Titel: Berthier, über die Darstellung des Nikels.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 22, Nr. LXV. (S. 311–321)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj022/ar022065

LXV. Ueber die Darstellung des Nikels von P. Berthier.

Aus den Annales de Chimie et de Physique Sept. 1826, S. 49.

Man stellt das Nikel immer aus der Speise dar. Diese Substanz ist bekanntlich eine Verbindung von Arsenik-Nikel mit Schwefel-Nikel, welche einige Procente Kobalt und eine geringe Menge Kupfer und Eisen enthält. Ich habe eine Methode |312| angegeben, daraus reinen Nikel darzustellen (Ann. de Chim. et de Phys. tom. XXV., p. 94); aber nun will ich andere Verfahrungsarten bekannt machen, welche bei weitem einfacher und auch weniger kostspielig sind.

Wenn man Speise mit ihrem vier- bis fünffachen Gewichte Blei in einem Treibscherben erhizt, welcher unter die Muffel eines Kapellenofens gesezt wird, so schmilzt sie und schwimmt sodann auf der Oberfläche des Bleies, ohne sich mit ihm zu verbinden, oder sich damit zu vermischen; sie röstet sich dann, und die Oxyde, welche sich bilden, kommen durch die zu gleicher Zeit entstehende Bleiglätte in Fluß, und werden über die Seitenwände des Treibscherbens hinabgetrieben. Die Speise verliert allmählig ihre Schmelzbarkeit, und es tritt ein Augenblik ein, wo man sie auch bei der größten Hize des Ofens nicht mehr flüßig erhalten kann. Wenn man zu dieser Zeit die Operation unterbricht und den Treibscherben in Wasser taucht, sobald das Blei fest geworden ist, so kann man ohne Mühe ein linsenförmiges Stük Speise los machen, wovon man den größten Theil der anhängenden Schlafen leicht mechanisch trennen, und welches man vollkommen durch Kochen mit käuflicher Salzsäure reinigen kann.

Die neue Speise ist ein Arsenikmetall ohne Schwefel, welches nicht die geringste Spur Kobalt mehr enthält: es ist daher leicht daraus reinen Nikel darzustellen.

Wenn man etwas beträchtliche Quantitäten Speise verarbeiten will, so ist die Verschlakung schwierig und erfordert sehr lange Zeit. Das folgende Verfahren, welches mit wenig Zeitaufwand verbunden ist, und vollkommen zu demselben Resultate führt, verdient alsdann den Vorzug. Dieses Verfahren besteht darin, die Speise mit Bleiglätte zu schmelzen, und gründet sich im Allgemeinen darauf, daß, wenn man ein Arsenik-Sulfuretum mit mehreren Basen, mit Bleioxyd bis zum Schmelzen erhizt, der Schwefel abbrennt, die Metalle sich nach dem Grade ihrer Oxydirbarkeit verschlafen und der Rükstand ein Arsenikmetall ist, welches nur mehr Ein Metall (das am wenigsten oxydirbare) enthalten kann, vorausgesezt, daß man eine hinreichende Quantität Bleiglätte angewandt hat.

Die Speise (A) wird fein pulverisirt mit ihrem doppelten Gewichte Glatte in einen Schmelztiegel gebracht, den man in einem Windofen schnell auf 50 bis 60 Pyrometergrade erhizt.

|313|

Das Gemenge schmilzt leicht und wird sehr flüßig; man erhält nun 1) einen Bleikönig am Boden des Tiegels; 2) eine neue Speise (L), welche sich im Aeußern durchaus nicht von ersterer unterscheidet; 3) eine dichte Schlake (K), welche auf dem Bruche glänzend ist, von schwarzgrauer Farbe, deren Pulver eine schwache bläuliche Farbe hat. Bisweilen enthält die neue Speise durchaus keinen Kobalt mehr, aber gewöhnlich enthält sie davon noch eine geringe Menge. Wenn man sie zum zweiten Mahl mit einem oder zwei Theilen Glatte, nach Verhältniß des Kobaltgehaltes, den man in ihr vermuthet, schmilzt, nachdem man sie zuvor gewogen und durch ein sehr feines Haarsieb geschlagen hat, so benimmt man ihr dadurch die lezten Spuren dieses Metalles. Die Schlake (C), welche man durch diese zweite Operation erhält, hat eine viel weniger dunkle graue Farbe, als die erste und ihr Pulver hat eine schwache grüne Farbe. Die Speise (C) ist eine Arsenikverbindung des Nikels, welche leine fremden Substanzen mehr enthält, als vielleicht eine Spur Kupfer. Der Totalverlust in beiden Schmelzprocessen beträgt 0,40 bis 0,50.

