihe der einfachen Körper bestimmt ist, von selbst.

Offenbar müßte es zwischen das Chlor und Jod eingereiht werden.

Nicht ohne Interesse würde man dann sehen, daß zwei sich so nahe stehende Substanzen, wie das Jod und Chlor, eine Substanz zwischen sich aufnehmen, um gleichsam durch noch engere Bande eine Gruppe von Agentien zu verbinden, deren Familienzüge schon so merkwürdig sind.

Eine solche Annäherung, als sich zwischen diesen drei Körpern in ihren Eigenschaften und ihrem chemischen Verhalten zeigt, würde noch mehr Bedeutung durch die Betrachtung ihres gemeinschaftlichen Ursprungs erhalten.

Als ich im Anfange meiner Forschungen die verschiedenen Verbindungen des Brom untersuchte, und fast immer die größten Aehnlichkeiten zwischen ihnen und den analogen Chlorverbindungen fand, entstanden, ich gestehe es, bei mir einige Zweifel an der Eigenthümlichkeit des Brom. Aber diese Zweifel konnten nicht mehr Stich halten, bei der Energie, womit das Chlor es aus seinen Verbindungen austreibt, während das Jod durch das Brom aus allen den seinigen ausgetrieben wird.

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Ich gestehe selbst, daß die Materialien, welche ich zur Geschichte des Brom habe sammeln können, noch viel zu wünschen übrig lassen. Ich hätte sogar ihre Bekanntmachung gerne noch so lange verschoben, bis zahlreichere Versuche mich in den Stand gesezt hatten, es mit weniger Luken zu thun, wenn ich in Betreff dieses wichtigen Gegenstandes für Nachforschungen es nicht für noch viel nüzlicher gehalten hätte, die Aufmerksamkeit derjenigen Chemiker darauf zu leiten, welche sich dadurch vorzüglich auszeichnen, daß sie ein großes Licht über die Stoffe verbreiten, womit sie sich beschäftigen.

Ich werde meinerseits nicht aufhören mich mit dieser Substanz ferner zu beschäftigen, sobald die Mutterlaugen unserer Salinen hinreichend concentrirt seyn werden, um eine zwekmäßige Ausscheidung des Brom zu gestatten, besonders wenn diese Skizze das Glük haben sollte, die Academie zu interessiren; sollte ich durch neue Bemühungen zu Resultaten von gewißer Wichtigkeit gelangen, so würde ich eilen, sie ihr vorzulegen; was ich alsdann auch mit mehr Zutrauen thun würde.

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Die Academie hat die HHrn. Vauquelin, Thenard und Gay-Lussac beauftragt, sie mit ihrer Meinung über diese Abhandlung des Hrn. Balard bekannt zu machen. In ihrem Berichte, welcher in den Ann. de Chim. auf diese Abhandlung folgt, geben sie eine Uebersicht von den Eigenschaften dieser neuen Substanz, und schließen alsdann, wie folgt:

„Wenn auch die wenigen Versuche, welche wir anstellen konnten, uns über die Existenz des Brom als neuer einfacher Körper nicht diejenige Gewißheit verschaffen, welche man heut zu Tage mit Recht verlangt, so betrachten wir sie doch als sehr wahrscheinlich. Die Abhandlung des Hrn. Balard ist übrigens sehr gut geschrieben, und die zahlreichen Resultate, welche er darin vortragt, würden selbst dann noch nichts destoweniger ein sehr großes Interesse erregen, wenn man dahin gelangte, beweisen zu können, daß das Brom kein einfacher Körper ist.

Die Entdekung des Brom ist eine sehr wichtige Bereicherung der Chemie, und führt Hrn. Balard auf die ehrenvollste Weise in die wissenschaftliche Laufbahn ein.

Wir glauben, daß dieser junge Chemiker der Aufmunterung der Academie vollkommen würdig ist, und wir haben die |255| Ehre ihr vorzuschlagen: zu verordnen, daß seine Abhandlung in der Sammlung von Abhandlungen fremder Gelehrten abgedrukt werde.“

Die Academie nahm dieses Urtheil an.

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Die Erfahrung hat mich gelehrt, daß man nicht zu viel Gas hineinleiten darf, wenn man den Verlust einer gewißen Quantität Brom vermeiden will, welches sich in eine Verbindung umändern würde, von der unter der Benennung Chlor-Brom (Brom-Chlorid), gehandelt werben wird. A. d. O.

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Diese Eigenschaft kann man benüzen, um das Brom in nicht vollkommen schließenden Gefäßen aufzubewahren, weil die leichtere Schwefelsäure ein Hinderniß seiner Verdünstung wird. A. d. O.

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Ich habe mich überzeugt, daß, um diese Verunreinigung zu vermeiden, |233| es vorzuziehen ist, die Schwefelsäure auf die ganzen Krystalle zu gießen, anstatt auf ihr Pulver. Es wird in diesem Falle um so weniger Bromwasserstoffsäure zersezt, je größer das Volumen der Krystalle und je kleiner die Quantität der angewandten Schwefelsäure ist. A. d. O.

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Im Originale steht bróme anstatt bromure de potassium. A. d. U.

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Ich stellte diesen Versuch so an, daß ich das Sauerstoffgas, welches sich entwikelte, sammeln und messen konnte; da aber mein Apparat zufällig in Unordnung kam, so konnte ich die so erhaltenen Resultate nicht mehr controlliren. A. d. O.

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Das Verfahren, wodurch mir die Ausscheidung des Brom am besten gelang, wenn die Verbindungen, worin es enthalten ist, mir jenen vergesellschaftet sind, welche das Jod verschaffen, bestand darin, das Jod durch ein Kupferfalz niederzuschlagen, durch Filtriren die unauflösliche Jodverbindung abzuscheiden, die Flüßigkeit abzurauchen, und den Rükstand mit Schwefelsaure und Manganoxyd zu behandeln. A. d. O.

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