Die Schlaken (b) und (c) muß man nicht wegwerfen. Man kann sie auf zweifache Art behandeln, um daraus das Kobalt und Nikel zu gewinnen: 1) man digerirt sie gepulvert in der Wärme mit Salpetersäure; es entwikelt sich Salpetergas, und die Säure löst viel Blei und Kobalt, aber nur sehr wenig Nikel auf: auf den Rükstand gießt man concentrirte Salzsäure oder Königswasser und erhizt bis zum Kochen. Er löst sich größtenteils auf, indem er eine Gallerte bildet; doch bleibt immer eine bläuliche Substanz zurük, welche der Einwirkung der Sauren widersteht, aber ihre Quantität ist sehr gering. Die sauren Mäßigkeiten raucht man zur Trokne ab, und nimmt den Rükstand wieder in Wasser auf, wodurch der größte Theil der Arseniksaure als arseniksaures Blei abgeschieden wird; die Auflösung versezt man mit ein wenig kohlensaurem Natrum, um dieses arseniksaure Salz gänzlich auszufällen; dann schlägt man mit Schwefelsäure das Blei nieder und scheidet durch einen Strom Schwefelwasserstoffgas endlich die lezten Spuren dieses Metalles und das wenige Kupfer, welches die Auflösung enthalten könnte, aus; sie enthält dann blos noch Kobalt und Nikel. Man schlägt diese beiden Metalle durch kohlensaures Natrum nieder und scheidet sie von einander vermittelst des |314| Chlor. Man muß aber nicht vergessen, daß die erhaltenen Oxyde mit einer geringen Menge Thonerde vermengt seyn können, welche von dem Theil des Tiegels herrührt, welchen die Glätte angreift. Man darf sie daher nicht unmittelbar reduciren: wenn man sie in dem gefütterten Schmelztiegel mit Glas schmilzt, so löst sich alle Thonerde bei ungefähr 60° (des Pyrometer) in der Schlake auf.

2) Man erhizt die Schlake ohne Zusaz in einem gefüttertten Tiegel, oder mit 0,05 bis 0,06 Kohlenpulver vermengt, in einem ungefütterten Tiegel; man erhält einen Bleikönig am Boden des Tiegels, eine Speise und eine Schlake. Die Schlake (b) gibt eine Speise, welche viel Kobalt enthält, und welche wie die Speise (A) behandelt werden muß, und eine feste, glasartige, glänzende, undurchsichtige, schönschwarze Schlake (d), deren Pulver bläulichgrau ist; sie ist sehr reich all Kobalt. Die Schlake (c) gibt eine Speise von derselben Art wie die Speise (B) und eine Schlake (e), die dicht und schwarz ist, undurchsichtig zu seyn scheint, aber in dünnen und sehr schön blau ist. Diese Schlafen (d) (c) gelatiniren mit den Säuren und mall kann leicht Nikel und Kobalt aus ihnen erhalten.

Das Blei, welches durch die Behandlung der Speise mit Glätte oder durch die Reduction der Schlafen erhalten wird, ist halbdehnbar, körnig, und enthält kleine, schwarze, matte, blätterige Körner. Man fand darin auf nassem Wege:

Nikel, 0,027;
Arsenik, 0,016;
Schwefel, 0,005.
–––––
0,048.

Ich glaube, daß diese Substanzen von einer gewissen Quantität Speise herrühren, welche das Blei durch Einziehen absorbirt, geradeso wie es die Glatte absorbirt, welche es durch Adhäsion zurükhält, aber keineswegs, daß sie mit ihm eine wahre Verbindung bilden. Die metallurgischen Künste bieten viele Beispiele von analogen Erscheinungen dar: das rothglühende Kupfer absorbirt eine geringe Quantität von der Substanz, welche darauf schwimmt, wodurch es schwarz und brüchig wird; es verschlukt von seinem Protoxyd, wodurch es einen Theil seiner Dehnbarkeit verliert; das Eisen hingegen erlangt Zähigkeit in der Kälte, wenn es aus einem Gusse kommt, welcher |315| Kupfer enthält, obgleich es sich mit diesem Metalle nicht vereinigen kann, u.s.w.

Das mit Speist vermengte Blei taugt nicht zum Abtreiben auf der Kapelle; das flüßige Metall bleibt bis ans Ende mit einer grünlichgrauen Kruste bedekt; die Kapelle ist sehr rein gelb, weßwegen man glauben sollte, daß alles Nikeloxyd in der Schlake bleibt. Wenn man aber das Blei einer, hinreichend lange Zeit unterhaltenen, Verschlakung unterwirft, so daß es um 0,60 seines Gewichtes abnimmt, so wird es vollkommen dehnbar, und man kann es dann wie reines Blei coupelliren. Dadurch könnte man also den größten Theil des in der Speise enthaltenen Silbers ausscheiden.105)

Der Salpeter hat auf die Schwefel-Arsenikmetalle beinahe dieselbe Wirkung; wie die Bleiglätte.

100 Gr. gepulverte Speise,
40 Salpeter,
|316|

zusammen erhizt, wurden bei der Dunkelrothglühhize weißglühend; die Masse blähte sich ein wenig auf und kam, als man stärkeres Feuer gab, in vollkommnen Fluß: man erhielt eine Speise (F), welche 84 Gr. wog, auf welcher zwei übereinander gesezte Schlaken lagen; die obere Schlake war krystallinisch, durchscheinend und schön azurblau; sie bestand vorzüglich aus schwefelsaurem Kali, das durch ein wenig Kobaltoxyd gefärbt war; die zweite, welche fest und graulichschwarz war, enthielt Eisenoxyd und Kobaltoxyd; lezteres Metall aber war darin in zu geringer Menge, um eine Ausscheidung zu verdienen.

50 Gr. Speise (F),
20 Salpeter,

gaben bei starker Weißglühhize eine teigichte Schlake, die innwendig graulich schwarz war, auf der Oberfläche aber sehr schön blau: sie enthielt einen Regulus und eine Menge Körnchen von Speise; man ließ sie während 24 Stunden mit Wasser digeriren, wodurch sie vollkommen erweichte, so daß man leicht die Körner davon trennen konnte; zusammengeschmolzen wogen sie 35 Gr. Die erdige Masse wurde gut ausgesüßt, und sodann in Königswasser aufgelöst; man fand, daß sie aus vielem Kobaltoxyd, mit einer geringen Quantität Nikeloxyd gemengt, bestand.

30 Gr. Speise (G),
12 Salpeter,

verhielten sich, als sie zusammen erhizt wurden, wie das vorhergehende Gemenge: die Schlake war graulichgrün, hier und da bläulichgrau geflekt; sie enthielt viel Nikeloxyd und wenig Kobaltoxyd. Die Körner der neuen Speise (H) wogen 18 Gr. diese Speise fand man vollkommen rein. Der Totalverlust bei den drei Operationen betrug 68 Gr.; man könnte ihn jedoch auf 0,50 zurükbringen, wenn man bei der dritten Operation, welche bloß zum Zwek hat, die lezten Spuren von Kobalt zu entfernen, weniger Salpeter anwenden würde.

Es ist also leicht, vermittelst der Glätte oder des Salpeters, die käufliche Speise in reines Arsenik-Nikel, mit einem Verlust unter der Hälfte, umzuändern. Wir wollen nun sehen, auf welche Art man aus diesem Arsenikmetall das Nikel aus scheiden kann.

1) Man pulverisirt es; man röstet es so lange, bis sich keine arsenikalischen Dämpfe mehr entbinden; man versezt es |317| mit 1/10 seines Gewichtes metallischen Eisens; man behandelt das Gemenge mit käuflicher Salpetersäure, welcher man von Zeit zu Zeit ein wenig Salzsäure zusezt; man raucht bei gelinder Wärme zur Trokne ab, und nimmt in Wasser wieder auf; der größte Theil des arseniksauren Eisens bleibt unaufgelöst zurük; das wenige, welches die Auflösung zurükhält, schlägt man mit kohlensaurem Ammoniak nieder, das tropfenweise und nicht in Ueberschuß zugesezt werden muß; man leitet nun durch die Flüßigkeit einen Strom Schwefelwasserstoff, oder man versezt sie abwechselnd mit Salpetersäure und schwefelwasserstoffsaurem Ammoniak, um das Kupfer und Blei niederzuschlagen, welche sich zufällig mit der Speise vermengt haben könnten; endlich raucht man die Flüßigkeit zur Trokne ab, und bekommt, wenn man den Rükstand bei der Weißglühhize calcinirt, vollkommen reines Nikelprotoxyd. Da man bei diesem Verfahren keine feuerfesten Stoffe anwendet, so ist man alles Aussüßens, welches gewöhnlich so langwierig ist, überhoben, und man kann ohne Schwierigkeit mit was immer für einer Quantität arbeiten.

2) Das Rösten ist der beschwerliche und unangenehme Theil des von mir so eben beschriebenen Verfahrens; man kann es vermeiden, wenn man die Wirkung der erwärmten Luft durch die Wirkung der Glätte oder des Salpeters ersezen, und übrigens so verfahren will, wie es oben in Bezug auf die käufliche Speise angegeben wurde. Um das ganze Arsenikmetall zu oxydiren, müßte man sein 8 bis 10 faches Gewicht Bleiglätte anwenden: würde man sich des salpetersauren Bleies anstatt der Glätte bedienen, so hätte man weit weniger nöthig, die Schlake würde sich schneller auflösen und weniger Säure erfordern. Die käufliche Speise kann nur durch 2 Theile Salpeter vollkommen verschlakt werden, aber das Arsenik-Nikel verzehrt nur anderthalb Theile: da die Einwirkung ausserordentlich lebhaft ist, so muß man sie durch den Zusaz von zwei Theilen kohlensauren Kali oder Natrums mäßigen. Dieser Zusaz hat noch den Vortheil, dem Nikeloxyd den größten Theil der Arseniksaure zu entziehen, die sich während der Operation bildet. Nachdem man die Masse mit Wasser behandelt hat, versezt man den Rükstand mit Eisen, löst ihn in Salpetersäure auf u.s.w., und schlägt endlich das Nikeloxyd mit kohlensaurem Natrum nieder und süßt es aus. Wenn man aber die |318| Absicht hätte, metallisches Nikel darzustellen, wäre dieses Aussüßen überflüßig. Nach Abscheidung alles arseniksauren Eisens und Kupfers würde man zur Trokne verrauchen, bei der Weißglühhize calciniren, das Oxyd sämmtlich waschen und in einem gefütterten Schmelztiegel mit Zusaz von Glas reduciren.

3) Wenn man das Arsenik-Nikel mit kohlensaurem Natrum und Schwefel schmilzt, so erhält man Schwefel-Nikel, Schwefel-Arsenik und Schwefel-Natrium. Durch Vertheilen im Wasser lösen sich die beiden leztern Schwefelverbindungen, welche sich mit einander verbunden haben, auf, und das Schwefel-Nikel, welches mit der geschmolzenen Masse bloß gemischt war, bleibt rein zurük. Um alles Arsenik vom Nikel durch eine einzige Behandlung zu trennen, muß man anderthalb Theile kohlensaures Natrum und 2 Theile Schwefelblumen auf Einen Theil des Arsenikmetalls nehmen; aber man ist sicherer, alles Arsenik entfernt zu haben, wenn man dieselbe Operation zwei Mahl vornimmt; alsdann kann man jedesmahl nur einen halben Theil kohlensaures Natrum und Einen Theil Schwefel anwenden. Man schmilzt in einem ungefütterten Tiegel, indem man das kohlensaure Natrum mit dem fünften Theil seines Gewichtes Kohlenpulver versezt; es bildet sich kein schwefelsaures Salz, und das Gemenge ist vielmehr von der Art, daß es Schwefel abgeben kann, obgleich dieses nicht nöthig ist.106) Bei der Weißglühhize wird die Masse flüßig wie Wasser; nach dem Schmelzen besteht sie aus einem blätterigen glänzenden Metallkönig, dessen gelbe Farbe das Mittel zwischen derjenigen des Schwefelkieses und Kupferkieses hält; und aus einer dichten Schlake, von der Farbe des Chokolates, die matt und undurchsichtig ist, und in welcher man oft große krystallinische Blätter von der metallischen hier und dort zerstreuten Substanz sieht. Diese Schlake löst sich leicht im Wasser auf; die Auflösung, welche wenig gefärbt ist, gibt, wenn man sie mit einer Säure neutralisirt, einen sehr reichlichen und sehr schönen Niederschlag von Operment. Der Metallkönig scheint beim ersten Anblik |319| gleichartig zu seyn, aber er ist kein reines Schwefel-Nikel; dieses Schwefelmetall ist von der Verbindung des Schwefel-Natriums mit Schwefel-Arsenik durchdrungen; läßt man es mit Wasser digeriren, so erweicht es allmählig, und löst sich mit Hinterlassung von krystallinischen Schuppen auf. Nachdem man diese Schuppen mit vielem Wasser ausgesüßt hat, muß man sie endlich noch durch Behandlung mit verdünnter Schwefelsäure in der Kälte, welche sie nicht angreift, reinigen. Da dieses Schwefel-Nikel aber noch mit Thonerde u.s.w. gemengt seyn könnte, so muß man es in einem gefütterten Tiegel mit ein wenig Borax erhizen; es schmilzt bei der Weißglühhize und die fremden Stoffe bilden mit dem Borax eine Schlake, welche man leicht von dem König abschlagen kann.

Das geschmolzene Schwefel-Nikel ist dem Schwefelkiese vollkommen ähnlich. Seine Dichtigkeit ist 5,76; von Schwefelsäure und Salzsäure wird es nicht angegriffen; die Salpetersäure löst es mit Unterstüzung der Wärme auf. Es ist die Schwefelungsstufe NS², identisch mit derjenigen, welche man in der Natur findet.

Wenn man dieses Schwefelmetall, sehr fein gepulvert, so lange rösten würde, bis sich keine schwefligen Dämpfe mehr entwikelten, den Rükstand alsdann glühte, nachdem man ihn mit einer geringen Quantität Schwefelsaure versezt hätte, so würde man wahrscheinlich allen Schwefel abscheiden, und folglich reines Oxyd erhalten; ich habe jedoch diesen Versuch nicht angestellt, und ich weiß nicht, ob das Schwefel-Nikel und schwefelsaure Nikeloxyd stark genug auf einander einwirken, und sich wechselseitig gänzlich zu zersezen, was sehr wahrscheinlich ist.

Ein sichereres Mittel, das Schwefel-Nikel zu zersezen, wäre, es zu zerreiben; es in Salpetersäure, welche man allmählig mit kleinen Quantitäten Salzsäure versezen würde, aufzulösen; zur Trokne zu verrauchen, um den Säureüberschuß zu verjagen; in Wasser wieder aufzunehmen und die in der Flüssigkeit enthaltene Schwefelsäure mit salpetersaurem Blei niederzuschlagen; dann das überschüßige Blei und das Kupfer durch Schwefelwasserstoff auszufällen; endlich die Auflösung zur Trokne abzurauchen, und die salpetersauren Salze der Weißglühhize auszusezen.

Hat man reines Nikeloxyd, so verschafft man sich geschmolzenes Metall, indem man dieses Oxyd, mit einer geringen |320| Quantität Glas vermengt, in einem gefütterten Tiegel der größten Hize eines Probirofens aussezt. Wollte man etwas schwere Könige, z.B. von mehreren Hunderten von Grammen erhalten, so müßte man das Oxyd mit 9 bis 10 Procent Kohlenpulver versezen, um die Reduction und folglich den Fluß zu beschleunigen. Aber das so bereitete Nikel hält eine geringe Quantität Kohlenstoff, womit es verbunden ist, zurük. Vollkommen rein erhält man es nur durch Reduction des Oxydes vermittelst Wasserstoffgas; man erhält es jedoch zu vielen Zweken noch hinreichend rein, wenn man das Oxyd durch Kohle bei möglichst niedriger Temperatur reducirt. Drükt man eine gewisse Quantität dieses Oxydes stark in einen gefütterten Tiegel ein, und sezt ihn der angehenden Weißglühhize aus, so findet die Reduction auf der Oberfläche der Masse unmittelbar Statt, und verbreitet sich sehr schnell von der Oberfläche bis in die Mitte durch Cementation. Das so erhaltene Nikel ist ein wenig porös und mattgrau; aber auf dem Polirstahl gerieben, nimmt es einen sehr starken Metallglanz an; unter den Schlägen eines Hammers breitet es sich ein wenig aus, wobei es sich zerbrökelt: man würde es ohne Zweifel schweißen und in Stangen streken können, wenn man es bei der Schweißhize wie das Eisen schmiedete. Hätte man große Massen davon zu bereiten, so müßte man das feingestossene Oxyd mit 0,08 bis 0,10 Kohlenpulver innig mengen, (einem Verhältnisse, das gerade hinreicht, die Reduction zu bewirken) das Gemenge schichtenweise sehr stark in einem ungefütterten Tiegel zusammendrüken und lange genug der Weißglühhize aussezen, dann die Masse heiß schmieden, nachdem man sie mit Borax bestreut hat.

Ich habe auch versucht, das Arsenik von dem Nikel vermittelst metallischen Eisens zu scheiden, aber dieses gelang nicht.

30 Gr. Speise, und
30 kleine eiserne Nägel

wurden in einem gefütterten Tiegel einer Hize von 150 Pyrometergraden ausgesezt: der König wog 60 Gr.; er war vollkommen gleichartig, dicht, sehr hart, spröde, von körnigem Bruche, etwas krystallinisch und graulichweiß, wie Gußeisen. Es scheint, daß das Arsenik sich in allen Verhältnissen mit den Metallen verbinden kann, wenigstens scheidet es sich beim Schmelzen der Arsenikmetalle nicht in bestimmten Verhältnissen aus, so wie es sich aus den Schwefelmetallen ausscheidet.

|321|

Die meisten von den Verfahrungsarten, welche ich so eben beschrieben habe, um Nikel darzustellen, sind auch anwendbar zur Behandlung der Kobalterze (Verbindungen von Arsenikmetallen mit Schwefelmetallen), es sey nun, um das Eisen oder Arsenik abzuscheiden, oder um Kobaltoxyd daraus darzustellen; diese Verfahrungsarten müssen aber in diesem Falle etwas abgeändert werden, was ich in einer andern Abhandlung angeben werde.

|315|

Um die Quantität des in der Speise enthaltenen Silberts zu bestimmen, pflegt man es in Sachsen mit 16 Theilen Blei unter der Muffel zu verschlaken: die Operation dauert sehr lange, weil das Blei, welches man erhält, nicht unmittelbar coupellirt werden kann. Wenn die Verschlakung der Speise so weit als möglich vorgeschritten ist, so gibt man starkes Feuer, um zum Fluß zu bringen, und läßt das Metall in einen Gießhukel laufen; die Schlaken sind dunkelbouteillengrün, beinahe schwarz; man kann sie leicht von dem Bleikönig trennen; leztern verschlakt man neuerdings wie die Speise 5 bisweilen nimmt man sogar eine dritte Verschlakung mit dem Blei vor, welches man durch die zweite Operation erhält.

Wenn man Glätte anstatt des Bleies zum Verschlaken anwendet, so kann der Versuch viel schneller ausgeführt werden, um so mehr, da man ihn in einem Tiegel im Calcinirofen anstellen kann; das Blei ist jedoch niemals rein genug, um es unmittelbar coupelliren zu können, selbst nicht, wenn man 20 Theile Glätte anwendet. Nach verschiedenen Versuchen habe ich gefunden, daß das beste Verfahren, die Speise auf Silber zu probiren, darin besteht, sie in einem Tiegel mit 10 Theilen Glätte und 2 Theilen Salpeter zu erhizen: sie oxydirt sich gänzlich ohne Verbrennung oder Aufblähen, auf Kosten des Salpeters; wenn man nun zulezt ein etwas starkes Feuer gibt, so wird die Schlake, obgleich sie viel schwerflüßiger ist, als die reine Glätte, bald flüßig; man wirst alsdann in die flüßige Masse 1 bis 2 Theile armes Blei, erhizt neuerdings einige Augenblike und läßt dann erkalten; wenn man den Tiegel zerschlägt, so findet man am Boden einen Bleikönig, der alles Silber der Speise enthält und sich ohne Schwierigkeit abtreiben läßt.

|318|

Die höchsten Schwefelungsstufen der Alkalien sind, wenn sie bei erhöhter Temperatur wirken können, sehr kräftige Schwefelungsmittel. Ich habe mich derselben mit Erfolg zur Darstellung der Schwefelmetalle bedient, welche das Wolfram, Chrom und Uran bilden, oft auch derjenigen des Titans und Ceriums. Ich werde das Detail dieser Verfahrungsart bekannt machen.

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